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Veröffentlicht am 03.05.2022

Origineller Regionalkrimi aus Sardinien

Süße Versuchung
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Mit "Süße Versuchung" liegt nach "Die Theologie des Wildschweins" nun der zweite Sardinien-Krimi aus der Feder von Gesuino Némus vor, wobei der Autor seinem eigenwilligen Stil und Hang zu skurrilen Figuren ...

Mit "Süße Versuchung" liegt nach "Die Theologie des Wildschweins" nun der zweite Sardinien-Krimi aus der Feder von Gesuino Némus vor, wobei der Autor seinem eigenwilligen Stil und Hang zu skurrilen Figuren treu bleibt.

Das kleine sardischen Bergdorf Telèvras liegt so fernab aller Touristenzentren, dass das Leben hier seinen traditionell beschaulichen Gang erhalten hat, so dass der Besuch von Raniguonere Farunkas, einem neuen Funktionär des Tourismusverbandes, zunächst eine willkommene Abwechslung darstellt. Er stellt den Bürgern Arbeitsplätze, wirtschaftlichen Aufschwung und Wohlstand in Aussicht, sofern sie dem Bau eines Hochsicherheitsgefängnisses auf dem Gebiet ihrer Gemeinde zustimmen. Ein Vorschlag, der zu hitzigen Diskussionen führt. Und dann entdeckt noch am nächsten Tag ein Busfahrer ein Autowrack am Fuß der Berge aufgefunden, dass anscheinend bei Regen und Sturm auf einer serpentinenreichen Straße mit überhöhter Geschwindigkeit verunglückt ist. Der Unfall ruft Commissario Marzio Boccinu und seine Kollegen auf den Plan, die vor einem Rätsel stehen, denn die Fahrerin ist eine aus Paris stammende Französin. Was wollte die Frau in Telévras? Einige Tage begeht der Busfahrers anscheinend Selbstmord, wobei Boccinu Zweifel an dieser offiziellen Version hat. Wusste der Mann mehr als er zugab? Aber als er weiter ermittel wird er vom Staatsanwalt höchstpersönlich für 3 Monate suspendiert, was ihn jedoch nicht daran hindert, auf eigene Faust vor Ort weiter zu forschen, wobei er immer tiefer in das Dorfleben eintaucht.

Trotz der literarischen Rückkehr nach Telévras geht Gesuino Némus seinen Sardinien-Krimis anscheinend andere Wege als die meisten Autoren, die eine Romanreihe mit einem festen Stammpersonal an Figuren ausstatten. Wer erwartet hatte hier erneut auf den Carabiniere Maresciallo De Stefani, den Helden des ersten Bandes, zu treffen wird enttäuscht. Mit Commissario Marzio Boccinu stellt Némus einen neuen Ermittler ins Zentrum des Geschehens. Dabei ist der Roman genauso originell und voller Lokalkolorit wie sein Vorgänger und lässt den Leser erneut in ein für uns weitgehend unbekanntes, von Tradition geprägtes Sardinien eintauchen. Detailliert und voller Humor, aber auch melancholisch stattet Némus das winzige Bergdorf mit skurrilen Bewohnern aus und setzt dieser eigentümlichen Welt in einem ihm eigenen Erzählstil erneut ein Denkmal. Denn diese Sarden sind die eigentlichen Protagonisten der Geschichte.

Die für deutsche Leser vielen fremdartigen Namen, die öfters nicht übersetzten Redewendungen in sardischer Sprache und die Perspektivwechsel können den Einstieg in das Buch erschweren, doch die reiche Atmosphäre zieht einen rasch in ihren Bann. Nach und nach erschließt sich einem das Geschehen um die beiden Morde, auch wenn die Krimihandlung etwas in den Hintergrund tritt, wenn die Hauptfigur Marzio immer tiefer in das Leben der Dorflgemeinschaft vordringt. Fast schon poetische Landschaftsbeschreibungen wecken das Bedürfnis nach einem Sardinienurlaub. Die Auflösung des Falls ist am Ende logisch nachvollziehbar, wenn auch überraschend, was bei einem Kriminalroman nichts Schlechtes bedeutet.

Insgesamt ist "Süße Versuchung" ein gelungener Regionalkrimi und eine lesenswerte Fortsetzung der Reihe, in deren Mittelpunkt das Bergdorf Telévras und nicht einzelne Ermittler zu stehen scheinen. Klare Leseempfehlung!

