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Veröffentlicht am 01.01.2026

Eine Hommage an die Buchhändler

Mathilde und Marie
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Mit „Mathilde und Marie“ hat Torsten Woywod einen warmherzigen, tiefgründigen Roman geschrieben, der vor allem eines ist: eine liebevolle Hommage an Bücher, Buchhandlungen und die Menschen, die sie mit ...

Mit „Mathilde und Marie“ hat Torsten Woywod einen warmherzigen, tiefgründigen Roman geschrieben, der vor allem eines ist: eine liebevolle Hommage an Bücher, Buchhandlungen und die Menschen, die sie mit Leben füllen. Nicht umsonst widmet der Autor sein Buch – wie er im Vorwort schreibt – den unabhängigen Buchhändlern dieser Welt. Allein diese Widmung macht neugierig und trifft einen Nerv.

Der Roman spielt im belgischen Bücherdorf Redu, einem kleinen Ort in den Ardennen mit gerade einmal 390 Einwohnern – und beeindruckenden 13 Buchläden. Schon diese Vorstellung übt eine enorme Anziehungskraft aus. In dieser besonderen Umgebung erzählt Woywod die Geschichte der Isländerin Jonina, die seit über 30 Jahren eine Buchhandlung in Redu betreibt. Auf einer Zugfahrt lernt sie die Französin Marie kennen, die nach einem schweren Schicksalsschlag auf der Suche nach Abstand und Ruhe ist. Spontan lädt Jonina sie ein, einige Zeit bei ihr in Redu zu verbringen.

Für Marie, die aus Paris kommt, wirkt das Leben dort zunächst wie ein Kulturschock: nur eine Stunde Internetzugang am Tag, kein Fernseher, viel Stille. Was anfangs kaum vorstellbar erscheint, wird für sie jedoch zunehmend zu einer Wohltat. Marie beginnt, das entschleunigte Leben zu genießen, lernt die Dorfgemeinschaft kennen, liest viel, führt intensive Gespräche über Literatur und unternimmt ausgedehnte Spaziergänge durch die Natur rund um Redu. Dabei findet sie nicht nur Ruhe, sondern auch einen neuen Zugang zu sich selbst.

Eine besondere Rolle spielt die Begegnung mit Mathilde – einer alten, zurückgezogen lebenden Frau, die sich von der Dorfgemeinschaft weitgehend abgeschottet hat. Trotz ihrer Verschlossenheit kreuzen sich die Wege der beiden Frauen immer wieder bei Spaziergängen im Wald. Aus vorsichtigen Begegnungen entwickelt sich langsam eine leise, behutsame Freundschaft. Erst nach und nach wird deutlich, wie viel die beiden miteinander verbindet – mehr, als es zunächst den Anschein hat.

„Mathilde und Marie“ ist ein Roman über die verbindende Kraft von Büchern und Geschichten, über Gemeinschaft, Achtsamkeit und darüber, wie Orte und Menschen heilen können. Besonders beeindruckend ist Torsten Woywods Sprache: Die Naturbeschreibungen während Maries Spaziergänge sind eindrucksvoll und atmosphärisch, die Dialoge tiefgründig und feinfühlig. In jeder Zeile spürt man die große Liebe des Autors zum Buch und zum Buchhandel – und zu den Menschen, die beides bewahren.

Überraschend und schön ist zudem die Erkenntnis, dass es das Bücherdorf Redu tatsächlich gibt. Während der Lektüre wünscht man sich mehr als einmal, selbst durch die kleinen Gassen zu schlendern, Buchläden zu entdecken und Teil dieser achtsamen Gemeinschaft zu sein. Die respektvolle, wertschätzende Art, wie die Menschen in Redu miteinander umgehen, wirkt wohltuend und inspirierend.

Abgerundet wird der Roman durch ein wunderschön gestaltetes Cover, das perfekt zur Atmosphäre der Geschichte passt. „Mathilde und Marie“ ist ein leises, kluges und sehr berührendes Buch – und eine echte Freude für alle, die Bücher lieben. Ich freue mich sehr, dass dieses Buch nun einen festen Platz in meinem Regal gefunden hat.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Spurlos verschwunden - Was geschah mit Sofia?

Wem du traust
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Petra Johann war für mich bislang eine unbekannte Autorin – zwar steht bereits ein anderes Buch von ihr in meinem Regal, doch gelesen hatte ich es bisher nicht. Mit „Wem du traust“ hat sich das definitiv ...

Petra Johann war für mich bislang eine unbekannte Autorin – zwar steht bereits ein anderes Buch von ihr in meinem Regal, doch gelesen hatte ich es bisher nicht. Mit „Wem du traust“ hat sich das definitiv geändert, denn schon der Klappentext weckte meine Neugier und das atmosphärische Cover verstärkte den Eindruck, dass mich eine spannende, vielleicht sogar etwas düstere Geschichte erwarten würde.

Bereits die ersten Seiten konnten mich vollkommen überzeugen. Die Charaktere wirken glaubwürdig und lebensecht, und ich war sofort mitten in der Handlung. Im Zentrum steht das spurlose Verschwinden der 15-jährigen Sofia, der Tochter von Evas bester Freundin Susanne. Sofia hatte an dem Abend bei Eva gebabysittet und wurde später von Evas Mann Daniel nach Hause gebracht – doch dort kommt sie nie an. Rasch fällt der Verdacht auf Daniel, zumal sich einige seiner Aussagen widersprechen und schließlich sogar ein blutiger Hoodie von Sofia auftaucht. Gleichzeitig passt dieser Verdacht nicht zu seinem Wesen: Daniel wird als ausgeglichener, ruhiger Mann beschrieben, der zudem ein enges, fast vertrautes Verhältnis zu Sofia hatte.

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt: aus Evas Ich-Perspektive sowie in der Er-/Sie-Form aus Sicht der ermittelnden Hauptkommissarin Heidi Westphal. Dieser Perspektivwechsel sorgt für zusätzliche Dynamik und zeigt die Ereignisse sowohl emotional als auch sachlich-analytisch.

Die Spannung bleibt bis zum Schluss konstant hoch. Obwohl Daniel schnell ins Zentrum der Ermittlungen rückt, bleiben die entscheidenden Fragen lange offen: Wenn er der Täter war – was wäre das Motiv? Was ist in jener Nacht wirklich passiert? Und wo ist Sofia?

Petra Johanns Schreibstil ist angenehm flüssig, sodass man das Buch kaum weglegen möchte. Die Kapitel sind kurz gehalten, was das Tempo zusätzlich erhöht, und es gibt nahezu keine Längen. Die Handlung bleibt bis zuletzt stimmig, die Auflösung überzeugend.

Für mich war „Wem du traust“ ein durchweg spannendes, gut konstruiertes Leseerlebnis – und es hat mich definitiv neugierig auf weitere Bücher der Autorin gemacht.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Die schönen Momente im Leben

Jetzt gerade ist alles gut
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Der Roman „Jetzt gerade ist alles gut“ von Stephan Schäfer ist mit seinen 176 Seiten eher kurz – und doch hinterlässt er einen bleibenden Eindruck. Schon die äußere Gestaltung überzeugt: Der wunderschön ...

Der Roman „Jetzt gerade ist alles gut“ von Stephan Schäfer ist mit seinen 176 Seiten eher kurz – und doch hinterlässt er einen bleibenden Eindruck. Schon die äußere Gestaltung überzeugt: Der wunderschön gestaltete Schutzumschlag zieht sofort den Blick auf sich, und auch der Einband darunter ist liebevoll gestaltet, mit einem Motiv, das sich harmonisch an das Cover anlehnt.

Im Mittelpunkt steht der Ich-Erzähler, der nur knapp eine Sepsis überlebt – eine Krankheit, die lebensgefährlich, aber in der öffentlichen Wahrnehmung kaum präsent ist. Schäfer greift damit ein wichtiges, oft übersehenes Thema auf. Nach dieser Erfahrung beginnt der Erzähler, sein Leben neu zu betrachten. Er entschleunigt, richtet den Blick auf das Wesentliche und entdeckt die Freude an den kleinen, oft unscheinbaren Momenten des Alltags.

Besonders gelungen ist die Erzählweise: kurze, klare Kapitel, die wie Momentaufnahmen wirken. Sie lassen sich leicht lesen und sind zugleich tiefgründig. Es ist kein Roman über einen radikalen Neuanfang oder ein völlig anderes Leben, sondern über die Kunst, im Gewohnten das Wertvolle zu erkennen. Der Erzähler bleibt derselbe – aber er sieht bewusster hin, genießt mehr, lacht öfter, lebt leichter.

Trotz der Kürze entfaltet das Buch eine nachhaltige Wirkung. Es lädt dazu ein, innezuhalten, den eigenen Alltag zu überdenken und sich der kleinen Glücksmomente bewusster zu werden, die so oft unbemerkt bleiben.

„Jetzt gerade ist alles gut“ ist ein stiller, einfühlsamer Roman, der lange nachklingt – ein Buch, das man nicht einfach wegstellt, sondern sichtbar im Regal behält, um sich immer wieder an seine Botschaft zu erinnern: dass das Glück oft im Alltäglichen liegt.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Spannung im Schneetreiben – ein fesselnder neuer Åre-Krimi

Lügennebel
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Nachdem mir die ersten drei Bände der Reihe um Hanna Ahlander und Daniel Lindskog bereits ausgesprochen gut gefallen haben, war meine Vorfreude auf Lügennebel groß – und ich wurde nicht enttäuscht.

Trotz ...

Nachdem mir die ersten drei Bände der Reihe um Hanna Ahlander und Daniel Lindskog bereits ausgesprochen gut gefallen haben, war meine Vorfreude auf Lügennebel groß – und ich wurde nicht enttäuscht.

Trotz seiner über 500 Seiten liest sich das Buch erstaunlich leicht und kurzweilig. Es gibt keine Längen oder zähen Passagen, vielmehr hält die Autorin die Spannung durchgängig hoch. Dazu tragen auch die angenehm kurzen Kapitel bei, die es dem Leser leicht machen, immer weiter zu lesen - denn ein Kapitel geht ja immer noch…
Das Cover ist wieder sehr schön gestaltet, passend zur Farbwelt der ersten 3 Bände mit viel Weiß und Rot.

Der zentrale Fall ist von Beginn an fesselnd: Eine Gruppe von Studenten verbringt einen luxuriösen Skiurlaub in Åre. Alkohol und unterschwellige Konflikte prägen das Miteinander. Doch nach einer ausgelassenen Partynacht liegt eine der jungen Frauen tot im Schnee. Was zunächst wie ein tragisches Unglück wirkt, entwickelt sich schnell zu einem Netz aus Verdächtigungen, Intrigen und Misstrauen. Jeder könnte der Täter sein – und Viveca Sten versteht es meisterhaft, bis zur letzten Seite unterschiedliche Spannungsfäden zu legen und die Spannung hochzuhalten.

Neben dem Kriminalfall überzeugt aber auch die Weiterentwicklung der bekannten Figuren. Hanna Ahlander, die sich langsam auf eine neue Liebe einlässt, Daniel Lindskog, der nach der Trennung von Ida mit seiner Rolle als alleinerziehender Vater ringt, sowie die Kollegen Anton und Raffe – sie alle wirken authentisch und lebendig. Gerade dieser gelungene Mix aus spannender Krimihandlung und persönlicher Entwicklung der Protagonisten macht die Reihe für mich so besonders.

Lügennebel ist ein packender und atmosphärischer Kriminalroman, den ich in wenigen Tagen verschlungen habe. Für Fans der Reihe ein absolutes Muss – und für alle, die noch nicht eingestiegen sind, eine klare Empfehlung, diese Serie von Beginn an zu lesen. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Band!

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Ein Haus, zwei Herzen, viele Lücken - eine stille Geschichte mit ungenutztem Potential

Spät am Tag
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Das Cover dieses Buches hat mich sofort angesprochen. Es ist sehr schön und stimmungsvoll gestaltet, sodass ich mit großen Erwartungen in die Lektüre gestartet bin. Daher hat es mich überrascht, dass ...

Das Cover dieses Buches hat mich sofort angesprochen. Es ist sehr schön und stimmungsvoll gestaltet, sodass ich mit großen Erwartungen in die Lektüre gestartet bin. Daher hat es mich überrascht, dass „Spät am Tag“ mit seinen 143 Seiten eher schmal ausfällt – ich hatte mit deutlich mehr Inhalt gerechnet.

Im Zentrum der Geschichte stehen Johanne und Mikael. Nach einer gescheiterten Ehe zieht Johanne aus der Hauptstadt aufs Land zu Mikael, der in einer Anzeigr ein Zimmer in seinem abgelegenen Haus anbietet. Auch Mikael lebt nach der Trennung von seiner Frau Sofia allein, lediglich seine kleine Tochter verbringt gelegentlich Zeit bei ihm. Das weiße, einsam gelegene Haus zieht Johanne sofort in seinen Bann, und so beschließt sie, dort einzuziehen. Von nun an schreibt sie von diesem Ort aus ihre Artikel und arbeitet an einem Roman. Zwischen Johanne und Mikael entwickelt sich nach und nach eine zarte Liebesgeschichte.

Die Figuren sind grundsätzlich sympathisch angelegt. Besonders Johanne lernt man recht gut kennen, da sie in der Ich-Perspektive erzählt und man tief in ihre Gefühlswelt eintaucht. Mikael bleibt dagegen eher schemenhaft, man erfährt nur begrenzt etwas über seine Persönlichkeit. Auch Sofia, Mikaels Exfrau, wirkt in der Handlung nicht wirklich greifbar – vielmehr scheint sie hauptsächlich die Rolle eines Störfaktors in der Beziehung der beiden zu übernehmen.

Mit dem Schreibstil habe ich mich allerdings schwergetan. Kristin Vego wählt eine sehr eigene Form: kurze Abschnitte, die wie Tagebucheinträge wirken, aber nicht als solche gekennzeichnet sind. Ständig wechselt Johanne zwischen Gegenwart und Vergangenheit, wodurch man manchmal das Gefühl hat, die Orientierung in der Geschichte zu verlieren. Auch die Kapitelaufteilung („Erster Tag“, „Zweiter Tag“, …) und die Aufteilung in Teile hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Dazu kommt eine Sprache, die stellenweise altmodisch anmutet, fast wie aus einer anderen Zeit. Das macht das Lesen zwar atmosphärisch, aber nicht immer leicht zugänglich.

Insgesamt finde ich die Grundidee des Romans sehr schön. Die Geschichte um Neuanfang, Nähe und die leise entstehende Liebe zwischen zwei verletzten Menschen hätte viel Potenzial für Tiefe und Entwicklung geboten. Leider bleibt der Roman für mich hinter diesen Möglichkeiten zurück. Er hat mich nicht so berührt, wie ich es mir gewünscht hätte, und hinterlässt am Ende eher das Gefühl, dass hier noch viel mehr hätte erzählt werden können.

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