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Veröffentlicht am 22.12.2022

Der persönlichste Fall für Johan Rokka

Der Gesuchte
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Inhalt: Bevor er sich für die richtige Seite des Gesetzes entschied, hatte Kriminalinspektor Johan Rokka eine schwierige und bewegte Vergangenheit. Sein Jugendfreund Viktor Berger dagegen sitzt bereits ...

Inhalt: Bevor er sich für die richtige Seite des Gesetzes entschied, hatte Kriminalinspektor Johan Rokka eine schwierige und bewegte Vergangenheit. Sein Jugendfreund Viktor Berger dagegen sitzt bereits seit fünf Jahren im Gefängnis und freut sich darauf, nach seiner Haftentlassung in einem Jahr mit seiner Freundin Mira ein neues Leben zu beginnen. Doch dann wird Mira bedroht und Viktor gegen seinen Willen aus dem Gefängnis befreit. Aus Angst um seine Freundin beteiligt er sich an einem gut ausgeklügelten Juwelenraub. Rokka, der aus verschiedenen Gründen noch in Viktors Schuld steht, riskiert seinen Job, um seinem alten Freund zu helfen.

Meine Meinung: „Der Gesuchte“ ist bereits der 5. und auch der persönlichste Fall für Johan Rokka, aber problemlos ohne Vorwissen zu lesen. Diesmal verlässt Rokka seine Heimatstadt Hudiksvall, um im Dezernat für Schwerverbrechen in Stockholm auszuhelfen und arbeitet an den Ermittlungen zum Juwelenraub mit. Da er vermutet, dass Viktor an dem Raub beteiligt war, gerät er in einen Gewissenskonflikt.
Je besser ich Rokka kennenlerne, desto lieber mag ich ihn. Er ist sicher kein einfacher Charakter, hat Ecken und Kanten und arbeitet oft unkonventionell. Seine kriminelle Vergangenheit ist ein Teil von ihm, der sich nicht verdrängen lässt und immer wieder seine Gedanken und Gefühle beeinflusst, aber gerade das macht ihn menschlich und nahbar. Auch alle anderen Charaktere werden glaubwürdig und bildhaft beschrieben. Gabriella Ullberg Westin erzählt diese Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und in relativ kurzen Kapiteln. Ihr Schreibstil lässt sich sehr flüssig lesen und die Handlung konnte mich schnell fesseln. Die Atmosphäre ist wie oft in skandinavischen Krimis kalt und düster.
Gegen Ende nimmt die Spannung noch einmal zu und von der Auflösung, wer der Unbekannte ist, der hinter Viktors Befreiung und dem Juwelenraub steckt, war ich sehr überrascht.

Fazit: Ein fesselnder und relativ unblutiger Schwedenkrimi mit einem sympathischen Ermittler. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall für Johan Rokka und hoffe sehr, dann auch wieder mehr von seiner Kollegin Janna Weissman lesen zu dürfen.

Veröffentlicht am 15.12.2022

Spannender Schwedenkrimi

Witwenwald
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Inhalt: Kristoffer Bark arbeitet mit seinem Team gerade an dem ungelösten Cold Case von Emilie Kartmann, die vor etwa zehn Jahren grausam ermordet wurde. Das Opfer war vor seiner Ermordung gestalkt und ...

Inhalt: Kristoffer Bark arbeitet mit seinem Team gerade an dem ungelösten Cold Case von Emilie Kartmann, die vor etwa zehn Jahren grausam ermordet wurde. Das Opfer war vor seiner Ermordung gestalkt und immer wieder anonym angezeigt worden. Auch Kristoffers Kollegin Sara, die schon seit zwei Jahren wegen Burnout krankgeschrieben ist, bekommt durch anonyme Anzeigen beim Jugendamt oder bei der Krankenkasse immer wieder Ärger. Sara ist verzweifelt und bekommt ihr Leben ohne Unterstützung nicht in den Griff. Auch ihr Mann und ihre kleine Tochter leiden unter der Situation. Dann wird nach einem wichtigen Geschäftsessen ihr Mann ermordet und die Ähnlichkeiten zu dem alten Fall häufen sich. Gibt es eine Verbindung? Ist Sara auch in Gefahr? Kristoffer und sein Team versuchen alles, um Sara zu helfen und den Fall zu lösen.

Meine Meinung: Schon der erste Teil „Leichenschilf“ hat mir gut gefallen, aber „Witwenwald fand ich - zu einem großen Teil wegen der Weiterentwicklung der Charaktere - sogar noch besser.
Anna Jansson erzählt diese Geschichte im Wechsel aus den Perspektiven von Kristoffer und Sara. Es dauert eine Weile, bis die Handlung Fahrt aufnimmt, da zuerst ausführlich Saras Situation erklärt wird. Langweilig fand ich es deswegen aber nicht. Ich mag Sara und konnte mit ihr mitfühlen und Kristoffer ist mir in diesem 2.Teil sogar noch sympathischer. Er hat eine positive Entwicklung gemacht und seine Wut inzwischen viel besser im Griff. Auch seine Ex-Frau Ella macht ihm keine Probleme mehr, da sie inzwischen in einer Klinik ist. Beide Protagonisten sind mir beim Lesen sehr nah gekommen. Aber auch die anderen Kollegen aus dem Team, Alex, Hendrik und Ingrid, fand ich toll. Sie alle werden aus verschiedenen Gründen als problematisch angesehen und auch wenn Kristoffer am liebsten allein arbeitet, so erkennt er doch die wertvolle und kompetente Arbeit seiner Kollegen an.
Nach dem Tod von Saras Mann zieht das Tempo schnell an, die Spannung steigt und es gibt einige Überraschungen. „Witwenwald“ ist ein Krimi zum Mitraten, und auch wenn ich den Täter (oder die Täterin) schon früh im Verdacht hatte, war ich mir nie ganz sicher, denn es gibt mehrere Verdächtige.
Das Ende ist spannend und hat mir gut gefallen. Ich freue mich jetzt schon sehr auf den 3.Teil der Reihe „Puppenblut“, der leider erst im Juli 2023 erscheint.

Fazit: Ein fesselnder Schweden-Krimi mit sehr sympathischen Charakteren.

Veröffentlicht am 14.12.2022

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt für Hulda

Fräulein Gold: Die Rote Insel
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Inhalt: Berlin 1926: Nachdem ihr Verlobter Johann vor wenigen Monaten tödlich verunglückt ist, ist Hulda in einer schwierigen Situation. Sie ist schwanger, ledig und hat ihre Wohnung, sowie auch ihre Anstellung ...

Inhalt: Berlin 1926: Nachdem ihr Verlobter Johann vor wenigen Monaten tödlich verunglückt ist, ist Hulda in einer schwierigen Situation. Sie ist schwanger, ledig und hat ihre Wohnung, sowie auch ihre Anstellung als Hebamme in der Klinik verloren. Trotz Zukunftsängsten freut Hulda sich aber auf ihr Kind. Bei der jungen Ärztin Grete hat sie vorübergehend Unterkunft und eine Arbeit als Arzthelferin in deren Praxis auf der sogenannten Roten Insel bekommen. Hulda leidet darunter, nicht mehr als Hebamme arbeiten zu können und zudem ist das Verhältnis der beiden Frauen angespannt, denn Grete hat Kontakte zu einer radikalen kommunistischen Gruppe. Dann wird in der Nachbarschaft ein Kohlenhändler ermordet und die politischen Spannungen nehmen weiter zu. Auch Karl North, der inzwischen als Privatdetektiv arbeitet, interessiert sich für den Fall und wieder treffen sich die Wege von Karl und Hulda.

Meine Meinung: Ich mag die Hulda Gold Romane sehr und auch der 5. Teil hat mir wieder gut gefallen. Allerdings habe ich diesmal etwas länger gebraucht, um in die Geschichte zu finden. Das kann daran liegen, dass in den ersten Kapiteln nicht nur von Hulda erzählt wird, sondern auch ausführlich von Bert, Frau Wunderlich und Karl. Natürlich habe ich mich über ein Wiedersehen (bzw. -lesen) mit den inzwischen lieb gewonnenen Charakteren gefreut, aber gerade zu Beginn des Buches hätte ich mir mehr von Hulda gewünscht. Aber spätestens nach ca. hundert Seiten hatte mich das Buch dann doch gepackt und bis zum Ende gefesselt.
Der Erzählstil von Anne Stern ist wie gewohnt mitreißend, einfühlsam und bildhaft, so dass ich beim Lesen alles gut vor Augen hatte. Trotz ihrer Schwangerschaft ist Hulda nicht weniger engagiert als zuvor, forsch und mutig, was sie natürlich mal wieder in Gefahr bringt. Gut gefallen haben mir die Beschreibungen der Autorin von Huldas Gedanken und Gefühlen, sowie die vorsichtige Wiederannäherung von ihr und Karl. Aber besonders gut gelungen fand ich die sehr schöne und empathische Beschreibung der Geburt. Wirklich toll!
Auch die brisante politische Situation der damaligen Zeit und die Atmosphäre Berlins wird sehr anschaulich und interessant dargestellt. Und inzwischen mache ich mir schon große Sorgen, wie es mit der Jüdin Hulda Gold weitergeht …
Auf den letzten Seiten des Buches gibt es eine Leseprobe zum 6.Teil der Reihe: „Hulda Gold - Die Lichter der Stadt“ der im Jahr 1929 spielt und im Oktober 2023 erscheinen wird. Ich freue mich schon darauf!

Veröffentlicht am 01.12.2022

Eine ungewöhnliche und spannende Geschichte

Ein Lied vom Ende der Welt
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Inhalt: Der Forscher Wyatt Speeks hat den Körper eines kleinen Mädchens im Eis eines Gletschers gefunden. Zusammen mit seiner Kollegin, der Mechanikerin Jeanne, hat er sie in einem Eisblock herausgeschnitten ...

Inhalt: Der Forscher Wyatt Speeks hat den Körper eines kleinen Mädchens im Eis eines Gletschers gefunden. Zusammen mit seiner Kollegin, der Mechanikerin Jeanne, hat er sie in einem Eisblock herausgeschnitten und aufgetaut - und sie lebt! Sie ist etwa 8 Jahre alt und spricht in einer Sprache, die Wyatt noch nie gehört hat. Aus diesem Grund bittet er die Linguistin Valerie um Hilfe. Valerie zögert zunächst in die Arktis zu reisen, denn ihr Zwillingsbruder Andy, ein Kollege von Wyatt, nahm sich nur vor wenigen Monaten auf der einsamen Forschungsstation das Leben. Doch ihre Neugier auf das Mädchen Naaja ist größer und so macht sie sich auf den Weg in das ewige Eis. Schon bald fasst das Kind Vertrauen zu ihr und auch Valerie spürt eine tiefe Zuneigung. Aber Naaja wird täglich schwächer und die Situation auf der kleinen Forschungsstation spitzt sich zu.

