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Veröffentlicht am 04.03.2019

Nette Geschichte mit (zu) vielen Perspektivwechseln

Café Engel
3

Cafe Engel – Eine Neue Zeit ist der Auftakt zu einer Trilogie über ein Cafe in Wiesbaden, seine Besitzer und Gäste in der Nachkriegszeit. Dieser erste Band spielt hauptsächlich 1945 in den letzten Kriegswochen ...

Cafe Engel – Eine Neue Zeit ist der Auftakt zu einer Trilogie über ein Cafe in Wiesbaden, seine Besitzer und Gäste in der Nachkriegszeit. Dieser erste Band spielt hauptsächlich 1945 in den letzten Kriegswochen und der Nachkriegszeit.

Vor dem Krieg war das Cafe Engel ein gut laufendes Cafe und zweites zu Hause von vielen Künstlern. Jetzt versucht die junge Hilde Koch gemeinsam mit ihrer Mutter das Cafe Engel wieder aufzubauen.
Luisa, aufgewachsen als uneheliche Tochter eines Adligen auf einem Gutshof in Ostpreußen, flieht vor den Russen nach Westen und muss auf ihrer Flucht viele, oft grausame Situationen meistern. Ihr Ziel ist das Cafe ihres Onkels in Wiesbaden. Ob sie es je erreichen wird?

Mit dem Schreibstil des Romans hatte ich so meine Schwierigkeiten. Mich haben die ständigen Perspektivwechsel verwirrt. Die Geschichte wird nicht nur aus der Perspektive von Hilde und Luisa, sondern auch noch von zahlreichen anderen Personen erzählt. Im einen Moment ist man noch im Cafe Engel, wo Hilde versucht gegen alle Hindernisse, wieder einen Cafebetrieb aufzubauen, dann wechselt man zu Luisa, die auf der Flucht vor den Russen Schlimmes erlebt, im nächsten Kapitel befinden wir uns in einem französischen Kriegsgefangenenlager und dann wieder erleben wir die Nachkriegszeit aus der Sicht einer überlebenden Jüdin, die sich im Cafe Engel versteckte oder eines Franzosen, der nach dem Krieg in seine französische Heimat zurückkehrt. Hierdurch blieb für mich immer eine gewisse Distanz zu der Geschichte und zu den Personen. Ich bin einfach nicht so richtig in der Geschichte angekommen. Immer wenn ich grade anfing, in die Welt der erzählenden Person einzutauchen, wechselte wieder die Perspektive. Auch die Sprache war für mich etwas schwierig, sie wirkte sehr einfach und kindlich, so dass sich für mich keine wirkliche Spannung aufbaute.

Die Geschichte tröpfelt an einigen Stellen so vor sich hin, dass es mir schon zu langatmig wurde. An anderen Stellen gibt es dann wieder große Sprünge, wo ich mir ein wenig mehr gewünscht hätte, um die Handlungen der Personen besser zu verstehen. So kommen immer mal wieder 180 Grad Drehungen in den Ansichten und Verhaltensweisen der Personen vor, die ich nicht nachvollziehen konnte.

Die Charaktere sind sehr verschieden:
Hilde ist eine verwöhnte Zicke, die meint, dass alles nach Ihrem Willen und Ihrer Nase laufen muss. Sie kommandiert ihre Mitmenschen rum und ist beleidigt, wenn sie nicht bekommt was sie will. Ob sie andere damit verletzt ist ihr herzlich egal. Andererseits kann sie wirklich anpacken und bringt durch ihre Ideen, ihren Mut und ihren Einsatz das Cafe trotz Rationierungen und Mangelwirtschaft wieder auf die Beine.

Luisa hat in ihrem Leben viel Ablehnung erfahren. Als uneheliches Kind wurde sie auf dem Gutshof des Vaters nur geduldet und nach seinem Tod vertrieben, auf der Flucht vor den Russen erlebt sie Ungerechtigkeit, Angst und Gewalt. Das führt dazu, dass sie sich wertlos fühlt und niemandem zur Last fallen will. Als sie endlich im Cafe Engel ankommt, ist sie erleichtert und danbar mit Wärme und Freundlichkeit aufgenommen zu werden. Nur mit Hilde, die eifersüchtig ist und ihr das Leben schwer macht, kommt sie leider trotz aller Bemühungen nicht klar.

