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Veröffentlicht am 31.03.2018

Mutterinstinkte

NACHTWILD
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Wie so oft verbringt die junge Joan gemeinsam mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln ihre Freizeit im Zoo. Doch als sie sich kurz vor Schließung mit ihrem Sohn auf dem Weg zum Ausgang macht, hört sie Schüsse ...

Wie so oft verbringt die junge Joan gemeinsam mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln ihre Freizeit im Zoo. Doch als sie sich kurz vor Schließung mit ihrem Sohn auf dem Weg zum Ausgang macht, hört sie Schüsse und sieht direkt beim Ausgang Tote und Verletzte liegen. Doch wo sind die Täter? Kurzerhand flüchtet sie mit Lincoln zurück in den Zoo und sucht sich dort ein Versteck. Wer sind die Täter? Amokläufer? Und wo ist die Polizei? Mit einer Mischung aus Angst vor den Tätern und Mut, alles für ihren vierjährigen Sohn zu tun, wartet sie auf Hilfe. Plötzlich klingt jedes noch so kleine Geräusch bedrohlich, doch eins weiß Joan mit Sicherheit, niemals wird sie es zulassen, dass Lincoln etwas geschieht.
Meine Meinung

Das Cover ist schlicht gehalten und wirkt so düster, dass es gleich auf den ersten Blick meine Neugier weckte. Auch der Klappentext liest sich sehr spannend, zu Beginn des Buches war ich ein wenig hin- und hergerissen, weil es sehr schleppend zu lesen war und mich nicht sofort packen konnte, aber der Schreibstil ist direkt und schnörkellos, was in diesem Fall so fesselnd wirkte, dass ich doch weiterlesen wollte. Allein durch die gewählte Zeitform, der Gegenwart hatte ich permanent das Gefühl, dass ich hier mit beobachten konnte, was da gerade geschah und fühlte mich beinahe, als wäre ich selbst vor Ort.
Das Buch beginnt erst sehr ruhig, sehr langsam und man liest zunächst eigentlich nur die typischen Momente einer Mutter mit ihrem Kind im Zoo. Doch ab dem Moment, wo die ersten Schüsse fallen, wendet sich das Blatt, denn ab da wird es interessant. Man verfolgt Joan, beobachtet ihr Verhalten und kann mehr als deutlich nachempfinden, was in ihr vorgeht, vor allem, wenn man selbst Mutter ist. Diesen Mutterinstinkt, dieses unbedingte beschützen wollen des eigenen Kindes, konnte ich absolut nachempfinden. Die Beschreibungen, wie sie ihr Kind dazu drängt still zu sein, denn gerade ein noch so kleines Kind kann diese Gefahren einfach noch nicht abschätzen, fand ich absolut glaubwürdig. Tatsächlich könnte ich es mir auch alles ganz genau so vorstellen, denn mein Sohn ist ebenfalls gerade vier Jahre alt, ein riesiger Superheldenfan und kann in manch einer Situation dann auch einfach nicht still sein. Ich habe ab diesem Moment mit Joan mitgezittert und mitgefiebert und auch mir gingen Gedanken durch den Kopf, wie “wehe, einer von euch kommt meinem Kind zu nahe”. Manch eine Entscheidung, die sie hier fällt oder eher fällen muss, mag auf den ersten Blick erschreckend wirken, doch ich kann mir sehr gut vorstellen, dass eine Mutter in dem Moment nur eine Priorität hat: nämlich das eigene Kind zu beschützen. Eine Sache an der Handlung fand ich dann doch ein wenig merkwürdig, denn ich hatte hier das Gefühl, dass zum einen Joan eher die Polizei hätte einschalten müssen, da sie mit ihrem Handy ja auch zu ihrem Mann Kontakt aufnimmt, zum anderen hat es sehr lange gedauert, bis die Polizei wirklich aktiv wurde, wobei ein Zoo auch sehr groß und alles andere als übersichtlich ist.
Erzählt wird die Geschichte von einem personellen Erzähler in der dritten Person, dabei bleibt der Leser genauso im unklaren, was da eigentlich passiert ist, wie auch die Protagonistin Joan. Meist wird die Situation auch aus ihrer Sicht geschildert, ab und an bekommt der Leser aber auch Einblicke auf die Perspektive anderer Überlebender, sowie der Täter.
Joan ist die Protagonistin der Geschichte und sie machte für mich einen sehr glaubwürdigen Eindruck. Wie ich bereits erwähnte, ist ihr Hauptaugenmerk in dieser Situation auf ihren Sohn Lincoln gerichtet und die eigenen Bedürfnisse oder auch das Helfen anderer wird zur Nebensache. All das war, wenn vielleicht an manch einer Stelle nicht moralisch, so doch recht realistisch. Auch das Verhalten des kleinen Jungen war hier realistisch dargestellt, gerade zu Beginn merkt man, dass er das ganze in keinster Weise einschätzen kann, erst als es brenzlig wird, verspürt auch der Kleine, in welch bedrohlicher Situation sie sich befinden. Weitere Charaktere sind hier eher oberflächlich, wobei gerade einer der Täter doch mehr Tiefe verliehen wird, weil man hier miterlebt, aus welchen Beweggründen er so handelt und diese erleben wir in der Realität in letzter Zeit leider immer häufiger.
Mein Fazit

