Fort vom Orden, dafür Mord zum Morgen
Mord in der Pension MöwennestTaffe, einfühlsame Protagonistin, die in die Welt am Möwennest gekonnt einführt.
Willkommen in der Pension!
Frisch aus dem Orden ausgetreten quartiert sich Nora in der Pension Möwennest ein. Ihre frisch ...
Taffe, einfühlsame Protagonistin, die in die Welt am Möwennest gekonnt einführt.
Willkommen in der Pension!
Frisch aus dem Orden ausgetreten quartiert sich Nora in der Pension Möwennest ein. Ihre frisch gewonnene Freiheit beginnt sie nicht grundlos hier zu genießen. Sie sucht ihre gute Freundin Frieda, die vor ihr den Orden verließ, und nun unauffindbar scheint.
So lernt sie sich im doch etwas speziellem Haus einzuleben und die Bewohner mit der Zeit besser kennen.
Jeder bringt eine andere Nuance in die Runde und auch ausnahmslos jeder scheint das ein oder andere Geheimnis zu wahren.
Schneller als sie sich versieht, ist einer der Bewohner Tod.
Aber ob es wirklich Selbstmord war, wie der Ridescout annimmt?
Nora beginnt sich zu erkundigen...
Man startet mit einer Szene, die erst einmal nicht weiter greifbar scheint. Unheimlich und mit einer bösen Vorahnung landet man so bereits in der Geschichte.
Danach erhält Nora das Wort.
Sie ist und bleibt die einzige Erzählende.
Mit ihrer weltoffenen, neugierigen, empathischen und doch recht selbstsicheren Art entlockt sie jedoch jeder Figur auf ihre Weise die wichtigen Details.
Nach und nach schließt man so etliche der Figuren ins Herz, besonders die Bewohner der Pension sind doch oftmals vielschichtiger als man am Anfang vermuten würde.
Nora betritt im reiferen Alter nochmal ganz neue Gefilde, war sie doch vorher 30 Jahre im Orden als Krankenschwester tätig.
Dieses Wissen ist immer wieder von großem Wert.
Manche würden sie vielleicht als wankelmütig wahrnehmen. Ich für meinen Teil lese von einer Frau, die sich selbst immer besser kennenlernt.
Es ist sicherlich eine große Umstellung, keine klaren Vorgaben mehr zu haben, schließlich hat sie sich bereits mit 18 dem Orden angeschlossen.
So entdeckt man in gewisser Weise zusammen mit ihr diese neue Welt.
Das ganze Buch spielt in den 50ern, bringt so seinen ganz eigenen, sehr authentischen Charme mit.
Auch die Figuren sind teilweise recht skurril.
Manches ist vielleicht etwas vorhersehbar, meiner Meinung nach jedoch längst nicht alles.
Mir gefällt sehr, dass man neben der Ermittlung auch viel vom Ort und seinen Figuren mitbekommt. So ist es kein klassischer Krimi, dessen Hauptfokus auf der Recherche liegt.
Vielmehr ist es eher Noras Naturell, das sie dazu antreibt, Dinge zu hinterfragen und die feineren Nuancen zu erkennen.
Auch wenn so einiges schief läuft, kann man sich zuletzt auch durch den angenehmen, ruhigen Schreibstil sehr gut vorstellen, was einen an diesem Ort verweilen lässt.
Und die Umschreibungen! :)
Die Autorin beweist in diesem Buch ihren ganz eigenen, bildhaften, humorvollen Schreibstil. Dieser spiegelt sich auch in der Geschichte wieder. Manches sollte man nicht allzu ernst nehmen und andererseits schafft sie es nichtsdestotrotz, auch die ernsteren Töne zu treffen.
Alles in allem hatte ich so sehr angenehme Lesestunden. So manches Geheimnis bleibt ungelöst und bietet so genügend Potential für weitere Geschichten.
Dieser Auftakt hier führt den Leser gekonnt in Noras neue Welt ein und stellt alle relevanten Figuren und Schauplätze vor.
So verbleibe ich mit 5 / 5 Sternen und warte auf die nächste Geschichte vom Möwennest. Oder ob es inzwischen ein Taubenschlag ist?