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Veröffentlicht am 11.12.2020

Unbedingt lesen!

Wolfssommer
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Irgendwie kam mir doch der Name des Autors bekannt vor. Woher? Wo habe ich ihn schon mal gelesen? Ich komme einfach nicht darauf, bis mir eine Freundin, der ich von „Wolfssommer“ vorgeschwärmt habe, sagte, ...

Irgendwie kam mir doch der Name des Autors bekannt vor. Woher? Wo habe ich ihn schon mal gelesen? Ich komme einfach nicht darauf, bis mir eine Freundin, der ich von „Wolfssommer“ vorgeschwärmt habe, sagte, das sei doch einer der Autoren der Hjorth & Rosenfeldt Reihe. Bingo! Mit „Wolfssommer“ veröffentlicht Hans Rosenfeldt sein erstes in kompletter Eigenverantwortung erschienenes Buch. Und, dies nehme ich vorweg, es ist ihm wirklich gelungen.

Ein Drogendeal, der zwischen zwei Banden in einem Blutbad endet, ruft die russischen Auftraggeber auf den Plan. Doch als die Auftragskillerin Katja nach Schweden kommt, sind längst auch Haparandas (Ex-) Kleinkriminelle tief in die Machenschaften der Drogendealer verstrickt. Damit bringen sie nicht nur sich, sondern auch ihre Familien in eine lebensbedrohliche Gefahr. Denn sie ahnen nicht, mit wem sie sich angelegt haben.

Der übergeordnete Erzähler schildert die Geschehnisse abwechselnd aus der Sicht der handelnden Hauptfiguren. Das lockert die Story nicht nur auf, es treibt die Handlung auch ordentlich voran. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen zum einen die Ermittlungsarbeit der schwedischen Polizei, die versucht, die Morde und deren Hintergründe aufzuklären. Zum anderen begleitet man Katja bei ihrem blutigen Feldzug durch Haparanda. Aber wer wird den Wettlauf gegen die Zeit gewinnen?

Rosenfeldt gelingt es, die Spannung stets auf einem hohen Niveau zu halten. Schnell entwickelt sich „Wolfssommer“ zu einem wahren Pageturner. Nicht zuletzt, weil ihm der Wechsel zwischen Ermittlungsarbeit, Bandenkrieg und den persönlichen Dramen der Figuren perfekt gelungen ist.

Sämtliche Personen sind realistisch und bis ins kleinste Detail durchdacht. Besonders Hanna, die als Polizistin im Mittelpunkt des Geschehens steht, wird schnell zur Sympathieträgerin. Gerade weil sie um ihre Schwächen weiß und bereits einige Tiefschläge und Verluste verkraften musste.

Ebenfalls brilliant und emotional sind Rosenfeldt die Szenen gelungen, in denen die Story aus der Sicht der Stadt Haparanda erzählt wird. Die Stadt erwacht, Menschen sind gekommen, andere gegangen. Glück und Unglück liegen dicht beieinander. Haparanda erwacht auch am nächsten Tag und behält das ein oder andere Geheimnis vorerst für sich.

Persönliches Fazit: Ich bin absolut begeistert! „Wolfssommer“ ist definitiv eines meiner Lesehighlights in diesem Jahr! Und während es nun wohl etwas dauern wird, bis der nächste Teil der neuen Thrillerreihe erscheint, werde ich endlich mal die Hjorth & Rosenfeldt Reihe aus dem Regal holen. Von mir gibt es es eine klare Empfehlung. UNBEDINGT LESEN!

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Veröffentlicht am 04.08.2020

Tolle Fortsetzung!

Die verstummte Frau
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Die Story beginnt gewohnt rasant und lässt den Leser Zeuge eines grauenvollen Verbrechens werden. Will Trent übernimmt die Ermittlungen und hat schon bald eine erste Spur. Doch es scheint, als müsste er ...

