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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2025

Familiengeschichte aus den 1960er Jahren

Frühjahrskollektion
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Lilos Idee ist es, Bademoden aus elastischem Gewebe für die reife Frau auf den Markt zu bringen. Auf einer Gala möchte sie diese der Presse und geladenen Gesten durch ihre Mannequins vorführen. Doch kurz ...

Lilos Idee ist es, Bademoden aus elastischem Gewebe für die reife Frau auf den Markt zu bringen. Auf einer Gala möchte sie diese der Presse und geladenen Gesten durch ihre Mannequins vorführen. Doch kurz vor der Präsentation wird sie mit der Vergangenheit konfrontiert.
Christine Koschmieder hat hier einen Roman geschrieben, der den Leser in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts eintauchen lässt. Es ist die Geschichte einer Familie, die plötzlich von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Lilo, ihr Mann Harry sowie die Tochter Reni sind davon betroffen.
Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive der einzelnen Protagonisten, die auch ihre Erinnerungen beschreibt. Dadurch erhielt ich eine breite Sichtweise.
Die Handlung enthält sehr viel Zeitgeschichte. Realhistorische Personen und Namen von Unternehmen sind in das Geschehen eingeflochten. Trotzdem fiel es mir schwer, mich mit den Charakteren anzufreunden, bzw. mich in sie hineinzuversetzen. Dazu wiesen mir die Personen zu viele Längen auf.
Trotz der Kritik ist ein interessantes Buch, das ich mit 3 Sternen bewerte.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Einfach nur überleben

Sacrow – Paradies mit dunklen Schatten
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Dieser Roman führt den Leser nach Sacrow, einem kleinen Ort ca. 5 km nordöstlich von Potsdam. Hier lebt die Familie des Möbelschreiners Eugen Richter. Hanno, sein 16-jähriger Sohn, erlebt seine erste große ...

Dieser Roman führt den Leser nach Sacrow, einem kleinen Ort ca. 5 km nordöstlich von Potsdam. Hier lebt die Familie des Möbelschreiners Eugen Richter. Hanno, sein 16-jähriger Sohn, erlebt seine erste große Liebe mit der Jüdin Stefanie und macht auch in der Öffentlichkeit keinen Hehl daraus. Es ist ein riskantes Gebaren zu einer Zeit, in der der Judenhass und seine Verfolgung sich immer mehr ausweitet. Seine jüngere Schwester Sabine macht eine schreckliche Erfahrung, die sich auf ihr weiteres Leben auswirken wird. Doch die Familie hält zusammen und versucht mit Anstand und ohne spätere Reue durch die Zeit der Naziherrschaft zu kommen.
Die Handlung dieser Geschichte spielt in den Jahren 1937 bis 1944. Sie ist fiktiv, jedoch hat die Autorin reale historische Personen und Geschehen gekonnt miteinander verwoben. Der Ablauf ist nachvollziehbar und ich hatte das Gefühl, dass sich alles wirklich so hätte ereignen können. Vielschichtig hat Ines Thorn die verschiedenen Charaktere angelegt und ausgearbeitet. Dadurch war es für mich einfach, mich in deren Gefühls- und Gedankenwelt einbringen zu können. Die historischen Fakten wurden akribisch recherchiert und in den Plot eingebettet.
Dieses Buch, durch das ein angenehmer und ausdrucksstarker Schreibstil führt, liest sich gut und flüssig. Die Erzählung ist lebendig und die Dialoge sind natürlich und unterhaltsam. Ich vergebe 5 von 5 Sternen und eine ganz klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Geheimnisse einer Familie

Was ich von dir weiß
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Erzählt wird die Geschichte eines jungen Arztes, der in Kairo die angesehene Praxis seines Vaters übernimmt. In der Ambulanz in einem Slum lernt er Ali, einen jungen Mann dem Quartier kennen. Seine Freundschaft ...

