Profilbild von SillyT

SillyT

Lesejury Star
offline

SillyT ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SillyT über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2023

Eine Geschichte, die im Kopf bleibt

Was wir nie verzeihen
0

Jari Paloviita, Kommissar in Finnland, wird mitten in der Nacht zu einem Einsatz gerufen. In einem Pflegeheim wurde der 93-jährige Albert Kangasharju bei seinem Spaziergang überfallen und lebensbedrohlich ...

Jari Paloviita, Kommissar in Finnland, wird mitten in der Nacht zu einem Einsatz gerufen. In einem Pflegeheim wurde der 93-jährige Albert Kangasharju bei seinem Spaziergang überfallen und lebensbedrohlich verletzt. Paloviita fährt zum Krankenhaus, um zu warten, dass der alte Mann wieder aus dem Koma erwacht, dabei kann er einen weiteren Mordanschlag auf den Mann verhindern. Was hat dieser alte Mann nur getan, um gleich zweimal einem Angriff ausgesetzt zu sein? Kurze Zeit später kommt es zu einem Mord an Klaus Halminen, der nicht nur ein Invalide im Rollstuhl war, sondern sich im Alter Kangasharjus befand. Beim Durchsuchen des Hauses Halminens finden die Ermittler eine Uniform der SS. Kann es sein, dass die beiden alten Männer tatsächlich an der Seite der Deutschen im zweiten Weltkrieg gekämpft haben?
Der Klappentext des Buches machte mich neugierig, denn gerade Bücher, deren Ausgangspunkte im zweiten Weltkrieg zu finden sind, versprechen immer Spannung. Gleich vorweg, Arttu Tuominen hat mich mit diesem Buch nicht nur überzeugt, sondern auch absolut fesseln, schockieren und berühren können. Für mich ist Was wir nie verzeihen ein Buch, das sich tief in mein Gedächtnis gebrannt hat. Bei diesem Buch handelt es sich übrigens um den dritten Band einer Krimireihe, was ich aber erst beim Lesen merkte. Verständnisprobleme gab es für mich hier allerdings keine, zwar gibt es immer Mal kleine Auszüge aus dem privaten Leben der Ermittler, diese bleiben aber im Hintergrund, wirken aber absolut, um diese authentischer und glaubhafter zu machen, da es sie einfach auch menschlich macht.
Die Geschichte beginnt gleich mit dem Überfall auf Albert Kangasharju und konnte mich dadurch sofort in ihren Bann ziehen. Tuominen schreibt unheimlich fesselnd und direkt, so dass er bei seinem Leser umgehend ein Kopfkino erzeugt. Ich mochte dieses bildhafte und doch sehr eindringliche seiner Erzählung, da ich mich so noch ein wenig mehr in die Geschichte versetzen konnte.
Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen, die Gegenwart mit den Überfällen auf Kangasharju und dem Mord an Halminen, aber auch in Rückblicken auf die Zeit des zweiten Weltkriegs. Dieser Part aus der Geschichte war mir persönlich völlig unbekannt, denn die Operation Wiking, von der Tuominen hier erzählt, beruht auf Tatsachen. Damals wurden finnische Soldaten in Deutschland ausgebildet und dann im Krieg in der Ukraine eingesetzt. Die Gräueltaten, die Tuominen hier beschreibt, trieben mir manches Mal Tränen in die Augen. Egal wie oft man das liest oder sieht, es macht mich immer wieder sprachlos, wie Menschen handeln können.
Die Geschichte hat zwar einen eher ruhigen Erzählton, bleibt aber durchweg spannend. Natürlich ahnt man, über wen er in den Rückblicken erzählt, aber das mit dem alten Albert Kangasharju in Verbindung setzen, fiel mir unglaublich schwer. Man verfolgt die Ermittlungen aus den Sichten der verschiedenen Kommissare, lernt dabei auch dessen Ansichten kennen und fühlt sich dadurch auch mit ihnen verbunden. Gerade auch den Zwiespalt Paloviitas konnte ich so unglaublich gut verstehen. Denn Arttu Tuominen lässt seine Charaktere lebendig werden.
Diese Charakterzeichnung macht den Krimi auch zu etwas besonderem für mich. Auch wenn das Privatleben der einzelnen Ermittler hier im Hintergrund bleibt, kann ich ihre Gefühle und Gedanken nachvollziehen. Aber meiner Meinung nach liegt das Hauptaugenmerk des Buches auf Albert Kangasharju, Ehemann, liebender Vater, Großvater und Urgroßvater, der neben seinem Bett ein Kinderbuch liegen hat. Die Geheimnisse, die er verbirgt sind unglaublich. Wie bereits erwähnt, fiel es mir so unglaublich schwer, diesen Mann mit dem Mann im Weltkrieg zu vereinen. Was mir aber, leider, dadurch extrem klar wurde, ist, dass selbst aus den liebsten Menschen Monster werden können. Es erklärt noch einmal eindringlich, wie all das damals geschehen konnte. Dieser Bereich hat mich nach dem Schließen des Buches lange da sitzen und nachdenken lassen und auch genau das lässt mich diese Geschichte auch nicht mehr vergessen.
Mit diesemBuch hat mich Arttu Tuominen zutiefst berührt und nachdenklich zurückgelassen. Auch jetzt beim Schreiben der Rezension versuche ich immer wieder, das Gelesene zu verarbeiten. Wer hier einen reinen Krimi erwartet, könnte vielleicht enttäuscht sein, aber für mich war dieses Buch so viel mehr als nur ein Spannungsroman. Tuominen hat mir ein wenig die Augen geöffnet, mir gezeigt, wie “so etwas” überhaupt möglich war, wie Hass und Wut entstehen kann, wie der Krieg und all sein Schrecken den Menschen beeinflussen. Ich hoffe, hiermit nicht zu viel verraten zu haben, aber es ist recht schwer, die Gefühle zu diesem Buch zum Ausdruck zu bringen, ohne auf diesen besonderen Charakter einzugehen. Ich kann das Buch absolut empfehlen, denn es ist eine Geschichte, die sich tief in den Kopf gräbt und sprachlos macht. Hut ab, Herr Tuominen, das war ganz großes Kino!

