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Veröffentlicht am 23.10.2023

Fürchterlich

Die letzte Nacht
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Die Ärztin Sara Linton ist glücklich mit dem Ermittler Will Trent, die Hochzeit steht kurz bevor. Während eines Nachtdiensts wird eine junge Frau auf die Notaufnahme eingeliefert. Sie hatte einen Autounfall ...

Die Ärztin Sara Linton ist glücklich mit dem Ermittler Will Trent, die Hochzeit steht kurz bevor. Während eines Nachtdiensts wird eine junge Frau auf die Notaufnahme eingeliefert. Sie hatte einen Autounfall und stirbt kurz danach. Zuvor schafft sie es jedoch noch, Sara mitzuteilen, dass sie brutal vergewaltigt wurde. Sara, die selbst vor über 20 Jahren Opfer einer Vergewaltigung wurde und dieses Trauma nie überwunden hat, schwört sich, den Schuldigen ausfindig zu machen. Dabei sticht sie in ein Wespennest, denn der Fall ist sehr viel komplexer als sie sich vorstellen konnte. Will und seine Kollegin Faith, die gleichzeitig Saras beste Freundin ist, ermitteln inoffiziell und bringen damit nicht nur sich und ihre Karriere, sondern auch Faiths Sohn in Gefahr.
Vergewaltigung ist ein heikles Thema, das in Krimis oft zur Sprache kommt. Noch nie habe ich allerdings ein Buch gelesen, in dem auf so obszöne und frauenverachtende Weise darüber geschrieben wurde. Die ekelhaften Details werden verschiedenen Personen gegenüber unzählige Male wiederholt, die dabei benutzte Sprache ist unterste Schublade. Von Vergewaltigern erwartet man wahrscheinlich nichts anderes, doch selbst Sara und eine andere Ärztin, die ebenfalls ein Vergewaltigungsopfer ist, bedienen sich dieses abstoßenden Vokabulars. Was die Geschichte selbst anbelangt, so erscheint mir manches sehr konstruiert, nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“. Will schleust sich unter einem Pseudonym als angeblicher früherer Kommilitone in eine Gruppe ein, mit der er angeblich in der Vergangenheit wilde Feste gefeiert hat. Keiner in der Gruppe kann sich an ihn erinnern, doch niemand kommt auf die Idee, die Behauptung anzuzweifeln. In Nullkommanichts wird er „wieder“ in die Gruppe aufgenommen, wodurch Will der Lösung des Falls ein ganzes Stück näherkommt. Nicht sehr glaubwürdig. Dazu kommt, dass die Übersetzung sehr zu wünschen übriglässt. Als eine der Personen etwas im englischen Original als „totally bananas“, also total verrückt, bezeichnet, wird das im Deutschen allen Ernstes als „Das ist ja total Banane!“ übersetzt. Die englische Farbe „purple“ ist ganz einfach lila und nicht purpurfarben! Ich könnte ganze Seiten füllen mit den schlechten Übersetzungen in diesem Buch.
Ich hatte auf einen spannenden Krimi gehofft, aber dieses Buch ist tatsächlich das Schlechteste, was ich seit langem gelesen habe. Nur gegen Ende kommt so etwas wie Spannung auf, weshalb ich zwei anstatt einen Stern dafür vergebe.

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Veröffentlicht am 21.10.2023

Ein ganz besonderes Pferd

Das Gemälde
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Das Hauptaugenmerk dieses Romans liegt auf dem Rennpferd Lexington, das Mitte des 19. Jahrhundert das erfolgreichste Rennpferd sowie der berühmteste Zuchthengst der USA war. Lexington wird in Kentucky ...

Das Hauptaugenmerk dieses Romans liegt auf dem Rennpferd Lexington, das Mitte des 19. Jahrhundert das erfolgreichste Rennpferd sowie der berühmteste Zuchthengst der USA war. Lexington wird in Kentucky geboren. Von Anfang an kümmert sich der junge Sklave Jarret um ihn. Jarrets Vater hat sich freigekauft und beabsichtigt, auch seinen Sohn dem Gutsbesitzer Warfield abzukaufen, sobald er die entsprechende Summe gespart hat. Leider kommt es dazu nicht, denn Warfield beschließt, Jarret gemeinsam mit dem Hengst zu verkaufen. Es ist sehr bedrückend und schockierend zu lesen, wie Sklaven zu dieser Zeit wie Waren und nicht wie Menschen behandelt wurden und sich mit jedem neuen Besitzer auch der Name des Sklaven änderte. Im Lauf der Jahre wird Lexington mehrmals von dem Maler T. J. Scott gemalt. Eines dieser Bilder taucht im Jahr 2019 in Washington D.C. im Sperrmüll auf, wo es von dem Doktoranden Theo gefunden wird. Theo erkennt, dass es sich um ein außergewöhnliches Bild handelt und beschließt, mehr darüber herauszufinden. Bei seinen Recherchen lernt er Jess, eine Mitarbeiterin des Smithsonian Institutes, kennen, die zufällig kurz zuvor auf das Skelett des berühmten Rennpferdes gestoßen ist, das seit Jahren unbeachtet in einer Lagerhalle des Smithsonian aufbewahrt wurde.
Der auf mehreren Zeitebenen spielende Roman deckt eine Vielzahl an Themen ab. In dem historischen Teil geht es um Pferdezucht und das profitable und erbarmungslose Geschäft mit Pferderennen, Sklaverei in all ihrer Unmenschlichkeit sowie den amerikanischen Bürgerkrieg. In der Jetztzeit erfährt man viel über Gemälde, und erlebt den alltäglichen Rassismus, der nach wie vor in den USA vorherrscht. „Das Gemälde“ ist ein faszinierendes und im Übrigen hervorragend übersetztes Buch, das trotz seiner über 500 Seiten keine Längen aufweist und sich spannender liest als so mancher Krimi. Die Autorin versteht es geschickt, wahre Begebenheiten mit Fiktion zu verbinden. Uneingeschränkte Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 12.10.2023

