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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2018

Menschenhandel

In eisiger Nacht
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Es ist so eiseskalt, dass 12 junge Frauen in einem Kühllaster erfrieren. Sie stammen aus verschiedenen Ländern, wollen Arbeit und eine Perspektive in einem Land, in dem es ihnen besser gehen soll. Nur ...

Es ist so eiseskalt, dass 12 junge Frauen in einem Kühllaster erfrieren. Sie stammen aus verschiedenen Ländern, wollen Arbeit und eine Perspektive in einem Land, in dem es ihnen besser gehen soll. Nur sind sie an ihnen skrupellosen Menschenhändler geraten, der zu dumm ist, den Schmuggel-Lkw zu führen. Detective Max Wolfe findet im Fahrzeug 11 Leichen, eine sterbende Frau und 13 Pässe. Wo ist die Überlebende? Ein Zufallsfoto des Bruders eines der Opfer zeigt eine Spur. Die mühsame Ermittlung der Verantwortlichen beginnt. Wolfe hat eine engagierte und taffe Partnerin, einen jungen, mutigen Kollegen und eine zutiefst unsympathische Vorgesetzte. Dass ihr oberstes Ziel das Finden der Verantwortlichen ist, versteht man. Wie sie dabei vorgeht, nicht. Wolfe taucht wieder hinab in menschliche Abgründe, Zwangsprostitution, Mord, Gewalt, Brutalität.
Spannend, ergreifen, Elend zeigend, hat Tony Parson ein aktuelles Thema packend und nahegehend beschrieben. Auswüchse des Menschenhandels, die chinesische Mafia, Leben unter unwürdigsten Bedingungen,Anarchie, Missachtung der Gesetze zum eigenen Vorteil, das Ausnutzen illegaler Einwanderer - all das wird anschaulich geschildert. Sehr gut zu lesen. Regt zum Nachdenken an.

Veröffentlicht am 10.02.2018

Rache ist alles?

Die Königin von Lankwitz
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Sehr amüsant: zwei Lankwitzerinnen, raus aus dem Knast, in dem sie mehr oder weniger unschuldig Teile ihres Lebens verbracht hatten, fragen sich, wie es weiter gehen soll. Für das horizontale Gewerbe zu ...

Sehr amüsant: zwei Lankwitzerinnen, raus aus dem Knast, in dem sie mehr oder weniger unschuldig Teile ihres Lebens verbracht hatten, fragen sich, wie es weiter gehen soll. Für das horizontale Gewerbe zu alt, für einen Verkäuferjob zu vorbestraft, für Anderes nicht geeignet. Wie wäre es mit einer Art Racheagentur für gedemütigte Frauen? Eine macht Aquise, die Andere übernimmt die Racheaktion, läuft, oder? Aber die Konkurrenz, sehr niederträchtig und skrupellos, plant die feindliche Übernahme. Klappt das? Wie geht es weiter?
Anfänglich wirklich gut zu lesen, zugegebenermaßen mit einiger Schadenfreude, ufert die Handlung ins Geschmacklose aus. Zu viel Fäkalien, zu viel Gemeinheit.
Nette Idee, die Umsetzung gefällt nicht. Zu zynisch, zu menschenverachtend - auch wenn alles fiktional ist.

Veröffentlicht am 01.02.2018

Wollen wir das?

Leere Herzen
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In gar nicht allzu ferner Zeit hat sich das Land sehr verändert. Eine neue Regierung herrscht, den meisten Menschen ist Politik egal, Europa zerfällt in merkwürdige Bündnisse, Moralvorstellungen sind entwertet. ...