Sehr eindringlich beschreibt die Autorin Gin Phillips eine Situation, die leider gar nicht so abwegig scheint. Auch wenn ich zu Beginn kleine Startschwierigkeiten hatte und hin und wieder ein wenig anzweifelte, ob die Handlung nicht auch anders verlaufen könnte, fand ich gerade die Darstellung des Mutterinstinktes hier absolut glaubwürdig, denn ich denke, dass jede Mutter erst einmal die Pritoritäten auf das eigene Kind legen würde und dadurch alles andere in den Hintergrund drängt. Wer hier ein wenig zu Beginn durchhält wird mit einer spannende Geschichte belohnt, die zwar erst im letzten Teil Tempo bekommt, die aber durch die Beschreibungen der Situationen und der dabei entstehenden Emotionen mitreißend wirkt.

Veröffentlicht am 30.03.2018

Wieder ein absolutes Highlight

Scythe – Der Zorn der Gerechten
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Achtung: da es sich hier um den zweiten Band einer Reihe handelt, gibt es inhaltliche Spoiler zu Band 1.

Citra hat es geschafft und ist nun eine Junior Scythe. Sie lebt unter dem Namen Scythe Anastasia ...

Achtung: da es sich hier um den zweiten Band einer Reihe handelt, gibt es inhaltliche Spoiler zu Band 1.

Citra hat es geschafft und ist nun eine Junior Scythe. Sie lebt unter dem Namen Scythe Anastasia bei Scythe Marie Curie und sie hat es geschafft, in der kurzen Zeit als Scythe ihren eigenen Weg der Nachlese zu finden. Dabei gilt sie auf der einen Seite schon jetzt als etwas besonderes, auf der anderen Seite ist sie einigen ein Dorn im Auge. Währenddessen ist Rowan ebenfalls als Scythe unterwegs, allerdings nicht im ehrenwerten Auftrag des Scythetums, sondern als sein eigener Richter. Er übt die Nachlese an Scythe aus, die seiner Meinung nach ihr Amt missbrauchen. Damit ist er einer der gesuchtesten Menschen und ständig auf der Flucht. Weiterhin ist es dem Thunderhead, die riesige, künstliche Intelligenz, die auf alle Menschen achtet, verboten, mit den Scythe Kontakt aufzunehmen. Aus diesem Grunde entsendet er den jungen Greyson aus, um diese zu warnen, denn er weiß, dass ein Anschlag auf Citra und Marie geplant ist.
Meine Meinung