Einige Charaktere haben mich auch total aufgeregt. Ihre Handlungen waren für mich dermaßen naiv und unverständlich, dass ich sie am liebsten geschüttelt hätte. Im Ganzen hat der Roman für mich viel zu viele Randfiguren, die zwar ganz nett sind, aber mich auch verwirrt haben, da man sich irgendwann nicht mehr auskennt, wer jetzt wohin gehört.

Das Ende war für mich etwas sehr konstruiert. Alle sind glücklich und feiern das erste Nachkriegsweihnachten. Luisa und Hilde finden sogar ihr Glück in einer wunderbaren Beziehung und selbst die unsympathischsten Personen sind auf einmal großzügig und freundlich. Das war mir dann doch etwas zu viel des Guten.

Wie es mit dem Cafe Engel weitergeht, werden dann vielleicht die nächsten zwei Teile der Trilogie zeigen.

Fazit:
Für mich war der Roman durch die vielen Perspektivwechsel sehr verwirrend und ich konnte nicht wirklich in die Geschichte eintauchen. Die Charaktere blieben mir zu distanziert. Daher werde ich die nächsten Teile der Trilogie wohl nicht lesen. Deshalb kann ich auch mit dem happy End ganz gut leben, auch wenn es sehr konstruiert wirkt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte sich mehr um das Cafe und das Zusammenspiel von Hilde und Luisa dreht.

Veröffentlicht am 03.04.2019

So soll ein guter Krimi sein

Dünengeister
1

Die Familie Melander ist eine hoch angesehene wohlhabende Familie, die schon seit Generationen auf Sylt residiert. Als auf dem Grundstück der Familie zwei Leichen gefunden werden und es auch im Umfeld ...

Die Familie Melander ist eine hoch angesehene wohlhabende Familie, die schon seit Generationen auf Sylt residiert. Als auf dem Grundstück der Familie zwei Leichen gefunden werden und es auch im Umfeld der Familie zu mehreren Todesfällen kommt, nehmen John Benthien und sein Team die Ermittlungen auf. Schnell merken sie, dass hinter der perfekten Fassade der Familie Melander einiges im Argen liegt.

Mit Dünengeister schickt Nina Ohlandt ihren Kommissar John Benthien zum sechsten Mal auf Mördersuche. Auch wenn es für mich der erste Roman dieser Reihe war, hatte ich keine Probleme in der Geschichte anzukommen. Neueinsteiger werden wunderbar abgeholt und Bezüge zu vorhergehenden Büchern werden so gut erklärt, dass ich mich zu keiner Zeit ausgeschlossen fühlte.

Nina Ohlandt beschreibt die Orte auf Sylt so liebevoll und detailliert, dass ich mich schnell an die Nordseeküste versetzt fühlte und bei mir ein tolles Urlaubsgefühl aufkam. Ansonsten hat der flüssige und spannende Schreibstil mich gleich gepackt und es viel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Besonders gut hat mir gefallen, dass in diesem Krimi zwar mehrere Morde geschehen, er aber zu keiner Zeit blutrünstig, eklig oder sehr nervenaufreibend ist. Nina Ohlandt zeigt, dass man auch gute Krimis schreiben kann, ohne Mord und Gewalt bis ins kleinste Detail zu beschreiben.

Die Charaktere sind sehr gut beschrieben. Die Kommissare, die die Mordfälle mit spannender Ermittlungsarbeit und einer guten Portion Humor lösen, waren mir unheimlich sympathisch. Auch die kurzen Einblicke in ihr Privatleben, haben sie sehr menschlich und realistisch wirken lassen.

Auf der anderen Seite die Familie Melander. Viele sehr unterschiedliche Personen, bei denen man schon mal den Überblick verlieren kann. Hier hat mir das Personenverzeichnis am Ende des Buches sehr weitergeholfen. Jeder Charakter hat eine eigene interessante – nicht immer sympathische – Persönlichkeit und passt gut in die Geschichte.

Bis zum Ende des Romans hatte ich keine Ahnung, wer nun der Mörder sein könnte, bzw. ich hatte viele Personen immer mal wieder in Verdacht. Die Entlarvung des Mörders ist der spektakuläre Höhepunkt der Geschichte, sehr überraschend und wirklich toll gemacht.

