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Veröffentlicht am 30.08.2024

Atmosphärisch dichter Krimi

Maybrick und die Toten vom East End
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London, 1910, für Inspector Joseph Maybrick beginnt ein neuer Lebensabschnitt, denn heute beginnt er seinen neuen Job als Divisionsinspektor im Londoner East End, eins der schlimmsten Viertel Londons, ...

London, 1910, für Inspector Joseph Maybrick beginnt ein neuer Lebensabschnitt, denn heute beginnt er seinen neuen Job als Divisionsinspektor im Londoner East End, eins der schlimmsten Viertel Londons, da hier Armut und Elend, aber auch viele kriminelle Banden herrschen. Doch sein erster Arbeitstag beginnt gleich auf die schlimmste Weise, als er zu der Leiche eines Kindes gerufen wird. Gemeinsam mit Doktor Roberts beginnt Maybrick zu ermitteln und befindet sich bald schon in einem undurchdringlichen Dickicht aus Lügen und Intrigen.
Mit Maybrick und die Toten von East End erschien nun der erste Band einer neuen, historischen Krimireihe, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einem der schlimmsten Elendsvierteln Londons spielt.
Das Cover, düster und mit einem gewissen Peaky Blinders Flair, macht neugierig. Autorin Vanessa Glas macht es dem Leser leicht, in das Buch zu finden, denn ihr Schreibstil sorgt für gutes Kopfkino, aber auch für eine der Zeit entsprechenden Atmosphäre. Der Autorin ist es nämlich wirklich richtig gut gelungen, das East End mit all seiner Kriminalität und Elend glaubwürdig und, auch wenn ich es natürlich nicht belegen kann, authentisch darzustellen.
Durch ständige Wechsel der Perspektiven erhält man einen detaillierten Überblick über das Geschehen, sowohl was die Ermittlungsarbeiten als auch was die Bandentätigkeit angeht. Dabei ist der Fall und auch die Darstellung der Banden spannend, weißt aber auch so einige Längen auf, die für mich zu sehr aufs Tempo drückten und dadurch auch die Spannung schwinden ließ. Es war jetzt nicht langweilig, aber so manch ein Ereignis, vor allem wenn Hester und Heath zu Wort kamen, war mir etwas zu ausführlich. Zwar wird im Nachhinein das gesamte Geschehen aufgelöst, aber der Weg dahin hätte durchaus kürzer sein können, ohne dass man das Gefühl hatte, es würde etwas fehlen.
Maybrick als Protagonist hat mir sehr gut gefallen. Er stammt nicht nur selbst aus dem East End Londons und hat dadurch das nötige know how im Umgang mit den Personen, sondern ist einfach ein Mensch, der sich für etwas einsetzt. Dabei hat er allerdings selbst so einige schlimmere Erlebnisse in seiner Vergangenheit, die noch nicht so ganz klar wurden. Da ich aber schätze, dass es eine neue Reihe wird, wird dazu bestimmt noch einiges mehr folgen.
Doktor Roberts ist eine sehr eigenwillige Persönlichkeit und seiner Zeit in so manchem weit voraus. So ist er, was die Ermittlungen betrifft, absolut korrekt und voller Ideen, wie z. B. dem Nehmen von Fingerabdrücken, mit denen er Ermittlungen vorantreibt.
Mir haben beide Charaktere ausgesprochen gut gefallen, denn trotz all ihrer Gegensätze sind sie doch zusammen ein extrem Gutes Team, dass sich auch mit zu der Zeit neumodischen Ermittlungsmethoden auseinandersetzt.
Neben diesen beiden Ermittlern stehen vor allem noch das Gaunerpärchen Hester und Heath hier im Mittelpunkt. Auch wenn es genau deren Part war, der mir hin und wieder zu lang wurde, war es auch genau das, was das Leben im verkommenen East End hier absolut glaubwürdig werden ließ.
Insgesamt gab es hier eine große Anzahl Nebencharaktere, die die Geschichte sehr authentisch wirken und den Leser in die Vergangenheit reisen ließen.
Mein Fazit: ein größtenteils spannender und vor allem atmosphärisch dichter Krimi, der den Leser in eine andere Zeit entführt. Wirklich facettenreiche Charaktere und ein doch wirklich schockierender Fall machen das Buch rund und sorgen für spannende Unterhaltung. Von mir gibt es eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 30.08.2024

