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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2026

Wem kannst Du noch trauen, wenn nicht mal Dir selbst? Tiefgründiger Nordic Noir.

Home Before Dark
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„Home Before Dark“ ist ein tiefgründiger Psychothriller, der thematisiert, wie das spurlose Verschwinden eines jungen Mädchens Familie, Freunde und eine Dorfgemeinschaft dauerhaft belastet und welche Konsequenzen ...

„Home Before Dark“ ist ein tiefgründiger Psychothriller, der thematisiert, wie das spurlose Verschwinden eines jungen Mädchens Familie, Freunde und eine Dorfgemeinschaft dauerhaft belastet und welche Konsequenzen späte Nachforschungen haben können.

Um was geht es?
Winter 1967: Die 17-jährige Kristín verschwindet auf dem Heimweg spurlos. Alle Nachforschungen führen ins Leere. Nur ihre kleine Schwester Marsibil scheint mehr zu wissen, war sie in ebenjener schicksalhaften Nacht mit ihrem Brieffreund Bergur genau an der Stelle verabredet, an der Kristín verschwand. Doch sie schweigt – 10 Jahre lang. Als die Last zu groß wird, beginnt Marsibil selbst mit Nachforschungen, befragt Familie und Freunde und versucht, den ominösen Brieffreund zu finden. Denn sie möchte unbedingt herausfinden, was mit Kristín geschehen ist. Marsibil ahnt nicht, welche alten Wunden sie aufreißt und was für eine Kette schicksalhafter Ereignisse und schmerzhafter Erkenntnisse sie damit in Gang setzt.

Protagonistin ist Marsibil, eine junge Frau Mitte 20, die mittlerweile in Reykjavík lebt. Jahrelang hat sie sich selbst die Schuld am Verschwinden ihrer Schwester Kristín gegeben, glaubt sie doch immer noch daran, dass ihr damaliger Brieffreund dahintersteckt. Diesen hat sie während der Ermittlungen weder der Polizei noch ihren Eltern gegenüber erwähnt. Trotz jahrelanger Therapie, die sie mittlerweile abgebrochen hat, wird sie die Schuld und das mit dem Verschwinden verbundene Trauma einfach nicht los und geht daran langsam kaputt. Ihre einzige Lösung ist es, endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen. Koste es, was es wolle. Entgegen dem Willen ihrer Eltern beginnt sie zu ermitteln, führt Befragungen durch und deckt so alte Geheimnisse auf, die vielleicht besser im Verborgenen geblieben wären. Dabei erleben wir, wie Marsibil in Konflikt mit zahlreichen Nebencharakteren gerät, alte Wunden ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer aufreißt und ein Strudel an Ereignissen auslöst, der alle Beteiligten nachhaltig beeinflusst.

Das Buch baut auf subtile Art Spannung auf und erzählt die Geschichte aus zwei Perspektiven und in zwei unterschiedlichen Zeiten. Wir begleiten zum einen Marsibil im Jahr 1977 während ihren Ermittlungen und lernen die Geschichte von damals kennen, wie sie von Außenstehenden wahrgenommen wurde. Gleichzeitig begleiten wir aber auch Kristín im Jahr 1966/1967 während ihren letzten Monaten vor dem Verschwinden und lernen ihren Charakter, ihre Empfindungen, ihre Nöte und Ängste kennen. Das Ende des Buches ist überraschend, aber trotzdem plausibel. Leider hat es mich trotzdem aus zwei Gründen unzufrieden zurückgelassen: Erstens kennen wir zwar als Leser nun die ganze Wahrheit, aber ich hätte mir trotzdem ein anderes Ende gewünscht. Nicht was den Täter angeht – der ist schon plausibel – sondern hinsichtlich der Art der Auflösung. Mehr kann ich, ohne zu spoilern, leider nicht dazu schreiben. Zweitens habe ich am Ende ein paar Logik-Fehler im Buchverlauf erkannt, bei denen sich mir der Gedanke aufdrängt, ob eventuell nachträglich das Ende des Buches umgeschrieben, aber die Geschichte vorher nicht konsequent bereinigt wurde. Aber bitte nicht falsch verstehen, es ist ein sehr gutes, schlüssiges Buch, auch wenn ich ein paar Dinge suboptimal finde. Deswegen vergebe ich trotz Pageturner-Charakter „nur“ vier von fünf Sterne.