Die Story beginnt gewohnt rasant und lässt den Leser Zeuge eines grauenvollen Verbrechens werden. Will Trent übernimmt die Ermittlungen und hat schon bald eine erste Spur. Doch es scheint, als müsste er in der Vergangenheit graben, um den Mörder zu fassen. Dabei kann ihm nur seine Verlobte Sara helfen, deren verstorbener Mann Jeffrey damals die Ermittlungen führte. Zusammen wollen Sie den kranken Killer stoppen, der die Frauen auf perfide weise ermordet.

„Vielleicht folgt er ihnen in den Wald. Er schlägt sie bewusstlos und trägt sie an eine abgelegene Stelle, abseits der Hauptwege. Er betäubt sie mit Drogen und vergewaltigt sie. Er lässt sie liegen und kommt zurück, um bei jedem Besuch weiteren Schaden anzurichten.“ (Zitat)

Die Charaktere Will Trent und Sara Linton sind ja mittlerweile schon bekannt und dennoch faszinieren sie mich immer wieder aufs Neue. Gerade Will gibt in diesem Werk Einblicke in seine traurige Vergangenheit, die mir eine Gänsehaut über den ganzen Körper jagte.

„Das Stapelsystem hatte ihn durch qualvolle Zeiten gebracht. Wenn Pflegeeltern ihn misshandelten oder ein Lehrer ihn anbrüllte, dass er dumm sei, packte er dieses schlimme Gefühl in ein Fach, und wenn alle Fächer voll waren, stellte er ein neues Tablett auf den Stapel.“ (Zitat)

Aber auch Sara leistet wieder hervorragende Arbeit und trägt einen entscheidenden Teil zur Stellung des Mörders bei. Hierbei gibt sie dem Leser wieder faszinierende Einblicke in die Welt der Pathologie.

„Es ist eine Legende, dass Haare und Nägel weiterwachsen. Vielmehr ist es so, dass die Haut sich zurückzieht, was die Nägel länger erscheinen lässt. Balsamierungsflüssigkeit zieht nicht in die Follikel ein, deshalb verliert das Haar seinen Glanz.“ (Zitat)

Der Schreibstil war gewohnt fesselnd und hat mich so stark an das Buch gebunden, dass ich es kaum zur Seite legen konnte. Sehr bildhaft beschreibt Slaughter die Geschehnisse rund um die Morde der Frauen. Dabei legt sie Wert aufs Detail, was mir hin und wieder den Atem stocken ließ. So grauenhaft, wie sie die Ausübung der Morde beschreibt, musste ich doch die ein oder andere Pause einlegen, um verarbeiten zu können, was ich da gerade gelesen habe.

Die aufgebaute Spannung entlädt sich dann vollends im Schlussteil, der eine große Überraschung verbirgt, mit der ich partout nicht gerechnet habe.

Persönliches Fazit: Ein Pageturner, der mich ob der detaillierten Ermittlungsarbeit begeistert hat. Aufgrund der schrecklichen Details ist das Buch womöglich nichts für schwache Nerven - Trigger-Warnung!

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Veröffentlicht am 10.06.2020

Unbedingt lesen!

Patient Null - Wer wird überleben?
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Dieser Thriller hat mich wegen seiner Bezüge zur aktuellen Situation angesprochen. Zwar wird hier mit der Pest ein weitaus schlimmeres Übel über die Welt gejagt, aber gerade das macht die Spannung aus.

Im ...

Dieser Thriller hat mich wegen seiner Bezüge zur aktuellen Situation angesprochen. Zwar wird hier mit der Pest ein weitaus schlimmeres Übel über die Welt gejagt, aber gerade das macht die Spannung aus.

Im Fokus steht Dr. Alana Vaughn. Sie ist Expertin für Infektionskrankheiten bei der NATO und wird aufgrund dessen nach Genua gerufen, um eine Patientin mit einer neuen Art der Lungenpest zu untersuchen. Es stellt sich heraus, dass dieser Erreger gegen Antibiotika resistent ist. So kann sich die Pest ungehindert ausbreiten. Dr. Vaughn weiß, dass sie den „Patient Null“ schleunigst finden muss. Gemeinsam mit Byron Menke von der WHO macht sie sich auf die Suche.