Spannendes und verstörendes Szenario

Schwachstellen
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Der 24jährige Siv lebt mit seinen Eltern sehr beengt in einer kleinen Wohnung. Er ist ein Einzelgänger ohne Freunde. Am Ende seiner Militärzeit, während der er in der Nachrichtenabteilung tätig war, wird ...

Der 24jährige Siv lebt mit seinen Eltern sehr beengt in einer kleinen Wohnung. Er ist ein Einzelgänger ohne Freunde. Am Ende seiner Militärzeit, während der er in der Nachrichtenabteilung tätig war, wird er von einer IT-Firma angeworben, die von seinen erstaunlichen Hacker-Kenntnissen erfahren hat. Sein erster Auftrag führt ihn in nach Mittelamerika. Er reist in Begleitung seines Vorgesetzten Bulka, der für ihn wie ein großer Bruder ist. Dort hackt er erfolgreich das Handy einer Zielperson, für die sich das dortige Militär interessiert. Von da an geht es mit Sivs Karriere steil bergauf. Er macht sich keine Gedanken darüber, wer die Leute sind, die er ausspäht, die Aussage seiner Arbeitgeber, es handle sich um Terroristen und Pädophile, genügt ihm vollkommen. Moralische Bedenken schiebt er beiseite, es wird schon einen Grund geben, weshalb sich seine Auftraggeber für diese Leute interessieren, er tut schließlich nur seine Arbeit. Selbst als ihm bewusst wird, dass seine Spionagetätigkeit das Todesurteil für einige der Zielpersonen bedeutet, macht er weiter. Er versteht sich alles schönzureden und bezieht sein Selbstwertgefühl ausschließlich über seine beruflichen Erfolge. Mit der Zeit beginnt er damit, sein Wissen für private Zwecke zu nutzen. Beispielsweise findet er heraus, dass seine Mutter ein Verhältnis hat und die drogensüchtige Schwester von einem älteren Mann wie eine Gefangene festgehalten wird. Erst als sein älterer Nachbar Noah ihn um Hilfe bittet, weil er von Unbekannten erpresst wird, begreift Siv, dass nicht jeder Ausspionierte tatsächlich ein Verbrecher ist, der es verdient hat, überwacht zu werden, und er versucht mithilfe seiner Kenntnisse Unheil von Noah abzuwenden, mit drastischen Konsequenzen für sein eigenes Leben.
„Schwachstellen“ ist ein packender und verstörender Roman über eine Welt, in der nichts geheim ist und die Sicherheit, in der Menschen sich hinter verschlossenen Türen wähnen, trügerisch ist. Gleichzeitig zeigt er, wie weit manche Menschen bereit sind zu gehen, um persönliche Vorteile zu erlangen. Ein dystopischer Roman, bei dem man sich fragt, wie viel davon schon heute Realität ist.

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Veröffentlicht am 12.10.2023

Ein großes Lesevergnügen

Bournville
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Bournville ist ein britischer Generationenroman, der in den Midlands angesiedelt ist. Der Roman beginnt zu der Zeit, als den Menschen in Europa klar wird, dass ein gewisses Virus nicht auf China beschränkt ...

Bournville ist ein britischer Generationenroman, der in den Midlands angesiedelt ist. Der Roman beginnt zu der Zeit, als den Menschen in Europa klar wird, dass ein gewisses Virus nicht auf China beschränkt bleibt, sondern sich weltweit ausbreitet. Wir lernen zunächst Lorna kennen, eine junge Musikerin, die auf Tournee in Österreich und Deutschland ist und jeden Tag darum bangen muss, dass die Konzerttermine abgesagt werden.
Sie ist die Enkelin von Mary Lamb, deren Geschichte sich wie ein roter Faden durch diesen Roman zieht. Wir erleben wichtige Stationen der britischen Geschichte durch die Augen von Mary und ihren Angehörigen, angefangen bei den Feiern zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945, der Thronbesteigung Elisabeths II. 1953, es folgt die Fußballweltmeisterschaft 1966, die Hochzeit von Charles und Diana 1981 und schließlich die Beisetzung von Lady Di im Jahr 1997. Den Abschluss bilden die Feierlichkeiten zum 75. Jahrestags des Kriegsendes und die Einschränkungen durch die Coronapandemie. Natürlich ist auch die Rede vom Brexit und die hinsichtlich dieses Themas gespaltene Nation. Nationalismus und Rassismus, das britische Klassen- und Schulsystem, Royalisten und Anti-Royalisten, dies alles wird in Bournville, verpackt in eine spannende generationenübergreifende Geschichte, angesprochen. Wir lernen Mary als junges Mädchen kennen, am Ende des Buchs ist sie Urgroßmutter. Der weit verzweigte Familienstammbaum ist glücklicherweise zu Beginn des Buchs abgedruckt.
Für mich war dies das erste Buch von Jonathan Coe. Sein humorvoller Schreibstil und seine Beschreibung der verschiedenen Familienmitglieder, die immer mit einem Augenzwinkern geschieht, haben mir sehr gefallen. Bournville ist eines der Bücher, bei denen ich traurig war, als ich es zu Ende gelesen hatte. Es hat mich hervorragend unterhalten und gleichzeitig interessante Meilensteine in der britischen Geschichte beleuchtet. Ein Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 29.09.2023

Roman mit Sogwirkung

Die Einladung
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Die 22jährige Alex ist ständig auf der Suche nach einem Sugardaddy, der sie aushält. Momentan geht es ihr gut: sie verbringt den Sommer mit dem wesentlich älteren Simon auf dessen Luxusanwesen in den Hamptons, ...

Die 22jährige Alex ist ständig auf der Suche nach einem Sugardaddy, der sie aushält. Momentan geht es ihr gut: sie verbringt den Sommer mit dem wesentlich älteren Simon auf dessen Luxusanwesen in den Hamptons, wo die Reichen und Schönen der Ostküste ihre Sommer verbringen. Als Gegenleistung ist sie ihm stets sexuell zu Diensten, sie passt sich seinen Stimmungen und Neigungen an wie ein Chamäleon.
Tagsüber arbeitet Simon, während sie die endlosen heißen Tage am Pool oder Strand verbringt, abends gehen sie zu Partys, bei denen die Gastgeber sie oft spüren lassen, dass sie genau wissen, welche Sorte Frau sie ist und sie entsprechend herablassend behandeln. Gerne lässt sie bei diesen Gelegenheiten etwas mitgehen und durchsucht die Badezimmer der Gastgeber nach Schmerzmitteln und anderen Medikamenten. Bei einer dieser Partys leistet Alex sich einen Fauxpas und Simon hat genug von ihr. Er setzt sie vor die Tür, doch wo soll sie hin? Zurück in die Stadt ist keine Option, denn auch aus ihrer WG ist sie geflogen, da sie monatelang keine Miete bezahlt hat. Ihr letzter Sugardaddy, Dom, ist sauer auf sie, da sie ihn um eine große Summe Geld und Drogen erleichtert hat. Er bombardiert sie mit Anrufen, die sie jedoch ignoriert. Allerdings lebt sie in ständiger Angst, er könnte sie ausfindig machen.
So streunert sie obdachlos und auf der Suche nach einem neuen Opfer durch die Gegend. Sie ist eine Meisterin der Manipulation und weiß genau, wie sie am besten zu ihrem Ziel kommt. Dabei geht sie äußerst skrupellos vor. Empathie ist ihr fremd. Es ist ihr egal, wenn sie andere in Schwierigkeiten bringt. Man erfährt nichts über Alex‘ früheres Leben, wieso sie so wurde, wie sie ist. Irgendwann hatte sie einen Job, was ist passiert? Wann und warum hat sie beschlossen, sich zu prostituieren? Obwohl Alex, die permanent zugedröhnte und kleptomanisch veranlagte Schmarotzerin alles andere als eine sympathische Protagonistin ist, hat ihre Geschichte eine Sogwirkung auf mich ausgeübt, die sich wie ein Thriller liest. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, zu Simon zurückzukehren. Eine Woche nach ihrem Rauswurf gibt er eine große Labor Day Party, jetzt gilt es nur, die Zeit bis dahin zu überbrücken, dann wird er sie schon wieder aufnehmen.
Das Ende des Romans ist offen, was mich nach all der Spannung und der Erwartung einer Auflösung ziemlich unbefriedigt zurückgelassen hat. Emma Clines Vorgängerwerk „The Girls“ konnte mich nicht ganz überzeugen, „Die Einladung“ hat mich gefesselt. Allerdings hätte ich eine wörtliche Übersetzung des Originaltitels „The Guest“ sehr viel passender gefunden. Ein äußerst spannender Roman über eine überaus unsympathische Protagonistin.

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