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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2018

Ein Klassiker, den man gelesen haben sollte

Fahrenheit 451
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Guy Montag ist Feuerwehrmann. Allerdings löscht er keine Feuer – da in seiner Welt der Besitz von Büchern verboten ist, ist die Aufgabe der Feuerwehr, das Verbrennen von Büchern geworden. Erst als Guy ...

Guy Montag ist Feuerwehrmann. Allerdings löscht er keine Feuer – da in seiner Welt der Besitz von Büchern verboten ist, ist die Aufgabe der Feuerwehr, das Verbrennen von Büchern geworden. Erst als Guy die 17jährige Clarisse McClellan kennen lernt, stellt er dieses Vorgehen in Frage.

Eine Welt, in der Bücher verboten sind – ein Alptraum für jeden Bücherfreund. Guys Vorgesetzter behauptet, die Menschen seien selbst schuld daran, hätten sich immer mehr anderen Medien zugewandt und immer weniger gelesen. Man könnte den Roman also als Kritiker des Medienkonsums sehen, im Roman ist der größte Wunsch Mildreds, Guys Ehefrau, vier Fernsehwände zu besitzen, also einen Raum, der sie rundum beschallt. Heute gibt es massenhaft Fernsehsender, mit oft sehr fragwürdigen Programmen, jeder besitzt PC und Handy und verbringt viel Freizeit mit beiden – aber es gibt immer noch eine ganze Menge Menschen, die gerne lesen, auch wenn dazu immer öfter ein Reader benutzt wird.

Immerhin hätten die Menschen im Roman auch einfach mit dem Lesen aufhören können, warum hat es das Regime für notwendig gehalten Bücher trotzdem zu verbieten? Mit Büchern wird auch das Denken angeregt, es vermittelt Wissen und lässt den Leser reflektieren. Wer Bücher verbietet, will also freies Denken verhindern. Dass das nicht immer gelingt, sieht man an Clarisse, aber auch an Guy selbst. Für mich ist dieser Roman daher im wesentlichen ein Plädoyer dafür, sich das Denken nicht verbieten zu lassen. Und alleine dafür ist der Roman bereits lesenswert.

Lesenswert wird er aber auch durch seine fast schon poetische Sprache. Es ist ein Genuss, ihn zu lesen, Ray Bradbury hat wunderbare Sätze gebildet, die zusätzlich zeigen, wie schade es wäre, ohne Bücher leben zu müssen. Aber der Autor verließ sich nicht nur auf seine Sprache, er hat auch einen spannenden Roman geschrieben, den man stellenweise fast atemlos liest – auch wenn man vielleicht zunächst ein paar Seiten benötigt, um sich einzulesen.

Für mich ist Fahrenheit 451 ein Klassiker (das Original stammt von 1953), der von jedem einmal gelesen werden sollte, ich empfehle ihn sehr gerne weiter und vergebe volle Punktzahl.

Veröffentlicht am 04.05.2018

Nützlicher Reiseführer

Reise Know-How Reiseführer Juist
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Dieses Jahr hat es mich endlich wieder nach Juist verschlagen und aus diesem Anlass kaufte ich mir einen aktuellen Juist-Führer.

Juist ist klein, man hat es sich schnell selbst erschlossen, nützlich sind ...

Dieses Jahr hat es mich endlich wieder nach Juist verschlagen und aus diesem Anlass kaufte ich mir einen aktuellen Juist-Führer.

Juist ist klein, man hat es sich schnell selbst erschlossen, nützlich sind aber immer „Geheimtipps“ und Hintergrundinformationen z. B. zur Geschichte der Insel. Diese sind in diesem Buch recht nett aufgemacht und bieten auch die eine oder andere Anekdote. Man erfährt einiges über die gefahrvolle Geschichte der Insel, die im Grund nur eine Sandbank ist, über ihre Zeit als Seebad, und über Aktuelles wie der Zugehörigkeit zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Auch über Flora und Fauna sind Informationen enthalten. Der Autor erzählt dem Leser auch etwas über die Sehenswürdigkeiten der Insel.

All das ist recht interessant zu lesen, auch wenn man die Insel schon kennt, kann man womöglich Neues entdecken. Mir und meiner Reisebegleitung bot das Buch zudem den einen oder anderen Gesprächsstoff.

Leider gibt es ein, zwei Dinge, die nicht mehr ganz aktuell sind, deren Änderungen aber offenbar den Redaktionsschluss verfehlt haben, und daher nicht mehr mit einbezogen werden konnten. Dem Nutzen des Reiseführers schadet das aber nur marginal.

Insgesamt kann man diesen Juist-Reiseführer durchaus empfehlen, ich vergebe 4 Sterne.

Veröffentlicht am 30.04.2018

Prima geeignet für den Juist-Urlaub

Tod in den Dünen
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Während man sich auf Juist auf ein Cluedo-Festival vorbereitet, geschehen Morde in Cluedo-Manier. Kriminalschriftsteller Leo Marquardt, der persönlich involviert ist, kann nicht umhin, sich an den Ermittlungen ...

Während man sich auf Juist auf ein Cluedo-Festival vorbereitet, geschehen Morde in Cluedo-Manier. Kriminalschriftsteller Leo Marquardt, der persönlich involviert ist, kann nicht umhin, sich an den Ermittlungen zu beteiligen.

Ich las den Roman während eines Urlaubsaufenthaltes auf Juist, und das ist meiner Meinung nach der passende Ort dafür, es macht Spaß, wenn die Charaktere sich an Orten aufhalten, die man kennt und an denen man selbst schon war, an die man sich sogar direkt begeben kann:

Aber auch darüber hinaus hat mich der Kriminalroman unterhalten, ich mag die Charaktere, allen voran Leo Marquardt und seine Haushälterin, die Baronin Morgana Nobel von Nobelsdorff-Felsenstein-Hochburg, aber auch sonst sind der Autorin echte Charaktertypen gelungen, vielleicht etwas überspitzt gezeichnet, aber gerade deshalb erinnerungswürdig.

Der Fall ist ein typischer Whodunit, bei dem man als Leser gut mitraten kann. Man darf hier keinen raffiniert konstruierten Kriminalfall erwarten, sondern einen Cosy-Crime mit Inselfeeling – für mich eine gute Urlaubslektüre. Mehr will dieser Roman, glaube ich, auch gar nicht sein.

Wer keinen allzu anspruchsvollen und komplexen Roman erwartet, sich einfach nur unterhalten will, womöglich sogar gerade auf Juist verweilt, sollte einen Blick riskieren, von mir gibt es 4 Sterne.

Veröffentlicht am 30.04.2018

Ich habe mich verliebt ...

Die Dämonenkriege
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Vor 3.000 Jahren wurde die Welt von Dämonen zerstört, die Menschen wurden versklavt und Magie wurde für sie nutzbar. Vor 1.000 Jahren gelang es Magiern die Welt neu zu formen und die Dämonen in ihre Welt, ...

Vor 3.000 Jahren wurde die Welt von Dämonen zerstört, die Menschen wurden versklavt und Magie wurde für sie nutzbar. Vor 1.000 Jahren gelang es Magiern die Welt neu zu formen und die Dämonen in ihre Welt, die Gegenwelt, zu verbannen, nur Animalia, Tierdämonen, gelingt es hin und wieder die Barriere zu überwinden.

Jetzt aber trifft der Dämonenjäger Ryk Vangur auf einen Humanos, einen Menschendämon, und auch Ishan con Femen, Prinz von Sharigor, bekommt es mit einem zu tun – eigentlich unmöglich, da die Barriere diese bisher zuverlässig abhielt.

Michael Hamannts Fantasydebüt hat mich von der ersten Seite an gepackt. Die Welt, die er erschaffen hat, ist ihm gut gelungen, man kann sie sich gut vorstellen, sie lässt aber noch genug Raum für weitere Informationen offen, der sicher im Folgeband ausgefüllt wird. Und sicher bin ich nicht die einzige, die darüber spekuliert, wie die Ursprungswelt aussah.

Sehr gut gefallen mir auch die vier Protagonisten, sie sind interessante, tiefgründige Charaktere. Ryk hat viel Erfahrung mit Dämonen und ist einer der wenigen, der alle Magiearten beherrscht. Er ist mir von Anfang an sympathisch gewesen. Ishan ist noch sehr jung und wird plötzlich aus seinem Leben als Kronprinz herauskatapultiert. Er ist oft zu impulsiv und auf Grund seines bisherigen Rangs etwas überheblich – er muss noch viel lernen. Catara Fiers ist eine Keesa, entstammt somit einem Volk, das von einem Dämon verflucht wurde. Das beschert ihr unter anderem eine besondere Fähigkeit, die sie als Assassine gut nutzen kann, und die dem Leser einiges Grauen und Ekel beschert. Catara ist der ambivalenteste Charakter. Noch nicht allzu viel Raum erhält Kela Mal'Dhun, sie ist eine Veydra, wodurch sie etwas Dunkles in sich hat. Außerdem ist sie eine alte Freundin Ryks, der sie um Hilfe bittet.

Nicht nur diese Vier erhalten eine tiefgehende Charakterisierung, sondern auch weitere Charaktere lernt man als Leser gut kennen und entwickelt – nicht immer positive – Gefühle für sie, so dass deren Schicksal bzw. deren Handeln den Leser emotional aufwühlen kann.

Der Autor erzählt sehr anschaulich, bildhaft und atmosphärisch, das Kopfkino bekommt viel zu tun, Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven, vor allem, aber nicht nur, aus Sicht der Protagonisten. So ist man nah am Geschehen und weiß teilweise mehr als die Protagonisten selbst.

Ich bin jemand, der bei Kämpfen schon mal quer liest, weil ich sie oftmals langweilig finde. Hier habe ich sie gerne gelesen, sie sind nicht allzu ausschweifend erzählt und ich kann sie gut nachvollziehen.

Als Leser kann man sich seine Gedanken machen und spekulieren, was hinter diesem und jenem stecken mag, mir hat das sehr gut gefallen und die Spannung noch erhöht. Denn spannend ist das Ganze sehr, man mag den Roman kaum aus der Hand legen und das Warten auf den nächsten Band wird nicht leicht.

Wie viele gute Fantasyromane wartet auch dieser mit Boni auf, es gibt zwei Karten und ein Personenregister, beides sehr nützlich.

Was soll ich sagen, ich habe mich sehr schnell in diesen Roman verliebt, kann es kaum erwarten, den zweiten Band zu lesen und „Die Dämonenkriege“ jedem Genrefan nur wärmstens empfehlen. Von mir gibt es selbstverständlich volle Punktzahl!

Veröffentlicht am 15.04.2018

Gelungener Roman über eine interessante Nebenfigur der Geschichte

Revolution im Herzen
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Helena, genannt Lenchen, Demuth wächst in St. Wendel in ärmlichen Verhältnissen auf und geht nach dem Tod ihres Vaters zum Dienen in die Stadt. Durch einen glücklichen Zufall bekommt sie in Trier eine ...

Helena, genannt Lenchen, Demuth wächst in St. Wendel in ärmlichen Verhältnissen auf und geht nach dem Tod ihres Vaters zum Dienen in die Stadt. Durch einen glücklichen Zufall bekommt sie in Trier eine Stellung bei der Familie von Westphalen, wo sie nicht nur mit Jenny, der Tochter des Hauses, eine freundschaftliche Beziehung aufbaut, sondern auch den jungen Karl Marx kennen lernt, Jennys späteren Ehemann. Während des Brüsseler Aufenthaltes der Marxens, wird Helena zu ihnen geschickt, und verlässt die Familie fortan nicht mehr.