Die Charaktere sind speziell, so dass ich mich nicht mit ihnen identifizieren konnte. Das machte sie leider auch etwas unsympathisch. Trotzdem - oder gerade deswegen - gefielen sie mir. Es müssen weder Sympathisanten sein noch Stereotypen. Die machen das Ganze nur zu einem 08/15-Mainstream-Einheitsbrei. Es war schön, auch mal Figuren zu beobachten, die ich nicht sonderlich mag.

Italien als Kulisse war neu für mich und hat sehr gut zum Plot gepasst.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, die miteinander verknüpft sind. Dadurch bekommt auch die Handlung einiges an Tempo, Längen sind so gut wie nicht vorhanden. Zwar gab es einige Passagen, die sehr fachlich gehalten waren, doch der Autor hat es geschafft, das Fachchinesisch verständlich zu halten und so zu vermeiden, dass man Passagen nicht oder nur schwer versteht.

Alles in allem konnte ich viele Parallelen zur jetzigen Situation finden, was das Lesen umso interessanter gemacht hat. Eine wirklich gelungene Lektüre.

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Veröffentlicht am 12.03.2020

Ein herzergreifendes Buch

Rückkehr nach Birkenau
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Ginette Kolinka ist eine bemerkenswerte Frau. Die heute 94-Jährige führt regelmäßig Schulklassen durch Ausschwitz, um ihnen ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte über Demütigung ...

Ginette Kolinka ist eine bemerkenswerte Frau. Die heute 94-Jährige führt regelmäßig Schulklassen durch Ausschwitz, um ihnen ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte über Demütigung und abgrundtiefen Hass, die einem eine Gänsehaut über den Körper jagt.

Mit 19 Jahren wird Ginette verhaftet und kommt in Ausschwitz-Birkenau an. Zusammen mit ihrem Vater Léon, ihrem 12-jährigen Bruder Gilbert und ihrem Neffen soll sie ihre Strafe wegen angeblicher Denunzierung absitzen. Schon kurz nach der Ankunft werden die vier getrennt und Ginette in ein Frauenlager überstellt. Ihr Vater und ihr Bruder werden auf grausame Weise vergast.

Das Leben in Birkenau geht nicht spurlos an Ginette vorbei. Sie wird von Depressionen, Panikattacken und Alpträumen geplagt, dabei ist ihr Leidensweg noch lange nicht vorüber. Ginette erzählt von ihrer Arbeit in den Konzentrationslagern, davon, dass sie sich mit fünf anderen Mädchen ein Bett teilen musste und von dem endlosen Hungergefühl. Laut eigener Aussage war der Hunger das Einzige, an das sie permanent gedacht habe.

Als sie 1945 endlich befreit und nach Lyon zurücküberstellt wurde, machte sie sich gleich auf die Suche nach Verwandten, die hoffentlich überlebt hatten. Und tatsächlich wurde sie in Paris fündig. Später lernte sie ihren Ehemann kennen und betrieb mit ihm vierzig Jahre lang ein Wirk- und Strickwarengeschäft auf dem Markt von Aubervilliers. Erst als Ginette Witwe war kam sie zu der Erkenntnis, dass sie über das Erlebte in Ausschwitz sprechen muss.

Die Erzählungen von Ginette faszinierten und erschraken mich zugleich. Fasziniert war ich von der starken Frau, die den Mut hat, über die schlimmen Erlebnisse zu sprechen und den Menschen vor Augen zu führen, wie schrecklich es damals in Ausschwitz zuging und wie wichtig es ist, dass sich das niemals mehr wiederholen darf! Die Schilderungen ihrer Qualen, sei es der Hunger oder die Demütigungen, die sie über sich hat ergehen lassen müssen, haben mir Tränen in die Augen getrieben und mich fassungslos zurückgelassen. Unvorstellbar, was Ginette und Millionen anderen Unschuldigen dort widerfahren ist.

