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Veröffentlicht am 07.02.2025

Eine dunkle, durchtriebene und actionreiche Geschichte

Jackdaw
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Auf den Autor Daniel Cole bin ich schon vor einer ganzen Weile aufmerksam geworden. Damals ist gerade RAGDOLL erschienen, und der Klappentext hatte mich direkt angefixt. Dem Buch folgten alle weiteren ...

Auf den Autor Daniel Cole bin ich schon vor einer ganzen Weile aufmerksam geworden. Damals ist gerade RAGDOLL erschienen, und der Klappentext hatte mich direkt angefixt. Dem Buch folgten alle weiteren und so war es klar, dass ich auch dieses hier lesen/hören musste.

Erwartet habe ich: Grausames, Rasantes, Überraschendes. Und ich wurde nicht enttäuscht!

Detective Scarlett Delaney ist neu bei der Polizei und auf der Spur eines brutalen Killers, den sie „Jackdaw“ nennen – ein Serienmörder, der unmögliche Verbrechen zu begehen scheint und dann mit einem glitzernden Andenken verschwindet. Als Nachkomme eines Serienmörders hat Delaney etwas, was viele nicht haben: ein Auge für das Verbrechen und eine Verbindung zu jemandem, der ihr einige Erkenntnisse bieten könnte. Delaney ist eine Einzelgängerin und gerät in eine heikle Situation mit dem charmanten Harry Devlin, der selbst ein tödlicher Krimineller ist. Die beiden schließen sich kurzerhand zusammen, um Jackdaw aufzuspüren, aber es ist eine gefährliche und unbeständige Verbindung, die sie in Gefahr bringt.

Mir hat gefallen, wie die komplexen Morde inszeniert wurden, und es schien beinahe so, als würde der Killer die Polizei ständig herausfordern. Mit jedem Mord kommen unzählige Fragen auf. Was verbindet die Opfer außer ihrem Mörder - und wer könnte ihren Tod wollen? Man rätselt und fiebert dadurch ganz automatisch mit und wird an die Seiten gefesselt.

Scarlet Delaney ist eine interessante Protagonistin. Ja, sie ist vielleicht nicht die erfolgreichste Polizistin, zumindest in den Augen ihrer Kollegen. Ja, sie hat einige Dinge getan, die wahrscheinlich in keinem Verhaltenskodex der Polizei stehen. Und Aspekte ihres Privatlebens haben ihr Urteilsvermögen wahrscheinlich in bestimmten Teilen des Buches in Frage gestellt. Aber sie ist viel klüger und selbstbewusster, als man ihr zunächst zutrauen würde. Letzten Endes ist sie eine sympathische und humorvolle Person, mit der man gern Zeit verbringt und der man nur das Beste wünscht.

Daniel Cole hat seiner Story die richtige Dosis Tempo, Humor und Spannung verpasst, sodass sich die Seiten wie von selbst weglesen. Ich hätte mir zwar mehr Fokus auf die Verbrechensaufklärung gewünscht, bin aber völlig zufrieden mit dem Showdown und bekam einige erhoffte Twists. Manchmal wechselt die Erzählperspektive mehrmals im selben Kapitel oder sogar auf derselben Seite, das kann ein wenig störend sein.

Viola Müllerin als Sprecherin war eine ausgezeichnete Wahl. Ich mag ihre Stimmfarbe und die Art, wie sie Betonungen und Pausen gesetzt hat. Sie hat es geschafft, die Atmosphäre des Buches, die Spannung, das Gefährliche und Dramatische in ihre Stimme zu packen und mich förmlich mitzureißen.

Fazit: Wer Lust auf eine dunkle, durchtriebene und actionreiche Geschichte hat, sollte unbedingt zu JACKDAW greifen. Lesens- und hörenswert! Ich bin gespannt, was noch kommt und wie Daniel Cole den Leser erneut in seinen Bann ziehen wird.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Solide Lektüre für zwischendurch

The Trap. Wie weit würdest du gehen, um deine Schwester zu retten?
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Lucy ist verzweifelt. Ihre Schwester Nicki ist plötzlich verschwunden und alles deutet darauf hin, dass auch sie dem Frauenentführer ins Netz gegangen ist. Seit geraumer Zeit verschwinden Frauen spurlos ...

Lucy ist verzweifelt. Ihre Schwester Nicki ist plötzlich verschwunden und alles deutet darauf hin, dass auch sie dem Frauenentführer ins Netz gegangen ist. Seit geraumer Zeit verschwinden Frauen spurlos - nur ihre Handys werden verlassen am Straßenrand vorgefunden. Um ihre Schwester zu finden, lässt sich Lucy mitten in der Nacht auf einer einsamen Landstraße von zufällig vorbeifahrenden Autos mitnehmen. Angst verspürt sie dabei keine, denn die Hoffnung, Nicki lebend wiederzufinden, überwiegt.

Lucy fand ich als Protagonistin sehr authentisch. Die Ungewissheit, was mit ihrer Schwester Nicki passiert ist, nagt spürbar an ihr. Dennoch ist sie mutig genug, sich als Köder zur Verfügung zu stellen, um Nicki zu retten. Diese Entschlossenheit hat mir einerseits sehr imponiert, andererseits habe ich mich gefragt, ob das wirklich so schlau gewesen ist. Und ob ihre Schwester das gewollt hätte.

Der Schreibstil von Howard ist leicht verständlich und flüssig. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und wechseln sich in der Erzählperspektive ab. Neben Lucy kommt auch der Entführer selbst zu Wort und spricht uns dabei direkt an. Zumindest hat man während des Lesens das Gefühl, dass die Worte direkt an den Leser gerichtet sind – im Laufe der Handlung erfahren wir jedoch, für wen sie eigentlich bestimmt waren. Einige Kapitel begleiten Angela, die bei Missing Persons Unit, der Dienststelle für vermisste Personen, arbeitet. Ihre Aufgabe ist es, die Suche nach den vermissten Mädchen zu verschärfen.

Angefixt vom Klappentext habe ich mich auf eine spannende und nervenaufreibende Story gefreut, wurde aber leider ein wenig enttäuscht. Denn die Spannung, mit der die Geschichte anfängt, ebbt ziemlich schnell ab und kann von Howard im weiteren Verlauf nicht mehr angehoben werden. Wirklich schade, denn die Plotidee an sich war wirklich gut. Und angesichts der realen Ereignisse, die Howard - wie sie in ihrem Nachwort erwähnt - zum Schreiben dieses Thrillers animiert haben, hätte hier ein cooler Pageturner entstehen können.

Fazit: Leider hat der Klappentext hier mehr Action versprochen, als tatsächlich geboten wurde. Schade eigentlich, denn die Story hatte großes Potenzial. Dank der Kapitellänge und der interessanten Figuren, ist THE TRAP dennoch eine unterhaltsame (solide) Lektüre für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Geht vorsichtiger mit euren persönlichen Daten um!

Deep Fake
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Das Thema ist nichts Neues für das Leben in einer All-Round Social Media World. Kaum jemand hat heutzutage noch kein Smartphone, kaum jemand ist nicht aktiv in den sozialen Medien wie Instagram, X oder ...

Das Thema ist nichts Neues für das Leben in einer All-Round Social Media World. Kaum jemand hat heutzutage noch kein Smartphone, kaum jemand ist nicht aktiv in den sozialen Medien wie Instagram, X oder TikTok unterwegs. Der Eine gibt mehr von sich preis, der Andere eben weniger. Eine Welt, bestehend aus Influencern. Je digitaler wir werden, desto mehr offenbart es aber auch die Schattenseiten dieser Welt. Und genau das ist auch unserer Hauptprotagonistin Mira widerfahren. Ihr Körper und ihr Gesicht wurden genommen, bearbeitet und in ein bestehendes Nacktvideo geschnitten. Ein Fakevideo, hier Deep Fake genannt. Ihr Ruf ist innerhalb weniger Minuten ruiniert. Schuld daran ist ein Mensch, der ihr absichtlich schaden will. Natürlich versucht Mira zu retten, was zu retten ist. Dafür muss sie zurück in ihre Vergangenheit und sich dieser stellen.

Miras Charakter wurde von der Autorin sehr lebhaft und realistisch beschrieben. Mira ist ein glücklicher Mensch, hat einen tollen Job, liebt ihren Mann, ihre Familie. Sie war mir direkt sympathisch und ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. Doch ich hatte stets das Gefühl, dass ich bei ihrem Charakter nur an der Oberfläche schabe. Und so war dem auch. Im Laufe des Buches lernte ich auch Seiten an ihr kennen, die mich etwas verblüfft haben. Sie scheint zwei Seiten zu haben - und hat mit der einen eigentlich abgeschlossen. Doch sie muss sich erneut ihrem dunklen Ich widmen, um ihr Problem zu lösen. Ein überaus interessanter und vielseitiger Charakter.

Der Schreibstil ist gelungen, gut in Szene gesetzt und nahm mich mit in eine spannende und durch Lügen zerstörte Welt. Die Autorin hat es hiermit definitiv geschafft, Spannungsmomente zu erzeugen, die mich schier ans Buch gefesselt haben. Es gab viele überraschende Wendungen und Szenen, die ich so habe nicht kommen sehen. Natürlich habe ich mitgefiebert und auch mitgerätselt, lag jedoch völlig daneben.

Das Buch endete in einem eher mittelmäßigen Finale, weil man dort tatsächlich erahnen konnte, was gleich passieren wird. Es war dennoch eine gelungene Abrundung der gesamten Storyline.

Fazit: Mir hat das Buch gut gefallen. Es war interessant und vielseitig geschrieben. Mira ist ein großartig konzipierter Charakter, der einen durch die Geschichte leitet. Am besten mochte ich das doch äußerst wichtige Hauptthema der Geschichte. Vielleicht wird es den ein oder anderen Leser dazu anregen, weniger öffentlich im Netz mit seinem Privatleben bzw. seinen privaten Daten umzugehen.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Hier passt einfach alles!

Die Kolonie
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Der Thriller handelt von Detective Barbara Atkins, eine der besten Forensikerinnen der Abteilung für Vampiranthropologie, die in die abgelegene alaskische Taiga reist, um den brutalen Mord an einem einheimischen ...

Der Thriller handelt von Detective Barbara Atkins, eine der besten Forensikerinnen der Abteilung für Vampiranthropologie, die in die abgelegene alaskische Taiga reist, um den brutalen Mord an einem einheimischen Jungen zu untersuchen. Er wurde mit durchgeschnittener Kehle und völlig blutleerem Körper gefunden. Die Brutalität, die hier zur Schau gestellt wird, erinnert die 672 (lebenden) Bewohner von Deadhart an eine ähnliche Tragödie, die die Gemeinde vor fast 25 Jahren heimgesucht hat. Sofort verdächtigen alle die Kolonie, eine Gruppe von Vampiren, die in der verlassenen Minensiedlung der Stadt leben. Während Barbara mit der örtlichen Polizei zusammenarbeitet, um die Wahrheit hinter dem Mord aufzudecken, findet sie bald heraus, dass es in der Stadt dunkle Geheimnisse gibt und dass möglicherweise mehr dahinter steckt, als die Menschen hier zugeben möchten.

Barbara Atkins war mir auf Anhieb sympathisch. Sie wirkt bodenständig, selbstbewusst, etwas zynisch, hat einen herrlich trockenen Humor und glaubt weder an Kruzifixe noch an Rosenkränze. Sie denkt und spricht einfach gerade(her)aus, ohne Umschweife und Verschönerungen. Bei ihr weiß man sofort, woran man ist. Solche Menschen wie sie hätte ich gern im richtigen Leben.

"Sie sah atemberaubende Landschaft und unberührte Natur mit Bergen, Wäldern und Schnee. Und hinter jeder Kurve: noch mehr Berge, noch mehr Wälder, noch mehr Schnee. Wer auf so etwas stand, bitte schön." (Zitat Seite 13)

Tudor ist eine Meisterin der Sprache. Sie kombiniert geschickt Spannung mit Sarkasmus und Wortwitz. So muss man einerseits lachen, andererseits gebannt die nächsten Zeilen lesen. Ich war völlig gefangen im Strudel der Ereignisse, war fasziniert vom Setting und den verschiedenen Figuren, habe die Bergluft gerochen und die Bedrohung gespürt, deren Ursprung ich lange nicht ausmachen konnte. Tudor verbringt viel Zeit damit, die Geschichte der Stadt und die Beziehung zwischen den Bewohnern und Mitgliedern der Kolonie zu gestalten, insbesondere die Folgen der Morde, die vor 25 Jahren stattfanden. Dabei vermischt die Autorin Elemente eines Polizeikrimis mit furchteinflößenden Horrorszenen und kreiert so eine Lektüre voller Überraschungen und Geheimnisse, die die Leser bis spät in die Nacht fesselt.

Fazit: Gruselig, atmosphärisch, unterhaltsam. Hier passt einfach alles. Besorgt euch schnellstmöglich das Buch und fangt an zu schmökern! Von vorne bis hinten ein cooles Ding. Beachtet aber unbedingt den Tipp von Atkins Boss: "Und packen Sie ausreichend Knoblauch ein, Sie werden ihn brauchen." (Zitat Seite 14)

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Eine sehr umfangreich konstruierte Story

Winternacht - Der Schnee begräbt alles. Nur die Lügen nicht
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Olive ist erst seit sechs Monaten mit dem Parlamentsabgeordneten Michael Anderson verheiratet und bereits sehr unglücklich. Eigentlich will sie nur schnell etwas essen und dann in ihr Hotelzimmer, den ...

Olive ist erst seit sechs Monaten mit dem Parlamentsabgeordneten Michael Anderson verheiratet und bereits sehr unglücklich. Eigentlich will sie nur schnell etwas essen und dann in ihr Hotelzimmer, den Tag hinter sich lassen, als diese fremde Frau an ihrem Tisch sitzt und behauptet, ihre Frau zu sein. Aus Neugierde - vielleicht auch Einsamkeit, wer weiß das schon - lässt sie sich auf ein Spiel ein, das gefährlich wird.

Zitat S. 238:
"Die Nation war davon in Kenntnis gesetzt worden, dass Olive Anderson, die Gattin des amtierenden Parlamentsabgeordneten von Middlesbrough South and East Cleveland, seit fast achtundvierzig Stunden vermisst wurde."

Ich muss zugeben, dass ich auf den ersten Seiten große Schwierigkeiten hatte, zu verstehen, was der Quatsch soll. Eine völlig Fremde, die so tut, als wäre man ihre Frau. Die Konsequenzen aus diesem Abendessen sind mehr als vorhersehbar und ich wollte das Buch schon zur Seite legen. Doch Bolton weiß, wie man den Leser wieder einfängt und neugierig macht.

Die Perspektiven wechseln in die Vergangenheit und die Handlung wird immer vielschichtiger. Gekonnt endet jedes Kapitel so spannend, dass man nicht aufhören kann weiterzulesen. Meine Meinung zu Täter und Opfer änderte sich mehrfach, da die Autorin mit einigen Geheimnissen um die Ecke kam.

Die Charaktere und ihre Motive sind gut ausgearbeitet und ich war über bestimmte Verbindungen doch sehr überrascht. Einige Charaktere, wie z.B. das Polizistenteam, waren mir auch sehr sympathisch.

Das Ende und alle Zusammenhänge sind doch sehr aufwendig konstruiert und es hatte bis zum Schluss gedauert, wirklich alles zu verstehen. Mir hat es sehr gut gefallen.

Fazit: Eine sehr umfangreich konstruierte Story, die einen (mit kleinen Startschwierigkeiten) vor Spannung nicht mehr loslässt.

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