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Veröffentlicht am 03.03.2021

forderndes Hörbuch für grandioses Kopfkino

Pandolfo
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Mailand 1493: Der reiche Händler Bernardinio Bellapianta findet auf dem Markt den schwer verletzen jungen Pandolfo in einem Abfallhaufen. Er nimmt ihn mit in seinen Palast und lässt ihn dort gesundpflegen. ...

Mailand 1493: Der reiche Händler Bernardinio Bellapianta findet auf dem Markt den schwer verletzen jungen Pandolfo in einem Abfallhaufen. Er nimmt ihn mit in seinen Palast und lässt ihn dort gesundpflegen. Pandolfo leidet unter zunächst Amnesie, nach und nach wird seine Geschichte offenbart.
Auch die Geschichte seines Gönners Bernardinio und von dessen Zwillingsbruder, einem kauzigen Erfinder, wird erzählt.
Michael Römling verwebt geschickt historische Fakten und Erfindungen der Zeit mit der fiktiven Geschichte um seine Hauptpersonen. Er setzt wechselnde Zeitebenen und unterschiedliche Erzählperspektiven ein, so gelingt ihm ein spannender Mix. Dazu eine äußerst bildreiche Sprache, detailverliebte Beschreibungen von Personen und Orten. Verrat, Mord, Liebe, Reisen, Erfindungen, Experimente und vieles mehr gibt es hier zu entdecken und permanent läuft ein feiner hintergründiger Humor mit. Die einzelnen Charaktere sind sehr vielschichtig und glaubhaft angelegt. Viele sympathische Personen, von denen man auch Kleinigkeiten erfährt, bereichern die Geschichte.
Die Figuren der Zwillingsbrüder gefielen mir am besten. Aus dem Waisenhaus zu einem Ziehvater gegeben, lernen sie mit ihren Begabungen umzugehen und das Beste aus ihrer Situation zu machen. Bernardinio hat ein Zahlentalent und ist ein findiger Händler, der Stimmungen und politische Entwicklungen mutig genutzt hat. So ist er, unterstützt von den Erfindungen seines Bruders,zu großem Reichtum gekommen. Sein Leben wird in Rückblenden erzählt , seine Reisen und sein gesamter Werdegang sind ein Hörgenuss für sich.
Frank Stöckle vermag über 851 Minuten fesselnd vorzutragen, seine Stimme passt hervorragend zu dem historischen Stoff, er intoniert so, dass man immer weiterhören möchte und man sich in der Geschichte verliert. Aufgrund der vielen Details und der vielen Handlungsstränge ist ein konzentriertes Hören notwendig, nur so nebenbei geht hier nicht. Eine Personenübersicht hätte ich mir gewünscht, ansonsten gibt es hier nichts auszusetzen. Für alle die historische Romane lieben kann ich eine absolute Hörempfehlung aussprechen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2021

spannend

Koma (Ein Harry-Hole-Krimi 10)
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Koma ist der zehnte Teil aus der Harry-Hole-Serie von Jo Nesbø. Die Geschichte wurde von Achim Buch super eingelesen, man mag gar keine Pause beim Hören einlegen. Die Handlung schließt eng an den Vorgängerband ...

Koma ist der zehnte Teil aus der Harry-Hole-Serie von Jo Nesbø. Die Geschichte wurde von Achim Buch super eingelesen, man mag gar keine Pause beim Hören einlegen. Die Handlung schließt eng an den Vorgängerband an. Es gibt mehrere Handlungsstränge, Nebenschauplätze und viele verschiedene Personen, so dass man als Hörer gut aufpassen muss, um nicht durcheinanderzukommen.
Ein für den Hörer zunächst unbekannter Mann liegt im Koma und wird von der Polizei streng bewacht. Eine Mädchenleiche wird gefunden, Polizisten werden ermordet. Haben die Fälle miteinander zu tun, eint die Grausamkeit sie? Nimmt jemand Rache? Die Polizisten wurden an Stellen ermordet, an denen sie einst ermittelt haben.
Die Geschichte entwickelt sich sehr temporeich. Es dauert aber ein wenig, bis Harry Hole wieder mit im Boot ist. Er unterrichtet mittlerweile an der Polizeihochschule, hofft dass Rakel bei ihm bleibt und muss sich nebenbei noch eine Stalkerin vom Leibe halten. Keine günstige Ausgangslage, um das Team erfolgreich und tatkräftig zu unterstützen.
Die Morde fand ich heftig brutal und leider bedient Achim Buchs Stimme das Kopfkino noch mehr als Selberlesen. Brrr Die Handlung legte immer wieder Wendungen hin mit denen ich nicht gerechnet hatte. Nesbø gelingt es immer wieder mit dem Unerwarteten zu punkten, selbst auf den letzten Seiten, als man in der Szene in der Kirche an die heile Welt und ein gutes Ende glauben mag, kommt noch ein kleiner Schwenk