Fazit:
„Home Before Dark“ ist ein tiefgründiger Thriller aus dem Genre „Nordic Noir“. Auch wenn mich persönlich das Ende etwas unzufrieden zurückgelassen hat, war es doch schlüssig und passt zum Buch. Insgesamt ein sehr guter, spannender Thriller, der fast bis zum Schluss für den miträtselnden Leser alle Optionen offenlässt und doch konsequent zu einem schlüssigen Ende gebracht wird. Das Buch ist nicht actiongeladen, aber durch seine Erzählart war es für mich trotzdem ein Pageturner.

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Veröffentlicht am 14.05.2026

Eine Party, ein Mord, dunkle Geheimnisse – ein Psychothriller der etwas anderen Art

Party of Liars
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Bei „Party of Liars“ handelt es sich um einen subtil erzählten Psychothriller, der weniger auf Schockeffekte abzielt, sondern nach und nach die düsteren Geheimnisse der Protagonisten an die Oberfläche ...

Bei „Party of Liars“ handelt es sich um einen subtil erzählten Psychothriller, der weniger auf Schockeffekte abzielt, sondern nach und nach die düsteren Geheimnisse der Protagonisten an die Oberfläche holt – so düster, dass sie letztlich in einem Mord gipfeln.

Um was geht es?
Sophie feiert ihren 16. Geburtstag auf dem luxuriösen Anwesen ihres Vaters Ethan und dessen neuer Frau Dani. Neben ihren Freunden sind auch zahlreiche Einwohner des Dorfes und Freunde ihres Vaters eingeladen. Der Alkohol fließt in Strömen und löst die Zungen. Personen, die sich lange aus dem Weg gegangen sind, treffen aufeinander und alte Konflikte leben wieder auf. Mittendrin in dem Geschehen befinden sich vier Frauen: Ethans Ex-Frau Kim, Ethans neue Frau Dani, die Nanny Órlaith und Sophies beste Freundin Mikayla. Dann geschieht auf einmal ein Mord. Doch wer ist Opfer und wer Täter?

Dieses Buch hat gleich vier Protagonistinnen aus deren Sicht es erzählt wird: Kim, Dani, Órlaith und Mikayla. Kim ist die Ex-Frau von Ethan mit einem waschechten Alkoholproblem. Sie war immer sehr zielstrebig, hat maßgeblich zum Aufbau des luxuriösen Anwesens von Ethan beigetragen. Kein Wunder, dass sie auf Dani eifersüchtig ist und sich betrogen fühlt. Dani ist die neue Frau von Ethan, junge Mutter des gemeinsamen Babys Charlotte mit einem dünnen Nervenkostüm. Sie glaubt, dass es in ihrem Haus spukt, doch niemand glaubt ihr und ihr wird eine psychologische Behandlung regelrecht aufgezwungen. Órlaith ist die Nanny von Charlotte und geht bei Ethan und Dani ein und aus. Eine ältere, abergläubische Irin mit düsteren Geschichten. Doch ist ihr zu trauen? Zu guter Letzt haben wir noch Mikayla, die schüchterne, beste Freundin von Sophie. Sie ist das nette Mädchen von nebenan, unauffällig, aber sie kämpft auch mit inneren Dämonen. Diese vier Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein und geraten in ein Spannungsfeld, dass sich immer mehr im Laufe der Party aufbaut, bis es letztlich in einem Mord endet.

