Wem kannst Du noch trauen, wenn nicht mal Dir selbst? Tiefgründiger Nordic Noir.
Home Before Dark„Home Before Dark“ ist ein tiefgründiger Psychothriller, der thematisiert, wie das spurlose Verschwinden eines jungen Mädchens Familie, Freunde und eine Dorfgemeinschaft dauerhaft belastet und welche Konsequenzen ...
„Home Before Dark“ ist ein tiefgründiger Psychothriller, der thematisiert, wie das spurlose Verschwinden eines jungen Mädchens Familie, Freunde und eine Dorfgemeinschaft dauerhaft belastet und welche Konsequenzen späte Nachforschungen haben können.
Um was geht es?
Winter 1967: Die 17-jährige Kristín verschwindet auf dem Heimweg spurlos. Alle Nachforschungen führen ins Leere. Nur ihre kleine Schwester Marsibil scheint mehr zu wissen, war sie in ebenjener schicksalhaften Nacht mit ihrem Brieffreund Bergur genau an der Stelle verabredet, an der Kristín verschwand. Doch sie schweigt – 10 Jahre lang. Als die Last zu groß wird, beginnt Marsibil selbst mit Nachforschungen, befragt Familie und Freunde und versucht, den ominösen Brieffreund zu finden. Denn sie möchte unbedingt herausfinden, was mit Kristín geschehen ist. Marsibil ahnt nicht, welche alten Wunden sie aufreißt und was für eine Kette schicksalhafter Ereignisse und schmerzhafter Erkenntnisse sie damit in Gang setzt.
Protagonistin ist Marsibil, eine junge Frau Mitte 20, die mittlerweile in Reykjavík lebt. Jahrelang hat sie sich selbst die Schuld am Verschwinden ihrer Schwester Kristín gegeben, glaubt sie doch immer noch daran, dass ihr damaliger Brieffreund dahintersteckt. Diesen hat sie während der Ermittlungen weder der Polizei noch ihren Eltern gegenüber erwähnt. Trotz jahrelanger Therapie, die sie mittlerweile abgebrochen hat, wird sie die Schuld und das mit dem Verschwinden verbundene Trauma einfach nicht los und geht daran langsam kaputt. Ihre einzige Lösung ist es, endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen. Koste es, was es wolle. Entgegen dem Willen ihrer Eltern beginnt sie zu ermitteln, führt Befragungen durch und deckt so alte Geheimnisse auf, die vielleicht besser im Verborgenen geblieben wären. Dabei erleben wir, wie Marsibil in Konflikt mit zahlreichen Nebencharakteren gerät, alte Wunden ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer aufreißt und ein Strudel an Ereignissen auslöst, der alle Beteiligten nachhaltig beeinflusst.
Das Buch baut auf subtile Art Spannung auf und erzählt die Geschichte aus zwei Perspektiven und in zwei unterschiedlichen Zeiten. Wir begleiten zum einen Marsibil im Jahr 1977 während ihren Ermittlungen und lernen die Geschichte von damals kennen, wie sie von Außenstehenden wahrgenommen wurde. Gleichzeitig begleiten wir aber auch Kristín im Jahr 1966/1967 während ihren letzten Monaten vor dem Verschwinden und lernen ihren Charakter, ihre Empfindungen, ihre Nöte und Ängste kennen. Das Ende des Buches ist überraschend, aber trotzdem plausibel. Leider hat es mich trotzdem aus zwei Gründen unzufrieden zurückgelassen: Erstens kennen wir zwar als Leser nun die ganze Wahrheit, aber ich hätte mir trotzdem ein anderes Ende gewünscht. Nicht was den Täter angeht – der ist schon plausibel – sondern hinsichtlich der Art der Auflösung. Mehr kann ich, ohne zu spoilern, leider nicht dazu schreiben. Zweitens habe ich am Ende ein paar Logik-Fehler im Buchverlauf erkannt, bei denen sich mir der Gedanke aufdrängt, ob eventuell nachträglich das Ende des Buches umgeschrieben, aber die Geschichte vorher nicht konsequent bereinigt wurde. Aber bitte nicht falsch verstehen, es ist ein sehr gutes, schlüssiges Buch, auch wenn ich ein paar Dinge suboptimal finde. Deswegen vergebe ich trotz Pageturner-Charakter „nur“ vier von fünf Sterne.
Fazit:
„Home Before Dark“ ist ein tiefgründiger Thriller aus dem Genre „Nordic Noir“. Auch wenn mich persönlich das Ende etwas unzufrieden zurückgelassen hat, war es doch schlüssig und passt zum Buch. Insgesamt ein sehr guter, spannender Thriller, der fast bis zum Schluss für den miträtselnden Leser alle Optionen offenlässt und doch konsequent zu einem schlüssigen Ende gebracht wird. Das Buch ist nicht actiongeladen, aber durch seine Erzählart war es für mich trotzdem ein Pageturner.