Ach, was war ich gespannt auf die Fortsetzung dieser Reihe, denn bereits Band 1 war eins meiner Jahreshighlights 2017. Ein wenig war ich über die kurzfristige Änderung des Covers überrascht, aber beim Betrachten kann ich nur sagen, es ist wieder einmal extrem gut gelungen und passt perfekt zu seinem Vorgänger. Auch der Inhalt kann sich sehen lassen und steht Band 1 in Nichts nach. Der Einstieg in den neuen Band gelang in kürzester Zeit und auch dieses Mal ist es Neal Shusterman ausgezeichnet gelungen, mich an seine geschriebenen Seiten zu fesseln. Sein Schreibstil ist flüssig, modern und besonders und man spürt beim Lesen kaum, wie schnell die Seiten vorbeirauschen. Auch für die angegebene Zielgruppe ist es eine spannende Lektüre und auch wenn das Nachlesen nicht immer angenehm ist, so bleibt Shusterman mit den blutigen Details noch in einem Rahmen, der vertretbar bleibt.
Eines kommt hier auf keinen Fall zu kurz und das ist die Spannung. Vom ersten Moment an wird man von den beschriebenen Szenen gefangen genommen und erhält genügend Details, um sich das Geschehen vorzustellen. Allerdings bekommen wir hier auch einen noch deutlicheren Einblick in das Machtverhältnis und auch an den Gedanken der KI, den Thunderhead dürfen wir teilhaben. Gerade diese Einblicke in diese Gedanken ließen mich immer wieder innehalten und darüber nachdenken, was es denn wirklich mit diesem Thunderhead auf sich hat und ich gebe zu, dass ich immer noch nicht richtig weiß, was ich von diesem künstlichen Überhirn halten soll.
Wie auch schon im ersten Band wechselt Shusterman hier immer wieder die Perspektiven. So erleben wir Citra in ihrer Rolle als Scythe Anastasia, begleiten Rowan auf seinem Rachefeldzug, hören die Gedanken des Thunderhead und erleben auch noch einige weitere Personen und Gruppen bei ihren Handlungen. Bei einigen, z. B. den Tonisten, die hier eine deutlich größere Rolle spielen als noch zuvor. Diese schnellen Wechsel in der Perspektive bleiben trotzdem überschaubar und Shusterman behält in allen bereichen seine Fäden in der Hand. Immer wieder konnte er mich überraschen, wenn wieder etwas passierte, mit dem ich so gar nicht gerechnet habe.
Besonders gut gefallen hat mir hier die Entwicklung der einzelnen Charaktere. Vor allem Citra ist eine unglaublich starke Persönlichkeit geworden, die mich absolut überzeugen konnte in ihrer neuen Rolle als Scythe. Sie ist mutig und sehr clever, sie hat aber auch genügend Einfühlungsvermögen, um mit den Menschen umzugehen. Gerade ihr Leben mit Scythe Curie passt hier sehr gut, denn auch Scythe Curie ist eine ganz besondere Persönlichkeit. Die Beiden gemeinsam zu erleben, war unheimlich gelungen. Rowan ist hier in einer ganz anderen Rolle tätig und am Anfang war er mir nicht ganz so sympathisch, auch wenn ich seine Entscheidungen durchaus nachvollziehen konnte. Seine Beziehung zu Citra bleibt hier deutlich zurück, tatsächlich treffen die Beiden nur zweimal aufeinander, aber diese beiden Male sind äußerst wichtig für die Handlung und auch für die Fortsetzung.
Neben Citra und Rowan treffen wir hier auf einige bereits bekannte Charaktere aus Band 1, aber es gibt auch einen neuen, sehr interessanten Charakter. Greyson Tolliver, der von sich selbst behauptet, dass der Thunderhead ihn unter seine Fittiche genommen habe, weil seine eigene Familie gar keine Lust mehr auf ihn hatte. Greyson ist ebenfalls sehr wichtig für die gesamte Handlung und auch bei ihm glaube ich, dass da noch etwas geschehen wird. Alle Charaktere allerdings haben eines gemeinsam, sie sind durchdacht und absolut facettenreich und jeder mit dem passenden Tiefgang.
Mein Fazit

Selten war ich so gespannt auf eine Fortsetzung wie bei Scythe und Neal Shusterman hat es wieder geschafft, mich absolut großartig zu unterhalten. Seine Charaktere sind überzeugend und facettenreich, die Handlung der Geschichte spannend, Adrenalin steigernd und immer wieder überraschend und tatsächlich gibt er auch immer wieder, vor allem durch Gedankengänge des Thunderhead, Denkanstöße. Ein durchdachter Weltenaufbau, der mich teilweise Gänsehaut bekommen lässt, denn trotz aller positiven Wandlungen für die Menschen hat diese Welt auch etwas kaltes und sinnloses. Neal Shusterman hat hier eine unglaublich tolle Geschichte geschrieben, die ich sehr gerne weiterempfehle. Wer Band 1 mochte, wird Band 2 lieben!

Veröffentlicht am 28.03.2018

Spannender Pageturner

Invisible
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Während einer OP rammt ein bekannter Chirurg einem Patienten ein Messer ins Herz. Nina Salomon und Daniel Buchholz werden zu den Ermittlungen gerufen und auch wenn im ersten Augenblick der Fall mehr als ...

Während einer OP rammt ein bekannter Chirurg einem Patienten ein Messer ins Herz. Nina Salomon und Daniel Buchholz werden zu den Ermittlungen gerufen und auch wenn im ersten Augenblick der Fall mehr als klar zu sein scheint, stehen die Ermittler vor einem Rätsel, denn warum sollte ein Mann seine Familie und seine Karriere aufs Spiel setzen. Der Chirurg gibt an, er wäre provoziert worden, doch ist das wirklich der Grund. Als kurze Zeit später ein weiterer brutaler Mord geschieht und hier das Motiv beinahe gleich klingt, werden die Ermittler hellhörig. Jedoch lässt sich keinerlei Verbindungen feststellen und die Mordserie geht weiter. Wer oder was steckt dahinter?
Meine Meinung
Nach Anonym erschien mit Invisible der zweite Fall für die beiden Ermittler Daniel Buchholz und Nina Salomon und wie bereits der Vorgänger konnte mich auch dieser Teil wieder völlig überzeugen. Der Schreibstil des Autorenduos Poznanski und Strobel passt einfach perfekt zueinander und das Buch lässt sich schnell und flüssig lesen. Stilistisch konnte ich hier keine Unterschiede feststellen und ständen da nicht zwei Autoren auf dem Cover, hätte es auch von nur einer Person erzählt werden können.
Die Geschichte ist schon mit dem Einstieg, bei dem wir dem Chirurg sozusagen beim Mord über die Schulter schauen, unheimlich spannend. Gemeinsam mit den Ermittlern tappt auch der Leser lange Zeit mit im Dunklen und ist auf die vielen kleinen Puzzleteile angewiesen, die die Ermittler herausfinden. Egal, wie sehr man miträtselt, man hat zwar eine Idee, aber was und warum bleibt beinahe bis zum Schluss unklar. Ich mag es sehr, wenn ich rätseln kann und doch nicht auf die Lösung komme, denn das treibt die Spannung immer mehr in die Höhe und so war es auch hier. Auch aus dem Privatleben der beiden Ermittler bekommen wir wieder einiges mit und dementsprechend lernt man diese auch immer besser kennen.
Der Fall an für sich ist unheimlich spannend, da man einfach so gar keine Verbindung zwischen den einzelnen Morden findet, zwar sind die Motive ähnlich, aber ansonsten fehlen lange Zeit Zusammenhänge. Erst so nach und nach kommt man dahinter, womit das alles zusammenhängt. Letzten Endes ist der Fall zwar logisch und durchdacht, aber ich hoffe, auch noch ein wenig weiter her geholt. Nichts desto trotz, es ist mitreißend und spannen und auch vorstellbar.
Wie auch im Vorgänger erzählen die beiden Ermittler Alomon und Buchholz in der Ich-Perspektive, hin und wieder bekommt man noch Handlungen einer dritten Person mit, die zwar dem Leser zu verstehen geben, dass es Zusammenhänge gibt, aber ansonsten noch mehr zu Spannung und miträtseln beitragen.
Die beiden Ermittler sind hier auch die Protagonisten und konnten mich durchweg überzeugen, denn sie sind einfach facettenreich und glaubwürdig. Auch wenn sie zwei so unterschiedliche Persönlichkeiten sind, so passen sie doch rein ermittlungstechnisch wunderbar zusammen und ergänzen sich perfekt. Dieses Mal hat Daniel Buchholz vor allem im privaten Bereich so einiges, was ihm Schwierigkeiten macht und je mehr der Fall voranschreitet, desto gereizter wird er. Nina ist da hingegen das absolute Gegenteil und ja, auch wenn sie es versprochen hat, so beginnt sie doch immer mal wieder Alleingänge.
Neben den beiden Ermittlern gibt es noch den ein oder anderen weiteren Nebencharakter, die soweit ausgearbeitet sind, dass sie authentisch wirken. Alles in allem sorgen diese für die nötige Abwechslung und Spannung.
Mein Fazit
Ein mehr als spannender Thriller rund um Manipulationen durch psychische Mittel. Man tappt lange Zeit mit den Ermittlern im Dunkeln, wird tief in das Geschehen gezogen und kann einfach das Buch nicht aus der Hand legen, bis man bei der Lösung angekommen ist. Sympathische und facettenreiche Protagonisten runden das sehr gute Gesamtbild ab – für alle Leser der Thriller der beiden Autoren eine perfekte Lektüre, aber auch für Krimi- und Thrillerfans perfekt und für die mit schwachen Nerven sei gesagt: die Details werden nicht allzu blutig.