Besonders spannend an diesem Buch ist, dass wir zwar gleich zu Beginn wissen, dass es einen Mord gegeben hat, doch wir kennen das Opfer nicht. Denn es findet direkt nach dem Mord ein Zeitsprung in die Vergangenheit statt und wir befinden uns im Folgenden vor oder während der Party – aber vor dem Mord. Scheibchenweise können wir zusehen, wie durch bestimmte Interaktionen der Protagonistinnen untereinander oder mit den Partygästen die Situation auf der Party immer mehr außer Kontrolle gerät. Dabei wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven der vier Frauen erzählt und vorangetrieben. Die einzelnen Erzählstränge bilden am Ende ein schlüssiges, irgendwie tragisches Gesamtbild. Bei dem Buch handelt es sich also nicht um einen klassischen Psychothriller, aber es weist eine konstant steigende Spannungskurve bis zum Höhepunkt auf. Für mich persönlich ein echter Pageturner, weil man als Leser die Protagonistinnen so gut kennenlernt, mit allem, was sie glücklich macht oder frustriert und irgendwie mitfiebert und mitleidet.

Fazit:
„Party of Liars“ ist kein klassischer Psychothriller. Es gibt keine Schockmomente, besonders grafischen Morde oder psychische Abgründe. Anhand der Entwicklung der vier Protagonistinnen wird über den gesamten Storyverlauf immer mehr Spannung aufgebaut, die sich zuletzt entlädt. Ich würde das Buch eher als eine Art Drama-Psycho-Thriller beschreiben. Mich persönlich hat das sehr angesprochen und der Thriller hatte eine große Sogwirkung auf mich. Ein Pageturner der etwas anderen Art, den ich nur weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Reich, schön, Mord – ein Psychothriller der Spitzenklasse

Der Fjord
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Ein abgelegener Fjord, ein altes Herrenhaus, eine elitäre Familie und eine verschwundene schöne, junge Frau – das sind die Zutaten zu Sarah Goodwins hochkarätigem Psychothriller „Der Fjord“. Ein echter ...

Ein abgelegener Fjord, ein altes Herrenhaus, eine elitäre Familie und eine verschwundene schöne, junge Frau – das sind die Zutaten zu Sarah Goodwins hochkarätigem Psychothriller „Der Fjord“. Ein echter Pageturner.

Um was geht es?
Amelias Schwester Rose Spencer ist nach einem Streit spurlos verschwunden. Bei ihren Nachforschungen findet Amelia in Rose Wohnung eine Einladung zur jährlichen luxuriösen Sommerparty der Fowleys. Diese wird vom Familienoberhaupt Lawrence Fowley auf dem Familiensitz an einem norwegischen Fjord veranstaltet und ist berühmt berüchtigt. Alles deutet darauf hin, dass Rose zwar dort hingereist, aber nie mehr zurückgekehrt ist. Mit unglaublicher Willensstärke verwandelt sich Amelia in die Traumfrau von Ford Fowley, einem Cousin von Lawrence und erschleicht sich so Zutritt zum Elite-Partywochenende. Wird sie herausfinden, was mit ihrer Schwester ein Jahr zuvor geschehen ist? Dann ereignet sich der erste mysteriöse Todesfall …

Protagonistin des Buches ist Amelia Spencer – eine junge Frau, die aufgrund der schweren Erkrankung ihrer Mutter bereits früh Verantwortung für sich und ihre Schwester Rose übernehmen musste und hart gearbeitet hat, um erfolgreiche Anwältin zu werden. Diese Disziplin, Zielstrebigkeit und fast schon Verbissenheit hilft ihr, als sie das Verschwinden ihrer Schwester untersucht. Mit unendlicher Akribie schleicht sie sich als Freundin in das Leben von Ford Fowley ein, erfindet eine neue Biografie und lebt eine Lüge – bis hin zur Selbstaufgabe. Alles für ein Ziel: Herauszufinden, was mit ihrer Schwester geschehen ist. Bei ihren Nachforschungen lernen wir die scheinende Glitzerwelt der Reichen kennen – ihre Arroganz, Respektlosigkeit und Argwohn, ihre Dekadenz, aber auch die Schattenseiten, die die Verpflichtung gegenüber einer elitären Familie mit sich bringt.