Helena Demuth ist eine historische Person, die eng mit Karl Marx' Familie verbunden und schnell mehr als nur deren Dienstmädchen war. Dass Claudia und Nadja Beinert anlässlich des 200. Geburtstags des berühmten Trierers ein Buch über Lenchen Demuth schrieben, begrüße ich sehr. Karl Marx erhält sicher genug andere Würdigungen, Lenchen aber hat es verdient, dass man sich an sie erinnert. Erst kürzlich traf ich sie in einem anderen Roman (Und Marx stand still in Darwins Garten), der mich neugierig auf diese Frau machte. Schön, dass die Beinert-Schwestern nach Margarethe Luder im letzten Jahr nun einer weiteren historischen Nebenfigur Stimme geben.

Und das ist wörtlich gemeint, denn die Autorinnen lassen Lenchen selbst in ich-Form sprechen, was dem Buch eine ganz besondere Atmosphäre gibt, man betrachtet Karl und Jenny Marx, Friedrich Engels und andere aus ihren Augen. Natürlich spielt Marx' Theorie und sein Werk dennoch eine große Rolle, denn Lenchen interessierte sich sehr dafür und diskutierte auch mit.

Es waren schlimme Zeiten damals, nicht nur für die Fabrikarbeiter, Marx' Proletariat – ich denke, jeder kann hier nachvollziehen, wie Marx zu seinen Theorien kam. Da Karl Marx keine feste Anstellung hatte, lebte auch seine Familie immer wieder in Armut, und Lenchen mit ihnen, sie gehörte mittlerweile zur Familie und teilte Freud und Leid mit ihr. All das erlebt der Leser zusammen mit Lenchen, die Autorinnen nehmen ihn mit in die Mitte des 19. Jahrhunderts, mit in die Familie Marx, man hat das Gefühl mit dabei zu sein, leidet, trauert, freut sich mit ihnen. In einem sehr lesenswerten Nachwort erfährt der Leser die „wahre“ Geschichte bzw. inwiefern die Autorinnen ihre künstlerische Freiheit nutzten.

Die Charaktere sind den Autorinnen gut gelungen, wirken authentisch und lebendig, vor allem die Kinder sind bezaubernd und wachsen dem Leser schnell ans Herz. Mit Lenchen lernt der Leser eine ganze Reihe interessanter, teilweise sehr liebenswürdiger Charaktere kennen, hat aber auch ein paar unangenehme Begegnungen. Mit Lenchen allerdings habe ich ein kleines Problem, immer wenn ein Charakterzug auftritt, den ich schon an Uta von Naumburg, einem Charakter aus einem der anderen Romane der Autorinnen, nicht mochte, nämlich das Vorsichhinmurmeln. Offenbar haben die Beinert-Schwestern eine bestimmte Vorliebe für murmelnde Protagonisten.

Der Roman schildert nicht Lenchens ganzes Leben, sondern endet 1855, er erzählt aber einen sehr wesentlichen Teil nicht nur des Lebens der Protagonistin sondern auch der Familie Marx. Vielleicht lassen die Autorinnen ja irgendwann einmal einen zweiten Band folgen, mich würde es freuen und Stoff wäre sicher auch noch vorhanden.

Neben dem bereits erwähnten Nachwort finden sich weitere Boni: Eine Karte Sohos, wo die Marxens eine Zeit lang lebten und ein großer Teil des Romans stattfindet, ein Glossar, ein Personenverzeichnis, bei dem historische Personen extra kenntlich gemacht wurden, bibliographische Hinweise sowie ein Lied, das im Roman eine Rolle spielt. Sehr interessant sind auch die Auszüge aus der Preußischen Gesindeordnung.

Mir hat der Roman gut gefallen, mich stellenweise sehr berührt. Lenchen Demuths Leben und die historischen Ereignisse, an denen sie teilhatte, werden auch im Roman gut miteinander verwoben. Ich vergebe 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung für Genrefans.