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Veröffentlicht am 17.05.2022

Eine Drei-Sterne-Reihe

Das Juwel – Der Schwarze Schlüssel
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Violet ist nun ein Teil des schwarzen Schlüssels und sie sind bereit, den ersten großen Schlag gegen das Juwel vorzubereiten. Sie sammeln und trainieren ihre Kräfte, feilen an ihren Plänen und sind drauf ...

Violet ist nun ein Teil des schwarzen Schlüssels und sie sind bereit, den ersten großen Schlag gegen das Juwel vorzubereiten. Sie sammeln und trainieren ihre Kräfte, feilen an ihren Plänen und sind drauf und dran, alles zu riskieren, um sich ihre Freiheit zu erkämpfen. Sie setzen alles auf eine Karte und könnten alles verlieren. Doch das ist der Preis, um für die eigene Freiheit und gegen die Unterdrückung der Mächtigen zu kämpfen.

Der Einstieg ins Buch war sehr sanft. Wir wurden langsam wieder in die Geschichte eingeführt, Erinnerungen wurden aufgefrischt, sodass ich gut ins Buch starten konnte.

Nach diesem krassen Cliffhanger aus Band zwei, hatte ich fest damit gerechnet, dass Violet völlig in Aufruhr ist und schon Pläne hat, ihre Schwester schnellstmöglich zu befreien. Dass sie zunächst kaum einen Gedanken an Hazel verschwendet hat, hat mich schon etwas irritiert.

Ich hatte das Gefühl, hingehalten zu werden. Denn erst nach einigen Seiten unnötigen Blablas, kam die Handlung erst richtig in Gang.

Als es endlich losging, kam alles Schlag auf Schlag, und trotzdem musste ich mich schwer gedulden, denn die Vorbereitungen forderten viel Zeit und Ressourcen.

Spannung kam leider auch nie so richtig auf. Denn immer, wenn ein Problem auftrat, wurde es schnell und ohne größere Anstrengung gelöst.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut und schnell lesen, aber so richtig abgeholt und mitgenommen fühlte ich mich nie von ihr. Die Mädchen entdecken ihre Kräfte, aber wie machen sie das? Wie fühlt es sich an? Was passiert denn an dieser Klippe, dass alle völlig verändert und überwältigt wieder zurückkommen? Es wurde einfach sehr viel ausgelassen, vorausgesetzt und einfach angenommen, ohne es wirklich zu erklären. So kamen mir manche Situationen auch nicht logisch vor, weil mir Motivationen, Intensionen und Erklärungen fehlten.

Bei den Charakteren konnte ich keine Entwicklungen erkennen, nur plötzliche Wesensveränderungen, deren Prozess ich irgendwie verpasst habe.

Woran ich dann deutlich gemerkt habe, dass mich das Buch so gar nicht in seinen Bann ziehen konnte, waren die Verluste, die mich völlig kalt gelassen haben. Die Figuren und der Ausgang der Geschichte waren mir beinah gleichgültig, es hätte in einer Vollkatastrophe enden können und ich hätte wohl keine Gefühlsregungen gezeigt.

Für mich hatte diese Reihe einige Schwächen. Ich konnte aber auch nicht aufhören, sie zu lesen. Die Idee an sich war gut, es gab Stellen, die waren interessant und ich habe mich immer gut unterhalten gefühlt.

Das große Finale hat mir auch gut gefallen. Es gab Action und bildhafte Beschreibungen und alle kamen noch irgendwie auf ihre/seine Kosten. Das Ende hat mich dementsprechend zufrieden zurückgelassen. Moralisch fraglich, aber trotzdem in Ordnung. Eben eine Möglichkeit, das Ganze aufzulösen.

Die Reihe war zwar definitiv kein Highlight für mich, ich habe es aber nicht als Zeitverschwendung, sondern als unterhaltsam empfunden. Ich kann mich weder für noch gegen eine Empfehlung aussprechen.

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Veröffentlicht am 17.05.2022

Authentisch, frech, witzig und romantisch. Ein absolut gelungenes Wohlfühlbuch!

Royal Blue
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Alex, der Sohn der amtierenden US-Präsidentin und Henry, der Prinz von England, können sich nicht besonders gut leiden. Auf einer Party passiert ein Eklat, der die beiden „Erzfeinde“ dazu bringt, viel ...

