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Veröffentlicht am 08.07.2024

Das Thema regt zum Nachdenken an

Hast du Zeit?
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"Hast du Zeit?"
Mit dieser Frage beschäftigt sich Winkelmann in seinem neuen Thriller und regt damit seine Leserschaft zum Nachdenken an.

Ein unbekannter Entführer treibt sein Unwesen. Doch seine Opfer ...

"Hast du Zeit?"
Mit dieser Frage beschäftigt sich Winkelmann in seinem neuen Thriller und regt damit seine Leserschaft zum Nachdenken an.

Ein unbekannter Entführer treibt sein Unwesen. Doch seine Opfer sucht er sich nicht zufällig aus. Jeder von ihnen hat nämlich einen großen Fehler begangen - ihm auf irgendeine Art und Weise seine wertvolle Zeit gestohlen. Stück für Stück rächt er sich an seinen Opfern und verewigt diese in seiner Wand, auf die er unglaublich stolz ist. Den Hinterbliebenen lässt er ein Paket mit einer leeren Sanduhr zukommen. Wer ist der perfide Entführer und was ist in seinem Leben schiefgelaufen, dass er solche Taten überhaupt begeht?

Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt und sorgt damit für jede Menge Abwechslung und Nervenkitzel. Denn nicht nur Täter, sondern auch Opfer lassen tief in ihre Gefühle und Gedanken blicken. Gerade die geheimnisvollen Passagen des Entführers haben meine Neugier ins Unermessliche gesteigert, weil mich seine Vergangenheit unglaublich fasziniert hat. Aber auch die anderen Erzählperspektiven waren realistisch und voller Leben.

„Alles ist fremdes Eigentum, nur die Zeit ist unser. Dieses so flüchtige, so leicht verlierbare Gut ist der einzige Besitz, in den uns die Natur gesetzt hat, und doch verdrängt uns daraus, wer da will.“ (Zitat Pos. 3160)

Der Schreibstil von Winkelmann ist gewohnt flüssig, direkt und diesmal ausgesprochen düster. Ich hatte bei manchen Passagen richtig Gänsehaut und konnte das Buch dementsprechend nicht aus der Hand legen, weil ich so unfassbar an die Handlung gefesselt war. Ich habe mitgefiebert, mitgelitten und war am Ende einfach nur noch mitgerissen von diesem aufregenden Buch.

Fazit: Ein ausgeklügelter und düsterer Thriller, der vor Spannung strotzt und den Leser völlig mitreißt. Das aufgegriffene Thema regt zum Nachdenken an und wirkt mit Sicherheit noch einige Zeit nach.

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Veröffentlicht am 08.07.2024

Lässt das Thrillerherz ordentlich pumpen

The Parents – Dein Kind ist weg. Dein schlimmster Albtraum beginnt.
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Andy und Laura Boyd sind tolle Eltern. Ihre Kinder Harriet und Connor haben viele Freiheiten, müssen sich aber an bestimmte Regeln halten. Dazu zählt auch, pünktlich nach Hause zu kommen. Eigentlich kein ...

Andy und Laura Boyd sind tolle Eltern. Ihre Kinder Harriet und Connor haben viele Freiheiten, müssen sich aber an bestimmte Regeln halten. Dazu zählt auch, pünktlich nach Hause zu kommen. Eigentlich kein Thema, bis zu dieser einen verhängnisvollen Nacht. Connor kommt nicht zur vereinbarten Zeit nach Hause, sondern wird von der Polizei festgenommen. Er soll schuld am plötzlichen Verschwinden von Emily sein. Connor schweigt zu den Vorwürfen und gerät damit immer mehr ins Visier der Polizei. Andy versucht alles, um die Unschuld seines Sohnes zu beweisen. Doch kann er seinem Sohn wirklich vertrauen?

