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Veröffentlicht am 24.03.2020

Estep in Höchstform!

Kill the Queen
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Juhu, eine neue Serie von Jennifer Estep! Und sie wagt sich endlich in die High Fantasy vor!

Im Auftakt ihrer neuen Reihe lernen wir das Königreich Bellona kennen, das einst von einer Gladiatorin gegründet ...

Juhu, eine neue Serie von Jennifer Estep! Und sie wagt sich endlich in die High Fantasy vor!

Im Auftakt ihrer neuen Reihe lernen wir das Königreich Bellona kennen, das einst von einer Gladiatorin gegründet wurde. Es ist ein eher mittelalterlich anmutendes Land, das aber einigen moderne Annehmlichkeiten bietet, wie zum Beispiel Duschen. Abgesehen davon definiert es sich durch verschiedene Formen der Magie, die auf eine Weise in den Alltag der Menschen integriert ist, von der ich vorher noch nicht gelesen habe. Das Worldbuilding ist der Autorin hier wirklich exzellent gelungen, man erfährt genau die richtige Menge über Kultur, Geschichte und Politik von Bellona und den anderen Königreichen, sodass man perfekt in diese neue Welt eintauchen kann, ohne überfordert zu werden. Außerdem hat Estep ein Händchen für die Details, die alles so lebensecht wirken lassen - seien es Beschreibungen von leckerem Gebäck, Aufführungen von speziellen Tänzen oder Dichtungen bedeutungsschwerer Kinderreime.

Das Ganze präsentiert sie in gewohnt lockerem Schreibstil mit viel Gefühl, Humor und Spannung. Insgesamt ist das Verhältnis von Beschreibungen, Action- Szenen und Dialogen sehr ausgewogen, was das Lesen angenehm und abwechslungsreich gestaltet.

Und dann sind da noch die unglaublich toll gelungenen Figuren, allen voran die Protagonistin Everleigh. Sie hat einige Schicksalsschläge erlitten, aber sie erträgt sie mit hoch erhobenem Kopf, ohne zu klagen oder verbittert zu reagieren. Außerdem ist sie entschlossen, loyal und sehr bedacht, trotzdem schlagfertig, kämpferisch und liebevoll. Alles, was sie erreicht, hat sie sich erkämpft und verdient, ich kann nicht anders als sie zu bewundern.

Auch die Nebencharaktere haben jeder eine eigene Persönlichkeit, die im Verlauf der Geschichte gut erkundet wird. Da ist zum einen Vasilia, die Grausamkeit in Person und verräterische Königin, die ältere Gladiatorin Serilda mit ihren eigenen Plänen und es gibt Lucas Sullivan. Zwischen ihm und Evie fliegen die Funken und ihre Streits sind herrlich zu lesen, aber es gibt auch gegenseitigen Respekt, der Hoffnung auf eine Beziehung macht, in der sich beide Partner gut tun und das Beste im anderen zum Vorschein bringt. Die angedeutete Romanze zwischen beiden kommt aber eher spät zum Tragen und nimmt keinen wesentlichen Einfluss auf die Handlung. So gibt es hier endlich mal eine coole New Adult Fantasy Erzählung, die ohne eine aufgeblähte Liebesgeschichte fesselt und funktioniert.

Dies gelingt dank eines Handlungsbogens, der zwar nicht allzu originell ist (Prinzessin muss aus Palast fliehen und kämpfen lernen, um Thron zurückzuerobern) aber mit seinen Figuren und seiner Umsetzung so rüberkommt. Auch wenn man natürlich ahnt, worauf alles hinausläuft, weiß man lange Zeit eigentlich nicht, was einen erwartet und die Autorin zaubert immer wieder überraschende, neue Herausforderungen aus dem Hut, die einen von Seite zu Seite fliegen und keine bisschen Langeweile aufkommen lassen. Cool ist auch, dass diese Herausforderungen realistisch gemeistert werden, und nicht in letzter Sekunde irgendwelche magischen Dinge das Blatt wenden.

Das Buch findet schließlich zu einem Ende, das die Haupthandlung in diesem Band abschließt, aber genug Fäden offenlässt, an die in den Folgeteilen angeknüpft werden kann. Ich für meinen Teil möchte Bellona erstmal noch nicht verlassen und werde mir den Rest der Reihe, der auf Englisch zum Glück schon erschienen ist, sofort bestellen. Und dann hoffe ich, dass Jennifer Estep schön weiter Fantasy Romane schreibt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2020

Zu hohe Erwartungen

The Grace Year
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Kim Liggets Roman „The Grace Year" wurde im englischsprachigen Raum ziemlich gehyped, dementsprechend hatte ich hohe Erwartungen. Vielleicht zu hohe.

Eines vorneweg- die Handlung ist durchaus fesselnd ...

Kim Liggets Roman „The Grace Year" wurde im englischsprachigen Raum ziemlich gehyped, dementsprechend hatte ich hohe Erwartungen. Vielleicht zu hohe.

Eines vorneweg- die Handlung ist durchaus fesselnd und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Es gab unerwartete Twists, die Charaktere waren nachvollziehbar und der Schreibstil sehr angenehm. Aber irgendwie hatte ich durchweg das Gefühl, dass alles schon mal da gewesen ist. So ist der feministische Ansatz zwar nach wie vor aktuell, aber eben schon des Öfteren in Kunst und Kultur behandelt worden. Auch die Protagonistin hat mir gefallen, aber sie geht in der Masse von Teenage Heldinnen wie Katniss Everdeen und Tris Prior unter.

Leider kam es mir vor allem gegen Ende auch so vor, als hätte sich die Geschichte im Kreis gedreht. Klar, das Buch wurde Grace Year genannt, und genau um dieses Gnadenjahr geht es auch. Aber um mehr nicht wirklich. Alle Mädchen in einem bestimmten Alter werden für 1 Jahr verbannt, weil sie angeblich eine gefährliche Magie haben, die ihnen ausgetrieben werden muss. Danach entscheiden die Männer, ob sie verheiratet (das ist für die Mädchen erstrebenswert) werden oder sklavenähnlich arbeiten (nicht erstrebenswert) müssen. Die aufmüpfige Protagonistin Tierney (sie zieht die Arbeit einer Heirat vor) ist nun in diesem Alter und wir erleben ihr Gnadenjahr mit ihr.

Die „Welt“ in der die Geschichte spielt, ist sehr begrenzt, so gibt es nur eine Stadt, deren Bewohner scheinbar allesamt in eine Kirche passen, sowie Außenbezirke, die der Leser nicht näher kennenlernt und natürlich die Wildnis, in welcher das Gnadenjahr stattfindet. Hintergründe zu der Gesellschaft, vor allem wie sich diese extreme Geschlechterungleichheit entwickelt hat, werden nicht gegeben. Mein Hauptproblem ist aber, dass sich im Vergleich von Anfang und Ende der Geschichte nicht viel geändert hat. Tierney war schon zu Beginn rebellisch und bleibt das auch, hat also keine große Entwicklung durchgemacht. Und an der Gesamtsituation ändert sich (wenn man von Details absieht, die ich nicht Spoilern möchte) auch nicht viel. Insbesondere nach der letzten Seite kam es mir so vor, als wäre die Geschichte ein einzig langer Prolog gewesen und die interessanten Sachen, von denen ich gerne gelesen hätte, würden vorenthalten bleiben. Vielleicht gibt es ja noch eine Fortsetzung, vielleicht würde ich diese Fortsetzung sogar lesen. Vielleicht aber auch nicht.

Alles in allem habe ich das Buch wirklich gerne gelesen, aber es ist keines, das herausragt und das ich später nochmal in die Hand nehmen werde, um mich nostalgisch an das erste Lesen zurückzuerinnern.
Wer aber auf der Suche nach Action, Spannung, ein wenig Liebe, etwas Revolution in einer dystopischen Welt und einer starken jungen Frauen ist, der wird hier definitiv fündig, und dem lege ich das Buch guten Gewissens ans Herz.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.02.2020

Hat Potential

Im Schatten des Kronturms
1

Ich muss gestehen, dass ich nicht so ganz wusste, worauf ich mich bei diesem Buch einlasse. Mir war einfach mal wieder nach klassischer Fantasy und da kam dieses Buch gerade recht. Dass es sich dabei um ...

Ich muss gestehen, dass ich nicht so ganz wusste, worauf ich mich bei diesem Buch einlasse. Mir war einfach mal wieder nach klassischer Fantasy und da kam dieses Buch gerade recht. Dass es sich dabei um ein Prequel für eine andere Serie des Autors handelt, ist mir erst beim Lesen aufgefallen.
Nichtsdestotrotz kam ich gut in die Geschichte hinein und der Autor hat genug Erklärungen gegeben, falls man sich in der Welt noch nicht auskannte. Dabei hat er größtenteils sehr angenehm geschrieben, aber der Autor ist jemand, der gerne mal eine Sache in zwei Sätzen formuliert, auch wenn es nicht unbedingt sein muss.
Insgesamt war die Geschichte recht spannend, mit einigen interessanten Charakteren und Problemen, die es zu überwinden galt. Der Fokus der Handlung lag aber eindeutig auf der sich entwickelnden Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten. Diese könnten beide nicht unterschiedlicher sein und können sich zu Beginn auch gar nicht ausstehen. Wie sie langsam Vertrauen zueinander fassen und ihre Gemeinsamkeiten entdecken, war schön zu verfolgen. Allerdings konnten sie mich leider nicht 100 % fesseln, da ich mich mit keinem von beiden wirklich identifizieren konnte und ihre Art von Charakter in so vielen Varianten in so vielen Büchern schon vorgekommen ist. Es hat einfach etwas der Tiefgang gefehlt und ein paar Alleinstellungsmerkmale. Damit möchte ich nicht sagen, dass die Geschichte schlecht ist, nur ist sie nicht sonderlich originell. Wer aber auf Abenteuer, Hau-Drauf- Leute und Männerfreundschaft steht, wir mit diesem Buch Freude haben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.12.2019

Laini Taylor - Tolkiens Erbin

Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe
1

Häufig hat man beim 2. Band einer Trilogie das Gefühl, er wäre nur ein Lückenbüßer, eine Überbrückung bis zum Großen Finale. Bei Laini Taylors Werken ist dies bewiesenermaßen nicht der Fall, sondern sie ...

Häufig hat man beim 2. Band einer Trilogie das Gefühl, er wäre nur ein Lückenbüßer, eine Überbrückung bis zum Großen Finale. Bei Laini Taylors Werken ist dies bewiesenermaßen nicht der Fall, sondern sie schafft es sogar immer wieder, sich noch einmal zu übertreffen.
Ich kann nicht viel über die Handlung schreiben, ohne diesen Band oder seinen Vorgänger zu spoilern, deshalb verrate ich nur, dass die Protagonisten Lazlo, Sarai und die sagenumwobene Stadt Weep erneut den Kern der Geschichte darstellen. Hinzu kommen weitere, liebevoll ausgestaltete Charaktere, die einem schnell ans Herz wachsen und noch lange nach dem Beiseitelegen des Buches beschäftigen. Wie die Autorin es schafft, jeder Figur eine Geschichte zu geben, ihr wirklich Leben einzuhauchen, ist nah dran an wahrer Magie und weit weg von jeglichen Stereotypen der Gut-Böse-Fantasyliteratur.
Auch das Worldbuilding ist schlichtweg beeindruckend. Die Geschichte ist in einer detaillierten Welt angesiedelt mit eigener Mythologie, faszinierenden Ethnien und einer ausführlichen Historie. Mit jeder Seite gibt es etwas Neues zu entdecken, ohne dass es überladen wirkt oder den Leser überfordert. Taylor hat die perfekte Balance zwischen Ausschweifungen, die zum Träumen anregen, und einem atemberaubendem Spannungsbogen gefunden. Wenn ich darf, möchte ich sie an dieser Stelle als Erbin Tolkiens bezeichnen.
Nicht zuletzt ist es aber ihr Schreibstil, der mich persönlich immer wieder fesselt, sobald ich eines ihrer Bücher in die Hand nehme. Auch in diesem Werk erzählt sie poetisch und einfühlsam, manchmal macht sie aber auch nur Andeutungen um der Fantasie des Lesers eigenen Raum zu geben. So entsteht aus einem einzigen Absatz ein Gemälde, mal surreal und mal epischen Ausmaßes, auf jeden Fall nicht von dieser Welt.
Zwiegespalten kann ich es jetzt kaum erwarten, bis der dritte Band erscheint und endlich die letzten großen Geheimnissen gelüftet werden, andererseits möchte ich, dass diese Buchreihe nie endet.
Wer oder was auch immer Laini Taylor inspiriert: Möge es von Dauer sein.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.12.2019

FSK 16

Vicious - Das Böse in uns
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Ich begann dieses Buch an einem Samstag zu lesen. Und plötzlich war es Montagmorgen.

„Vicious-Das Böse in uns" ist eines dieser Bücher, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man es einmal aufgeschlagen ...

Ich begann dieses Buch an einem Samstag zu lesen. Und plötzlich war es Montagmorgen.

„Vicious-Das Böse in uns" ist eines dieser Bücher, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man es einmal aufgeschlagen hat.
Wer V.E. Schwan kennt, weiß, dass ihre Worte einen in ihren Bann schlagen und auch in diesem Werk verzaubert sie mit einer gewohnt ausdrucksstarken Sprache. Jene passt vom Stil unheimlich gut zur originellen Handlung und auch wenn die Geschichte mehr oder weniger in unserer Welt angesiedelt ist, fühlt man sich, als hätte man sich in eine Fantasiewelt begeben.

Alles beginnt mit zwei brillanten, jungen Medizinstudenten und entwickelt sich zu einem Epos um Rache, Freundschaft, und das Böse in all seinen Facetten. Man hat ein bisschen das Gefühl, hier wird der Grundstein für etwas viel Größeres gelegt, obwohl die Autorin schon mit so vielen Wendungen und Enthüllungen aufwartet, das einem fast schwindelig wird. Ich kann es kaum erwarten, bis die Fortsetzung kommt!

Das faszinierendste an dieser Geschichte sind aber vor allem die beiden Hauptcharaktere. Beide waren einst Freunde, und entwickeln sich zu so unterschiedlichen Menschen, dass sie einen Kampf auf Leben und Tod miteinander beginnen. Dabei sind beide moralisch äußerst fragwürdig, aber ihre Motive werden absolut nachvollziehbar dargestellt, dass man (zumindest teilweise) Sympathie und Verständnis für sie entwickelt. Sie sind eigentlich typische Anti-Helden, aber in ihrer Persönlichkeit und eigenen Geschichte so besonders, was sie mit zu den spannendsten literarischen Figuren macht, über die ich je gelesen habe.

Nichtsdestotrotz sollte man festhalten, dass es eine düstere, brutale Geschichte ist - sowohl Cover als auch Titel deuten das ja schon an. Und auch wenn der Klappentext verrät, dass es um Superkräfte geht, sollte man dabei nicht an Comic Helden denken. Hier wird ein wissenschaftlicher Ansatz gegeben, und man sieht, was passiert wenn die falschen Personen Macht bekommen. Wenn jemand in seiner ethischen Entwicklung noch nicht ganz gefestigt ist, könnte dieses Buch eventuell zu Problemen führen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere