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Veröffentlicht am 21.09.2023

Offene Fragen, Potenzial nicht ausgeschöpft

Die Todesbotin
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Die Story wurde aus der Ich-Perspektive verfasst. Dadurch lernen wir unseren Charakter Eerie, die Banshee, besser kennen und fühlen uns ihr näher verbunden. Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, ...

Die Story wurde aus der Ich-Perspektive verfasst. Dadurch lernen wir unseren Charakter Eerie, die Banshee, besser kennen und fühlen uns ihr näher verbunden. Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, sodass man sich alles äußerst bildhaft vorstellen kann - wie beispielsweise Edinburgh, aber auch die Geschehnisse selbst.

Eerie wurde als Protagonistin klug konzipiert. Sie wirkte überaus authentisch, sympathisch und man konnte ihre Handlungen nachvollziehen. Von der eiskalten Killerin vollzog sie immer mehr einen Wandel zu den Menschen hin. Wir bekamen ihre Verwirrung mit, ihre Gefühlsänderungen und die Veränderungen ihres Charakters. Das hat die Autorin großartig umsetzen können. Eerie hat mehr und mehr ihre Welt in Frage gestellt, was ihren „Arbeitgebern“ natürlich nicht unbedingt zugesagt hat.
Auch die anderen Charaktere, sowohl Adam als auch die Nebencharaktere, haben gut ins Geschehen gepasst und mit der Geschichte harmoniert. Der eine oder andere Charakter hätte noch feiner ausgearbeitet werden können, doch hier meckere ich auf hohem Niveau.

Die Story war hingegen etwas zäh. Spannung war stellenweise vorhanden, konnte jedoch gerade so bei Laune halten. Vieles wurde nur oberflächlich angeschnitten, sodass ich mir gerne mehr Klärung gewünscht hätte. Schlussendlich sind noch Fragen übriggeblieben, weswegen das Ganze nicht stimmig abgerundet war. Die Story bot auf jeden Fall das Potenzial zu mehr.

Fazit: Eine interessante Geschichte mit einem wundervollen Setting und sympathischen Charakteren. Jedoch wurde das vorhandene Potenzial nicht vollends ausgeschöpft. Daher bleibt ein unbefriedigender Nachgeschmack. Ich denke aber, dass das Buch dennoch Fantasy-Fans gefallen könnte, denn der Plot selbst ist gut aufgebaut und überraschte mit einigen Ideen.

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Veröffentlicht am 21.09.2023

Erst zum Ende hin spannend und tragisch

Die Suche
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Bundesermittler Aaron Falk besucht Freunde zu einer Taufe. Zeitgleich findet das alljährliche Weinfest der Ortschaft statt, auf dem im vergangenen Jahr Kim Gillespie verschwand. Die Ermittler gehen von ...

Bundesermittler Aaron Falk besucht Freunde zu einer Taufe. Zeitgleich findet das alljährliche Weinfest der Ortschaft statt, auf dem im vergangenen Jahr Kim Gillespie verschwand. Die Ermittler gehen von einem Suizid aus. Eine Leiche konnte jedoch nie gefunden werden. Kims ältere Tochter Zoe kann nicht glauben, dass ihre Mutter ihre Schwester, noch ein Baby, einfach allein gelassen und sich in den Tod gestürzt hat. So versucht Zoe, auf dem Fest erneut Zeugen zu finden und dadurch vielleicht auf neue Hinweise zu stoßen. Zudem findet auch Aaron Ungereimtheiten und geht der Sache ebenfalls nach.

Zitat Pos. 206:
"Es musste aufreibend sein, die Hoffnung so lange am Leben zu halten. Wie erfolgreich konnte ein Suchaufruf zwölf Monate nach dem Verschwinden einer Person schon sein? Ein guter Ausgang war jedenfalls nicht zu erwarten."

Der Schreibstil von Jane Harper ist flüssig und man findet schnell in die Story. Es gibt zahlreiche Protagonisten, die man erst sortieren muss, um zu überblicken, wer wer ist und wie was zusammenhängt. Diese Erklärungen und Zusammenhänge sind natürlich für die spätere Aufklärung nötig, wurden aber nach einiger Zeit etwas langatmig. Für meinen Geschmack verlief die Suche nach weiteren Hinweisen zu spannungslos, obwohl man da mehr hätte rausholen können. Erst ab etwa der Hälfte des Buches und einem Perspektivwechsel kommt Spannung in den Plot, der mit einer unerwarteten Wendung endet. Dieser Twist hat es zwar ganz schön in sich, kann aber nicht über vorige Defizite hinwegtrösten.