Das ist es auch, was dieses Buch so unglaublich spannend und zu einem echten Pageturner macht. Denn wir erleben nicht nur eine Welt, die uns komplett fremd und teilweise befremdend vorkommt, sondern blicken auch hinter die Fassade der Elite und finden dort Hass, Traumata, Neid und Leid. Auch wenn unsere Protagonistin Amelia nur an der Oberfläche kratzt, deckt sie reichlich dunkle Geheimnisse, Intrigen und Konfliktpotenzial auf. Das kritische Beäugen und die „Verhöre“ durch die Fowleys tragen zusätzlich zu der unangenehmen Stimmung bei, die sich einem während des Lesens aufdrängt. Umso mehr hoffen und fiebern wir mit, dass die Lebenslüge unserer Protagonistin nicht auffliegt, ihre Schwester noch lebt, sie in ihren Ermittlungen unentdeckt bleibt und erleben brenzlige Situationen, die zumindest bei mir für Gänsehaut gesorgt haben. Fast über das komplette Buch zieht sich diese unterschwellige, bedrohliche Atmosphäre, die passend zu einem Fjord – wie in Wellen aufbrandet und abebbt, aber immer latent vorhanden ist. Einige überraschende Wendungen erwarten uns zum Schluss, die aber allesamt stimmig und plausibel sind und mich als Leserin fassungslos, aber zufrieden zurückgelassen haben.

Fazit:
Wer gerne Bücher liest, die eine unterschwellige, bedrohliche Stimmung aufweisen und uns in eine andere Welt entführen, mit all den dort vorhandenen Spannungsfeldern und Konflikten, wird bei „Der Fjord“ voll auf seine Kosten kommen. Von allen bisher von Sarah Goodwin in Deutschland erschienen Thrillern ist für mich dieses Buch die absolute Nummer 1 – sowohl was den Spannungsaufbau und den Plot als auch die Charaktere angeht. Für mich persönlich eines der Highlights des Jahres.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Wenn ein Spiel bitterer Ernst wird

Darkly
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„Darkly“ macht eine Serie hochgefeierter Rätselspiele und deren Spielemacherin zum Plot eines düsteren, spannenden Jugendthrillers.

Um was geht es?
Die 17-jährige Arcadia „Dia“ Gannon kann ihr Glück kaum ...

„Darkly“ macht eine Serie hochgefeierter Rätselspiele und deren Spielemacherin zum Plot eines düsteren, spannenden Jugendthrillers.

Um was geht es?
Die 17-jährige Arcadia „Dia“ Gannon kann ihr Glück kaum fassen. Sie hat einen der weltweit begehrten sieben Praktikumsplätze in der Louisiana Veda Stiftung ergattert. Louisiana Veda – eine Frau, die Dia verehrt, hat sie doch die legendären Darkly-Spiele entwickelt und vertrieben. Rätselspiele, die so besonders und unendlich schwierig sind, dass viele daran scheitern. Spiele, deren Prototypen ein Vermögen wert sind und deren Entwicklerin viel zu früh verstorben ist. Als Dia zu ihrem Praktikum in London antreten will, ist sie überrascht. Sie wird zusammen mit den anderen sechs Praktikanten auf eine Insel abseits von London zur Darkly-Fabrik gebracht. Dort sollen sie „Walküre“ spielen, das legendäre 29. Darkly, das auf der Veröffentlichungsfeier gestohlen wurde. Schon bald befinden sich die Praktikanten in höchster Gefahr. Werden sie das Spiel gewinnen und das Rätsel um Louisiana Veda lösen?