Veröffentlicht am 25.03.2018

Konnte mich fesseln und überzeugen

Palace of Glass - Die Wächterin
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London im Jahre 2054 – seit mittlerweile einigen Jahren sind Berührungen unter den Menschen nicht mehr gestattet und dienen lediglich noch der Fortpflanzung. All das wird den Magdalenen angelastet, denn ...

London im Jahre 2054 – seit mittlerweile einigen Jahren sind Berührungen unter den Menschen nicht mehr gestattet und dienen lediglich noch der Fortpflanzung. All das wird den Magdalenen angelastet, denn diese können mit der bloßen Berührung von Haut Gedanken lesen und kontrollieren. Die junge Rea Emris gehört zu den Magdalenen, doch bisher ist sie unentdeckt geblieben. Tagsüber arbeitet sie als Schneiderin, doch in der Nacht wagt sie es und nimmt ihre Handschuhe ab, um im Ring gegen andere zu kämpfen. Aber der britische Geheimdienst ist Rea, die davon nichts ahnt, bereits auf der Spur und eines Nachts wird sie an den Königshof entführt. Ihr Auftrag: als Leibwächterin des Kronprinzen zu dienen, allerdings undercover.

Meine Meinung

Bereits beim Stöbern in den Neuerscheinungen fiel mir dieses hübsche, glänzende Cover auf und machte mich neugierig. Der Klappentext verspricht obendrein eine Geschichte, die ich in solch einer Form noch nicht gelesen habe und noch einmal mehr neugierig werden lässt.

Schon der Einstieg, der mitten im Geschehen stattfindet, zieht den Leser in seinen Bann. Wobei ich schon sagen muss, dass C. E. Bernard einen eher ungewöhnlichen Schreibstil hat. Mit einer Mischung aus klarer und direkter Sprache und vielen, anschaulischen Details, versetzt sie den Leser direkt in das zukünftige London und fesselt diesen an das Geschehen.

Dadurch das die Autorin dem Leser zu Beginn einen klaren Einblick in das Leben der Menschen im Jahr 2054 liefert, kann man sich sehr genau in die Geschichte versetzen. Das Worldbuilding wirkt durchdacht und ungewöhnlich. Es fühlte sich für mich beim Lesen an wie eine Mischung aus moderner Welt, denn es gibt allen technischen Schnickschnack, den wir auch kennen, und einer rückständigen Welt, denn allein die Kleidung und das Auftreten der Menschen ließen mich an längst vergangene Zeiten denken. Das in Gedanken miteinander zu verknüpfen, war absolut ungewohnt und so manches der entworfenen Bilder ließ mich kurz innehalten und nachdenken: eine Frau mit hohem Kragen, langem Kleid und Handschuhe und dabei ein Smartphone in der Hand, das wirkte schon ein wenig verstörend, aber absolut ungewöhnlich, interessant und neu.

Auch die Geschichte entwickelt sich sehr schnell zu einem spannenden Pageturner und es kommt immer wieder zu Situationen, die ich nicht vorausahnen konnte und mich überraschten. Genauso ließ auch die gedankliche Suche nach dem Verräter die Seiten nur so vorbeifliegen und natürlich auch das Mitzittern und Mitfiebern, ob und wenn ja, wann Rea auffällt, all das konnte mich nicht nur hervorragend unterhalten, sondern ließ mich kaum los, bis das Buch beendet war.

Wir verfolgen die Geschichte aus der Perspektive der Protagonistin Rea, die auch in der Ich-Form das Geschehen wiedergibt. Schnell fühlte ich mich mit der jungen Frau verbunden und konnte mit ihr mitfühlen. Rea ist ein sehr sympathischer Charakter und besitzt eine ihr ganz eigene Stärke. Auf der einen Seite hat sie Angst und auch Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit lassen sie immer mal wieder an ihrer eigenen Kraft und Stärke zweifeln, auf der anderen Seite ist sie mutig und scheut sich nicht bei Gefahren zu kämpfen.

Neben Rea gibt es eine ganze Menge Nebencharaktere, die allesamt sehr glaubwürdig wirken und facettenreich sind. Sei es der Kronprinz Robin oder die Duchesse Ninon, jeder Einzelne wirkt hier mit auf die Handlung ein und agiert so maches Mal unvorhersehbar. Auch hier konnte die Autorin mich so manches Mal überraschen, aber auch überzeugen.

Mein Fazit

Ein Buch, das mir spannende und ungewöhnliche Lesestunden brachte und defintiv bereits jetzt eins meiner Jahreshighlights ist. Tolle, lebendige und facettenreiche Charaktere, ein detailliertes Worldbuilding und eine fesselnde, bildreiche Sprache ließen die Seiten nur so vorbeifliegen und mich erst zur Ruhe kommen, nachdem ich es beendet hatte. Ein Showdown zum Schluss, so wie ein Cliffhanger lassen mich gespannt auf die Fortsetzung warten, die zum Glück nicht mehr allzu lange dauert. Eine Leseempfehlung an alle Freunde von Fantasy, aber auch Dystopie.

Veröffentlicht am 25.03.2018

Gute Fortsetzung

Marthas Mission
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Achtung: Dieses Buch ist der zweite Band einer Trilogie, bei dem ich in der Zusammenfassung nicht umhin kann, den ersten Band zu spoilern. Solltet Ihr Band 1 noch lesen wollen, dann bitte nicht weiterlesen!

Niemand ...

Achtung: Dieses Buch ist der zweite Band einer Trilogie, bei dem ich in der Zusammenfassung nicht umhin kann, den ersten Band zu spoilern. Solltet Ihr Band 1 noch lesen wollen, dann bitte nicht weiterlesen!

Niemand hat daran geglaubt, dass es noch klappen könnte, dass Martha Honeydew der Todeszelle entkommen würde. Doch ihr Freund Isaac hat die Schuld, seinen eigenen Vater und bekannten Wohltäter der Stadt, ermordet zu haben. Nun sitzt Isaac in Zelle 1 und wartet auf die Abstimmung des Volkes über seine Hinrichtung oder auch nicht. Währenddessen versuchen Martha und ihre Freunde alles, um Isaac zu retten und die, in der Öffentlichkeit verdrehten Wahrheiten, klar zu stellen. Doch Marthas Gegner sind reich und mächtig und ihnen entgegenzuwirken ist alles andere als leicht. Schneller als gedacht, befindet sich Martha wieder auf der Flucht und auch ihre Freunde sehen sich immer größeren Schwierigkeiten gegenüber.

Meine Meinung

Schon der erste Band der Trilogie war eine meiner größten Überraschungen des vergangenen Jahres, denn das Buch habe ich förmlich in einer Nacht inhaliert. Dementsprechend neugierig war ich auch auf die Fortsetzung und kann gleich zu Beginn sagen, dass auch diese mich wieder fesseln konnte.

Der Schreibstil der Autorin ist jung und frisch und man fühlt sich schnell in die Geschichte gezogen. Dabei gelingt es auch dieses Mal, dass man hier allerlei emotionaler Höhen und Tiefen erlebt. Ich hätte auch dieses Mal vor lauter Wur über Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen schreien können, allerdings habe ich es dieses Mal nicht ganz so intensiv mitempfunden.