Fazit: Ein ziemlich langatmiges Prozedere, das unerwartet und ziemlich tragisch endet. Wer Zeit mitbringt und ausführliche Stories mag, die sich am Ende authentisch aufklären, ist mit diesem Thriller sicher gut beraten.

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Veröffentlicht am 21.09.2023

Sozial- und gesellschaftskritisch

Die Lügnerin
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Sind Lügen immer schlecht? Ist eine kleine Notlüge nicht hier und da mal erlaubt? Haben wir nicht alle schon mal gelogen? Und sei es nur, um eine andere Person vor der Wahrheit zu schützen? Andersherum: ...

Sind Lügen immer schlecht? Ist eine kleine Notlüge nicht hier und da mal erlaubt? Haben wir nicht alle schon mal gelogen? Und sei es nur, um eine andere Person vor der Wahrheit zu schützen? Andersherum: Sind wir in der Lage, eine Lüge zu erkennen?

Wer von euch jetzt sagt: „Ja, klar merke ich, wenn mir jemand eine Lüge auftischt“, der hat noch keine Bekanntschaft mit Clara gemacht.

Gleich auf den ersten Seiten enttarnt sie selbst eine ihrer beiläufigen Bemerkungen als Lüge und ich ertappte mich dabei, wie ich bis zu diesem Zeitpunkt, trotz der Ankündigungen im Klappentext, alles Gesagte für bare Münze genommen habe.

Clara habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie ist eine zauberhafte und fantastische (im wahrsten Sinne des Wortes) Person. Mit ihrem einnehmenden Wesen schafft sie es binnen Sekunden, dass ihr nicht nur die anderen Romanfiguren, sondern auch die Leser an den Lippen hängen. Und genau das ist der Clou an dieser Story.

Friedemann Karig brilliert mit einer Sprachgewandtheit, die mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Die Story, die er um Clara entspinnt, ist perfekt durchdacht und dabei absolut leichtfüßig. Er schafft einen fließenden Übergang zwischen Realität und Fantasie. Das Geniale daran ist die Tatsache, dass ich dabei vollkommen das Gefühl für Wahrheit und Lüge verloren habe. Alles scheint glaubhaft. Selbst die überspitztesten Szenen sind so irrwitzig, dass sie schon wieder authentisch wirken. Und ständig fragte ich mich beim Lesen, ob Clara bewusst und entschieden lügt, oder ob ihre Lügen tatsächlich auch ihre eigene Wahrheit sind. Ach, ich könnte hier noch stundenlang über meine Faszination lamentieren.

Darüber hinaus ist Karigs Roman aber noch viel mehr. Sozialkritisch führt er uns als Gesellschaft den Spiegel vors Gesicht. Wie gehen wir mit Problemen wie Armut um? Wie oft fallen Menschen durch irgendein Raster? Sind wir bereit, anderen eine helfende Hand zu reichen und die Wahrheit zu erkennen?

Fazit: Aus mir spricht die absolute Begeisterung! Ihr bekommt hier kein Buch, das euch Thriller, Horror, Blut oder sonstigen Schlitzschlatz bietet. Sondern einen spannenden Roman, der euch an eurer eigenen Intuition und Menschenkenntnis zweifeln lässt. Wer zwischendurch mal Lust auf #wasanderes hat, sollte diesen Roman unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 20.09.2023

Mit einem Unterton von Unbehagen

Die Fremden in meinem Haus
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Das Erste, was ich mich gefragt habe, als ich den Klappentext las, war: Wie kann es sein, dass man abends nach Hause kommt und eine fremde Familie im eigenen Haus wohnt? Die Antwort ergibt sich schnell, ...

Das Erste, was ich mich gefragt habe, als ich den Klappentext las, war: Wie kann es sein, dass man abends nach Hause kommt und eine fremde Familie im eigenen Haus wohnt? Die Antwort ergibt sich schnell, denn Fiona und Bram sind getrennte Eltern, die das Nestmodell leben. Sprich: Die Kinder wohnen fest im Haus, die Eltern wechseln sich dort ab und leben abwechselnd dort und in einer kleinen Wohnung. Dadurch erschien mir der Knackpunkt schon mal nicht allzu konstruiert.