Protagonistin des Buches ist die 17-jährige Dia, ein wenig beliebtes, hochintelligentes Mädchen, zielstrebig und für ihr Alter äußerst verantwortungsbewusst. Das liegt sicher auch am flatterhaften Wesen ihrer Mutter, die das gemeinsame Familiengeschäft „Prologus“ mit ihren Spontankäufen immer wieder vor wirtschaftliche Herausforderungen stellt, denen sich Dia stellen muss. Dabei hilft ihr ihr Improvisationstalent und ihre Zuversicht für alles eine Lösung zu finden. Ihre Passion sind die Darkly-Spiele, etwas, das sie ebenfalls dem „Prologus“ zu verdanken hat. Die stets selbstlose Dia ist nur einmal „egoistisch“ – bei ihrem Praktikum, das sie ganz zum Missfallen ihrer Mutter antritt. Doch ihre Charaktereigenschaften sind genau das, was sie braucht, um in „Walküre“ voranzukommen und ihre Mitpraktikanten zu durchschauen. Zusätzlich Würze im Buch bringen die Beziehungen und Interaktionen mit den sehr unterschiedlichen und teilweise durchtriebenen Nebencharakteren und den Hauch von Liebe, den Choke Newington mit einbringt.

Das Buch liest sich leicht und flüssig. Als Leser kann man sich sehr gut in die Protagonistin hineinversetzen, erlebt die Aufregung und Spannung während des Spielens von „Walküre“ und den Ermittlungen in der realen Welt als wäre man selbst ein Teil davon. Ich wurde regelrecht in den Sog von Ereignissen mit hineingezogen, hatte einen Film vor dem inneren Auge, der ablief, habe mitgefiebert und mitgelitten. Ich bin durch die Seiten geflogen, habe unerwartete Wendungen gefeiert, mich über erwartetes gefreut und viele schöne, spannende, aber auch düstere Lesestunden verbracht. Das Ende hat mich sehr überrascht, war aber absolut plausibel und hat mich zufrieden zurückgelassen.

Fazit:
„Darkly“ ist ein Jugendthriller, der sich leicht und flüssig liest und einem viele spannende und düstere Lesestunden beschert. Die Protagonistin Dia ist sehr sympathisch und schafft es, dass man mit ihr mitfiebert und leidet. Die Geschichte hat eine tolle, mal etwas andere Grundidee, die sich über das ganze Buch weiterentwickelt und in einem überraschenden Finale endet. Ich kann das Buch jedem Thrillerfan – egal ob jung oder alt – weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Spannender Auftakt der schwedischen Krimi-Trilogie

Doppelspiel
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Das Autorenduo Dahl / Moström legt mit „Doppelspiel“ den Grundstein zu einer spannenden Krimi-Trilogie, in der Fiktion auf einmal Wirklichkeit wird.

Um was geht es?
Tom Borg ist gefeierter Bestsellerautor ...

Das Autorenduo Dahl / Moström legt mit „Doppelspiel“ den Grundstein zu einer spannenden Krimi-Trilogie, in der Fiktion auf einmal Wirklichkeit wird.

Um was geht es?
Tom Borg ist gefeierter Bestsellerautor der Thrillerreihe rund um Nic Castillo. Nachdem er seinen Protagonisten hat sterben lassen, befindet er sich in einer tiefen Schreibblockade. Lediglich zwei, konzeptlose Seiten eines Klima-Thrillers hat er bis jetzt zustande gebracht. Der Kern: Ein Nachtclub, ein Jacuzzi, eine Sexarbeiterin, eventuell ein Umweltminister und ein Mord. Doch eine wirkliche Idee zum Plot hat Tom Borg noch nicht. Bis er in seiner Lesung Nicole kennenlernt, eine Frau, die ihn fasziniert und in einem Nachtclub arbeitet. Die mit ihm in diesem Nachtclub in einen Jacuzzi steigt und dort vor seinen Augen ermordet wird. Deren Mord ihm in die Schuhe geschoben werden soll. Tom versucht fortan seine Spuren zu verwischen und selbst den Täter und das Motiv ausfindig zu machen. Denn die Tat ähnelt zu sehr seinem zweiseitigen Manuskript. Doch die Ermittlerinnen Olivia und Nazrin sind ihm schon dicht auf den Fersen.