Fazit:
Für mich war dies der erste Roman mit John Benthien, aber mit Sicherheit nicht der letzte. Ich habe mitgefiebert und geraten, wie die Auflösung sein könnte und wurde am Ende noch überrascht. Genau so sollte ein guter Krimi sein.

Veröffentlicht am 26.11.2018

Mehr als nur ein einfacher Liebesroman

Zwei wie du und ich
1

„Zwei wie du und ich“ erzählt die Geschichte zweier Frauen, Kate und Annie, die vor ihrer Vergangenheit fliehen und sich dabei in ihren Chef verlieben.

Der Roman erschien bereits 2016 unter dem Titel ...

„Zwei wie du und ich“ erzählt die Geschichte zweier Frauen, Kate und Annie, die vor ihrer Vergangenheit fliehen und sich dabei in ihren Chef verlieben.

Der Roman erschien bereits 2016 unter dem Titel „ Der Tag an dem wir verschwanden“.

In diesem Roman laufen die Geschichten von Kate und Annie parallel und werden kapitelweise abwechselnd erzählt, so dass man immer wieder aus der einen Geschichte rausgerissen und in die andere hineingeworfen wird. Hierdurch wird aber auch eine gewisse Spannung aufgebaut, da man natürlich wissen möchte, wie die jeweilige Geschichte weitergeht.

Mich persönlich hat die Geschichte von Kate anfangs wesentlich mehr begeistert als Annies. Kate ist eine positive, offene und absolut sympathische junge Frau, die vor irgendeinem Ereignis in Ihrer Vergangenheit davon läuft und sich auf einem Reiterhof versteckt. Warum sie dies tut erfährt der Leser allerdings erst gegen Ende des Romans und ich glaube, das niemand mit dieser Erklärung vorher gerechnet hat. Nach anfänglichen Schwierigkeiten lebt sie sich gut ein, findet neue Freunde und verliebt sich in ihren Chef, der auf den ersten Blick allerdings ein ziemliches Ekel ist. Das Leben hier könnte für Sie ein Traum sein, wenn sie nicht in permanenter Angst vor der Entdeckung leben würde.

Annie hat mich von Anfang an sehr genervt. Sie ist eine furchtbar unsichere und von allerlei Ängsten verfolgte Person, was nicht zuletzt auf ihre schreckliche Vergangenheit zurückzuführen ist. Nicht einmal ihren Nachtisch im Restaurant kann sie selber aussuchen, ohne Schweißausbrüche zu bekommen. Zum Glück hat Annie ein paar tolle Freunde, die sie auffangen und ihr so gut es geht helfen. Als sie Stephen kennenlernt ändert sich ihr Leben komplett. Sie verliebt sich in ihn und ist bereit, alles für ihn aufzugeben.

Lucy Robinson beschreibt nicht nur die beiden Hauptfiguren sehr lebendig und anschaulich, auch die Nebendarsteller bekommen genügend Raum in der Geschichte, so dass sie oft nicht nur Randfiguren bleiben. Jeder hat so seine Macken und positiven Eigenschaften, so dass es leicht ist, sich in die Geschichte einzufühlen. Allerdings muss ich sagen, dass mir die Passagen von Kate sehr gut gefallen haben, während mich Annies Geschichte lange Zeit angenervt hat. Gegen Mitte des Romans bekommt diese aber auch noch die Kurve, so dass auch Annies Kapitel spannend werden und mich sprachlos zurücklassen. Die Autorin schafft es, einige sehr überraschende Wendungen in die Geschichte einzubauen, mit denen ich niemals gerechnet hätte. Dies macht den besonderen Reiz der Geschichte aus und macht sie von einem durchschnittlichen Liebesroman zu einer wirklich lesenswerten, spannenden Geschichte. Mehr will ich hierzu gar nicht verraten, um anderen Lesern nicht die Spannung zu nehmen.

Mein Fazit: Ein wirklich gelungener Roman, der über den normalen Liebesroman weit hinausgeht und gegen Ende ein paar überraschende Wendungen bereit hält. Mir hat das Lesen viel Spaß gemacht, auch wenn ich mir an der ein oder anderen Stelle noch ein paar weitere Infos/Szenen gewünscht hätte.