Schon lange habe ich nicht mehr so intensiv mitgefiebert, wie bei dieser krassen Story. Auch ohne Mutter zu sein, kann man gar nicht anders, als die Handlung von Anfang bis Ende voller Anspannung und Neugier zu verfolgen und mit den Eltern mitzuleiden. Denn was uns Logan hier auftischt, ist eine nervenaufreibende Katz-und-Maus-Jagd mit allerlei Irritationen. Ständig dreht sich die Handlung und am Ende war ich mir selbst nicht mehr sicher, wem ich hier eigentlich noch glauben kann und wem nicht. Genial!

Der Schreibstil von Logan tut sein Übriges und reißt den Leser förmlich mit. Spannend und voller unerwarteter Wendungen erzählt uns der Autor eine Familiengeschichte der besonderen Art. Dabei greift er die angespannte Atmosphäre direkt auf und lässt den Leser die Geschehnisse hautnah miterleben. Ob beim Verhör auf der Wache, bei der Vermisstensuche im Wald oder bei privaten Gesprächen im Haus der Boyds – ich hatte jederzeit das Gefühl, mittendrin zu sein und habe die Handlung dadurch noch intensiver erleben dürfen. Auch die kurzen Kapitel, die fließend ineinander übergehen, regten zum Weiterlesen an und es war mir schier unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen.

An den Schlussteil hatte ich ganz große Erwartungen und diese wurden vollumfänglich erfüllt. All meine bereits zurechtgelegten Theorien wurden mit einem Schlag zerstört, denn die Auflösung sorgte für einen krassen Oha-Moment. Ein ausgeklügelter Schluss dieser nervenzerreißenden Familienstory.

Fazit: Gut, besser, Logan! Eine Familienstory der besonderen Art, die das Thrillerherz ordentlich pumpen lässt. Der Autor hat all meine Erwartungen übertroffen. Ich bin total begeistert von diesem Pageturner!

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Veröffentlicht am 08.07.2024

Ohren auf für das Duell der Phonetiker!

Tödlicher Schall
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Matthias Hegel ist zurück! Dabei war das alles andere als vorhersehbar, denn ein Aortenaneurysma hat ihm fast den Garaus gemacht. Dem Tod nochmal von der Schippe gesprungen kehrt Hegel erholt aus der Reha ...

Matthias Hegel ist zurück! Dabei war das alles andere als vorhersehbar, denn ein Aortenaneurysma hat ihm fast den Garaus gemacht. Dem Tod nochmal von der Schippe gesprungen kehrt Hegel erholt aus der Reha zurück. Doch schon auf der Zugfahrt hört er Töne, die andere Fahrgäste nicht hören. Schnell ist klar, dass jemand ihm gezielt eine Nachricht zukommen lassen will. Dieser jemand ist niemand Geringeres als sein alter Studienkollege Veith Vries. Er hat noch eine alte Rechnung mit Hegel offen, denn sein Gutachten über ihn hat Vries damals einen Strich durch die Rechnung beim Militär gemacht. Im Gegensatz zu Hegel hat er nichts mehr zu verlieren. Dieser jedoch alles. Es kommt zum Duell der Phonetiker, bei dem es nur um eines geht: Leben oder Tod.

Kliesch bleibt seinem fesselnden Erzählstil treu und lässt auch in diesem Band wieder aus diversen Perspektiven in die Handlung blicken. Inspiriert von seinen eigenen Krankenhauserfahrungen - wie er in seiner Danksagung erwähnt - hat Kliesch hier eine Story geschaffen, die mich dauerhaft in Atem gehalten hat. Flüssig und eloquent peitscht er seine Leserschaft durch die Geschehnisse und haut dabei wieder allerhand Informationen in Sachen Phonetik raus.