Wahnsinnig gutes Debüt

Five Broken Blades
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Seit geraumer Zeit leidet das Volk von Yusan unter der Herrschaft des Gottkönigs Joon, der als unsterblich gilt. Während unter seiner Herrschaft große Ungerechtigkeit herrscht, drängt es viele nach Freiheit. ...

Seit geraumer Zeit leidet das Volk von Yusan unter der Herrschaft des Gottkönigs Joon, der als unsterblich gilt. Während unter seiner Herrschaft große Ungerechtigkeit herrscht, drängt es viele nach Freiheit. Nun werden die gefährlichsten Attentäter des Reiches zusammengerufen, die den König töten sollen. Unter ihnen sind eine Diebin und ihr Leibwächter, eine Giftmörderin, der verschollene Prinz, der angeblich tot ist und der Meisterspion des Königs. Doch können sich diese zwielichtigen Personen wirklich aufeinander verlassen? Um nicht als Verräter an der Krone zu gelten, müssen sie zusammenarbeiten.
Dieses Cover sprach mich an und der Klappentext hat mich auf den ersten Blick neugierig gemacht, so dass ich es kaum abwarten konnte, dieses Buch endlich in den Händen zu halten. Ganz nebenbei, dieses Buch ist einfach auch noch wunderschön gestaltet, den Schutzumschlag lüften lohnt sich.
Ich bin hier sehr gut ins Buch gestartet, denn der Autorin Mai Corland gelingt es mit ihrem Schreibstil von Beginn an ein spannendes Kopfkino zu erzeugen. Auch sonst fand ich den Schreibstil unheimlich gut gelungen, denn sie schafft es auch immer wieder, ihren Schreibstil der handelnden Person so anzupassen, dass man auch ohne den Namen vorm Kapitel zu lesen, erkennen kann, wer gerade handelt.
Das Worldbuilding fand ich ebenfalls richtig gut gelungen. Gerade diese Schere, die zwischen arm und reich klafft, wird hier auf eine Art dargestellt, die den Wunsch nach Freiheit selbst im Leser erweckt. Die Welt ist düster und grausam, brutal und hart und ich habe das Setting immer genau vor Augen gehabt und das alles, ohne das die Autorin sich in Details verliert.
Die Geschichte an sich beginnt recht ruhig, aber trotzdem sehr spannend. Die Autorin nimmt sich hier ausreichend Zeit, um ihre Charaktere vorzustellen und jeden klar zu zeichnen. Man entwickelt für jeden einzelnen schnell Verständnis für ihre Handlungen. Mich konnte das durchaus fesseln, nur hin und wieder wurde es mir ein wenig zu langatmig, aber das ist an dieser Stelle jammern auf hohem Niveau, denn es ist zwar lang erzählt, aber nicht langweilig. Ich hoffe, man versteht, was ich damit meine. Ab dem Moment, wo sie alle aufeinandertreffen, wird es dann auch richtig spannend. So langsam wird das Misstrauen gegeneinander wach und das vorsichtig abtasten und herausfinden, ob unter ihnen ein Verräter steckt, macht das ganze extrem spannend.
Richtig punkten konnte die Autorin bei mir mit ihren unglaublich gelungenen Charakteren. Jeder einzelne hat einen ganz individuellen Charakter, jeder bekommt Tiefe und dadurch wirken sie lebendig und authentisch. Jeder hat einen Grund, den König zu töten und jeder hat eine individuelle Art, zu kämpfen. Insgesamt mochte ich sie alle, aber die Diebin ist mir ganz besonders ans Herz gewachsen mit ihrer großen Klappe.
Mein Fazit: Mit Five broken Blades hat mich Autorin Mai Corland absolut beeindrucken können, zumal es sich ja auch um ein Debüt handelt. Zwar dauert es ein wenig, um temporeich zu werden, aber mir hat es gut gefallen, dass man hier erst einmal alles gezeigt bekommt. Gerade in letzter Zeit ist mir oft aufgefallen, dass man eine zeitlang lesen musste, um eine komplexe Fantasywelt zu verstehen, was hier absolut nicht der Fall war. Zwar wirkt es hin und wieder dadurch etwas langatmig, aber als Einstieg empfand ich es doch genau richtig so. Starke Charaktere, komplexes Worldbuilding und eine spannende Grundstory machen Five Broken Blades zu einem gut gelungenen Fantasybuch. Ich bin schon so gespannt auf die Fortsetzung und werde es auf jeden Fall weiterlesen. Für Liebhaber komplexer Geschichten und Welten!