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2021

Sir Simon spukt in Canterville

Das Gespenst von Canterville
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Eine amerikanische Familie kauft das britische Schloss Canterville entgegen der Warnungen, dass es dort spukt. Die neuen Besitzer sind unvoreingenommen und begegnen dem Geist Sir Simon mit Höflichkeit. ...

Eine amerikanische Familie kauft das britische Schloss Canterville entgegen der Warnungen, dass es dort spukt. Die neuen Besitzer sind unvoreingenommen und begegnen dem Geist Sir Simon mit Höflichkeit. Anders ihre Zwillingssöhne: sie machen dem Gespenst das Leben zur Hölle und foppen es, wo es nur geht. Die Scherze der Beiden sind aus heutiger Sicht eher harmlos, aber das altehrwürdige Gespenst grämt sich fürchterlich. Die fast erwachsene Schwester Virginia hat Mitleid und hilft ihm schließlich mit dem Leben abzuschließen.

Die Geschichte ist sehr bekannt, hat aber trotz ihres Alters (130 Jahre) nichts von ihrem Charme verloren. Die Sprache ist nicht zu altertümlich oder abgehoben, sondern einfach ein wenig altmodisch. Dies unterstreicht die Vorgänge in Canterville hervorragend. Oliver Rohrbeck hat die Geschichte eingelesen und vermag es alles lebendig wirken zu lassen, insbesondere mit dem Geist kann mit wunderbar mitleiden, wenn er wieder mal gedemütigt in seine Gemächer entschwindet, ohne seine Ziele erreicht zu haben.
Die Geschichte ist mit knapp 80 Minuten gut für einen schönen Abend geeignet, eher lustig als gruselig und kann daher auch von Kindern gut gehört werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2021

Freundschaft auf der Krebsstation

Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe
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Zac (17 Jahre) hat Leukämie, er liegt nach einer Knochenmarktransplantion isoliert auf der Krebsstation, nur seine Mutter darf ihm Gesellschaft leisten. Er ist auf der Station ein alter Hase und kennt ...

Zac (17 Jahre) hat Leukämie, er liegt nach einer Knochenmarktransplantion isoliert auf der Krebsstation, nur seine Mutter darf ihm Gesellschaft leisten. Er ist auf der Station ein alter Hase und kennt sich aus, hat einiges hinter sich. Florian Lukas leiht Zac sehr gefühlvoll seine Stimme, er vermag die Gedankengänge und Gefühle authentisch zu transportieren. Trotz aller Schwere ist Zac immer noch humorvoll und positiv, dabei weiß er als Statistikfreak genau über seine Chancen Bescheid (55%). Die Tage mit seiner Mutter in dem kleinen Zimmer sind lang, dennoch machen Beide das Beste daraus. Er verliert sein Ziel nicht aus den Augen.
Eines Tages kommt ein Neuzugang ins Nachbarzimmer: Mia hat einen Tumor am Bein und kann sich der Krankheit nicht stellen. Sie ist wütend auf die Welt und insbesondere auf ihre Mutter, dies stellt sie auch lautstark zur Schau. Inka Löwendorf trifft den Ton der 17-jährigen sehr gut. Man nimmt ihr die rotzige Art ab. Mia versucht nicht mit ihrer Krankheit umzugehen, sie will sie ignorieren, dabei stehen ihre Heilungschancen sehr gut. Zac und Mia liegen Kopf an Kopf, getrennt durch eine dünne Wand. Sie wären sich normalerweise niemals begegnet, aber nun freunden sie sich allmählich an. Die Initiative geht zunächst von Zac aus, der gut mit Mias Stimmungsschwankungen umzugehen weiß. Er versteht sich darauf, sie so anzunehmen wie sie ist und kann ihrer Wut seinen Optimismus entgegensetzen. Sie kann ihn nicht mit hinunterziehen und so richtet sie sich schließlich an ihm auf, schon um ihn nicht doch noch zu verletzen. Hier bekommt man keine stürmische Liebesgeschichte, sondern das leise Wachsen einer Freundschaft, die beide Seiten bitter nötig haben. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Message „Durchhalten“ für sich und Andere, Akzeptieren was ist und damit umgehen, insofern ist der Titel etwas irreführend.
Der Erzählstil ist recht leicht und setzt damit einen Kontrapunkt zu dem Thema Krebs. Die Gespräche zwischen Zac und seiner Mutter, aber auch die Kontakte mit Mia sind teilweise witzig, teilweise emotional. Betts ist es gelungen mit dieser Geschichte nicht in den Kitsch abzurutschen, leider haben sich sachliche Fehler eingeschlichen, so wurden z.B. die Abläufe auf der Krebsstation nicht gut recherchiert.