Veröffentlicht am 08.10.2018

Fesselnde Geschichte aber nichts für schwache Nerven

Als das Leben unsere Träume fand
1

Zum Inhalt:

Die drei jungen Menschen Raechel, Rosetta und Rocco fliehen vor einem grausamen Leben in ihrer Heimat und machen sich auf den Weg in die neue Welt nach Argentinien. Im Gepäck haben sie viele ...

Zum Inhalt:

Die drei jungen Menschen Raechel, Rosetta und Rocco fliehen vor einem grausamen Leben in ihrer Heimat und machen sich auf den Weg in die neue Welt nach Argentinien. Im Gepäck haben sie viele Hoffnungen und den Traum von einer besseren, selbstbestimmten Zukunft. Schon bald müssen sie aber feststellen, dass „die neue Welt gar nicht neu ist“, sondern auch hier Regeln, Hierarchien und Vorurteile gelten. Der Weg zur Verwirklichung ihrer Träume ist für die drei jungen Menschen hart und steinig und stellt sie immer wieder vor schier unüberwindliche Herausforderungen.

Meine Meinung:

Luca die Fulvio ist ein großartiger Erzähler. Er entführt den Leser in die neue Welt (Argentinien) zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit all ihren Versprechungen auf ein besseres Leben.
Diesem Ruf folgen auch die drei überaus sympathischen Protagonisten. Zu viel möchte ich über die drei gar nicht schreiben, um nicht zu spoilern.

Raechel ist eine 13jährige Jüdin, die nach dem Tod des Vaters vor einer schrecklichen Zukunft mit der Stiefmutter aus Russland flieht und schnell lernen muss erwachsen zu werden. Raechel war mir von Anfang an sehr sympathisch und ihr Schicksal hat mich sehr mitgenommen. Sie ist ein unglaublich intelligentes, starkes und mutiges Mädchen. Manchmal wirkte sie mir allerdings zu erwachsen für ihr Alter.

Rosetta flieht aus Sizilien vor Demütigungen, Vergewaltigungen und einem psychopatischen Baron, der ihr nicht nur das Land sondern auch das Leben nehmen will. Rosetta ist stark und mutig. Sie wünscht sich ein selbstbestimmtes Leben, in dem Frauen genauso viel Wert sind wie Männer und nicht wie Tiere behandelt werden. Trotz allem was sie erlebt hat, hat sie den Glauben an das Gute und Gerechtigkeit nicht verloren und setzt sich selbstlos und mit viel Mitgefühl für andere Frauen ein.

Rocco weigert sich wie seine Vorfahren der sizilianischen Mafia beizutreten und flieht vor ihr und seiner Vergangenheit. Rocco war für mich zunächst etwas blass im Vergleich zu den beiden Frauen, wurde mir im Lauf der Geschichte aber immer sympathischer. Er hält an seinem Traum Mechaniker ohne die Hilfe der Mafia zu werden fest und bleibt sich selbst und seinen Werten treu.

Die drei Erzählstränge (einer für jeden Protagonisten) laufen nebeneinander her und treffen hier und da zusammen, was einen besonderen Reiz der Geschichte ausmacht.

Di Fulvios Schreibstil ist so flüssig, bildhaft und spannend, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Leider brauchte ich trotzdem immer mal wieder eine Pause, um die Geschichte zu verarbeiten. Die Grausamkeiten und die Gewalt, die in nahezu jedem Kapitel beschrieben werden, sind sicherlich nichts für schwache Nerven. Insbesondere wie die Kinder behandelt werden hat mich sehr bestürzt. Sicher, so oder ähnlich war es vermutlich wirklich, aber muss man dies alles so detailreich beschreiben? Hier hätten mir oft oberflächliche Andeutungen genügt und einige Szenen hätte man auch weglassen können, ohne der Geschichte zu schaden. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass der Autor von Szene zu Szene nochmal einen draufsetzen musste und es somit immer grausamer wurde.

Am Ende der Geschichte hatte ich den Eindruck, dass der Autor schnell fertig werden musste. Es kam viel zu schnell und nach allem was vorher geschehen war wirkte es doch etwas unrealistisch. Mehr möchte ich hierzu wegen der Spoilergefahr aber nicht verraten.