Veröffentlicht am 27.12.2023

Historisch und mystisch zugleich

Das Erbe der Pandora Blake
0

Seitdem Pandora, Dora, Blakes Eltern vor zwölf Jahren bei einer Ausgrabung ums Leben kam, lebt sie bei ihrem Onkel Hezekiah. Dieser führt das Antiquitätengeschäft ihrer Eltern mehr schlecht als recht weiter, ...

Seitdem Pandora, Dora, Blakes Eltern vor zwölf Jahren bei einer Ausgrabung ums Leben kam, lebt sie bei ihrem Onkel Hezekiah. Dieser führt das Antiquitätengeschäft ihrer Eltern mehr schlecht als recht weiter, denn in seinem Laden befinden sich in erster Linie Nachbildungen und Fälschungen. Doch Pandora träumt davon, mit einer eigenen Schmuckkollektion erfolgreich zu sein und ihrem Onkel dadurch zu entkommen. Als sie eines Tages im Keller ihres Onkels eine griechische Amphore entdeckt, ahnt Dora, dass es eine Geschichte dazu gibt. Als sie den jungen Buchbinder und Hobbyarchäologen Edward kennenlernt, bittet sie diesen um Hilfe. Gemeinsam wollen sie die Herkunft des geheimnisvollen Gefäßes auf den Grund gehen. Dabei kommen sie einem Geheimnis auf die Spur, dass sie in eine tödliche Gefahr bringt.
Dieses wunderschöne Cover und der Klappentext, der ein wenig auch eine mystische, spannende Geschichte versprach, machten mich unheimlich neugierig auf diese Geschichte. Zugegeben, zu Beginn musste ich mich ein wenig an den recht malerischen Schreivsitl gewöhnen, doch ab einem bestimmten Punkt konnte ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen und war gefangen von Doras Geschichte.
Autorin Susan Stokes-Chapman nimmt den Leser hier nicht nur mit auf eine historische Reise ins London rund um 1800, sondern verbindet mit ihrer Geschichte auch etwas mystisch geheinisvolles, was das gesamte Buch richtig spannend werden lässt. Sie versteht es ausgezeichnet, Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen und ich fühlte mich hier direkt in die Geschichte versetzt.
Diese liest sich auch absolut spannend, sie wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, so dass man als Leser immer ein wenig mehr weiß, als die gerade handelnde Person und so manches Mal würde man ihnen am liebsten zurufen, vorsichtig zu sein.
Die Atmosphäre ist unheimlich gut gelungen, so gibt es auf der einen Seite das verstaubte, heruntergekommene Antiquitätengeschäft der Eltern, das Doras zu Hause ist, auf der anderen Seite lernt man die ärmlichen Verhältnisse in den Docks kennen, aber auch das prunkvolle Leben der Reichen.
Die Spannung steigt zunächst recht langsam, als Leser hat man hier Zeit, die Charaktere kennenzulernen und sich ein Bild der Personen zu machen. Doch im Laufe des Buches nimmt das Tempo immer mehr Fahrt auf und steigert sich bis zum Schluss. Während man gemeinsam mit Dora versucht, dem Geheimnis der Amphore, die auf eine Art auch mit dem Tod der Eltern in Zusammenhang zu stehen scheint, auf die Spur zu kommen, passiert auch auf Seiten des Onkels so einiges. Ich konnte hier auf jeden Fall mit Dora mitfiebern und habe eine Nachtschicht eingelegt, um das Buch noch zu beenden.
Richtig punkten konnte Susan Stokes-Chapman bei mir mit ihren Charakteren, allen voran Dora, die mir ganz schnell ans Herz gewachsen ist. Sie ist für ihre Zeit eine unheimlich selbständig und mutige junge Frau, die für ihre Träume lebt, aber auch dafür einsteht. Hürden, die man ihr in den Weg wirft, schafft sie geschickt aus dem Weg zu räumen. Sie ist lebendig gezeichnet und wirkte dadurch lebendig und ich konnte mich perfekt in sie hineinversetzen und dadurch mitfiebern.
Aber auch die Nebencharaktere werden lebendig und glaubwürdig gezeichnet. Edward mochte ich auf den ersten Blick und auch wenn er Dora etwas verschweigt, ist er doch ein unheimlich sympathicher Charakter. Doras Onkel Hezekiah ist in jeder Hinsich gelungen dargestellt, den Bösewicht hab ich hier sofort abgekauft und so manches Mal auf ihn geflucht. Diese beiden sind mit die wichtigsten Charaktere neben Dora, aber auch diejenigen, die nur kleinere Rollen einnehmen, werden glaubhaft gezeichnet.
Mein Fazit: Das Erbe der Pandora Blake konnte mich mehr als positiv überraschen, denn diese Geschichte liest sich spannend, fesselnd und die Charaktere werden intensiv gezeichnet. Neben den historischen Begebenheiten hat diese Geschichte auch etwas geheimnisvolles — mystisches, was natürlich auch mit an der Geschichte rund um die Amphore, die die Erschaffung der Pandora zeigt, liegt. Mir hat das Buch spannende Lesestunden bereitet und ich empfehle es gerne. Nicht nur für Leser historischer Romane!

Veröffentlicht am 27.12.2023

Unübersichtlich und teilweise zäh

Twelve Secrets -
0

Zwanzig Jahre ist es her, dass das Leben von Ben Harper aus den Fugen geriet. Damals wurde sein großer Bruder Nick durch die Hand von zwei jungen Mädchen bestialisch ermordet. Seine Mutter starb zehn Jahre ...

Zwanzig Jahre ist es her, dass das Leben von Ben Harper aus den Fugen geriet. Damals wurde sein großer Bruder Nick durch die Hand von zwei jungen Mädchen bestialisch ermordet. Seine Mutter starb zehn Jahre später, als sie sich vor einen Zug warf, dabei schien es, dass sie zwar nie aufgehört hatte, um Nick zu trauern, aber doch fest im Leben stand. Heute ist Ben ein Journalist und zurück in seiner Heimatstadt Haddley. Als eines Morgens die Polizei vor seiner Tür steht und ihm von einem Mord berichtet, wirft dieser neue Fragen auf und Ben begibt sich selbst auf Nachforschungen, was damals wirklich geschah und warum seine Mutter sterben musste.
Auch hier war es das düstere Cover, das mich dazu verleitete, den Klappentext zu lesen und da ich grundsätzlich Bücher mag, die auf Geschehnisse in der Vergangenheit deuten, war ich gleich neugierig.
Die Geschichte an sich beginnt recht ruhig, der Autor schreibt zwar insgesamt leicht und flüssig, verwirrte mich aber mit seinen schnellen und auch recht vielen Perspektivwechseln. Da ich hier auch in den Kapitelüberschriften erstmal keine Information bekam, wer gerade handelte, brauchte ich ein wenig, um die unterschiedlichen Charaktere auseinander halten zu können.
Der Handlungsort, das kleine Dörfchen Haddley in der Nähe von London, fand ich wiederum gelungen. Allein die Geschichte, wie Bens Bruder Nick ums Leben kam, machte Gänsehaut.
Leider blieb dieses aber auch so ziemlich das einzige, was Gänsehaut machte, denn oftmals wurde die Handlung zu zäh und drückte dadurch immer wieder auf die Spannung. Die Gespräche zwischen verschiedenen Charakteren, die hier die Vergangenheit wiedergeben, sollte spannend wirken, verlor sich aber eher in zu vielen Details. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Geschichte mehr Wirkung erzeugt hätte, wenn sie auf zwei Zeitebenen erzählt worden wäre. Viele Charaktere waren zu vorhersehbar und konnten mich dann leider nicht mehr überraschen. Zwar kommt zum Ende hin ein wenig mehr Spannung auf, insgesamt blieb das Tempo aber zu ruhig und machte es mir schwer, am Ball zu bleiben.
Der Autor nimmt sich sehr viel, für meinen Geschmack zu viel, Zeit, um die unterschiedlichen Charaktere mit ihren Hintergründen vorzustellen und teilweise doch unwichtige Momente wurden zu ausführlich geschildert. Ich hatte irgendwann kaum noch Lust, mir immer wieder neue Charaktere zu merken und was sie früher und was sie heute tun, zu merken.
Ben, als Protagonist, blieb mir zu farblos. Dadurch, dass hier immer wieder andere Charaktere in den Vordergrund gerückt werden, habe ich Ben nicht sehr gut kennenlernen können. Damit fehlte mir aber auch dieser Moment, mit ihm mitfiebern zu können und der Wunsch nach Aufklärung der Vergangenheit. Unterscheiden konnte man Ben in der Erzählweise, da er der einzige war, dessen Sicht in der Ich-Perspektive dargestellt wurde.
Die Kapitel sind teilweise recht kurz, was ich prinzipiell mag, wird aber jedes Kapitel aus einer neuen Perspektive erzählt, wirkt das oft verwirrend. Ich habe das Gefühl, der Autor wollte mit all diesen Wechseln den Leser auf die falsche Fährte locken, doch wenn ich ehrlich bin, hat mich nur wenig überraschen können und viele Charaktere habe ich fast von Beginn an einschätzen können.
Mein Fazit: Auch wenn der Klappentext recht spannend klang, gerade mit dem Wissen, wie Bens Bruder ums Leben kam, verstrickte sich der Autor hier in vielen Perspektivenwechsel und immer neuen Aspekten. Insgesamt war mir dieser Thriller zu zäh und langatmig, gerade durch die vielen, teils unnötigen Gespräche. Ich konnte mir zwischendurch nicht verkneifen, mit den Augen zu rollen, weil es doch manches Mal abstrus wirkte und die Auflösung birgt für mich auch einen kleinen Logikfehler, auf den ich hier nur schwer eingehen kann, der mich aber die Stirn runzeln ließ. Für mich war dieses Buch leider nichts.

Veröffentlicht am 27.12.2023

Gutes Debüt, aber zu langatmig

Schneesturm
0

Vor zehn Jahren trafen sich die Freunde zum letzten Mal auf der kleinen, irischen Insel Inishmore. Damals starb Cillian, Caras Ehemann, bei einem Unfall und drei der Freunde verließen die Insel. Nun wollen ...

Vor zehn Jahren trafen sich die Freunde zum letzten Mal auf der kleinen, irischen Insel Inishmore. Damals starb Cillian, Caras Ehemann, bei einem Unfall und drei der Freunde verließen die Insel. Nun wollen sie Cillian zum zehnten Todestag gedenken, doch während ihres Treffens, tobt ein Schneesturm um die Insel, die dadurch völlig vom Festland abgeschnitten wird. Als eine Leiche in einer Bucht aufgefunden wird, muss Cara, als letzte verbleibende Polizistin der Insel ermitteln. Dabei führen alle Wege zurück zu ihrer eigenen Clique und in die Vergangenheit.
Mich sprach das gelungene Cover des Buches sofort an und auch der Klappentext macht neugierig.
Die Autorin Triona Walsh lässt den Leser mitten im Geschehen einsteigen und schafft es dadurch, dass Interesse zu wecken. Ihr Schreibstil gefiel mir sehr gut, da es ihr gelingt, die Bilder der Insel lebendig werden zu lassen. Auch sonst liest sich der Thriller, den ich eher in Richtung Spannungsroman einordnen würde, leicht und flüssig.
Das Setting, die recht kleine, irische Insel, passte perfekt als Handlungsort. Man spürt die Abgeschiedenheit und Einsamkeit der Bewohner der Insel und auch gewisse Eigenarten der Einwohner wurden gut rübergebracht. Durch den beschriebenen Schneesturm bekommt das Ganze noch einmal mehr eine düstere Atmosphäre.
Allerdings dauert es recht lang, bis die Handlung in Schwung kommt und es spannender wird. Natürlich gibt es hier jede Menge Geheimnisse und keiner sagt die Wahrheit, aber das drumherum hatte für mich zu oft ausschweifende Erklärungen, die die Grundspannung dämpften. Es gibt immer wieder Wendungen und trotzdem ahnte ich recht schnell, worauf das Ende hinauslaufen wird. Die ein oder andere Überraschung gab es trotzdem und insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten.
Cara, die Polizistin der Insel und Cillians Witwe, ist die Protagonistin. Sie wurde gut und authentisch gezeichnet, aber blieb mir ein wenig fremd. Ich konnte ihre Handlungen zwar nachvollziehen, aber ich hätte mir mehr Einblick in ihre Gefühle und Gedanken gewünscht. Trotzdem war sie mir sehr sympathisch und ihre Handlungen nachvollziehbar.
Die weiteren Charaktere, in erster Linie die damalige Clique, war mir etwas zu blass. Auch hier wurde zwar die Handlung der einzelnen logisch erklärt, aber Nähe zu den Charakteren konnte ich nicht aufbauen.
Mein Fazit: Triona Walsh hat mit Schneesturm einen soliden Spannungsroman geschrieben, der mich trotz Kritik gut unterhalten konnte. Ich hätte mir hier mehr Einblicke in die Vergangenheit gewünscht, um die Handlungen der Charaktere besser nachvollziehen zu können. Ein Thriller braucht für mich mehr Tempo, das hier etwas zu ruhig bleibt. Wer Interesse an der Geschichte hat, sollte einfach mal in die Leseprobe schnuppern.

Veröffentlicht am 21.12.2023

Macht Lust auf Lebkuchen und mehr

Love & Lebkuchen
0

In der Geschichte geht es um die Schwestern Kathi und Theresa, deren Mutter plötzlich verstorben ist und ihnen ihre Konditorei hinterlassen hat. Allerdings läuft das Geschäft nicht allzu gut und die Hoffnung ...

In der Geschichte geht es um die Schwestern Kathi und Theresa, deren Mutter plötzlich verstorben ist und ihnen ihre Konditorei hinterlassen hat. Allerdings läuft das Geschäft nicht allzu gut und die Hoffnung der Schwestern liegt auf dem Geschäft beim Weihnachtsmarkt. Doch es taucht unerwartet Konkurrenz auf, der Sohn eines Münchner Bäckers eröffnet einen Laden im kleinen Ort und stiehlt den Frauen mit neuen Ideen die Kunden. Kurzerhand und ohne ihre Schwester einzuweihen, meldet sich Kathi beim Lebkuchenwettbewerb an. Doch ausgerechnet Simon Bergmüller nimmt auch daran teil.

Diese Geschichte klang einfach absolut passend für die vorweihnachtliche Stimmung und ich war auch vom ersten Moment an in der Geschichte. Die Autorin erzählt mit vielen liebevollen Details von den Schwestern, aber auch von dem kleinen Ort Falkenhain und vom Weihnachtsmarkt. Ich konnte all diese Dinge vor mir sehen und regelrecht den Duft nach Zimt und Lebkuchen riechen. Alleine das machte schon eine richtig cozy Weihnachtsstimmung.

Aber auch sonst war die Geschichte absolut lesenswert und wirkte völlig authentisch. Während man vor allem Kathi begleitet, erfährt man vieles über ihre Träume und ihr Leben. Denn Kathi ist mit Leib und Seele Konditorin. Sie machte diese Geschichte absolut lebendig und ich konnte mich so richtig in sie hineinversetzen. Der Höhepunkt ist natürlich der Backwettbewerb auf dem Weihnachtsmarkt, aber bis dahin geschieht so einiges.

Wer glaubt, hier ist die Lovestory im Vordergrund, den muss ich enttäuschen, denn es geht noch um so viel mehr, darum an seine Träume zu glauben und darum zu kämpfen, weitermachen, auch wenn es schwer wird, aber auch darum, sich selber Fehler einzugestehen. All das wird hier unheimlich gefühlvoll erzählt und ich konnte es zu jeder Zeit nachempfinden.

Kathi mochte ich so gerne, sie ist ein sehr emotionaler Mensch und hin und wieder handelt sie aus dem Bauch heraus. Ihre Wut, ihre Hoffnung, aber auch ihre Leidenschaft fand ich authentisch und mich mit ihr verbunden zu fühlen, fiel mir sehr leicht.

Theresa hingegen ist ein Mensch, der mit dem Kopf an die Dinge geht und versucht, eher pragmatisch zu denken. Dabei geraten Kathi und sie häufiger aneinander und trotzdem spürte man die gegenseitige Liebe der Schwestern.

Die weiteren Charaktere sind zwar eher Nebencharaktere, werden aber durchweg liebevoll gezeichnet. Simon Bergmüller scheint ein arroganter Schnösel zu sein, entpuppt sich aber dann doch als ein Mensch, der vieles hinter seiner Fassade versteckt. Die Freundinnen, Mitarbeiter, Weihnachtsmarktgäste- und Mitarbeiter, jeden einzelnen konnte ich vor mir sehen und fühlen.

Mein Fazit: Love und Lebkuchen ist ein Buch voller Emotionen und wird unheimlich gefühlvoll erzählt. Ich konnte Charaktere und Handlung lebendig vor mir sehen und war tief in der Geschichte drin. Mich konnte diese Geschichte mit ihrer weihnachtlichen Atmosphäre fesseln und bestens unterhalten. Wer noch nicht in Weihnachtsmarktstimmung ist, sollte sich hiervon verzaubern lassen und wer Weihnachten liebt, ist hier eh gut aufgehoben. Leseempfehlung!