In gar nicht allzu ferner Zeit hat sich das Land sehr verändert. Eine neue Regierung herrscht, den meisten Menschen ist Politik egal, Europa zerfällt in merkwürdige Bündnisse, Moralvorstellungen sind entwertet. Eine geniale Idee: Potenzielle Selbstmörder werden überprüft, wie ernst sie es meinen und als Selbstmordattentäter vermittelt. Eine Organisation namens „... hat den Terroranarchismus beendet. Es gibt...kontrollierbare Opferzahlen....“. Man verdient gut damit. Ist das nicht genial? Nein, ist es nicht. Wohin führt das?
Juli Zeh schildert drastisch mögliche Szenarien einer Welt skrupelloser, ach so normaler Bürger und abgestumpfter Konsumenten. Wirklich erschreckend und doch so faszinierend zu lesen. Ein nachdenkenswertes In-Frage-Stellen der eigenen Einstellung ist die Folge.
Ein großartiges Buch.
Buchzitat

Veröffentlicht am 28.01.2018

Über die Liebe ... zum Boot und mehr

Hafenkino
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Vor mich hin grienend, lautes Herausplatzen vor Lachen, dezentes Lächeln – als das konnte mein Mann bei mir registrieren, während ich das „Hafenkino“ las. Punktgenaue Beschreibungen von Situationen, die ...

Vor mich hin grienend, lautes Herausplatzen vor Lachen, dezentes Lächeln – als das konnte mein Mann bei mir registrieren, während ich das „Hafenkino“ las. Punktgenaue Beschreibungen von Situationen, die nur ein Bootsliebhaber vollständig nachvollziehen kann. Irrwitzige Begegnungen, leidenschaftliche Liebe (zum Boot natürlich), Urlaube, die erholsam waren oder auch nicht, all das beschreibt Steffi von Wolff. Geärgert habe ich mich aber auch: wie kann frau dermaßen unterwürfig auf die Launen ihres Mannes reagieren? Aber sicher war alles nur aus literarischen Gründen überspitzt dargestellt … Wenn mal wollte, konnte man auch viele nautische Begriffe erlesen, sich über selbstironische Bemerkungen amüsieren, seltsame Mitmenschen kennenlernen, eigene Verhaltensweisen hinterfragen.
Flott und locker geschrieben, auf alle Fälle unterhaltsam.

Veröffentlicht am 25.01.2018

Prioritäten setzen

Mein Herz in zwei Welten
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Lou, die manchmal unbeholfene, eigenwillig gekleidete, zu viel redende, aber immer sympathische junge Frau, probiert etwas Neues aus: „Ja“, sagen zu neuen Erfahrungen. Also soll es ein Jahr im aufregenden ...

Lou, die manchmal unbeholfene, eigenwillig gekleidete, zu viel redende, aber immer sympathische junge Frau, probiert etwas Neues aus: „Ja“, sagen zu neuen Erfahrungen. Also soll es ein Jahr im aufregenden New York als Assistentin einer verunsicherten Millionärsgattin sein.Ein winziges Zimmer, Dienstkleidung aus Polyester, ständige Verfügbarkeit – so sieht ihr neuer Alltag aus. Eine abweisende Haushälterin, zwei hilfsbereite Kollegen, merkwürdige Ansprüche ihrer Arbeitgeberin, eine zickige Tochter aus erster Ehe, herablassende Gesellschaftsladies, ein verzogener Mops, ein sympathischer aufstrebender Manager, all das kommt dazu. Trotzdem macht sie ihren Job so gut, dass die zweite Ehefrau des schwerreichen Mr. Gopik sie nennt. Allerdings tut die räumliche Entfernung zu Sam, ihrem Geliebten, ihrer Beziehung überhaupt nicht gut. Dann ist da auch noch Katie, die Sam umgarnt.
Und Mrs. Gopik ist ganz anders, als es Lou erscheint. Wird Lou ihren Weg finden?
Jojo Moyes hat wieder überzeugt. Lous Geschichte ist emotional, spannend, berührend. Man wünscht ihr einfach Glück und will ihr öfter zurufen: „Sei nicht so gutgläubig, setz auch einmal deine Interessen durch!“ Aber so ist Lou nicht, geradlinig, hilsbereit, loyal und darum so liebenswert. Auch die anderen Charaktere werden passend beschrieben, die krassen Unterschiede und abwertende Gemeinheiten der Ober- zur Unterschicht werden treffend aufgezeigt. Mrs. de Witts Grantigkeit wird verständlich in einer oberflächlichen, karriereorientierten Gesellschaft, in der mitunter dennoch menschliche Wärme bewahrt wird.
Welche Prioritäten sollte man für sich selbst setzen? In diesem Buch wird es deutlich.