Veröffentlicht am 29.08.2024

Einfach lesenswert

Call it what you want - Für mich ist es Liebe
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Sloane hat schon lange einen Traum, sie möchte unbedingt Schriftstellerin werden. Nun beginnt für sie und ihre beiden Mitbewohnerinnen Jordan und Lauren beginnt das letzte Jahr am College, was sie in vollen ...

Sloane hat schon lange einen Traum, sie möchte unbedingt Schriftstellerin werden. Nun beginnt für sie und ihre beiden Mitbewohnerinnen Jordan und Lauren beginnt das letzte Jahr am College, was sie in vollen Zügen genießen wollen. Männer waren in diesem Plan nicht mit inbegriffen, doch dann trifft sie Ethan. Ethan zieht sie magisch an und auch Sloane lässt ihn nicht kalt. Allerdings will Ethan keine Beziehung und trotzdem kommen sie sich näher, immer wieder und immer wieder stößt er Sloane aufs Neue von sich. Dabei bemerkt er nicht, wie er Sloane immer wieder aufs Neue das Herz bricht.
Dieses Buch fiel mir trotz oder gerade wegen seinem doch eher unauffälligen Cover ins Auge. Der Einstieg fiel mir extrem leicht, die Autorin wirft den Leser gleich mitten in die Handlung und doch hatte man das Gefühl, sich gleich zurechtzufinden.
Der Schreibstil ist lebendig und leicht und flüssig zu lesen. In erster Linie verfolgt man in der Ich-Perspektive der Protagonistin Sloane. Aber hin und wieder gibt es auch Kapitel aus Ethans Sicht. Allerdings fühlte ich mich definitiv mit Sloane verbunden und auch wenn Ethan schlimmes widerfahren ist, so fand ich seinen Umgang mit ihr furchtbar.
Ich muss zugeben, dass mich die Tiefe der Geschichte völlig überrascht hat, denn ich hatte hier einen leichten New Adult Roman erwartet. Aber tatsächlich erzählt Autorin Alissa DeRogatis von einer, meiner Meinung nach, sehr toxischen Beziehung, die wohl leider jedem ein wenig bekannt vorkommen dürfte. Die Autorin hat mich hier auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitgenommen, die immer wieder aufs Neue mit einem gebrochenen Herzen endete. Wie gerne hätte ich der Protagonistin gesagt, dass all ihr hoffen sinnlos ist, doch auf diesen Trichter muss man wohl selbst kommen. Letzten Endes wird hier gut gezeigt, wie es doch irgendwann gelingt, sich selbst mehr zu lieben, als den ständig verletzenden Partner.
Das Buch fand ich so unheimlich fesselnd, dass ich es in einem Rutsch gelesen habe und bei der ich sehr stark mitgefühlt habe. Gerade Protagonistin Sloane ist eine komplett authentisch gezeichnete Persönlichkeit, auch wenn es mir heute schwerfällt, zu verstehen, warum sie Ethan nicht schon gleich zu Beginn den Laufpass gegeben hat. Doch mit Anfang zwanzig und der ersten große Liebe verschließt man sich vor so manch einem guten Rat. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Geschichte so manch einem Mädchen die Augen öffnen würde.
Ethan, bei allem Verständnis für seine Vergangenheit, fand ich wirklich schlimm. Er konnte keine Beziehung mit Sloane zulassen, aber auch nicht ertragen, wenn sie jemand anderen Aufmerksamkeit widmet. Für mich eine sehr schwierige Persönlichkeit, der nicht imstande ist, jemanden zurückzulieben, egal wie sehr derjenige es wünscht.
Neben den beiden Protagonisten treffen wir hier in erster Linie auf deren Freunde als Nebencharaktere, diese bleiben jedoch deutlich im Hintergrund, auch wenn diese sowohl Sloane als auch Ethan immer wieder gut gemeinte Ratschläge geben. Insgesamt ist es der Autorin wirklich gut gelungen, absolut authentische Charaktere zu zeichnen.
Mein Fazit: Ein wunderbares Buch für alle, die sich in ihrer Beziehung nicht gesehen fühlen, die glauben nicht genug zu sein oder den Fehler bei sich selbst zu suchen. Nein, es liegt nicht an euch, vielleicht ist es der Zeitpunkt, vielleicht ist es der andere oder euer Zusammenspiel, aber bitte, glaubt niemals, dass ihr nicht genug seid, denn das seid ihr. Eine wunderschöne Geschichte über eine Liebe, die keine und doch die ganz große ist. Mit ganz vielen Rissen im Herzen lässt mich die Autorin nun zurück.

