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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2026

Wenn die Vergangenheit nach Jahrzehnten zurückkehrt

Die Bücherfrauen von Listland. Der Duft des Strandhafers
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Viele Geschichten aus der Vergangenheit bleiben lange verborgen. Auch auf Sylt gibt es eine solche Geschichte. Als Journalistin Anna März im Spätsommer auf die Insel zurückkehrt, hilft sie der alten Fenja ...

Viele Geschichten aus der Vergangenheit bleiben lange verborgen. Auch auf Sylt gibt es eine solche Geschichte. Als Journalistin Anna März im Spätsommer auf die Insel zurückkehrt, hilft sie der alten Fenja Lorenzen bei der Suche nach ihrer verschwundenen Schwester. Martje verschwand im Jahr 1958 nach einer stürmischen Nacht. Schon bald wird deutlich, dass hinter ihrem Verschwinden mehr steckt, als man lange glaubte.
Der Roman führt zurück in eine Zeit, die viele Fragen offen gelassen hat. Zwei Schwestern, die sich als Kinder sehr nahestanden, wurden durch ein Ereignis auseinandergerissen. Nach und nach kommen Erinnerungen und lange verschwiegene Wahrheiten ans Licht.
Im Mittelpunkt steht eine Suche, die weit in die Vergangenheit zurückreicht. Während Anna versucht, herauszufinden, was damals mit Martje geschehen ist, fügen sich nach und nach einzelne Erinnerungen und Hinweise zusammen. Dabei zeigt sich, wie eng das Leben der beiden Schwestern miteinander verbunden war und wie sehr die Ereignisse von damals noch bis in die Gegenwart hineinwirken.
Die Handlung spielt auf Sylt, Amrum und Föhr. Die Inseln sind ein wichtiger Teil der Geschichte und geben ihr einen stimmigen Rahmen. Viele Szenen lassen sich dadurch gut vorstellen.
Auch die Figuren sind glaubwürdig dargestellt. Fenja hat viele Jahre mit der Ungewissheit über das Schicksal ihrer Schwester gelebt. Anna versucht geduldig, die alten Spuren zu ordnen und die einzelnen Hinweise zusammenzufügen. So entfaltet sich die Geschichte Schritt für Schritt.
Mit der Zeit wird immer deutlicher, wie viele Missverständnisse, Hoffnungen und auch Verletzungen hinter der Geschichte der beiden Schwestern stehen. Die Vergangenheit wird nach und nach verständlicher, ohne dass die Handlung an Spannung verliert. Dabei bleibt der Blick immer auf den Menschen und ihren Entscheidungen.
Der Roman verbindet Familiengeschichte, Geheimnisse und die besondere Atmosphäre der Nordseeinseln. Die Handlung entwickelt sich in einem angenehmen Tempo und lässt genug Raum für die Figuren und ihre Erinnerungen. Gerade das macht die Geschichte glaubwürdig und nahbar.
So entsteht eine stimmige Geschichte über Familie, über lange verschwiegene Wahrheiten und über die Frage, wie sehr die Vergangenheit ein Leben prägen kann. Nach und nach fügt sich zusammen, was so viele Jahre unklar geblieben ist. Wer Romane über Familiengeheimnisse und die besondere Stimmung der Nordseeinseln mag, wird diese Geschichte gern lesen.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Gefühlsstark und berührend

Sieben Sommer ohne dich
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Sieben Jahre sind vergangen, doch manche Orte bleiben eng mit Erinnerungen an die eigene Jugend verbunden. Als Emery auf die Insel zurückkehrt, auf der sie aufgewachsen ist, wird schnell spürbar, dass ...

Sieben Jahre sind vergangen, doch manche Orte bleiben eng mit Erinnerungen an die eigene Jugend verbunden. Als Emery auf die Insel zurückkehrt, auf der sie aufgewachsen ist, wird schnell spürbar, dass dort noch vieles aus der Vergangenheit nachwirkt. Zwischen vertrauten Plätzen, alten Gefühlen und Begegnungen, die lange zurückliegen, entwickelt sich eine Geschichte über das Wiedersehen und über die Hoffnung auf einen neuen Anfang.
Mit der Rückkehr auf die Insel wird auch ein Ereignis wieder spürbar, über das kaum jemand spricht. Vor sieben Jahren endete eine Bootsparty in einer Katastrophe, die vieles verändert hat. Die Erinnerungen daran liegen noch immer über dem Ort. Emerys Begegnung mit Cole zeigt, dass die Vergangenheit längst nicht abgeschlossen ist. Alte Gefühle und unausgesprochene Fragen stehen plötzlich wieder im Raum.
Die Geschichte lebt stark von der ruhigen Stimmung der Insel. Das Meer und die vertrauten Plätze zeigen gut, wie eng Emery noch mit ihrer Heimat verbunden ist. Beim Lesen wird deutlich, wie schwer es für sie ist, sich den Erinnerungen zu stellen. Gleichzeitig wächst langsam die Hoffnung, dass sich für sie ein neuer Weg öffnen könnte.
Die Figuren wirken sehr glaubwürdig und ihre Gefühle sind nachvollziehbar. Emerys Unsicherheit und ihr Zögern im Umgang mit der Vergangenheit lassen sich gut nachempfinden, und auch Cole zeigt sich vielschichtig. Die Geschichte verbindet sanft Spannung und Emotion. Insgesamt eine stimmige, gefühlvolle Lektüre, die 4 Sterne verdient und für alle Leserinnen und Leser geeignet ist, die gefühlvolle New-Adult-Geschichten mit ruhiger Atmosphäre mögen.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Zwischen Pflicht, Liebe und Heilpflanzen

Das Schicksal der Herzogin
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Der Roman führt in das Leben einer Frau, die im 16. Jahrhundert zwischen Pflicht, Macht und eigenen Gefühlen ihren Weg finden muss. Im Mittelpunkt steht Sibylla von Anhalt, die zunächst unbeschwert auf ...

Der Roman führt in das Leben einer Frau, die im 16. Jahrhundert zwischen Pflicht, Macht und eigenen Gefühlen ihren Weg finden muss. Im Mittelpunkt steht Sibylla von Anhalt, die zunächst unbeschwert auf Schloss Dessau aufwächst. Früh zeigt sich ihre Neugier für Heilkräuter und Arzneien, ein Interesse, das sie von ihrer Stiefmutter übernimmt und das sie ihr ganzes Leben begleiten wird. Die Heirat mit Friedrich von Mömpelgard beginnt als echte Liebesverbindung und verspricht ein glückliches gemeinsames Leben.
Mit der Zeit verändert sich jedoch vieles. Als Friedrich den württembergischen Herzogstitel erhält, wird das Leben am Hof komplizierter und von politischen Spannungen geprägt. Auch in der Ehe zeigen sich zunehmend Unterschiede. Während Machtfragen und Konflikte mit den Landständen den Alltag bestimmen, sucht Sibylla ihren eigenen Halt. Besonders die Arbeit in ihrer Arzneikammer wird zu einem wichtigen Rückzugsort. Dort kann sie sich mit Heilpflanzen und Rezepturen beschäftigen und für einen Moment Abstand von den Sorgen des Hoflebens gewinnen.
Gerade in dieser schwieriger werdenden Zeit zeigt sich, wie viel Kraft in Sibylla steckt. Sie bemüht sich, ihre Aufgaben als Herzogin zu erfüllen und trotzdem ihren eigenen Weg nicht ganz zu verlieren. Die Arbeit mit Heilpflanzen und Arzneien bedeutet ihr viel und gibt ihr Halt. Dabei begegnet sie auch dem Arzt von St. Catharina. Aus der Zusammenarbeit entsteht mit der Zeit eine stille Nähe.
Der Roman zeigt ein lebendiges Bild dieser Zeit und lässt das Leben am württembergischen Hof klar vor Augen treten. Sibylla wirkt als kluge Frau, die ihren Platz in einer von Männern geprägten Welt finden muss. Ihr Interesse an Heilpflanzen und Arzneien macht sie besonders und zeigt, wie sie nach einem eigenen Weg sucht.
Auch die Konflikte im Alltag, in der Ehe und am Hof werden gut beschrieben. Dadurch lässt sich ihr Leben nachvollziehen, und man fühlt sich der historischen Persönlichkeit nah.
Die Geschichte erzählt die Ereignisse ruhig und persönlich. Statt großer Politik stehen die Gedanken, Hoffnungen und inneren Konflikte einer Frau im Mittelpunkt, die sich in schwierigen Zeiten behauptet.
Der Alltag am Hof, Sibyllas Arbeit mit Heilpflanzen und ihre persönlichen Erlebnisse werden klar und verständlich beschrieben. So wirkt die Geschichte glaubwürdig und nahbar.
Es ist ein historischer Roman, der durch seine ruhige, einfache Erzählweise und die sorgfältige Darstellung der Zeit überzeugt.
5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Auf der Suche nach Verlässlichkeit

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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Lale wächst in einer Berliner Wohngemeinschaft auf, in der vieles erlaubt ist und kaum feste Regeln gelten. Erwachsene diskutieren über Politik, feiern lange Nächte und sprechen von Freiheit. Für ein Kind ...

Lale wächst in einer Berliner Wohngemeinschaft auf, in der vieles erlaubt ist und kaum feste Regeln gelten. Erwachsene diskutieren über Politik, feiern lange Nächte und sprechen von Freiheit. Für ein Kind wirkt dieses Leben zunächst offen und grenzenlos. Doch zwischen Gesprächen, Partys und ständig wechselnden Menschen fehlt etwas, das für ein Kind wichtig ist: Verlässlichkeit, Schutz und ein fester Platz im Alltag.
Der Roman begleitet Lale durch diese ungewöhnliche Kindheit in den achtziger Jahren. Kleine Szenen aus dem Alltag zeigen, wie sie zwischen Freiraum und Vernachlässigung ihren eigenen Weg sucht. Schon früh wird spürbar, dass sie vieles allein verstehen muss, weil sich kaum jemand wirklich um ihre Fragen kümmert.
Die Geschichte wird in ruhigen, klaren Bildern erzählt. Viele Szenen wirken fast unscheinbar. Oft sind es gerade diese kleinen Beobachtungen, die im Kopf bleiben. Immer wieder versucht Lale, ihren Platz zu finden, während die Erwachsenen um sie herum mit ihren eigenen Ideen und Konflikten beschäftigt sind. Neben Momenten von Freiheit liegt über manchen Situationen auch ein leises Unbehagen.
Im Verlauf der Kindheit wird deutlich, dass Grenzen nicht immer geachtet werden. Einige Begegnungen zeigen, wie wenig Schutz ein Kind in dieser Umgebung manchmal hat. Diese Übergriffe werden nicht dramatisch ausgeschmückt, sondern ruhig und direkt geschildert. Durch diese nüchterne Erzählweise wirken manche Szenen besonders belastend.
Mit den Jahren verändert sich der Blick auf das Erlebte. Aus dem Mädchen, das lange nur versucht hat, zurechtzukommen, wird eine junge Frau, die beginnt, ihre eigene Geschichte zu ordnen. Das Erzählen wird dabei zu einer Möglichkeit, das eigene Erleben langsam zu begreifen.
Die Sprache des Buches bleibt über weite Strecken ruhig und klar. Viele Gedanken werden eher angedeutet als ausführlich erklärt. Dadurch entsteht eine große Nähe zu Lale und zu ihrem inneren Erleben. Vor allem in den stillen Momenten wird spürbar, wie sehr ihr Halt und Geborgenheit fehlen.
Dieser Roman erzählt von einer Kindheit, die nach außen frei wirkt und zugleich von Unsicherheit geprägt ist. Gerade dieser Widerspruch zieht sich durch die ganze Geschichte. Zwischen politischen Ideen, langen Nächten und vielen Menschen wächst ein Mädchen auf, das sich nach etwas ganz Einfachem sehnt: jemandem, der wirklich für sie da ist.
Ein ruhiger und ehrlicher Roman über Kindheit, über Verletzlichkeit und darüber, wie ein Mensch irgendwann beginnt, die eigene Geschichte auszusprechen.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Geheimnisse, Herkunft und ein neuer Weg

Der Wille der Gräfin
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Eine junge Frau, die alles verloren hat, versucht in einer fremden Umgebung einen neuen Anfang zu finden. Genau hier setzt der Roman an und führt in das Österreich-Ungarn des späten 19. Jahrhunderts. Komtess ...

Eine junge Frau, die alles verloren hat, versucht in einer fremden Umgebung einen neuen Anfang zu finden. Genau hier setzt der Roman an und führt in das Österreich-Ungarn des späten 19. Jahrhunderts. Komtess Hanna muss nach dem Verlust ihres Erbes ihr Leben neu ordnen und findet zunächst Hilfe bei der Oblatenbäckerin Burgl in Karlsbad. Von dort führt ihr Weg auf den Landsitz der Gräfin Valeria, wo sie als Gouvernante für deren Enkelin Antonia arbeiten soll.
Auf dem Gut beginnt für Hanna ein neues Kapitel. Der Anfang ist nicht leicht. Antonia begegnet ihrer neuen Gouvernante zunächst mit Abstand, und auch im Haus selbst muss Hanna erst ihren Platz finden. Die Unterschiede zwischen Dienerschaft und feiner Gesellschaft sind gut zu spüren, und Hanna versucht vorsichtig, ihren Platz zwischen beiden Welten zu finden. Nach und nach entsteht jedoch eine vorsichtige Nähe zwischen ihr und Antonia. Gerade diese leisen Veränderungen merkt man beim Lesen besonders deutlich und sie machen viel vom Reiz des Romans aus.
Mit der Zeit zeigt sich auch, dass Hanna mehr mit sich trägt, als sie preisgeben möchte. Ihre wahre Herkunft hält sie verborgen, denn sie möchte ihr neues Leben nicht gefährden. Als ein Anschlag auf sie verübt wird, verändert sich die Situation plötzlich. Dabei werden auch alte Zusammenhänge sichtbar und die Verbindung zwischen Hanna und der Gräfin offenbart sich auf neue Weise. Dadurch gewinnt die Handlung an Spannung, ohne dass der ruhige Ton des Romans verloren geht.
Der Roman ist in einer klaren und gut verständlichen Sprache geschrieben. Die Atmosphäre der Zeit wird lebendig beschrieben, ohne dass die Handlung ausgebremst wird. Besonders die Figuren wirken glaubwürdig mit ihren Sorgen, Hoffnungen und Entscheidungen. Im Mittelpunkt steht Hanna, die lernen muss, ihren eigenen Weg zu gehen und sich in einer Welt zurechtzufinden, in der Herkunft und Stellung viel bedeuten.
Insgesamt ist dies ein ruhiger historischer Roman mit einer interessanten Ausgangsidee, starken Figuren und einigen spannenden Momenten. Manche Entwicklungen hätten stellenweise etwas ausführlicher sein dürfen. Dennoch bleibt der Roman über weite Strecken stimmig und angenehm zu lesen. Wer historische Geschichten mit Gefühl, leisen Spannungsmomenten und einer starken Hauptfigur mag, wird hier eine wirklich schöne und unterhaltsame Lektüre finden.
4 Sterne und eine Leseempfehlung für diesen Auftakt der Gouvernanten-Reihe.

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