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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.11.2021

Wo ist meine Stulle?

Sauerteig. Gutes Brot backen
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Ich bin ja der Meinung, dass ein richtig gutes Brot nicht mehr braucht als Butter oder eine vegane Alternative. Frisch gebackenes Brot ohne Zusätze ist einfach eine Offenbarung und die Krönung ist – natürlich: ...

Ich bin ja der Meinung, dass ein richtig gutes Brot nicht mehr braucht als Butter oder eine vegane Alternative. Frisch gebackenes Brot ohne Zusätze ist einfach eine Offenbarung und die Krönung ist – natürlich: ein Sauerteigbrot!
Und hier in diesem Buch mit dem einfachen, aber treffenden Titel ‚Sauerteig – Gutes Brot backen‘ geht es genau darum :Sauerteig. Nicht viel Schnickschnack, nicht erschlagend mit zu viel links und rechts.
Und wenn man so will, das Auge isst ja immer mit, ich fand dieses Buch gehalten im minimalistischen clean chic zum Anbeißen. Keine Sorge, mein Brot war dann doch verführerischer. Wirklich tolle atmosphärischen Bilder und das bei einem Brotbackbuch!
Hier lernt man das Grundprinzip von der Pike auf, wie setzt man einen Sauerteig an, was brauch ich, welche Zutaten in welcher Qualität sollte ich nutzen (hierzu fand ich die Mehlproduzentenliste hinten um Buch hilfreich). Einfach, mit überzeugender Qualität und Zeit, dass braucht man zum guten Sauerteigbrot backen. Auch die Tipps beim Nicht-Gelingen - die Pannenhilfe – habe ich zu Rate ziehen können und siehe da, wieder was gelernt!
Natürlich sind noch mehrere Rezepte drin und was ich ganz charmant fand, auch Rezepte mit nicht alltäglichen Getreidesorten, wie Emmer, Einkorn oder Kamut. Unser Favorit ist das Brot mit dem gerösteten Hafer….einfach lecker!
Die beiden Autoren, Casper André Lugg und Martin Ivar Hveem Fjeld, sind zwei engagierte Bio-Bäcker aus Norwegen, die sich dem traditionellen Brothandwerk verschrieben haben.
So, nun muss ich aber mal nach unserem Anstellgut schauen, bei uns heißt er Berthold und ist mittlerweile voll ins Familienleben integriert!

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Veröffentlicht am 09.11.2021

Eine emotional stark hoffnungsvolle Geschichte

Die Sonnenwächterin
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Dieses Jahr ist alles anders, denn wer im vergangenen Jahr ‚Die Schneeschwestern – Eine Weihnachtsgeschichte‘ von Maja Lund noch nicht entdeckt hat, sollte dies schleunigst tun! Danach muss man nun gar ...

Dieses Jahr ist alles anders, denn wer im vergangenen Jahr ‚Die Schneeschwestern – Eine Weihnachtsgeschichte‘ von Maja Lund noch nicht entdeckt hat, sollte dies schleunigst tun! Danach muss man nun gar nicht mehr traurig sein, weil bereits ‚Die Sonnenwächterin - Eine Frühlingsgeschichte‘ wartet!
Im Mittelpunkt steht Lilja, ein Mädchen, dass in einer dunklen, kalten Welt lebt mit ihrem Großvater. Kein Sonnenstrahl erhellt ihr Leben und dann entdeckt dieses furchtlose Mädchen einen Pfad, den Kinder nicht betreten dürfen. Was wird sie wohl entdecken?
Wieder ein großartig stimmungsvolles Buch mit unendlich schönen Zeichnungen mit äußerst viel Liebe zum Detail. Illustriert ist das Ganze von Lisa Aisato. In diesem Buch verschmelzen Text und Illustrationen miteinander, beides bildet eine Melange die zu einem ganz tollen sinnlichen Erlebnis führt.
Das quadratische Format, könnte zu der Annahme führen, dass es sich um ein Kinderbilderbuch handelt. Der Verlag hält sich bedeckt dieses Werk in irgendeine Schublade zu stecken und ich finde das gut so! Denn dieses Buch ist eine alterslose Lektüre und wenn, dann sogar eher nach unten zu begrenzen. Es kann ab dem Grundschulalter erfassen werden, ist aber definitiv eher an ältere Kinder und Erwachsene gerichtet. Aus meiner Sicht haben hier jedermann/frau Freude dran. Sicherlich kann man mit dem Buch auch mal einem muffeligen Teenager beglücken oder die Großmutter.
Und warum glaube ich nun, dass dieses Buch so viele anspricht? Das Buch ist eine märchenhafte Erzählung und birgt auf sehr emotionale Art eine Hoffnung, die wir alle im Leben gut brauchen können. Zu Beginn eher düster und kalt, aber wer Mut beweist wird mit Chancen und Entdeckungen beglückt. Hier sogar wörtlich: Nach jeder dunklen Nacht bringt die Morgendämmerung durch und ein neuer Tag erwacht. Je jünger die Leserschaft desto wörtlicher wird hier die Geschichte gelesen und verstanden. Je älter man ist, desto mehr interpretationsspielraum entdeckt man. Jede:r Leser:in nimmt den Text & die Illustrationen anders wahr und das macht es so bereichernd.

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Veröffentlicht am 02.11.2021

Wie die Côte d'Azur zum Sehnsuchtsort wurde anhand des Mythos des Hotel Provencal

Hôtel Provençal
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Die Sonne auf der Haut und ein Drink in der Hand mit Blick auf die Yachten vor dem Strand im türkisblauen Meer. Sehen und gesehen werden – die Reichen und Schönen aalen sich gerne in den Sommermonaten ...

Die Sonne auf der Haut und ein Drink in der Hand mit Blick auf die Yachten vor dem Strand im türkisblauen Meer. Sehen und gesehen werden – die Reichen und Schönen aalen sich gerne in den Sommermonaten an der berühmten südfranzösischen Küste. Das verbinden wir heute mit der Côte d'Azur.
Lutz Hachmeister ist Filmemacher und Sachbuchautor. Er hat nun den Stoff des Hotel Provencal, dass er einst um die Jahrtausendwende für das ZDF als Dokumentarfilm in Szene gesetzt hat nun als Buch aufgearbeitet. Beides hat seinen Reiz – Film wie Buch. Lutz Hachmeisters Liebe zur Côte d'Azur merkt man dem Buch an, verliert er sich manches Mal, aber auf sehr charmante Art in seinem präferierten Sujet, wenn er beispielsweise tolle Umschreibungen findet wie "Montparnasse-sur-Mer".
Das Buch umfasst eine Kombination aus historischer Aufarbeitung wie die Côte d'Azur zu dem wurde, was es symbolisiert und zugleich die Geschichte dieses wahnsinnig spannenden Hotels Provencal in Juan-les-Pins. Fast krimiartig konnte ich mich darin versinken lassen. Einst eines DER Grand Hotels der Welt was die Menschen anzog und nun seit 44 Jahren eine verlassene Ruine ist! Es wurde bereits 1927 mit 280 Zimmern eröffnet und viele Berühmtheiten seiner Zeit residierten dort! Das Buch enthält auch einige Fotos um den Text zu unterstreichen.
Wirklich lesenswert für Fans der südfranzösischen Küste. Na dann: amusez-vous à lire!

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Veröffentlicht am 27.10.2021

Abgefahrene Lektüre

Das neue Herz
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Die Skandinavier:innen sind ja bekannt dafür gerne mal Neues auszuprobieren und landen oft einen Nerv. Lina Wolff macht genau das aus meiner Sicht, denn dieser ganze Roman ist wie ein Ritt. Als ob wir ...