Die Story selbst wird abwechselnd aus der Perspektive der Beiden geschrieben. Fionas Sicht der Dinge erfahren wir durch eine True-Crime-Podcast-Aufnahme. Sie muss ihre Worte weise wählen, denn jeder könnte sie hören und sie muss ihr Image aufrechterhalten. Lieber würde sie so sprechen, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, das ist aber nur eingeschränkt möglich. Bram hingegen kann frei von der Leber weg erzählen - und der Grund hierfür stimmt ein wenig traurig.

Dieser Sichtwechsel war erfrischend und die doch sehr unterschiedlichen Stile haben enorm dazu beigetragen, die Charaktere mehrdimensional zu gestalten. Dennoch fand ich insgesamt, dass Fiona viel zu leichtgläubig dargestellt wurde, fast schon unrealistisch für ihren Charakter. Und Bram – sollte ich mit ihm mitfühlen wegen seines Schicksals? Ihn für seine Handlungen gedanklich ohrfeigen? Ist er hier eher der Antagonist? Spannend!

Zwar konnte ich mir relativ schnell zusammenreimen, was geschehen ist, und meine Vermutung hat sich am Ende auch bestätigt. Dennoch hatte ich durchgehend Spaß am Lesen und habe die Geschichte sehr genossen.

Fazit: Klug konstruiert, fesselnd, mit einem Unterton von Unbehagen und Nervenkitzel - ein blutdrucksteigernder Thriller mit kleineren Schwächen, über die man ruhigen Gewissens hinwegsehen kann, weil alles andere passt.

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Veröffentlicht am 20.09.2023

Typisch Coben - Wahnsinnig spannend!

Nur für dein Leben
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David sitzt lebenslänglich im Gefängnis. Er soll seinen kleinen Sohn Matthew mit einem Baseballschläger getötet haben. Doch er hat keine Erinnerung an die Tat. Als seine Schwägerin Rachel ihn nach fünf ...

David sitzt lebenslänglich im Gefängnis. Er soll seinen kleinen Sohn Matthew mit einem Baseballschläger getötet haben. Doch er hat keine Erinnerung an die Tat. Als seine Schwägerin Rachel ihn nach fünf Jahren besucht und ihm ein Foto zeigt, worauf ein Junge zu sehen ist, der Matthew ähnelt, gerät Davids Welt ins Wanken. Er muss hier raus und seinen Sohn finden. Mit Hilfe seines Patenonkels, der zufällig der Gefängnisdirektor ist, gelingt David die Flucht. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn wenn David gefasst wird, ist alles verloren…

Coben hat mit diesem Thriller wieder ein wahres Meisterwerk geschaffen. Wer seine Bücher kennt, weiß, dass er es versteht, die Spannung direkt zu Beginn aufzubauen und bis zum Ende aufrechtzuerhalten. Sein neuer Thriller knüpft an die bisherige Erfolgsschiene an. Dabei war es nicht nur Cobens fesselnder Schreibstil, der mich durch die Seiten gepeitscht hat. Vielmehr haben mich die komplexen und gut durchdachten Handlungsstränge fasziniert, mit denen der Autor den Leser in Atem hält. Dass er dabei oft familiäre Beziehungen und dunkle Geheimnisse untersucht, die hinter den Fassaden scheinbar glücklicher Familien verborgen sind, gefällt mir besonders gut.

Die Charaktere sind unglaublich authentisch und real gezeichnet. Allen voran David, der mir sofort ans Herz gewachsen ist. Seine Flucht hat mich emotional total berührt, und wäre seine Schwägerin Rachel nicht an seiner Seite gewesen, hätte ich ihn liebend gern unterstützt. So sehr ging mir seine Geschichte unter die Haut. Ich wollte diesem verzweifelten Vater unbedingt dabei helfen, seine Unschuld zu beweisen und die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Coben erzählt uns die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Hauptsächlich aber aus Sicht von David und Rachel. Das hat mir sehr gut gefallen und die Handlung für mich aufgelockert. Auch die überraschenden Wendungen haben meine Neugier herausgefordert und mich den Plot hautnah miterleben lassen. Vor allem gegen Ende gab es für mich kein Halten mehr, denn ich wollte unbedingt erfahren, ob David tatsächlich noch ein Happy End bevorsteht und ich erleichtert durchatmen darf.

Fazit: Schon lange hat mich ein Buch nicht mehr so in Atem gehalten. Eine filmreife Flucht, ein verzweifelter Vater und eine tragische Geschichte machen dieses Werk zu einem Pageturner. Wer mal wieder Lust auf eine ordentliche Portion Nervenkitzel hat, ist hier definitiv richtig. Lesen!

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