Meine Meinung: Wie soll man dieses Buch beschreiben? Es geht um ein aufgetautes Mädchen, das lebt! Ist es mystisch? Utopisch? Unglaubwürdig? Doch trotz meiner anfänglichen Zweifel hat mich dieser Roman absolut gefesselt.
Die Handlung braucht eine Weile, bis sie Fahrt aufnimmt und immer spannender wird, doch dann habe ich das Buch nur noch ungern zur Seite gelegt. Die Zahl der Charaktere beschränkt sich (fast) ausschließlich auf die Mitarbeiter der Forschungsstation und natürlich Naaja. Wyatt war mir von Anfang an äußerst unsympathisch und Jeanne, die Mechanikerin, konnte ich nur schwer einschätzen. Ganz sympathisch dagegen fand ich Nora und Raj, ein Polarmeerforscher-Ehepaar, das zusammen mit Valerie auf der Forschungsstation angekommen ist. An Valerie selbst musste ich mich erst gewöhnen. Sie leidet stark unter dem Verlust ihres Bruders und bewältigt den Tag nicht ohne Lorazepam und Alkohol. Aber sie macht eine positive Entwicklung durch, was vor allem an ihrer Zuneigung zu Naaja liegt und ich mochte sie im Lauf der Geschichte immer lieber. Die Versuche von Valerie und Naaja miteinander zu kommunizieren und die Fortschritte, die sie dabei gemacht haben, fand ich sehr interessant.
Das Setting in der Arktis und die Atmosphäre dort haben mir richtig gut gefallen. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, Eiswinde, sowie Schnee und Eis, wohin man schaut. Dazu die Dunkelheit.
Zitat S. 86: „Ab Ende Oktober bleibt es vier Monate lang vierundzwanzig Stunden dunkel. Die Temperaturen sinken unter minus fünfzig Grad.“ Da ist es auch nicht verwunderlich, dass es zwischen den sehr unterschiedlichen Charakteren zu Spannungen kommt, zumal es um eine sehr wichtige wissenschaftliche Entdeckung geht.
Am Ende überschlagen sich die Ereignisse und auch wenn vieles unrealistisch ist, fand ich es doch spannend zu lesen.

Fazit: Ein ungewöhnliches, aber überraschend spannendes und abenteuerliches Buch, das mir gut gefallen hat.

Veröffentlicht am 01.12.2022

Atmosphärisch und fesselnd

Dunkelschnee
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Inhalt: Auf einem Feld bei Oslo werden die Leichen von zwei elfjährigen Jungen gefunden, zwischen ihren Körpern liegt ein toter Fuchs. Kommissar Holger Munch übernimmt mit seiner neuen Ermittlungseinheit ...

Inhalt: Auf einem Feld bei Oslo werden die Leichen von zwei elfjährigen Jungen gefunden, zwischen ihren Körpern liegt ein toter Fuchs. Kommissar Holger Munch übernimmt mit seiner neuen Ermittlungseinheit den Fall. Schon bald holt er die 21-jährige Polizeischülerin Mia Krüger, die an der Akademie durch ihre gute Intuition heraussticht, zur Unterstützung ins Team. Schnell wird deutlich, dass es Parallelen zu einem acht Jahre zurückliegenden Fall in Schweden gibt. Handelt es sich um denselben Mörder? Die Polizei kommt nur langsam mit den Ermittlungen voran. Dann verschwinden wieder zwei Jungen.

Meine Meinung: Ich habe bereits die anderen drei Bücher der Reihe mit Holger Munch und Mia Krüger gelesen und war sehr überrascht, dass „Dunkelschnee“ zeitlich vor den anderen Teilen spielt, was mir aber eigentlich sehr gut gefallen hat.
Der Schreibstil von Samuel Bjørk lässt schon wegen der relativ kurzen, bis sehr kurzen Sätze, schnell und flüssig lesen. Er erzählt seine Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven und beschreibt seine Charaktere sehr detailliert. Die Zusammensetzung seines neuen Teams mit den sehr unterschiedlichen, interessanten und fast ausschließlich sympathischen Charakteren (Ausnahmen gibt es immer) fand ich gut gelungen. Im Verlauf der Handlung werden häufig neue Charaktere und Handlungsstränge eingeführt, die zunächst scheinbar gar nichts mit dem Fall zu haben und auch sie werden - leider - sehr ausführlich beschrieben. Das hat meinen Lesefluss immer etwas gestört. Am Ende laufen dann natürlich alle Fäden zusammen, aber einige Passagen waren mir doch etwas zu langatmig.
Der Fall ist komplex aufgebaut und immer wieder gehen die Ermittler falschen Spuren, ebenso wie falschen Verdächtigen nach. Ich persönlich war auch auf der falschen Spur. Gegen Ende nimmt die Spannung nochmal deutlich zu. Die Auflösung hat mich zwar überrascht, aber nicht völlig zufriedengestellt, denn es bleiben noch Fragen offen.

Fazit: Ein atmosphärischer und fesselnder Norwegen-Krimi mit interessanten Charakteren, der mir trotz kleiner Kritikpunkte gut gefallen hat.