Meinen Dank an den Eisele Verlag und NetGalley für die Überlassung des Rezensionsexemplars

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Veröffentlicht am 25.04.2022

Solider Regionalkrimi aus der hessischen Provinzmetropole

Mörderisches Phantom
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Mit "Mörderisches Phantom" legt Falk-Ingo Klee den dritten Regionalkrimi um den Bestattungsunternehmer, ehemaligen Medizinstudenten und Ex-Privatdetektiv Frank Wilhelm vor.

Worum es geht

In Gießen beginnt ...

Mit "Mörderisches Phantom" legt Falk-Ingo Klee den dritten Regionalkrimi um den Bestattungsunternehmer, ehemaligen Medizinstudenten und Ex-Privatdetektiv Frank Wilhelm vor.

Worum es geht

In Gießen beginnt eine Mordserie: In einem Hotel bekommt Frank Wilhelm zufällig etwas von einem brutalen Überfall auf eine russische Prostituierte mit. Als kurze Zeit später die Leiche einer jungen osteuropäischen Frau aus der Lahn geborgen wird, die auf grausame Art und Weise getötet wurde, und wenig später ein weiteres Mordopfer auftaucht, scheint klar zu sein, dass hier ein Serienkiller am Werk ist. Während die Polizei unter Druck nach dem mysteriösen Täter fahndet, um weiteren Verbrechen zuvorzukommen, beginnt auch der Untertaker sich für diesen Fall zu interessieren und ermittelt einmal mehr aus eigenem Antrieb. Welche Motive treiben den Killer an? Doch die Suche nach dem Mörder gestaltet sich komplizierter als gedacht und ist nicht ungefährlich. Denn das mörderische Phantom ist skrupellos.

Kritik

Wenn der Held eines Kriminalromans nicht gerade der ermittelnde Polizist oder ein Privatdetektiv mit einem entsprechenden Auftrag ist, bedarf es immer eines gewissen Kunstgriffs, um zu erklären, warum ein Amateur in einem Verbrechen tätig wird. Dies ist aus meiner Sicht hier nicht so plausibel geglückt wie in den ersten beiden Bänden.

Trotzdem ist der dritte Teil der Undertaker-Reihe ein gelungener Regionalkrimi mit reichlich Lokalkolorit aus der mittelhessischen Wahlheimat des Autors, und Frank Wilhelm ist als Sohn eines Pathologen, abgebrochener Medizinstudent, Ex-Privatdetektiv und jetziger Bestatter immer noch ein origineller Ermittler. Die Handlung ist wie zuvor nicht ganz aktuell sondern spielt zur Entstehungszeit des Romans. Die Geschichte liest sich flüssig, verfügt über Tempo, Spannung und Humor und hat somit alles, was man von einem vergnüglichen Leseabenteuer erwartet. Die Länge von 250 Seiten habe ich als angenehm empfunden. Hier werden keine Nebenhandlungen ausgewalzt sondern der Autor kommt auf den Punkt.

Fazit

Auch der dritte Gießen-Krimi von Falk-Ingo Klee überzeugt. Ich würde mir eine Fortsetzung wünschen.

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Veröffentlicht am 21.04.2022

Queeres Wikingerabenteur meets progressive Fantasy

Schildmaid
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Den Roman "Schildmaid: Das Lied der Skaldin" von Judith & Christian Vogt kann man wohl am besten in das Genre Historical Fantasy einordnen, denn er kombiniert Bestandteile eines zur Wikingerzeit spielenden ...

Den Roman "Schildmaid: Das Lied der Skaldin" von Judith & Christian Vogt kann man wohl am besten in das Genre Historical Fantasy einordnen, denn er kombiniert Bestandteile eines zur Wikingerzeit spielenden historischen Romans mit phantastischen Elementen. Heraus kommt eine Art moderne nordische Saga.