Die Spannung war auch hier gegeben, allerdings habe ich hier nicht so intensiv mitgefiebert, wie im ersten Band, allein aus dem Grund, dass ich ja wusste, was passiert ist. Trotzdem wurde ich hier an die Seiten gefesselt und wollte immer mehr wissen, wie es denn nun weitergeht und ob es Martha gelingen wird, Isaac zu befreien. Selbstverständlich passieren auch hier wieder zum Himmel schreiende Aktionen, denn Kerry Drewery setzt auch, wie schon in Band 1, wieder Themen wie Korruption, Machtgier, Kluften zwischen arm und reich und den Widerstand gegen diese Ungleichheiten in den Vordergrund. An so manch einer Stelle würde man am liebsten eingreifen und vor allem die Personen, die sich durch Fernsehshows, wie Death is Justice, berieseln lassen, einmal kräftig durchschütteln. Somit steht dann auch die Beeinflussung der Allgemeinheit durch Medien ebenfalls mit auf der Liste der Hauptthemen in diesem Buch.

Richtig gut gelungen finde ich die vielen Perspektiven, die die Autorin dem Leser bietet, denn so kann man sich ein wirklich gutes Bild der Gesamtsituation vorstellen. Wir wechseln, wie auch im Vorgänger, zwischen einzelnen Personen, wie z. B. Martha und Isaac, aber auch immer wieder in die Fernsehshows “Death is Justice” oder “Buzz for Justice”. Gerade diese Shows werden so gelungen eingesetzt, dass man teils fassungslos ist, wenn man die Reaktionen des Publikums erlebt. Allerdings gibt es dieses Mal auch eine sehr interessante Wendung, was die Moderation der Sendung betrifft. Aber dazu verrate ich an dieser Stelle nicht mehr.

Das Worldbuilding ist sehr greifbar und manchmal frage ich mich, inwieweit wir auf ähnliche Szenarien in der Zukunft zusteuern. Die Sensationsgier der Menschen ist groß und das macht sich die Autorin hier zu Nutze, in dem sie so schreckliche Shows erfindet. Doch genau das brachte mich auch zum Grübeln, denn wie wahrscheinlich wäre es, dass Menschen von solchen Shows begeistert wären. Auch die Kluft zwischen den Reichen und den Armen wird immer größer und schon heute hat man oft das Gefühl, dass man mit viel Geld fast alles kann.

Als Erzähler kommen hier verschiedene Stile zu tragen, zum einen gibt es die Ich-Perspektive, bei der der Leser Isaacs und Marthas Erlebnisse mitverfolgt und an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben darf. Durch einen Erzähler in der dritten Person erfährt man dann die weiteren Perspektiven, wie z. B. die Shows. Das ganze hat auch ein wenig auktoriale Funktion, denn manches Mal wissen wir schon mehr, als die gerade handelnde Aktion und man würde hier gerne Warnungen in die Geschichte rufen oder eingreifen und doch bleibt man der Beobachter.

Die Protagonistin Martha ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich hätte sie so gerne beschützt. Sie ist eine Mischung aus starker Persönlichkeit und hilfloser Schutzbedürftigen und ich bin immer wieder überrascht von ihren Handlungen. Doch durch die vielen Perspektivenwechsel und der vielen weiteren Charaktere der Geschichte fühlte ich mich eher wie ein Zuschauer und nicht ganz so stark integriert, wie im ersten Band. Allerdings wird hier auch sehr klar und deutlich dargestellt, wie wenig Macht man hat, gegen die korrupte Regierung zu agieren, geschweige denn nur zu Wort zu kommen.

Mein Fazit

Auch Band 2 der Jugendbuchreihe hat mir wieder gut gefallen und brachte spannende Lesestunden. Gelungen sind hier nach wie vor die Darstellung der Hilflosigkeit der Armen gegenüber den einflussreichen Reichen oder der Regierung. Emotional war ich nicht ganz so betroffen, wie in Teil 1, auch wenn ich hier natürlich immer wieder hätte platzen können vor lauter Ärger über diese Ungerechtigkeit und den Menschen aus der Bevölkerung, die einfach nur zusehen und diese “Shows” regelrecht genießen. Ich empfehle diese Reihe sehr gerne weiter!