Fazit:

Luca die Fulvio ist ein meisterhafter Roman gelungen, der den Leser in seinen Bann zieht und mit den drei sehr sympathischen Charakteren mitfiebern lässt.

Leider kommt fast kein Kapitel ohne sehr grausame Gewaltszenen aus, die in vielen Details beschrieben werden. Dies hat für mich den Lesegenuß extrem geschmälert. Auch gibt es innerhalb der Geschichte einige Unstimmigkeiten, die aber nicht weiter stören, wenn man das Ganze nicht zu sehr hinterfragt.

Daher gibt es von mir leider nur drei Sterne.

Veröffentlicht am 30.01.2019

Ein spannendes Familiendrama mit überraschenden Wendungen

Deine letzte Lüge
1

Anna ist am Boden zerstört. Ihre Eltern haben beide innerhalb eines Jahres Selbstmord begangen und sie mit vielen Fragen und tiefer Verzweiflung zurückgelassen. Am ersten Todestag ihrer Mutter erhält Anna ...

Anna ist am Boden zerstört. Ihre Eltern haben beide innerhalb eines Jahres Selbstmord begangen und sie mit vielen Fragen und tiefer Verzweiflung zurückgelassen. Am ersten Todestag ihrer Mutter erhält Anna einen Hinweis darauf, dass es sich nicht um Selbstmord gehandelt hat. Auch wenn weder ihr Freund noch ihr Onkel Annas Zweifel am Selbstmord ihrer Eltern ernst nehmen, wendet sich Anna an die Polizei und beginnt nachzuforschen was damals wirklich geschah. Damit bringt sie nicht nur sich, sondern auch ihr Baby in Gefahr und muss am Ende feststellen, dass nichts so ist wie es scheint.

Anna war mir von Anfang an sympathisch. Sie hat vor nicht allzu langer Zeit beide Eltern verloren und muss sich jetzt auch noch in Ihrer neuen Rolle als Mutter eines Säuglings zurechtfinden. Sie ist nervlich am Ende, als sie den Hinweis erhält, dass es sich nicht um Selbstmord handelt. Trotzdem verkriecht sie sich nicht, sondern beginnt mit Hilfe des sympathischen Polizisten Murray nachzuforschen. Hier beweist Anna immer wieder, dass sie eine starke Frau ist, die sich trotz vieler Zweifel und Hindernisse nicht von ihrem Weg abbringen lässt.

Außer dem Polizisten Murray, der sich nicht nur um seine kranke Frau, sondern auch intensiv um Annas Verdacht kümmert, bleiben die anderen Figuren in diesem Roman relativ blass. Sie alle haben ihren Platz in der Geschichte, hätten aber für meinen Geschmack doch noch etwas intensiver beschrieben werden können. Manche ihrer Handlungen sind für mich daher nicht so richtig nachvollziehbar.

Im Laufe der Geschichte habe ich im Grunde alle Beteiligten mal verdächtigt, etwas mit dem Tod von Annas Eltern zu tun zu haben. Die Autorin führt den Leser mehr als einmal in die Irre und ich wurde immer wieder überrascht, wie die Geschichte weitergeht. Etwas verwirrt haben mich die kursiv gedruckten Passagen, die sich für mich etwas zu esoterisch lasen. Es war schnell klar, dass es sich hierbei um die Gedanken ihrer Mutter handelt, allerdings passte dies für mich so gar nicht in einen Thriller. Im Nachhinein machen diese Passagen Sinn und dienen dazu, den Leser immer wieder zu verwirren.

Fazit:

Für mich ist diese Geschichte mehr ein spannendes Familiendrama anstatt eines Psychothrillers. Für einen Thriller fehlt mir der Nervenkitzel und die atemlose Spannung, die mich zum Weiterlesen treibt.

Ich habe mich trotzdem gut unterhalten gefühlt und auch gespannt auf die Auflösung der Geschichte gewartet. Diese war für mich an sich stimmig, auch wenn ich mit dem Ende so meine Probleme habe. Für meinen Geschmack wäre das Ende ohne die letzten drei Seiten besser gewesen. Dies liegt aber sicher auch daran, dass ich ein offenes Ende generell nicht so gerne mag.