Worum es geht

Seit sieben Jahren ist die Einzelgängerin Eyvor in einem entlegenen norwegischen Fjord damit beschäftigt, im Auftrag der Meeresgöttin Rán ein Drachenboot zu erschaffen, das eigentlich nie in See stechen sollte. Die Weberin und Witwe eines Langboot-Bauers wäre mit dieser Aufgabe allein überfordert, wenn sich mit der Zeit nicht immer mehr Außenseiterinnen um sie scharen würden, die sie unterstützen. Niemand traut den Frauen zu, ihr Ziel zu erreichen, denn schließlich verlangt die Tradition, dass sie mit ihren Kindern an Heim und Herd gehören. Zur Gruppe gehören die Skaldin Tinna, die auf Runenmagie angewiesen ist, um anderen als Frau zu erscheinen, die hitzköpfige Skade, die häuslicher Gewalt entflohen ist, und die junge Seherin Herdis, das Krähenkind, die ihren eigenen Tod im Kampf gegen ihren Zwillingsbruder vorhergesagt hat. Weil Herdis von Beserkern gejagt wird, steigt Eyvor unversehens zur Kapitänin des "Skjaldmaer" (Schildmaid) getauften Boots auf, als die Frauen vor den gefährlichen Verfolgern aufs Meer flüchten müssen. Anfangs können sie nur die Küste entlang segeln, doch als in Dänemark die friesische Sklavin Dineke zu ihnen stößt, die sich mit Navigation auskennt, können sie auch auf das offene Meer hinaus. In der Nordsee landen sie schließlich auf dem Meeresboden in einem versunkenen Reich, wo sie den göttlichen Auftrag erhalten, ins Land der Eisriesen zu reisen, um dort den Frostriesen Jökull zu erschlagen. Denn nur so kann Ragnarök, der Untergang der Welt, verhindert werden.

Kritik

Bei Fantasy mit nordischen Versatzstücken fällt mir sofort die in der Welt des Rollenspiels "Das schwarze Auge" spielende, zwölfbändige "Phileasson-Saga" von Berhard Hennen und Robert Corvus ein. Aber mit diesem Epos hat "Schildmaid" eher wenig zu tun. Zum einen spielt der Roman nicht in einer erfundenen Welt sondern eher in einer vergangenen, wenn auch mystischen alternativen Realität und zum anderen stehen Themen wie Emanzipation sowie sexuelle und Gender-Identität neben einem spannenden Abenteuer im Zentrum. Das Buch ist mehr als nur ein ein klassisches Wikingerabenteuer mit weiblicher Besetzung. Man merkt an der detaillierten Beschreibung dieser patriarchisch geprägten Gesellschaft, in der Sklaverei, Menschenopfer und Gewalt, unter der vor allem Frauen und Kinder zu leiden haben, zum Alltag gehören, dass die Autoren ihre historischen Fakten sauber recherchiert haben. Gleichzeitig ziehen sie Parallelen zu heute noch bestehenden Ungleichbehandlungen und Ungerechtigkeiten.

Die Handlung ist, abgesehen von kleineren Längen, spannend und abwechslungsreich, die einzelnen Charaktere vielschichtig. Jede Figur verfügt über Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motivationen. Dabei werden auch die Antagonisten nicht ausschließlich böse gezeichnet. Das World-Building ist gelungen und führt den Leser durch einen Großteil Skandinaviens, vom heutigen Norwegen über Dänemark bis zu den Faröern, aber auch nach England. Hinzu kommen Elemente aus der nordischen Mythologie, die hier natürlich Bestandteil der erzählten Realität sind. Der Stil ist flüssig und packend, teils humorvoll, auch wenn man sich anfangs an die vielen Namen und teils authentischen Schreibweisen gewöhnen muss.

Vielleicht hätte man den Roman an ein paar Stellen etwas raffen können, indem man auf die eine oder andere Figur, respektive Nebenhandlung verzichtet hätte. Auch hat das Ende mich nicht 100%ig überzeugt, ansonsten hätte es fünf Sterne gegeben.

Fazit

Insgesamt bleibt ein überaus empfehlenswertes Buch.

Mein Dank geht an NetGalley und den Piper-Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 25.11.2021

Der Undertaker ermittelt wieder

Mörderische Geschäfte
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War der Auftaktband "Mörderische Kunst" noch eine überarbeitete Wiederveröffentlichung des bereits 2009 im Wartberg-Verlag erschienenen Romans "One-way Ticket", so ist "Mörderische Geschäfte" von Falk-Ingo ...

War der Auftaktband "Mörderische Kunst" noch eine überarbeitete Wiederveröffentlichung des bereits 2009 im Wartberg-Verlag erschienenen Romans "One-way Ticket", so ist "Mörderische Geschäfte" von Falk-Ingo Klee, der zweite Krimi um den Gießener Bestatter Frank Wilhelm, genannt der Undertaker, eine echte Erstveröffentlichung. Nachdem die geplante Regionalkrimi-Reihe damals nicht realisiert wurde, hat der Verlag Peter Hopf die Aufgabe übernommen, auch die bereits fertiggestellten Fortsetzungen zu veröffentlichen.

Worum es geht

Als eine junge türkische Asylbewerberin und Mutter von zwei kleinen Kindern von einem baufälligen Behördenhochhaus in den Tod stürzt, hat nur der mit der Beisetzung beauftragte Bestatter Frank Wilhem − Sohn eines Pathologen und Ex-Privatdetektiv mit abgebrochenem Medizinstudium − Zweifel an einem Selbstmord. Da es keinerlei Zeichen von äußerer Gewalteinwirkung gibt, haben die Gerichtsmediziner und die Polizei die Ermittlungen eingestellt. Die offizielle Version geht von einer Kurzschlusshandlung aus. Aber der "Undertaker" ist davon überzeugt, dass hier ein Verbrechen vorliegt und beginnt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Doch es ist weder einfach noch ungefährlich, an Hintergrundinformationen zu gelangen. Denn die Täter schrecken nicht vor Gewalt zurück, um mit ihren dunklen Geschäften unentdeckt zu bleiben. Nach und nach kommt Frank Wilhelm einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur.

Kritik

Das mittelhessische Gießen ist vielleicht nicht der naheliegenste Schauplatz für einen Kriminalroman. Die Universitätsstadt ist weniger glamourös als Frankfurt und steht nicht gerade in dem Ruf besonders idyllisch zu sein. Umso erfreulicher, dass Autor Falk-Ingo Klee dem Leser seine Heimatstadt hier mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit, Humor und Spannung näher bringt. Die Geschichte ist mit viel Tempo, Action und ohne Umschweife erzählt, die Figur des Undertakers sympathisch und originell. Ein lesenswerter Regionalkrimi und eine gelungene Fortsetzung.

Fazit

Mit 230 Seiten ist auch "Mörderische Geschäfte" wieder ideal für ein kurzes Leseabenteuer, das man an ein paar Abenden oder einem trüben Adventwochenende genießen kann.

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Veröffentlicht am 07.10.2021

Auftritt: der Undertaker

Mörderische Kunst
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"Mörderische Kunst" ist der erste, in Gießen spielende Regionalkrimi um den sogenannten Undertaker aus der Feder des vor allem durch seine Science-Fiction-Romane bekannten Autors Falk-Ingo Klee.

Worum ...

"Mörderische Kunst" ist der erste, in Gießen spielende Regionalkrimi um den sogenannten Undertaker aus der Feder des vor allem durch seine Science-Fiction-Romane bekannten Autors Falk-Ingo Klee.

Worum es geht
Bestatter Frank Wilhelm alias der Undertaker gerät plötzlich ins Visier der Mordkommission, als im Gießener Beerdigungsinstitut, dessen Juniorchef er ist, eine unbekannte asiatische Leiche entdeckt wird, die offensichtlich einem brutalen Mord zum Opfer gefallen ist und in einem Sarg liegt, der eigentlich für den Transport ins Krematorium vorgesehen ist. Als ehemaliger Privatdetektiv denkt Wilhelm gar nicht daran, die polizeilichen Ermittlungen gegen sich, seinen Schwiegervater, dem das Bestattungsunternehmen gehört, und seine Mitarbeiter so einfach hinzunehmen, sondern entschließt sich, eigene Nachforschungen in dem Fall anzustellen. Doch das gestaltet sich schwieriger als erwartet. Denn der Versuch, sich von den Verdächtigungen rein zu waschen, erweist sich bald schon als gefährlich, denn die Mörder schrecken nicht vor weiterer Gewalt zurück.

Kritik
Mit einigem Lokalkolorit aus seiner Wahlheimat Gießen erzählt Falk-Ingo Klee hier eine originelle Kriminalgeschichte, wobei die Handlung vor etwas mehr als 20 Jahren spielt, was darauf zurückzuführen ist, dass es sich bei den drei nun im Verlag Peter Hopf veröffentlichten Undertaker-Bänden um Wiederveröffentlichungen handelt. Seine Figur Frank Wilhelm hebt sich als Sohn eines Pathologen, abgebrochener Medizinstudent, Ex-Privatdetektiv und jetziger Bestatter angenehm von den üblichen Ermittlern ab. Ausgestattet mit einer temporeichen Handlung, Witz und Spannung hat der Roman alles, was einen Regionalkrimi zu einem echten Lesevergnügen macht.

Fazit
Mit einer Länge von gerade einmal 234 Seiten ist "Mörderische Kunst" ideal für ein verregnetes Herbstwochenende.

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