"Die meisten Menschen nehmen Töne so selbstverständlich hin wie Atemluft. Beides können sie nicht sehen, also ist es zwar schon irgendwie da, aber andererseits auch nicht. Gat man erst einmal verstanden, dass Töne physikalische Fakten sind, dann eröffnet sich einem eine Welt, die den weitaus meisten Menschen verborgen bleibt." (Zitat Pos. 2396)

Matthias Hegel ist ja schon lange kein Unbekannter mehr und bezeichnet sich selbst als "das wandelnde Ohr". Damit trifft er den Nagel voll auf den Kopf und verzaubert uns auch im fünften Teil mit seinem Fachwissen. Aber auch Jula Ansorge ist von Hegels Seite mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Die beiden sind zu einem DreamTeam geworden und Jula hat so einiges von Hegel gelernt. Das stellt sie in Band fünf mehr als einmal unter Beweis und lässt den Leser zudem noch näher an sich und ihre Privatsphäre heran.

Wie bereits auch bei den Vorgängern wartet im Schlussteil mal wieder eine unerwartete Überraschung auf uns. Diese stellt für mich diesmal alle anderen in den Schatten und ich bin irre neugierig auf die Fortsetzung!

Fazit: Bühne frei und Ohren auf für das Duell der Phonetiker! Nervenaufreibend, informativ und spannungsgeladen setzt Kliesch seine Auris-Reihe fort und hat mich damit absolut begeistert! Wer auf der Suche nach einem echten Knaller ist, der sollte hier unbedingt reinschauen bzw. reinhören.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Der perfekte Abschluss einer genialen Trilogie

City in Ruins
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Was habe ich mich auf diesen Band gefreut! Das Finale einer Trilogie, die mich durchweg überzeugt und bestens unterhalten hat. Ich bin traurig, dass ich mich nun von Danny verabschieden muss. Was mir am ...

Was habe ich mich auf diesen Band gefreut! Das Finale einer Trilogie, die mich durchweg überzeugt und bestens unterhalten hat. Ich bin traurig, dass ich mich nun von Danny verabschieden muss. Was mir am dritten Teil gefallen hat, verrate ich euch jetzt:

Vom Mafiosi zum erfolgreichen Geschäftsmann. Diesen Status hat sich Danny Ryan hart erarbeitet und er will nach seinem erfolgreichen Feldzug gegen das Drogenkartell mit dem Kauf eines alten Hotels in Las Vegas den Coup seines Lebens machen. Danny kann einfach nicht genug bekommen und zettelt mit dem Kauf einen ungeahnten Krieg an, ohne zu wissen, welche einflussreichen Gegner er sich damit zu Feinden macht. Als ihm dies schließlich bewusst wird, muss er sich erneut seiner Vergangenheit stellen, um nicht alles zu verlieren. Vor allem nicht das Wichtigste in seinem Leben – seinen eigenen Sohn.

Don Winslow zieht die Fäden in diesem finalen Band clever zusammen. Er blickt zurück in die Vergangenheit und lässt alte Bekannte wieder auftauchen, mit denen Danny noch die ein oder andere Rechnung offen hat. Aber auch Dannys neue Gegner sind ihm durchaus ebenbürtig und nicht zu unterschätzen. Als es dann seinem Sohn an den Kragen geht, kennt Danny keine Gnade mehr. Er verwandelt sich schlagartig wieder in den skrupellosen Kerl aus Band 1, vor dem er sich selbst gefürchtet hat. Ebenjene Verwandlung und das Setting der grandiosen Stadt Las Vegas machen diesen Reihenabschluss für mich zu einem echten Highlight.

Der Schreibstil von Winslow ist gewohnt spannend, mitreißend und äußerst bildhaft. Bei einigen Szenen hatte ich das Gefühl, mittendrin in einem Blockbuster zu sein. Ich konnte die Geschehnisse hautnah miterleben und fand es ziemlich nervenaufreibend, die Story aus diversen Perspektiven betrachten zu dürfen. Die Charaktere hat Winslow ausgesprochen detailliert und authentisch gezeichnet. Sie sind vielschichtig und geheimnisvoll, schrecken aber vor nichts zurück. Danny beweist bis zum Schluss, dass er es immer noch drauf hat. Ich hab ihn einfach gefeiert!

Fazit: Action, Nervenkitzel, Gewalt, aber auch große Gefühle runden das Werk von Winslow ab und bilden den perfekten Abschluss dieser genialen Trilogie. Winslow verabschiedet sich, wie ich hörte, mit „City in Ruins“ aus der Bücherwelt und hat auf jeden Fall noch mal ordentlich Eindruck hinterlassen. Ich halte seine Bücher in Ehren!

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Veröffentlicht am 25.06.2024

Teilweise zu ausufernd, meistens spannend und voller Ideen

Ferryman
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Tatsächlich hat mich das Buch ein wenig überrascht. Im positiven Sinne. Ich hatte einen leichten Krimi erwartet, mir wurde jedoch eine neue phantastische Welt im Science-Fiction-Stil eröffnet, in die ich ...

Tatsächlich hat mich das Buch ein wenig überrascht. Im positiven Sinne. Ich hatte einen leichten Krimi erwartet, mir wurde jedoch eine neue phantastische Welt im Science-Fiction-Stil eröffnet, in die ich mich erst hineinfinden musste. Der Einstieg war holprig, trocken, zu viel Neues prasselte auf mich ein. Doch als ich mich mit den Figuren und Gegebenheiten vertraut gemacht hatte, war ich schier gefangen in der sagenumwobenen Story.

Proctor Bennett ist der Hauptprotagonist der Geschichte. Ein wenig gewöhnungsbedürftig als Charakter, aber nach und nach habe ich ihn zu verstehen gelernt. Er liebt Prospera, stellt nichts in Frage, lebt sein Leben. Sowohl beruflich als auch privat. Jedoch hat so alles schöne Leben ein plötzliches Ende, weshalb sich unser Charakter die Frage stellt: „Was mache ich hier eigentlich?“ Das hat mir gut gefallen, denn dadurch hat sich Proctor weiterentwickelt und seine Figur ist durch diese Erfahrungen gewachsen. Auch die Nebenfiguren haben zur Story beigetragen und konnten daher gut mit Proctor harmonieren. Den ein oder anderen hätte ich gern näher kennengelernt, zum Beispiel seine Frau Elise, Künstlernatur, wild und eigensinnig.

Zu Beginn wirkt das Buch und auch die Geschichte düster, unnatürlich, sodass ich (wie eingangs erwähnt) Probleme hatte, mich zurechtzufinden. Der Autor wechselt zwischen auktorialer Erzählweise und der Ich-Perspektive hin und her, was einfach nicht mein Ding ist. Ich muss mich dadurch andauernd kopftechnisch umstellen, weshalb ich eine einzelne Perspektive bevorzuge.

Ungefähr zur Hälfte des Buches zieht die Geschichte merklich an und es kommt zu Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Auch der Schreibstil des Autors hat sich nach und nach verbessert. Man konnte seine Begeisterung für die Geschichte förmlich spüren und sich dem Sog deswegen nicht mehr entziehen. Durch seine detailreichen Beschreibungen des Lebens in Prospera und der umliegenden Welt, konnte ich mir das Leben dort wunderbar vorstellen und habe die Geschichte sehr genossen. Insbesondere das Ende hat mir sehr gut gefallen, auch wenn es vorhersehbar war. Aber die ganze Aufdröselung der Geschehnisse war rundum gelungen, spannend und hinterließ keine offenen Fragen.

Fazit: Das Buch rutscht hin und wieder in einen Bereich, in dem man sich selbst die Frage stellt, wieso, weshalb, warum passiert dieses und jenes. Mir selbst ist das ein wenig zu sehr Philosophie und Eintönigkeit gewesen. Der Autor hätte diesen Teil besser ausarbeiten oder eben komplett rauslassen können. Der Hauptstrang an sich jedoch war interessant und gut umgesetzt, facettenreich und voller kreativer Plotideen. Ich empfehle das Buch gern weiter, denn dem ein oder anderen Science-Fiction-Fan wird es bestimmt gefallen.

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