Veröffentlicht am 25.08.2024

Starke Fortsetzung

Signum
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Achtung, Band 2 – inhaltliche Spoiler versuche ich zwar zu vermeiden, aber aufgrund der Charakternennung kann man Schlüsse ziehen.

Kim Ribbing möchte endlich verstehen, warum man ihm in seiner Jugend ...

Achtung, Band 2 – inhaltliche Spoiler versuche ich zwar zu vermeiden, aber aufgrund der Charakternennung kann man Schlüsse ziehen.

Kim Ribbing möchte endlich verstehen, warum man ihm in seiner Jugend in der Psychiatrie solch grausame Dinge angetan hat. Er entführt den damals für ihn zuständigen Art und versucht diesen durch Folter dazu zu bewegen, endlich mit der Wahrheit herauszurücken. Währenddessen recherchiert Julia Malmros für ein neues Buch und begibt sich dabei auf gefährliches Terrain. Allerdings liegt das auch mit daran, dass man ihr zuvor zu verstehen gab, dass ihre Bücher einfach zu seicht seien. Auch Astrid Helander, die nach dem Mord an ihre Eltern bei ihrem Onkel lebt, möchte bei Kim unterkommen. Bei einem ihrer Besuche bei Kim geschieht etwas, was sie so nicht geplant hat und Kim in größte Schwierigkeiten bringen kann.
Mit Refugium erschien der zweite Band der Stormland Trilogie aus der Feder von Autor John Ajvide Lindqvist. Auch wenn ich beim ersten Band auf die ein oder andere Länge stieß, war ich doch sehr neugierig, wie es nun weitergehen wird. Um die Bücher wirklich inhaltlich zu verstehen, sollte man diese aber in vorgegebener Reihenfolge auch lesen, da sie aufeinander aufbauen.
Der Einstieg gelang mir hier recht leicht, denn es beginnt, wie auch in Band eins, recht spannend.
Auch wenn ich den Eindruck hatte, dass Lindqvist den zweiten Band ruhiger erzählt, hatte ich hier irgendwie auch ein viel intensiveres Lesevergnügen, denn durch den recht unaufgeregten Stil, bekommt die Geschichte nun auch einen ganz anderen Fokus, nämlich den auf die Charaktere und deren Entwicklung. Trotzdem schreibt Lindqvist sehr gut vorstellbar und auch, trotz Thriller, mit einem gewissen Humor, der vielleicht manchmal schwarz ist, mich aber doch zum Schmunzeln brachte.
Ich war hier gleich vom ersten Augenblick an gefesselt und auch wenn ich stellenweise doch entsetzt von Kims Handlungen war, konnte ich nicht aufhören, weiterzulesen. Durch viele Perspektivwechsel, erhöht der Autor sein Tempo, da man ja doch immer wieder wissen möchte, wie es mit den zuvor handelnden Charakteren weitergeht. Kims Handlungen, auch was er so alles an Tricks drauf hat, haben mich beeindruckt, aber auch bei Astrid Helander war ich überrascht, bei manch einer Reaktion. Letzten Endes steht dann auch Julia vor einer interessanten Entscheidung, was ebenfalls für Spannung sorgt. Ein aber mindestens genauso interessanter Aspekt sind die Ermittlungen rund um das Verschwinden des Arztes Rudbeck und all die Irrungen und Wirrungen, die dadurch bei den Ermittlern entstehen, während wir als Leser genaueres durch Kim erfahren.
Aber auch weitere hoch aktuelle und wichtige Themen, wie Rechtsradikalismus, finden ihren Platz in der Geschichte und regen auch zum Nachdenken an.
Kim ist ein eigenartiger Charakter und man fragt sich ständig, ob das alles wirklich aufgrund seiner Erlebnisse in seiner Jugend passiert. Das er einfach anders ist, ist definitiv klar. Dieses Mal ist er eigentlich zu weit gegangen, doch die Skills, die er hat, waren wirklich beeindruckend, auch wenn er dieses Mal doch auch oft einfach Glück hatte.
Julia nervt so manches Mal ein wenig, badet sie doch immer wieder in Selbstmitleid und doch konnte ich sie irgendwie auch verstehen. Meine Lieblingsfigur ist allerdings die vierzehnjährige Astrid, die mich so manches Mal wieder verblüffte, gerade mit welch raffinierter Art und Weise sie handelt, lässt tief blicken.
Mein Fazit: Mit Signum konnte mich Lindqvist dieses Mal deutlich mehr fesseln als mit seinem Vorgänger. Der Autor punktet mit ungewöhnlichen Charakteren und deren Handlungen und weiß durch schnelle Perspektivwechsel Spannung aufzubauen und den Leser zu fesseln. Nun heißt es geduldig auf die Fortsetzung warten, die allerdings noch eine Weile auf sich warten lässt. Wer Band 1 mochte, wird auch wissen wollen, wie weitergehen wird. Für mich ein wirklich gelungener zweiter Band.

Veröffentlicht am 25.08.2024

Nicht nur eine Familiengeschichte

Warte auf mich am Meer
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Die Geschwister Thomas und Evelyn leben an der wunderschönen Küste von New England, gemeinsa mit dem Nachbarsjunge Joseph verbringen sie ihre Tage am Strand. Doch im Jahre 1940 bekommt das ganze eine Wendung, ...

Die Geschwister Thomas und Evelyn leben an der wunderschönen Küste von New England, gemeinsa mit dem Nachbarsjunge Joseph verbringen sie ihre Tage am Strand. Doch im Jahre 1940 bekommt das ganze eine Wendung, denn als Evelyn von einem Mädcheninternat zurück nach Hause kommt, stellt sie fest, dass Joseph ihr mehr bedeutet und natürlich auch umgekehrt. Erst als er und Evelyns Bruder sich freiwillig als Soldaten melden, gesteht Joseph ihr seine Gefühle und nach seiner Rückkehr heiraten sie. Nun sind sechzig Jahre vergangen, Evelyn und Joseph sind noch immer verheiratet und bei einem gemeinsamen Familientreffen mit ihren drei Kindern und ihren Enkeln, geben sie ihnen ihren Entschluss bekannt. Beide wollen ein letztes gemeinsames Jahr miteinander und mit der Familie verbringen, um dann gemeinsam aus dem Leben zu gehen. Nachdem sie auf Unverständnis bei ihrer Familie stoßen, erklären sie ihnen den wahren Grund: Evelyn ist schwer krank und Joseph kann sich nicht vorstellen, ohne sie zu sein. Gemeinsam lassen sie nun ihr Leben Revue passieren.
Ich gestehe, dass ich beim Blick auf das Cover zunächst an einen relativ seichten Familienroman gedacht habe, der einfach eine hervorragende Sommerlektüre bietet. Doch schnell wurde ich eines besseren belehrt, denn Amy Neffs Debütroman ist noch so viel mehr.
Amy Neff weiß, wie man Menschen mit Worten berührt, dabei ist ihre Sprache schon ein wenig blumig. Nichtsdestrotz wurde ich schnell von der außergewöhnlichen Geschichte, die zugleich wie aus dem wahren Leben gegriffen scheint, gefangen genommen.
Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Josephs und Evelyns Sicht, aber auch ihre Kinder bekommen einzelne Kapitel, in denen sie aus ihrem Leben erzählen und inwiefern ihre Familie immer darauf Einfluss genommen hat. Neben diesen wechselnden Perspektiven wechseln sich dann auch die Zeiten ab. In Rückblicken begleiten wir die Protagonisten durch ihr gemeinsames Leben mit allen Höhen und Tiefen.
Die Geschichte ist unheimlich emotional und weiß zu berühren. Gerade Momente, wie z. B. Verluste geliebter Menschen, haben mich zu Tränen berührt, weil ich mich wirklich immer wieder in die Charaktere einfühlen konnte. Jedes Kapitel hatte für sich schon etwas besonderes und Langeweile kam hier nicht auf. Was Amy Neff aber ganz hervorragend gelungen ist, ist zu zeigen, dass in einer Ehe nicht alles nur Blumen pflücken ist, denn es gab so einige schwere Momente für das Paar, bei denen sie aber nur umso fester aneinander geschweißt wurden. Heutzutage wird vieles oft viel zu schnell aufgegeben, dabei sind es doch gerade die Hürden, die den Zusammenhalt stärken. Genau das wird hier absolut bewusst gemacht und das alles ohne den erhobenen Zeigefinger.
Ich habe mich gerade in Evelyn in so manchen Momenten wiedererkannt. Gerade als junge Mutter fühlte ich mich oft überfordert und allein gelassen, dabei ist es der Mann gewesen, der für die Familie bzw deren Einkommen sorgt. Dieses Gefühl, nicht das im Leben erreicht zu haben, was man wirklich wollte, wird hier wirklich hervorragend transportiert und vieles wird dem Leser auch bekannt vorkommen.
Die Geschichte lebt von ihren Charakteren, die so greifbar und lebendig erscheinen, dass man als Leser das Gefühl hat, entweder sich selbst oder Menschen die man kennt, zu beobachten.
Evelyn ist unheimlich lebendig und temperamentvoll und durchweg eine Träumerin. Sie möchte die Welt sehen, so wie sie es bei ihrer Tante erlebt hat. Ausbremsen lässt sie sich nur ungern, doch da ist auch noch Joseph, den sie vom Herzen liebt, der aber so ziemlich das Gegenteil von Evelyn ist. Joseph ist der ruhende Pol, der nicht nur seine Frau, sondern auch seine Kinder immer wieder erdet und den wichtigen und manchmal nötigen Halt gibt. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er oft Sorgen in sich hineinfrisst und doch war es im Nachhinein immer die richtige Entscheidung.
Neben den Protagonisten lernen wir auch einige Nebencharaktere kennen, in deren Vordergrund vor allem die Kinder der beiden stehen. Diese sind alle grundverschieden und haben alle andere Wünsche ans Leben und immer wieder muss man spüren, dass leider nicht immer alles so läuft, wie man es sich erträumt.
Mein Fazit: Ein so unheimlich gefühlvoller Roman, der direkt aus dem Leben gegriffen ist und durchweg authentisch wirkt. Höhen und Tiefen eines Lebens werden beschrieben und in manch einer Situation kann man sich selbst wiederfinden. Seien es die nicht erreichten Träume oder der Wunsch nach Freiheit oder Verständnis, doch letzte Endes zählt es, an seine Liebe zu glauben und nicht immer gleich alles wegwerfen oder austauschen zu wollen. Wunderschöne Geschichte aus und über das Leben, die ich gerne empfehle.