Erzählt wird die Geschichte eines jungen Arztes, der in Kairo die angesehene Praxis seines Vaters übernimmt. In der Ambulanz in einem Slum lernt er Ali, einen jungen Mann dem Quartier kennen. Seine Freundschaft mit ihm wird Tarekts Leben durcheinanderwirbeln.
In einem fiktiven Gespräch mit dem Protagonisten beschreibt ein vorerst noch unbekannter Erzähler dessen Geschichte in verschiedenen Lebenssituationen. Mit der Zeit ergibt sich so ein Bild über das Leben des ägyptischen Arztes Tarek Seidah und seinen Entscheidungen, egal ob richtig oder falsch. die seinen Weg prägen. Der Verfasser, der sich erst nach etwa 75 % des Buches zu erkennen gibt, beschreibt alles, was er von ihm zu wissen glaubt.
Dieser Debütroman des kanadischen Schriftstellers Èric Chacour hat zurecht schon einige Preise erhalten. Es ist ein Band, der mich durch seine Machart sehr überraschte. Ich muss zugeben, dass ich ihn anfangs als etwas gewöhnungsbedürftig empfand, mich jedoch schnell mit dem Schreibstil anfreundete. Dazu trug auch die fesselnde Handlung wesentlich bei.
Ich kann dieses Buch, das mich wunderbar unterhalten hat, vorbehaltlos empfehlen und vergebe 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Ein ergreifender Roman mit historischem Hintergrund

Hundert Wörter für Schnee
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Franzobel erzählt in diesem Buch die Geschichte des amerikanischen Abenteurers Robert Edwin Peary (1856-1920), einem Ingenieur und Polarforscher. Im Jahr 1897 verschleppt er sechs Inughuit auf einem Dampfschiff ...

Franzobel erzählt in diesem Buch die Geschichte des amerikanischen Abenteurers Robert Edwin Peary (1856-1920), einem Ingenieur und Polarforscher. Im Jahr 1897 verschleppt er sechs Inughuit auf einem Dampfschiff von Grönland nach New York, um sie auszustellen und zu präsentieren. Unter ihnen ist der 9-jährige Minik, der als einziger überleben wird. Sein tragisches Schicksal ist herzzerreißend. Er wird immer heimatlos bleiben und erst am Ende seines Lebens kann er endlich glücklich werden.
Doch es geht auch um die Ureinwohner, die Inughuit, die im Nordwesten der Insel leben. Um ihre Lebensart, ihren Glauben und ihre Traditionen. Und um ihren Überlebenskampf in dieser menschenfeindlichen Umgebung.
Durch diesen überaus spannenden Roman, der wahren Begebenheiten nachempfunden ist, führt der Autor mit einer lebendigen und flüssigen Schreibweise. Er hat die verschiedenen Charaktere lebensecht und detailliert in Szene gesetzt. Die historischen Fakten wurden akribisch recherchiert.
Ebenso hat mich sehr beeindruckt, dass am Ende der Lektüre beschrieben wird, wie sich das Leben der einzelnen Protagonisten weiterentwickelt hat.
Mich hat dieses Buch gefesselt und das Los von Minik schließlich zu Tränen gerührt. 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Außergewöhnlich und packend

Internationale Zone
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Die Handlung dieses Romans beruht auf Berichten, die im Jahr 1950 in der österreichischen "Arbeiter-Zeitung" erschienen sind.
Wien ist von den Alliierten besetzt, wobei der 1. Bezirk zur interallierten ...

Die Handlung dieses Romans beruht auf Berichten, die im Jahr 1950 in der österreichischen "Arbeiter-Zeitung" erschienen sind.
Wien ist von den Alliierten besetzt, wobei der 1. Bezirk zur interallierten Zone wird. Jetzt, in der Nachkriegszeit, jagt die Unterwelt dem schnellen Geld nach. Sich mit den Besatzern gutzustellen, ist von gewaltigem Vorteil. Und so ist der Zigarettenschmuggel an der Tagesordnung. Aber auch Entführungen und Menschenraub im Auftrag der sowjetischen Besatzer sind keine Seltenheit. Der Leser begegnet dem durch Beziehungen vorzeitig aus der Haft entlassenen Tierarzt Boris Kostaff, der mit allen Mitteln versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Dabei schwenkt die Handlung in die Vergangenheit und berichtet von den Geschehen, die sich kurz vor seiner Verhaftung ereigneten und schließlich zu seiner Festnahme führten. Personen, ohne jeglichen Skrupel, haben ein breites Netz geknüpft, in dem sie sich letztendlich jedoch selber verfangen werden.
Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven, sodass ich eine breite Sichtweise erhielt. Es ist erschreckend, wie kaltblütig, rücksichtslos und unerbittlich doch Menschen sein können, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind.
Dieser außergewöhnliche und packende Roman von dem Autorenduo Milo Dor (1923-2005) und Reinhard Federmann (1923-1976) gibt Einblick in Ereignisse, die weithin unbekannt sind. Er hat mir fesselnde und unterhaltsame Lesestunden bereitet. 5 klare Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

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