Alex, der Sohn der amtierenden US-Präsidentin und Henry, der Prinz von England, können sich nicht besonders gut leiden. Auf einer Party passiert ein Eklat, der die beiden „Erzfeinde“ dazu bringt, viel und vor allem öffentlichkeitswirksam Zeit miteinander zu verbringen, um keine internationale Vollkatastrophe auszulösen. Und ehe sie sich’s versehen, ist da gar kein Hass mehr zwischen den beiden, sondern viel mehr freundschaftliche Zuneigung, die sich langsam in mehr zu wandeln scheint. Aber ein homosexueller Prinz mit dem draufgängerischen Präsidentensohn… vielleicht sollten die beiden sich besser voneinander fernhalten, um den Schein zu wahren. Ein Prinz muss doch sein Land vor seine Bedürfnisse und persönlichen Gefühle stellen. Eine Liebe, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.

Was für ein Buch! Ich habe Vieles erwartet, aber nicht diese Perfektion :D Bei dieser Geschichte stimmte einfach alles. Die Figuren: ein Traum. Der Schreibstil: ganz große Liebe. Die Dialoge: so authentisch und unterhaltsam. Ich konnte das Buch kaum beiseitelegen.

Schon auf den ersten Seiten hatte mich Alex, der kleine Charmeur. Wie kann jemand nur gleichzeitig so von sich selbst überzeugt sein und trotzdem so sympathisch rüberkommen. Er hat mein Herz innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde erobert.

Mit Henry bin ich nicht ganz so schnell warm geworden, was aber ja absolut gewollt war. Mit seiner reservierten Distanziertheit überrascht er dann eben doch mit seiner warmen und humorvollen Art.

Und auch de restlichen Figuren waren so liebevoll und authentisch gezeichnet, dass ich mich mit ihnen sofort wohlgefühlt habe. Mit ihnen hätte ich mir problemlos eine Freundschaft vorstellen können.

Die Geschichte ist total süß. Relativ vorhersehbar, aber das hat mich überhaupt nicht gestört. Auch Passagen, in denen nicht so viel passierte, habe ich nicht als Längen empfunden, weil der Schreibstil der Autorin auf eine Weise unterhaltsam war, dass es gar nicht viel Handlung gebraucht hätte. Ich hätte stundenlang einfach nur die Dialoge der Figuren lesen können, mir wäre nicht langweilig geworden.

Und dann sind Henry und Alex auch einfach nur so unglaublich süß zusammen. Definitiv ein neues Lieblingsbuchpärchen!

Ich mochte, wie Alex anfing, sich mit seiner Sexualität auseinanderzusetzen. Nicht besorgt, sondern ganz offen und reflektiert. Es macht ihm keine Angst, er analysiert das ganze erstmal, sich selbst, seine Gefühle. Das war spannend. Ein authentisches und nur wenig problem- und klischeebehaftetes Bi-Awakening. Das fand ich echt erfrischend.

Die Geschichte entwickelt sich in einem angenehmen Tempo, ist zwischendurch aufregend, romantisch oder auch mal sexy. Eine schöne Mischung, die keine Wünsche unerfüllt lässt.

Es war ja an und für sich nichts Neues, nichts Weltbewegendes, es ist einfach nur echt, irgendwie frech und schön und macht gute Laune. Und trotz seiner vermeintlichen Banalität, sticht es aus dem N/A Dschungel hervor, weil es einfach alles hat. Ein Wohlfühlbuch ganz ohne Einschränkungen, das ich sehr gerne gelesen habe und unbedingt weiterempfehlen möchte.

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Veröffentlicht am 17.05.2022

Familie

Still missing you
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Betty war für Hazel das, was einer Großmutter am nächsten kommt. Während ihre Pflegemutter sie nicht besonders gut behandelt hat, gab Betty ihr einen sicheren Ort, Liebe und Geborgenheit, wenn auch erstmal ...

Betty war für Hazel das, was einer Großmutter am nächsten kommt. Während ihre Pflegemutter sie nicht besonders gut behandelt hat, gab Betty ihr einen sicheren Ort, Liebe und Geborgenheit, wenn auch erstmal widerwillig. Als sie stirbt, bricht für Hazel eine Welt zusammen und auch für ihre Pflegegeschwister ist das ein derber Schlag. Bettys letzter Wunsch war es, dass die Pflegegeschwister wieder zueinanderfinden, und zu diesem Zweck vererbt sie ihnen ein renovierungsbedürftiges Hotel, das sie nur dann bekommen, wenn sie es wirklich gemeinsam auf Vordermann bringen. Ihr letzter Versuch, die Familie wieder zusammenzubringen. Doch es gibt viele Verletzungen und schmerzhafte Erinnerungen, die die Pflegegeschwister entzweit haben. Ob dieses Projekt gelingt und sie wieder eine Familie werden können, scheint mit dieser Vergangenheit fast unmöglich.

Die Bücher von Valentina Fast sind für mich immer ein Überraschungspaket. Mal mag ich sie sehr gerne und mal komme ich gar nicht mit ihnen zurecht. Dieses hier hat mich positiv überrascht.

Die Idee ist nicht ganz neu, schlägt aber durch den Aspekt der Pflegekinder eine ganz andere Richtung ein, die ich spannend fand. Ich mochte, dass das Familiäre so im Mittelpunkt stand. Die Botschaft ist klar: Familie bedeutet nicht zwangsweise Blutsverwandtschaft, Familie ist viel mehr und wir selber definieren, wer unsere Familie ist. Darüber hinaus macht ein Pflegeverhältnis nicht gleich ein Verwandtschaftsverhältnis, wie uns Hazel und Derek beweisen, die eben romantische Gefühle füreinander haben und dementsprechend immer vehement widersprechen, wenn man sie als Geschwister bezeichnet. Klar :D Das wär ja sonst auch schräg.

Es wird abwechselnd aus Hazels und Dereks Perspektive erzählt, wobei Hazels Geschichte ein bisschen mehr im Vordergrund steht. Ihre jeweilige Vergangenheit wird zwar erwähnt, aber kaum thematisiert. Man lernt die beiden deswegen überwiegend aus heutiger Sicht kennen und weniger darüber, wie sie so geworden sind. Diese Dinge bleiben zwar nicht unerwähnt, kratzen aber nur an der Oberfläche.

Die Geschichte zwischen den beiden fand ich ganz nett, hat mich aber nicht so richtig interessiert. Mir hat da die Chemie gefehlt, das Aufregende, für mich war das zwischen den beiden zu platt und nicht ganz ausgereift. Viel spannender fand ich das Drumherum. Die Dynamik zwischen den Pflegegeschwistern, das Renovieren, alte Freundschaften, die neu zum Leben erweckt wurden. Die Beziehung zwischen Derek und Hazel war zwar komplex, aber dann doch irgendwie recht schnell klar und mit Problemen, die schon etwas konstruiert auf mich gewirkt haben.

Die Figuren mochte ich alle sehr gerne. Manche von ihnen hätte ich gerne noch viel besser kennengelernt. Sie waren nur sehr plakativ gezeichnet. Es gab wenig auch mal nur zwischen den Zeilen. Ich unterstelle einfach mal, dass kein Mensch so gehässig, kein Mensch so glatt und kein Mensch so ehrlich ist, wie sie im Buch dargestellt wurden. Die Figuren waren alle schon sehr stereotyp. Hazel sticht da ein wenig hervor, weil sie deutlich mehr Ecken und Kanten zeigt als die anderen Figuren. Gerade bei der Pflegemutter und einem Exfreund ist mir das besonders deutlich aufgefallen.

Ansonsten hat mir die Geschichte gut gefallen. Die Idee, das Setting, der Schwerpunkt auf der Familie, die Dynamik zwischen den Pflegegeschwistern und auch wie sie das Projekt und die Schwierigkeiten dann gelöst haben, mochte ich total gerne.

Den ersten Versuch der Autorin in diesem Genre, würde ich als gelungen, aber noch ausbaufähig bezeichnen. Denn die Geschichte an sich hat mir sehr gut gefallen, das Love Interest hat mich aber nicht so gecatcht. Ich denke aber, es lohnt sich, die Reihe weiterzuverfolgen. Denn Amber ist eine vielversprechende Protagonistin.

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Veröffentlicht am 12.05.2022

Ich war echt schockverliebt. Mit dieser Geschichte habe ich einfach nicht gerechnet.

Remember when Dreams were born
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Nachdem Maggie gerade so diesen Unfall überlebt hat, hat sie sich zurück ins Leben gekämpft. Und dieser Kampf ist noch nicht vorbei. Narben, Schmerzen und Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis, lassen sie ...

Nachdem Maggie gerade so diesen Unfall überlebt hat, hat sie sich zurück ins Leben gekämpft. Und dieser Kampf ist noch nicht vorbei. Narben, Schmerzen und Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis, lassen sie nicht vergessen, dass sie noch nicht ganz wieder die Alte ist. Und dann begegnet sie Tom, der sie nicht - wie alle anderen - behandelt als wär sie zerbrechlich. Er nimmt Maggie wahr, die Frau, die sie ist und langsam kann sie sich durch seine Augen sehen. Doch ein Geheimnis steht zwischen ihnen, etwas Ungesagtes, das alles zerstören könnte…

Ich hatte quasi keine Erwartungen an das Buch und das lag glaube ich überwiegend am Cover. Es gefällt mir nicht :D Aber, wie das manchmal eben ist, wurde ich mal wieder daran erinnert, dass man ein Buch niemals nach dem Einband beurteilen sollte!

Der Einstieg. Hammer! Ich hatte richtig Gänsehaut. Wenige Worte, aber es war alles gesagt und ich habe alles gefühlt. Die Autorin schaffte es, mit wenigen Worten bei mir deutliche Bilder zu erzeugen und ihre Geschichte lebendig werden zu lassen.

Den Schreibstil hab ich sehr geliebt. Leicht, freundlich und mit einem schönen Humor, der mich immer wieder zum Grinsen gebracht hat. Den Humor findet man vor allem in den Gedanken und Dialogen der Figuren wieder, was die Charaktere richtig sympathisch und authentisch machte. Ich habe jedes Wort soo gerne gelesen.

Die Figuren mochte ich auf Anhieb. Maggie ist eine Kämpferin, sie ist intelligent, sympathisch, tough und schafft es immer wieder, sich aus ihren Zweifeln und Ängsten wieder herauszuziehen. Und auch Tom hab ich gleich ins Herz geschlossen. Er mag ein bisschen versnobt rüberkommen, aber auf eine super sympathische Weise. Seine ruhige und überlegte Art hat mir gut gefallen und sie passte zu Maggie. Die beiden passten zueinander.

Maggies Schwierigkeiten und ihre Vergangenheit waren eigentlich recht schnell klar. Bei Tom war das anders. Erinnerungsfetzen, Gedankengänge und kleine Hinweise ließen immer mehr Vermutungen zu, aber er blieb erstmal ein Rätsel. Ich wollte wissen, was passiert ist, wie er so geworden ist, was ihn beschäftigt. Ich mochte ihn sehr gerne und wollte mehr über ihn wissen, ihn besser verstehen. In Maggie dagegen konnte ich mich sowieso schon total gut hineinversetzen, obwohl mir sowas Schlimmes Gott sei Dank nie passiert ist. Aber ihren Wunsch nach Selbstbestimmung und Verständnis konnte ich gut nachvollziehen. Es ist lieb gemeint, wenn andere einen schützen oder einem helfen wollen. Aber warum fällt es Leuten oft zu schwer zu glauben, dass man selbst am besten weiß, was einem guttut. Und wenn das mal nicht so ist, dann macht man die Erfahrung eben selbst, ich brauche keinen, der mich vor mir selbst beschützt.

Sämtliche Nebenfiguren mochte ich auch total gerne. Auch wenn man kaum etwas über sie erfährt, aber das war auch nicht nötig, denn es ging um Tom und Maggie und die konnte ich sehr gut kennenlernen. Und: endlich mal ein Buch mit kompetentem Therapeuten, der tatsächlich hilfreiche Ratschläge und Interventionen bereithält. Findet klare Worte und spiegelt Maggie alles wider. Das war fantastisch und genau richtig für Maggie.

Als Tom sich Maggie gegenüber öffnete und seine Geschichte erzählte, das war so echt, die Gefühle so real, ich hab so geheult. Und ich fand es aber auch so schön, weil es sich wie der Anfang von etwas angefühlt hat. Die Szene hat mich sehr berührt, also eigentlich das gesamte Buch, aber die Szene ganz besonders!

Ich will nicht sagen, dass die Auflösung nicht gut war bzw. der Twist. Aber es hat irgendwie das Besondere zwischen Tom und Maggie ein bisschen weniger besonders gemacht. Es hat es relativiert. Ich glaube, das hat mich ein wenig gestört.

Das ist aber der einzige Mini-Kritikpunkt, bei einem ansonsten rundum gelungenen Buch. Ich war wirklich begeistert, emotional gefesselt und tief bewegt. Eine Geschichte, die definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient und die ich gerne weiterempfehle :)

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Veröffentlicht am 08.05.2022

Startet stark, lässt dann aber recht schnell nach und hinterlässt das Gefühl von unausgeschöpftem Potential.

Sanctuary – Flucht in die Freiheit
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Wir befinden uns in einer nicht allzu entfernten Zukunft in den USA. Der Präsident hat die Mauer zu Mexiko bauen lassen und sie mit bewaffneten Soldaten bestückt, die auf alles und jede:n schießen sollen, ...

Wir befinden uns in einer nicht allzu entfernten Zukunft in den USA. Der Präsident hat die Mauer zu Mexiko bauen lassen und sie mit bewaffneten Soldaten bestückt, die auf alles und jede:n schießen sollen, die sich der Mauer nähern. Die Menschen in den USA sind allesamt gechipt, damit man sie als Staatsbürger:innen identifizieren kann und illegale Einwander:innen möglichst fernhält und schnell enttarnt, damit man sie zurückschicken kann (oder schlimmeres). Die Stimmung spitzt sich zu und der Präsident möchte die Maßnahmen gegen (illegal) Migrierte verschärfen. Zum Schutz der Amerikaner:innen versteht sich.

In dieser menschenfeindlichen Umgebung lebt Vali mit ihrer Familie. Sie sind vor längerer Zeit in die USA geflüchtet, um in Sicherheit zu leben. Doch diese Sicherheit scheint mit den neuen Ideen des Präsidenten nicht mehr möglich. Auf einmal verschwinden Menschen, die Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollen werden erhöht und es wird schnell klar, sie sind dort, wo sie jetzt sind, nicht mehr sicher. Eine gefährliche Flucht beginnt.

Der Einstieg ins Buch war sehr stark, bildgewaltig und aufwühlend. Die beschriebene Szene war einfach schrecklich und es hat was mit mir gemacht. Nach diesem krassen Beginn hatte ich sehr hohe Erwartungen an das Buch, weil das alles irgendwie so nah und wahrscheinlich schien und gar nicht so weit entfernt von der derzeitigen Wahrheit. Leider wurden meine Erwartungen dann aber nicht ganz erfüllt.

Erst fand ich das alles ziemlich nervenaufreibend. Für die Menschen, denen eine ausländische Zugehörigkeit zugeschrieben wird, wird es immer gefährlicher in den USA. Vali und ihrer Familie läuft immer mehr die Zeit davon. Während sie einen Fluchtplan entwickeln, überschlagen sich die Ereignisse und es wird immer unwahrscheinlicher, dass sie unbehelligt, geschweige denn lebendig aus dieser Situation entkommen.

Es war zum Verzweifeln, wie realitätsnah diese Geschichte erzählt wurde und wie wahrscheinlich ihr Verlauf sich anfühlt. Und dann noch das Wissen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass mir sowas passieren könnte verschwindend gering ist, denn ich habe durch meine Herkunft und durch mein Aussehen deutliche Privilegien... das ist etwas, was man nie vergessen sollte...

Vali ist 16 und konnte bisher eigentlich ohne große Bedenken in die Schule gehen, sich mit Freundinnen treffen, eben ihr Leben leben. Ich mochte sie ganz gerne, sie wirkte sympathisch und tough, aber so richtig kennenlernen konnte ich sie letzten Endes nicht.

Mit Beginn der Flucht wurde das Buch für mich immer schwieriger. Denn es fehlte mir an Tiefe, an Emotionen und an Spannung. Probleme, die auftraten, waren schnell überwunden, Konflikte sofort gelöst, Geschichten wurden nur angekratzt und nicht auserzählt und die Wege und Zwischenstopps waren zu kurz, um irgendeine Form der Beziehung herstellen zu können. Figuren wurden eingeführt, waren dann irrelevant und die relevanten waren nicht greifbar. Das war sehr schade, denn ihre Geschichten waren alle wichtig, konnten mich aber nicht berühren.

Das ist glaube ich das Hauptproblem. Eine solch emotionale Geschichte so distanziert rüberzubringen, das fand ich total schade. Gefühle wurden beschrieben, aber nicht vermittelt. Da fehlte einfach das „Show, not tell“, was der Authentizität des Buches und der Figuren geschadet hat.

Trotz allem ist das ein gutes Buch gewesen, welches ich gerne gelesen habe. Es kratzte für mein Gefühl aber nur an der Oberfläche und konnte mich nicht so recht catchen. Es interessierte mich nicht wirklich, wie es für Vali ausgehen würde, weil ich keine Connection zu ihr und den anderen Figuren gekriegt habe. Es ging lange nicht so tief, wie ich es von einem Buch mit so einer Thematik erwartet habe.

Thematisch total wichtig und von der Idee her richtig gut. Bei der Umsetzung gibt’s für mich noch Luft nach oben.

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