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Veröffentlicht am 20.04.2026

Trent Dalton hat mich wieder überzeugen können

Lola im Spiegel
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Seit es denken kann, ist das Mädchen mit seiner Mutter auf der Flucht, es kennt seinen Namen nicht, denn Namen sind gefährlich und könnten auf ihre Spur führen. Seit einigen Jahren leben sie in einem Autowrack ...

Seit es denken kann, ist das Mädchen mit seiner Mutter auf der Flucht, es kennt seinen Namen nicht, denn Namen sind gefährlich und könnten auf ihre Spur führen. Seit einigen Jahren leben sie in einem Autowrack in der Brisbaner Moon Street, zusammen mit anderen Getriebenen, wie das Mädchen sie nennt, alle obdachlos, haben sie hier eine kleine Familie gebildet. Eines Tages passiert ein Unglück, und das Leben des Mädchens stellt sich auf den Kopf.

Vor ein paar Jahren las ich „Der Junge, der das Universum verschlang“, war total begeistert und wollte natürlich mehr von Trent Dalton lesen. Auch in „Lola im Spiegel“ wird aus der Ich-Perspektive erzählt, dieses Mal von einem namenlosen Mädchen, wieder sind die Verhältnisse, in denen die Hauptfigur lebt, schwierig, aber nicht ohne Menschen, denen sie sich anvertrauen kann. Einer davon ist ein junger, ebenfalls obdachloser Alkoholiker, den die Protagonistin als ihren besten Freund ansieht. Aber es gibt auch andere, in der Regel wie sie obdachlos oder besser wohnungslos, denn alle haben ein gewisses Obdach, ein Auto, eine Höhle, auf jeden Fall einen Ort, an den sie sich zurückziehen können. Neben den obdachlosen Nachbar:innen gibt es noch Lola, die das Mädchen hin und wieder in einem alten Spiegel entdeckt, eine junge Frau im roten Kleid, die zu einer Vertrauten wird.

Bei der Gelegenheit kommt der Autor auch auf die sehr große Wohnungsnot in der australischen Stadt Brisbane zu sprechen, Wohnungen sind rar, es gibt sehr viel weniger als benötigt werden. Das ist ziemlich erschreckend. Und in so einer Situation ist es auch nicht einfach, für den eigenen Lebensunterhalt sorgen zu können, zumal, wenn man wie das Mädchen und ihre Mutter namenlos auf der Flucht ist. Und so verzahnen sie sich mit einem anderen Submilieu Brisbanes, dem des Verbrechens. Die Mutter, und später auch die Tochter, arbeiten für ein Frau, die nicht nur einen Meeresfrüchte-, sondern auch einen Drogenhandel betreibt. Hoffen darf man trotzdem, und so hat auch das Mädchen seine Träume, sie ist künstlerisch sehr begabt, zeichnet, was sie erlebt,und wird daher im Roman auch immer wieder die Künstlerin genannt.

Alle Charaktere sind gut ausgearbeitet, einige davon recht skurril, aber die meisten haben auch ihre ganz eigenen Päckchen zu tragen. Wir betrachten sie aus Sicht der Künstlerin, diese hat aber auch als Künstlerin eine gute Beobachtungsgabe.

Erzählt wird der Roman auf besondere Art. jedes Kapitel wird durch eine Zeichnung der Künstlerin eingeleitet, der Titel des Kapites ist sogleich der Titel der Zeichnung. Diese sehr ausdrucksstarken Zeichnungen hat Paul Heppell beigesteuert.

Fängt der Roman zunächst relativ gemächlich an, steigert sich nach und nach die Spannung, die letzten circa 100 Seiten habe ich regelrecht atemlos gelesen. Ich denke, der Roman wird aus mehreren Gründen noch länger in mir nachhallen.

Trent Dalton konnte mich wieder absolut überzeugen, eine spannende Protagonistin, mit der man mitfühlen kann, weitere interessante Charaktere, eine fesselnde Geschichte und ein guter Schuss Gesellschaftskritik ergeben einen sehr lesenswerten Roman, der sicher noch länger nachhallen wird.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Für mich der bisher beste Band der Reihe

Widdersehen
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Schäferin Rebecca kehrt überraschend mit ihrer Herde nach Irland zurück, die Schafe freuen sich auf ihre heimatliche Weide, doch dort ist nicht alles so, wie in ihrer Erinnerung, die Weide ist mittlerweile ...