Zum Schluss hat Ginette nur einen Wunsch - und dem schließe ich mich uneingeschränkt an: „Wenn ihr hört, wie Eure Eltern, Verwandte oder Freunde rassistische, antisemitische Äußerungen von sich geben, fragt sie warum. Ihr habt das Recht zu diskutieren, sie von ihrer Meinung abzubringen, ihnen zu sagen, dass sie sich täuschen.“

Persönliches Fazit: Ein herzergreifendes Buch über eine unglaublich starke und mutige Frau. Diese grausame Geschichte darf sich nicht wiederholen, da sind wir uns alle einig!

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Veröffentlicht am 25.02.2020

Potenzial zur neuen Lieblingsreihe

Wisting und der Tag der Vermissten
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Hach, mal wieder ein norwegischer Krimi. Darüber kann ich eigentlich nie etwas Schlechtes sagen. Ich bin einfach zu vernarrt in die Skandinavier – absolute Atmosphären-Götter für mich!

Auch dieser Krimi ...

Hach, mal wieder ein norwegischer Krimi. Darüber kann ich eigentlich nie etwas Schlechtes sagen. Ich bin einfach zu vernarrt in die Skandinavier – absolute Atmosphären-Götter für mich!

Auch dieser Krimi konnte mich absolut überzeugen. Umso erschrockener war ich, als ich festgestellt habe, dass es bereits eine Reihe um Kommissar William Wisting gibt, die komplett an mir vorbeigegangen ist. Beim hier rezensierten Buch handelt es sich um ein Spin-off, die Reihe hängt also mit den bisher veröffentlichten Büchern zusammen, kann aber auch unabhängig davon gelesen werden.

Aber wenden wir uns erstmal dieser Geschichte zu. Vor 24 Jahren verschwand Katharina Haugen. Zurück hinterließ sie neben ihrem Koffer einige vertrocknete Rosen und einen Code aus Ziffern und Zahlen, den keiner entschlüsseln kann. Jedes Jahr besucht Kommissar William Wisting den Ehemann der Verschwundenen – bis dieser eines Tages selbst verschwindet. Und da geht es erst richtig los, denn der Ehemann gehörte damals zu den Verdächtigen. Ihm konnte allerdings nie eine Beteiligung an Katharinas Verschwinden nachgewiesen werden. Zu allem Überfluss tauchen seine Fingerabdrücke jetzt auch noch in einem anderen Cold Case auf.

William Wisting als Protagonist ist ein absoluter Sympathieträger. Keine Spur von Klischee, kein Alkohol, keine schreckliche Vergangenheit, kein Egoist. Im Gegenteil. Sein Ein und Alles ist seine kleine Enkeltochter, für die er ein gutes Vorbild sein möchte. Die Charaktere insgesamt sind menschlich und nicht perfekt – jeder hat seine Stärken, aber auch Schwächen.

Dieser Thriller kommt fast ohne Blut aus. Dafür kann der Autor mit der düsteren Stimmung punkten und mit spannenden Ermittlungen. Besonders gut ist hierbei, dass die Ermittlungsarbeit nicht von heute auf morgen geschieht, sondern dass dies authentisch dargestellt wird und man sich für sie Zeit nimmt. Da der Autor selbst etliche Jahre als Polizist tätig war, kann er die Abläufe realistisch schildern.

Das Buch lässt sich langsam angehen, zieht dann jedoch rasant an Tempo an. Je tiefer ich in die Geschichte gezogen wurde, desto weniger konnte ich das Buch an die Seite legen. Mit Spannung warte ich auf den nächsten Teil, denn ich fand es sehr schade, mich von Wisting verabschieden zu müssen.

Persönliches Fazit: Nach und nach werden hier die verschiedenen Schichten freigelegt. Diese Reihe könnte das Potenzial zur neuen Lieblingsreihe haben. Leseempfehlung - nicht nur an Freunde von Krimis, sondern an jene Leser, die gern Ermittlungen mitverfolgen!

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