Die Geschichte von Zac und Mia wird von den beiden Sprechern sehr glaubhaft intoniert. Ich kann Alles was die zwischenmenschliche Beziehung angeht glauben. Die Krankheitsverläufe haben natürlich nicht die gewünschten Verläufe, schließlich kennt niemand seinen Platz in der Statistik. Für Erwachsene teils vorhersehbare Wendungen, aber gut als Jugendhörbuch gut gemacht und anzuhören.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2021

Friedhofsfloristin undercover

Vanitas - Schwarz wie Erde
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Caroline versteckt sich als Floristin in einer Wiener Friedhofsgärtnerei. Warum und wieso erfährt der Hörer nur bruchstückhaft nach und nach verteilt über den Roman. Als ihre Kontaktperson Robert vom BKA ...

Caroline versteckt sich als Floristin in einer Wiener Friedhofsgärtnerei. Warum und wieso erfährt der Hörer nur bruchstückhaft nach und nach verteilt über den Roman. Als ihre Kontaktperson Robert vom BKA bei ihr auftaucht gerät ihr Leben erneut aus den Fugen. Er beordert sie für einen under cover Einsatz nach München, das Risiko sie dort einzusetzen hält er für überschaubar. Carolines Ängste ignoriert er bewusst und manipuliert ihre Angst ganz offen.
Gezwungenermaßen nimmt Caroline in München ihre neue Identität an, sie soll ihre Nachbarin ausspionieren und etwas über mysteriöse Unglücke herausfinden, die auf Münchener Baustellen geschehen sind.
Caroline lebt in permanenter Furcht, dass ihre Frankfurter Vergangenheit sie einholt, ein Clan von dort will ihr Leben. Dennoch lässt sich sie von ihrer neuen Aufgabe für die sie viele Fähigkeiten mitbringt packen, schon bald hat sie einiges herausgefunden.
Mich wunderte, dass dies der Polizei nicht gelungen war, oder handelte es sich um eine Finte und man wollte Caroline genau dort haben?
Die Idee über Blumen in zweierlei Hinsicht Nachrichten zu übermitteln fand ich interessant, halte beide aber nicht für realistisch.
Den Verlauf der Geschichte fand ich gegen Ende vorhersehbar. Schade, aus der Idee hätte man mehr machen können. Zum Schluss baute die Autorin noch einen Hinweis ein, der auf eine Folgeband hinweist, vielleicht erfährt man dort mehr über Caroline und kann einiges besser nachvollziehen. Dass die Hauptperson so wenig greifbar war gefiel mir nicht so gut.
Luise Helm liest sehr ruhig und unaufgeregt und versteht es darüber die Unsicherheit und Furcht Carolines zu transportieren. Auch die Einschübe in denen über die Unfälle berichtet wird, sind gut gelungen, sie grenzen sich von dem Geschehen um die Hauptakteure deutlich ab.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere