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Silkem

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.01.2022

Leichte Lektüre für Sofa-Tage

Die Wolkenkönigin von Schwabing.
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"Die Wolkenkönigin von Schwabing" von Karina Lindner ist nicht nur ein München-Roman sondern eine Hommage an die späten 80er und frühen 90er Jahre des letzten Jahrhunderts und an Queen - speziell an Freddy ...

"Die Wolkenkönigin von Schwabing" von Karina Lindner ist nicht nur ein München-Roman sondern eine Hommage an die späten 80er und frühen 90er Jahre des letzten Jahrhunderts und an Queen - speziell an Freddy Mercury. Schon aufgrund meines Alters konnte ich mich gut an die Zeit erinnern und mit der Protagonistin Gitta identifizieren.
Klappentext:
Die Geschichte beginnt am Abend nach Freddie Mercury Tod, in einer Schwabinger Kneipe. Trotz der Bedrohung durch die Krankheit AIDS, versuchen Gitta und ihre Freunde das unbeschwerte, lockere Leben von »Sex, Drugs und Rock 'n' Roll aufrecht zu erhalten. Gittas Leben verändert sich an diesem Abend dramatisch, als sie sich in Enno verliebt. Ein Roman über die Liebe, die Leidenschaft und das Leben, das unsere Pläne auf überraschende Art und Weise immer wieder wieder durchkreuzt. Freddie Mercury ist tot! Diese Nachricht erschüttert im November 1991 die ganze Welt. Gittas Clique trauert in ihrer Stammkneipe um das Idol. In dieser Nacht lernt Gitta Enno kennen, in den sie sich heftig verliebt. Am Ende des Abends macht Enno dem Freundeskreis einen Vorschlag: Ein Treffen zu Freddies 30. Todestag im Jahr 2021. Bei dem Wiedersehen werden wohlgehütete Geheimnisse enthüllt, die manche Ereignisse der Vergangenheit in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Karina Lindner gelingt es sehr gut, das Lebensgefühl dieser Zeit einzufangen. Der Teil der Geschichte, der 1991 spielt, hat mir sehr gut gefallen. Er liest sich flüssig, die Dialoge sind lebendig und auch die Handlungen der einzelnen Personen wirken authentisch.
Auch die Probleme der Zeit wie Aids, Schwangerschaftsabbruch und Wohnungsnot werden behandelt.
Dieser Teil der Geschichte endet offen, so dass auch für die Leserinnen (das Buch hat auch Leser verdient), gespannt auf das Treffen nach 30 Jahren warten.
Hier geht es mir dann ein bisschen zu schnell. Die letzten dreißig Jahre der sechs Freunde werden schnell erzählt, auch die dramatischen Wendungen, die bei allen passieren, bleiben dadurch oberflächlich. Hier hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Dass Karina Lindner das sehr gut kann, hat sie im ersten Teil bewiesen.
Gut fand ich, dass Karina Lindner beim Treffen 2021 die Corona-Pandemie nicht ausgeklammert hat, sondern unaufgeregt eine Zusammenkunft unter Pandemie-Bedingungen schildert.
Trotz der leichten Kritik ein tolles Buch für Regentage auf dem Sofa.
Fazit: Ein gelungener Roman für alle, die sich noch einmal an die frühen 90er Jahre erinnern wollen oder die das Lebensgefühl dieser Zeit interessiert.

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Veröffentlicht am 21.01.2022

Ruhiger Thriller, der zum Nachdenken anregt

Das Gerücht
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"Das Gerücht" von Lesley Kara habe ich wirklich gern gelesen. Auch wenn die Geschichte im Detail einige Ungereimtheiten aufweist, gelingt es der Autorin eine subtile Spannung aufzubauen. Wer irrt, wer ...

"Das Gerücht" von Lesley Kara habe ich wirklich gern gelesen. Auch wenn die Geschichte im Detail einige Ungereimtheiten aufweist, gelingt es der Autorin eine subtile Spannung aufzubauen. Wer irrt, wer verbirgt was - oder ist doch alles ganz anders. Nicht nur Joanna weiß bald nicht mehr, wem sie trauen kann.
Klappentext:
Joanna zieht mit ihrem Sohn Alfie von London in eine Kleinstadt am Meer. Zunächst ist es die pure Idylle – dann hört sie, dass die Kindermörderin Sally McGowan, die als Zehnjährige einen Spielkameraden umbrachte, unter anderem Namen in der Stadt leben soll. Vor Jahrzehnten machte der Fall Schlagzeilen, inzwischen ist Sally längst aus dem Gefängnis entlassen worden. Unbedacht erzählt Joanna anderen Müttern von dem Gerücht und ihrem Verdacht, wer die Mörderin von damals sein könnte. Sie ahnt nicht, was für eine verheerende Spirale von Ereignissen sie damit in Gang setzt. Und wie sehr sie selbst in diese Geschichte verstrickt ist.
Lesley Kara gelingt es sehr gut, die Wirkung und Verselbstständigung von Gerüchten aufzuzeigen, die Verunsicherung und das Spiel mit Ahnungen und Ängsten. Irgendwie hat doch jede/r irgendetwas zu verbergen, und wenn Verdächtigungen erst einmal im Raum stehen, können sie schwer zurückgenommen werden.
Der Plot hat einige Mängel und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass eine Zehnjährige, die zur Mörderin wurde, noch fünfzig Jahre später eine Kleinstadt allein durch ihre Anwesenheit in Angst und Schrecken versetzt. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um den Schein, um alltägliche Geheimnisse und um den rosa Elefanten, den alle zu sehen glauben und der sich doch ganz woanders verbirgt.
Die Hauptfigur Joanna ist gut beschrieben und ihre Handlungen zum größten Teil nachvollziehbar.
Der Stil ist flüssig, das Buch lässt sich wirklich gut lesen.
Der Schluss - tja, nicht wirklich überraschend, aber doch mit einem Knalleffekt am Ende, der nachdenklich macht.
Fazit: Ein gut lesbarer Thriller, der zwar nicht zu Alpträumen führt, aber zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 20.01.2022

Abwechslungsreiche Krimireihe

Die Toten auf Helgoland
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Mit der Reihe um die Inselkommissarin Lena Lorenzen ist Anna Johannsen eine sehr interessante Reihe gelungen, die sicher nicht nur Nordseelieberhaber:innen begeistert. Dadurch, dass Lena beim LKA arbeitet ...

Mit der Reihe um die Inselkommissarin Lena Lorenzen ist Anna Johannsen eine sehr interessante Reihe gelungen, die sicher nicht nur Nordseelieberhaber:innen begeistert. Dadurch, dass Lena beim LKA arbeitet und als Spezialistin für die nordfriesischen Inseln gilt, spielt die Handlung jedes Mal an einem anderen Sehnsuchtsort. Im 7.Band der Reihe "Die Toten auf Helgoland" verlässt Lena Nordfriesland und ermittelt erstmals im Bereich der organisierten Kriminalität.
Klappentext:
In einem Wohnhaus auf Helgoland wird ein Paar tot aufgefunden – auf den ersten Blick spricht alles für eine Beziehungstat. Lena Lorenzen wird mit dem Fall betraut, der jede Menge Brisanz mit sich bringt, denn bei dem Mann handelt es sich um einen ehemaligen Verdeckten Ermittler des LKA, der untergetaucht ist.
Lena macht sich auf die Spurensuche: Wie stand es tatsächlich um die psychische Gesundheit des Polizisten, und warum wurde er von seinen aktuellen Ermittlungen abgezogen? Was hat der kurdische Clan, dem der Ermittler zuletzt wohl dicht auf den Fersen war, mit der Tat zu tun? Die Inselkommissarin muss sich zum ersten Mal in ihrer Karriere mit dem Organisierten Verbrechen auseinandersetzen und gerät dadurch selbst in höchste Gefahr.
Mir hat auch dieser Band der Reihe wieder sehr gut gefallen. Eine stimmige Mischung zwischen Ermittlung und Privatleben der Kommissare, ein gelungener Spannungsaufbau und eine schlüssige Auflösung. Mehr braucht ein guter Regionalkrimi nicht.
Anna Johannsen schreibt routiniert, schnörkellos und mit einer Prise Humor.
Fazit: Ein gelungener Regionalkrimi für zwischendurch. Leicht zu lesen und unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 18.01.2022

Etwas anders aufgebaut

Schierling und Gin Tonic
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"Schierling und Gin Tonic" ist der erste Krimi von Elvira Nüchtern. Eine Fortsetzung mit der sympathischen Kommissarin Irene Katz ist allerdings geplant.
Klappentext:
Martha Marthalers Bruder ist tot. ...

"Schierling und Gin Tonic" ist der erste Krimi von Elvira Nüchtern. Eine Fortsetzung mit der sympathischen Kommissarin Irene Katz ist allerdings geplant.
Klappentext:
Martha Marthalers Bruder ist tot. Vergiftet mit Schierling. Irene Katz ermittelt. Nach und nach tauchen immer mehr Verdächtige auf. Als Irene Katz eine neue Spur findet, ist es fast zu spät! Wird sie einen weiteren Mord verhindern können? Ein Wettlauf mit der Zeit.
Anders als der Klappentext vermuten lässt, beginnt der Krimi sehr geruhsam. Erst im zweiten Teil des Buches lernen wir Irene Katz kennen. Im ersten Teil werden zwei Geschichten erzählt, die Geschichte eines jungen Ehepaares, das gemeinsam versucht den Spagat zwischen Beruf und Kindern zu stemmen und die Geschichte von Martha Marthaler, die nach dem Tod ihres Mannes nur sehr schwer wieder in den Alltag zurückfindet. Dass es sich um einen Krimi handelt, ist hier kaum zu spüren. Nur der Prolog deutet es an.
Plötzlich ist Marthas Bruder tot und viele, deren Geschichten wir bis dahin gelesen haben, haben ein Motiv. Ab hier gelingt es Elvira nüchtern einen guten, krimitypischen Spannungsbogen aufzubauen. Manchmal habe ich mit gewünscht, die Geschichten des Anfangs weiter aus der Ursprungsperspektive zu verfolgen.
Der Plot ist also etwas überraschend für einen Krimi aufgebaut, konnte mich jedoch voll überzeugen. Die Geschichte war spannend und rund.
Mit den einzelnen Figuren konnte ich mich nicht wirklich identifizieren, auch nicht mit der durchaus gut angelegten Irene Katz. Dazu zeigt Elvira Nüchtern die Figuren zu wenig und lässt sie sich häufig nur in Dialogen ausdrücken.
Der Schluss ist noch einmal richtig spannend und das Buch gut und flüssig geschrieben.
Das Cover ist liebevoll gestaltet und bis in die Einzelheiten durchdacht.
Ich habe das Buch gerne gelesen und empfehle es ebenso gerne weiter.
Fazit: Ein gelungener, interessant aufgebauter Krimi, der Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 16.01.2022

Für mich der schwächste Band der Reihe

COLD CASE - Das gebrannte Kind
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Die Cold-Case-Fälle von Tina Frennstedt habe ich alle gerne gelesen und so war ich gespannt auf den neuen Fall "Das gebrannte Kind".
Klappentext:
Bereits vier Menschen sind in den Feuern getötet worden. ...

Die Cold-Case-Fälle von Tina Frennstedt habe ich alle gerne gelesen und so war ich gespannt auf den neuen Fall "Das gebrannte Kind".
Klappentext:
Bereits vier Menschen sind in den Feuern getötet worden. Der Täter hatte zuvor die Brandmelder entfernt, eine Ziffer an das Haus gemalt und dann das Feuer gelegt. Als eine Frau überlebt und berichtet, dass sie Musik vernommen hat, während das Feuer ausbrach, ist Kommissarin Tess Hjalmarsson alarmiert. Dieses Detail kennt sie von einem ihrer ersten Mordfälle. Damals wurde der Täter jedoch nicht gefasst. Tess und das COLD-CASE-Team ermitteln nun unter Hochdruck. Denn die Kommissarin steht ebenfalls auf der Liste des Mörders ...
Das Buch beginnt spannend und die Weiterentwicklung der beiden Kommissarinnen Tess Hjalmarsson und Marie Erling zog mich gleich wieder in die Geschichte. Ich liebe es, wenn sich das Privatleben und die Figur selbst von Band zu Band weiterentwickeln. Tess bleibt jedoch in diesem Band seltsam blass und aus meiner Sicht oft hinter ihren Möglichkeiten zurück. Sie handeln in einigen Szenen unprofessionell und oberflächlich.
Die Lösung des Falles war mir schon nach weniger als der Hälfte des Buches und deutlich vor Tess klar und ich wunderte mich wirklich, wieso sie nicht darauf gekommen ist. Damit war die Spannung etwas raus.
Zum Schluss hin gab es noch einige Wendungen, so dass sich wieder ein Spannungsbogen entwickeln konnte.
Sehr gut hat mir gefallen, wie Tina Frennstedt die Corona-Pandemie in ihre Geschichte eingebaut hat. Völlig unaufgeregt und ohne, dass der Fall dadurch dominiert wurde. So finden Besprechungen zum Beispiel in größeren Räumen statt, es werden Masken getragen und es gibt Fußballspiele ohne Publikum.
Der Stil ist wie immer sehr gut, die Figuren sympathisch und der Fall an sich gut konstruiert. Trotzdem ist es für mich der bisher schwächste Band der Reihe.
Fazit: Solider schwedischer Krimi mit einem etwas flachen Spannungsbogen. Für mich der schwächste Band der Reihe.

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