Die Skandinavier:innen sind ja bekannt dafür gerne mal Neues auszuprobieren und landen oft einen Nerv. Lina Wolff macht genau das aus meiner Sicht, denn dieser ganze Roman ist wie ein Ritt. Als ob wir reiten lernen und bis zum Galopp alles an einem Tag durchziehen – es wird immer schneller. Nach der Lektüre klappen wir das Buch zu und sind geplättet!
Wir begeben uns mit einer blockierten Schriftstellerin nach Madrid, die Reißaus nimmt um wieder schreiben zu können. Sie nimmt einen Job an in dem sie einen Dementen pflegt. Auch trifft sie auf einen Mann, der ihr eine Geschichte liefern will, wenn sie ihn aufnimmt für ein paar Tage. Und hier nimmt die Geschichte Anlauf auf den Abgrund. Denn die Story, die er zu erzählen hat, ist inklusiver alter Nonne schon grenzwertig und es geht danach noch turbulenter weiter.
Abstrus geht es rund. Klar, Lina Wolff schöpft ihre Möglichkeiten aus und gibt den Frauen alle Macht in die Hand und spinnt ihre Fäden. Hier darf man aus meiner Sicht nicht vergessen, dass es ein Roman ist: Fiktion die überzeichnet. Fiktion, die auslebt was das Leben vielleicht nicht zu bieten hat. Fiktion, die andere Welten aufmacht.
Daher ist auch der Titel „Das neue Herz“ hier gut getroffen á la neue Runde neues Glück. Es gibt aufeinander folgende Veränderungen, die wie Spiralen immer enger werden. Aus meiner Sicht gutgeschrieben und abgefahren spannend. Aber in der Tat kein leichter Stoff und nicht was für die breite Mitte. Fände ich auch schade, wenn es nur noch weichgespülte Literatur gäbe.
Wer immer noch nicht weiß ob es was sein könnte: Es sind knappe 270 Seiten, die lesen sich schnell weg, kein dicker Schinken. Also, auf in ein Abenteuer der besonderen Art!

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Veröffentlicht am 26.10.2021

Eine Liebe im Wandel der Zeitenwende

Kairos
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Katharina und Hans sind ein Paar. Hans ist Schriftsteller im Kreis seinesgleichen und weit über 50. Er trifft auf die weitaus jüngere Katharina, die erst 19 Jahre alt ist als sie sich 1986 verlieben. Er ...

Katharina und Hans sind ein Paar. Hans ist Schriftsteller im Kreis seinesgleichen und weit über 50. Er trifft auf die weitaus jüngere Katharina, die erst 19 Jahre alt ist als sie sich 1986 verlieben. Er genießt die Privilegien dieser Zeit in intellektuellen Kreisen und das macht sie sich zu Nutze um sich Wissen zu erschließen – sie genießt das intellektuelle Kapital das zu damaliger Zeit rar war. Denn es ist die Zeit der DDR, aber der Bruch naht, denn es ist bereits das Ende der DDR eingeläutet. Wir erleben mit ihrer Beziehung das Ende der DDR mit. Nicht nur politisch geht die DDR den Bach runter, auch ihre private Zweisamkeit wird aus den Angeln gehoben. Es steht zwar die Paarbeziehung im Vordergrund der Geschichte, aber auch das zeitgeschichtliche Portrait der Wendezeit aus DDR-Perspektive ist bereichernd geschrieben.
Dieser Roman von Jenny Erpenbeck mit dem sinnbildlichen Titel ‚Kairos‘ ist zum einen ein gelungenes historisches Werk mit Blick auf die Zeit der Wiedervereinigung und illustriert gekonnt die Beziehung der beiden vor dieser Kulisse. Kairos, der günstige Zeitpunkt, den man nicht verpassen sollte. Ich interpretiere es im Sinne der weiblichen Protagonistin, die den Augenblick genutzt hat und sich mit Hans zu liieren um für sich eine vorteilhafte Situation zu schaffen, die mit veränderten Verhältnissen wieder kippt.
(Ost)Berlin ist in diesem Buch großartig in Szene gesetzt. Es erschließt sich mir wie eine neue Welt, die ich nie kennengelernt habe, bin ich doch im anderen Teil der Stadt groß geworden.
Mir hat der Roman gut gefallen, es lass sich stringent und gut. Ob und wieweit hier die DDR und ihr Ende in seiner Dramaturgie richtig dargestellt wurde, maße ich mir kein Urteil an, denn ich habe zwar die Wende erlebt, aber aus westlicher Sicht und als Kind.
Fazit: Nicht von der Alter Mann-Junge Frau-Beziehung irritieren lassen, dieser Roman kann so viel mehr!

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