Schäferin Rebecca kehrt überraschend mit ihrer Herde nach Irland zurück, die Schafe freuen sich auf ihre heimatliche Weide, doch dort ist nicht alles so, wie in ihrer Erinnerung, die Weide ist mittlerweile eingezäunt, und drei fremde Schafe grasen dort. Dann ist auch noch Rebecca verschwunden, und die Schafe müssen wieder einmal für Aufklärung sorgen.

Der dritte Band der Schafkrimi hat mir bisher am besten gefallen, er glänzt mit viel feinem Humor und natürlich mit seinen Schafen, von denen jedes sein eigenen Fähigkeiten hat, und alle zusammen werden benötigt, den Fall zu lösen. Es macht Spaß, zu lesen, was Schafe so alles denken könnten, wie sie uns Menschen sehen, man muss sie einfach mögen, diese Schafherde.

Die Menschen sind dabei nur Nebenfiguren, manchmal ganz hilfreich, manchmal auch störend, immer ein bisschen begriffsstutzig, und hin und wieder auch sehr gefährlich. Zu Beginn des Romans gibt es daher kein Dramatis Personae sondern ein Dramatis Oves, also ein Verzeichnis der handelnden Schafe. Aus Frankreich ist auch die Ziege Madouc mitgekommen, die sich als Schaf auf Probe bewähren muss, und deshalb natürlich hier auch mit aufgelistet ist.

Erzählt wird größtenteils aus Sicht der Schafe. Ist die Geschichte zunächst noch relativ gemütlich zu lesen, wird sie zunehmend spannender, und am Ende wird alles nachvollziehbar gelöst.

Wer die Vorgängerbände nicht kennt, kommt trotzdem gut klar, denn die Geschichte ist eigenständig, und alles, was man vielleicht wissen sollte, wird erwähnt. Es schadet aber natürlich auch nichts, wenn man die vorherigen Bände gelesen hat, zumal der erste Band gerade verfilmt wurde.

Nach dem für mich nur mittelmäßigen Vorgänger fühlte ich mir hier wieder gut unterhalten, auch der Humor kam bei mir gut an, ich hätte den Schafen bei ihren Betrachtungen und Erkenntnissen noch länger folgen können. Auch einer der menschlichen Charaktere, den sich die Schafe nach Rebeccas Verschwinden als neuen Schäfer auserkoren haben, hat mir mit seiner gelassen Art gut gefallen, sollte es einen weiteren Band geben, würde ich mich freuen, ihn dort wiederzutreffen.

Dieser dritte Band der Reihe ist für mich der bisher beste Band. Er punktet mit viel Humor und liebenswerten tierischen Protagonist:innen, ist aber auch spannend zu lesen.

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Wow, hat mich der Roman geflasht!

Don't Let The Forest In
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Andrew freut sich sehr, dass die Ferien endlich zu Ende sind, und er wieder ins Internat kann. Nicht, weil er die Schule und den Unterricht so toll findet, sondern weil er endlich seinen Freund Thomas, ...

Andrew freut sich sehr, dass die Ferien endlich zu Ende sind, und er wieder ins Internat kann. Nicht, weil er die Schule und den Unterricht so toll findet, sondern weil er endlich seinen Freund Thomas, für den er sehr tiefgehende Gefühle hegt, wiedersehen wird. Doch Thomas ist anders als sonst, und Andrew erfährt bald auf brutale Weise, warum das so ist.

Wow, dieser Roman hat mich sehr schnell gepackt, und noch nicht einmal am Ende wieder losgelassen. CG Drews schreibt unglaublich eindringlich, oft sehr poetisch, wenn auch manchmal grausam poetisch, they malt regelrecht mit Worten. Wir erleben die Geschichte ganz aus Sicht Andrews, erfahren seine tiefsten Gefühle und Gedanken, sind bei ihm, wenn er schlimmes erlebt, hoffen mit ihm und für ihn, und fragen uns manchmal, was real ist, und was nicht. Am Ende konnte ich mich nicht gut lösen, musste das Gelesene erst einmal sacken lassen, und denke immer noch darüber nach. Nicht jede meiner Fragen wurde beantwortet, vieles ist interpretierbar, und gerade das finde ich hier sehr passend und spannend.

Neben den schon erwähnten gemalten Worten, gibt es auch mehrere Illustrationen im Buch, die manche der Wesen zeigen, denen Andrew und Thomas begegnen, und die von ihrer eigenen Fantasy erdacht wurden, denn Andrew schreibt düstere Märchen, von denen man auch ein paar zu lesen bekommt, und Thomas malt, besonders gerne die Wesen aus Andrews Märchen, auch von denen erhält man, wie schon erwähnt, Kostproben. So düster wie diese Märchen und Zeichnungen ist auch der Roman und sind ebenfalls Andrews Gedanken.

Neben den beiden spielen weitere Charaktere eine, wenn auch wesentlich kleinere Rolle. Da ist zum Beispiel Dove, Andrews Zwillingsschwester, die sich ebenfalls verändert hat. Oder Lana Lang, ja, ich musste auch an Superman denken, Doves Freundin, die versucht, sich um Andrew zu kümmern, was nicht immer einfach ist. Und dann gibt es noch die Gang, die sich einen Spaß daraus macht, Thomas und vor allem Andrew zu mobben, was wenige Konsequenzen hat, da der Drahtzieher aus einer sehr reichen Familie stammt. Lehrpersonal wird auch erwähnt, nur wenige spielen aber eine Rolle.

Die Geschichte ist sehr düster, darauf muss man sich einlassen. Auch, dass man ständig unsicher ist, was real ist, und was nicht, ist eine Herausforderung. Mich hat der Roman sehr berührt, er ist eindringlich und die Charaktere wecken Emotionen, ich habe ihn nahezu atemlos gelesen. Besonders gelungen ist die poetische Sprache, die das Lesen zum Vergnügen macht, auch wenn die Handlung auf Grund der Düsternis der Ereignisse nicht immer ein Vergnügen ist. Für mich ist der Roman eines meiner Jahreshighlights.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Sehr spannend

Ein dunkles Versteck
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Der vierte Band der Reihe wird aus drei weiblichen Ich-Perspektiven erzählt, die einer Frau, die von einem Stalker bedrängt wird, die einer Frau, die entführt wurde, und die der Protagonistin der Reihe, ...

Der vierte Band der Reihe wird aus drei weiblichen Ich-Perspektiven erzählt, die einer Frau, die von einem Stalker bedrängt wird, die einer Frau, die entführt wurde, und die der Protagonistin der Reihe, Evelyn Holm.

Evelyn Holm hat es auch in diesem Band nicht ganz einfach, sie muss nicht nur den Mord an einer Frau, der vor ihrem Tod schlimmes geschehen ist, aufklären, sie bekommt auch eine neue Kollegin, die auffällig an Evelyns Vergangenheit interessiert ist, und es werden Informationen über die Ermittlung an die Presse weitergegeben, die noch nicht veröffentlicht werden sollten.

Ich habe bisher erst einen Band der Reihe gelesen, den unmittelbaren Vorgänger, also den dritten Band, der mich vor allem immer wieder überraschen konnte, dies zeigt sich auch hier, im Grunde kann man sich auf nichts wirklich verlassen, alles könnte auf den Kopf gestellt werden, und das macht den Roman sehr spannend. Ich habe ständig mitgerätselt und überlegt, wo sich die Wendungen verstecken könnten.

Auch in diesem Band kamen mir die Charaktere nicht wirklich nahe, mit einer Ausnahme, das Entführungsopfer. Die Qualen, die diese Frau durchstehen musste, und ihre Hoffnung, doch noch befreit zu werden, überleben zu können, haben mich berührt. Abgesehen davon hatte ich mehr als einmal ein mehr oder weniger vages Gefühl von Unlogik, manches erklärte sich allerdings im Laufe der Geschichte, und so fand ich die Auflösungen am Ende auch okay, besonders gut gefallen hat mir die unerwartete Abschlusspointe. Für mich bleiben ein, zwei Fragen offen, die aber nur unmittelbar mit den Ermittlungen zu tun haben, und hoffentlich in den nächsten Band mitgenommen werden.

Wer packende Thriller mag, die mit unerwarteten Wendung aufwarten, wer dabei nicht unbedingt Charaktere benötigt, die berühren, der ist bei dieser Thrillerreihe richtig. Ich hatte spannende Lesestunden und bin auf weitere Bände gespannt.

Veröffentlicht am 14.04.2026

Konnte meine Erwartungen nur zum Teil erfüllen, daher 3,5 Sterne

Die Unternehmerin von Amsterdam
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Purmerend, Niederlande, 1892: Nach dem Tod ihres Vaters entdeckt Lydia Oorthuys Unterlagen, die darauf hindeuten, dass dieser eine Käsefabrik gründen wollte. Da Lydia ihr Leben sinnvoller verbringen möchte ...

Purmerend, Niederlande, 1892: Nach dem Tod ihres Vaters entdeckt Lydia Oorthuys Unterlagen, die darauf hindeuten, dass dieser eine Käsefabrik gründen wollte. Da Lydia ihr Leben sinnvoller verbringen möchte als das, was ihrem Stand und ihrem Geschlecht von der Gesellschaft vorgegeben wird, greift sie diese Idee auf. Als Frau kann sie allerdings kein Unternehmen gründen, sie braucht einen Mann an ihrer Seite, zumindest als Gesellschafter, und so spricht sie den Bauern Huib Minnes an, den ihr Vater schon als Betriebsleiter eingeplant hatte. Huib dachte schon immer sehr fortschrittlich und hat auch schon als einer der wenigen eine Milchzentrifuge angeschafft, so dass sie sich einig werden und in Purmerend eine Käsefabrik gründen.

Nach einem Zeitsprung tritt 1913 Lydias Tochter Nora in den Vordergrund, die übereilt eine Heirat eingeht, die Ehe entwickelt sich aber nicht so, wie erwartet. Mit ihrem Mann lebt Nora in Belgien, als 1914 der erste Weltkrieg beginnt.

Der Titel des Romans hatte mich in die Irre geführt, ich erwartete einen ganz anderen Roman, in dem es vor allem darum geht, dass eine Frau Unternehmerin wird, mit den Herausforderung und Problemen, die damit einhergehen, gerade auch zur damaligen Zeit. Tatsächlich war das nur der kleinere Teil der Geschichte. Lydia steht weniger als die Hälfte des Romans im Mittelpunkt, danach wechselt es auf ihre Tochter, die so gar nichts mit der Fabrik am Hut hat. Während mir Lydia sofort sympathisch war, mochte ich Nora mit ihrem Standesdünkel deutlich weniger, was sich zum Glück im Laufe der Geschichte zum Positiveren entwickelt hat.

Der Roman war insgesamt eine echte Herausforderung für mich. Zunächst sehr langatmig, konnte er mich dann, als es mit der Fabrik konkreter wurde, fesseln. Nach dem Zeitsprung hat die Fabrik kaum noch eine Bedeutung für die Geschichte, sie dreht sich vor allem um Nora und ihre Liebesgeschichte, was mich wieder langweilte. Der erste Weltkrieg war für Belgien eine Katastrophe, und Nora muss ihr Leben anpassen, was wieder zu einer interessanteren Wendung führt. So war die Geschichte für mich ein Auf und Ab, mal hatte ich kaum noch Lust weiterzulesen, dann wieder war es interessant und spannend. Gut gefallen haben mir der feministische Aspekt, der sowohl bei Lydia als auch bei Nora eine Rolle spielt, sowie der historische Hintergrund.

Interessant ist auch das Nachwort der Autorin, dem man unter anderem entnehmen kann, wie viele handelnde Charaktere tatsächlich historisch belegt sind, das waren mehr, als ich erwartet hatte, und so wurden Teile des Romans rückwirkend noch ein Stück spannender für mich. Irritiert haben mich im Nachwort Verweise auf das Cover, die das niederländische betrafen und nicht auf das deutsche zutrafen, ich finde, das hätte der Verlag anpassen müssen. Den Originaltitel einfach ins Deutsche zu übersetzen, nämlich Die Käsefabrik, hätte zudem besser gepasst. Im Anhang findet sich auch ein Quellenverzeichnis.

Der Roman konnte mich nicht durchgehend überzeugen, im Gegenteil, er erfüllte meine Erwartungen nur zum Teil. Immer wieder hatte ich wenig Lust weiter zu lesen, um dann wieder gefesselt zu sein. Ein Pluspunkt ist die gute Recherche.