Protagonist des Buches ist Tom Borg, gefeierter Bestseller-Autor, der sich in einer waschechten Schreibkrise befindet. Er ist Klima-Influencer auf YouTube und möchte in seinem neuen Roman die Klimakrise im Thriller-Format den Menschen näherbringen. An sich ein interessanter Gedanke, hätte er nur den Funken einer Idee, wie. Das macht ihn schwer depressiv und irgendwie haltlos. Als er sich plötzlich in seinem eigenen, zweiseitigen, schlecht zusammengeschusterten Manuskript wiederfindet, agiert er teilweise kopflos, teilweise aber auch sehr überlegt. Von Depression keine Spur mehr, sondern er ist voller Energie und Ideen. Dieser Zweispalt in seinen Handlungen zieht sich durch die ganze Story. Im Verlauf des Krimis gerät er mehr als einmal mit seinen eigenen Werten und Moralvorstellungen in Konflikt. Das zeigt sich auch immer wieder in Gesprächen mit seinem Freund Lennart oder der Interaktion mit anderen Nebencharakteren sowie seinen eigenen Gedanken. Wichtigster Nebencharakter ist die Ermittlerin Olivia, die mit inneren Dämonen kämpft, eine clevere Polizistin ist, sich durch ihre fehlende Impulskontrolle aber gerne mal selbst im Weg steht. So entsteht ein interessantes Spannungsfeld zwischen Jäger und Gejagtem.

Das Buch selbst liest sich leicht und flüssig und bereitet viele spannende Lesestunden. Ab und an sind regelrechte Action-Szenen enthalten, die manchen Lesern zu unrealistisch vorkommen mögen, mich aber gut unterhalten haben. An der einen oder anderen Stelle haben mich die Reaktionen von Tom etwas irritiert. Aber letztlich wirkt er im ganzen Buchverlauf wie ein zwiegespaltener, etwas haltloser Charakter und insofern ist das für mich gut erklärbar. Das Ende des Krimis hat mich nicht so überzeugt. Letztlich habe ich mir das aber damit erklärt, dass „Doppelspiel“ Auftakt einer Trilogie ist und ich denke, dass die entstehenden offenen Handlungsfäden sich in den nächsten beiden Bänden auflösen werden. Deswegen war das okay für mich und ich freue mich schon auf die Folgebände und hoffentlich ähnlich spannende Lesestunden.

Eine Anmerkung noch: Ich habe den Krimi im Rahmen einer Leserunde gelesen. Einige der Teilnehmer sind davon ausgegangen, dass in dem Krimi das Thema Klima / Klimakrise eine größere Rolle einnimmt, es sich vielleicht sogar um einen Klima-Krimi handelt. Dem ist nicht so. Deswegen besser die Finger davonlassen, wenn Ihr einen echten Klima-Thriller mit entsprechendem Plot lesen wollt.

Fazit:
„Doppelspiel“ hat mir viele spannende Lesestunden beschert und mich gut unterhalten. Das Ende ist sehr offen gestaltet und mit vielen losen Handlungsfäden, die erst kurz vor Schluss entstehen. Mich persönlich hat das nicht gestört, da ich bereits im Vorfeld wusste, dass „Doppelspiel“ der Auftakt einer Krimi-Trilogie ist. Wer das nicht mag, sollte dringend die Finger von dem Krimi lassen. Außerdem ist das Buch nicht für Leser geeignet, die sich hier einen Schwerpunkt auf das Thema Klimakrise erhoffen.

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