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Veröffentlicht am 16.07.2019

Tolles Kinder-/Jugendbuch

Die Unausstehlichen & ich (Band 1) - Das Leben ist ein Rechenfehler
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Die elfjährige Enni scheint endlich angekommen zu sein, denn bei ihren neuen Pflegeeltern und deren Sohn Noah fühlt sie sich endlich wohl. Doch dann kommt alles ganz anders, als die Familie fortzieht und ...

Die elfjährige Enni scheint endlich angekommen zu sein, denn bei ihren neuen Pflegeeltern und deren Sohn Noah fühlt sie sich endlich wohl. Doch dann kommt alles ganz anders, als die Familie fortzieht und Enni, die ständig in Schwierigkeiten gerät, in ein Internat kommt. Saaks, das Internat, liegt fernab von allem, denn es befindet sich mitten in den Bergen und ist nur durch eine Gondel zu erreichen. Enni hat aber einen Plan, sie will abhauen und ihren Bruder finden. Doch das klappt nicht allein und sie braucht dafür die Hilfe der anderen Schüler und auch diese haben etwas geplant, wofür sie Ennis Hilfe brauchen.
Meine Meinung
Ein ansprechendes Cover und ein wirklich toller Klappentext brachten mich dazu, dieses Kinderbuch für meine Tochter ins Auge zu fassen. Ganz besonders gut gefallen haben uns hier auch die gelungenen Illustrationen, die die Figuren der Geschichte einfach perfekt einfangen und das schon im Kopf entstandene Bild noch einmal mit hervorheben.
Die Geschichte selber ist ein wenig ungewöhnlich erzählt, denn zwar ist Protagonistin Enni hier die Erzählerin des Geschehens, wendet sich aber beim Erzählen an einen Psychiater, den sie auch ab und an direkt anspricht. Das wurde vor allem für meine Tochter zu Beginn noch ein wenig schwierig, da sie nicht immer einordnen konnte, mit wem Enni da sprach. Doch je weiter das Buch fortschritt, desto mehr wurden wir von der Geschichte eingefangen. Neben dem eher ungewöhnlichen Stil ist übrigend auch noch eine weitere Besonderheit des Buches hervorzuheben, denn Enni ist eine temperamentvolle Persönlichkeit, die schonmal sehr gerne flucht. Doch diese Schmipftirade sind hier als Gedankenstriche zu finden und es hat wirklich Spaß gemacht, sich immer wieder auszudenken, mit welchen Worten Enni um sich wirft.
Die Geschichte selber hat nachdenklich gestimmt. Noch erfährt man nicht alles über Enni und schon gar nicht um das geheimnisvolle Internat und dessen Bewohner. Vanessa Walder hat also noch jede Menge spannender Punkte für weitere Bände zurückbehalten. Hier ist es aber ein toller Einstieg, bei dem man Enni schon sehr gut kennenlernen darf und dabei miterlebt, wie sie selbst lernen muss, dass nicht alle ihr etwas böses wollen. Es geht um Freundschaften finden und vor allem bilden, um Vertrauen und um vieles, was noch im Verborgenen bleibt.
Die Charaktere der Geschichte, allen voran natürlich Protagonistin Enni sind wirklich ganz hervorragend gezeichnet. Und das sowohl im wahrsten Sinne des Wortes als auch im geschriebenen Wort. Enni ist mehr als temperamentvoll und wenn sie wütend wird, sieht sie rot. Man merkt schon beim Lesen, wie schnell sie sich provozieren lässt, doch ganz genau warum, was dafür die Ursache ist, erfährt man noch nicht. Doch irgendwie hat mich Enni ganz besonders berührt und ich wollte dieses toughe und nach aussen so knallharte Mädchen beschützen. Neben Enni gibt es eine Menge weiterer, sehr spannender Charaktere, die, jeder für sich, etwas besonderes an sich hat. Seien es körperlich oder einfach von ihrer Art her, hier ist keiner so, wie er auf dem ersten Blick scheint. Genau das muss auch Enni lernen und mir haben hier so manche Szenen richtig gut gefallen.
Mein Fazit
Ein gelungener, wenn auch vom Stil her eher ungewöhnlicher Einstieg in eine neue Kinderbuchreihe. Das Buch liest sich vom ersten Moment an spannend und lässt vor allem die jüngeren Leser über das Gelesene nachdenken. So manches mal haben wir laut gelacht oder richtig mitgefiebert und Protagonistin Enni ist uns schnell ans Herz gewachsen. Wir sind gespannt auf weitere Geschichten rund um Enni und die Unausstehlichen deren Life einfach Saaks.

Veröffentlicht am 16.07.2019

Sehr interessant

Space Girls
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Köln, kurz vor dem Beginn des zweiten Weltkriegs. Gegen den Willen ihrer Eltern führt die achtzehnjährige Martha ihre Beziehung zu Paul und wird schwanger. Als die Kleine zur Welt kommt, wird für Martha ...

Köln, kurz vor dem Beginn des zweiten Weltkriegs. Gegen den Willen ihrer Eltern führt die achtzehnjährige Martha ihre Beziehung zu Paul und wird schwanger. Als die Kleine zur Welt kommt, wird für Martha klar, dass die Kleine einfach alles ist: ihr kleines Junimädchen. Paul verlässt Martha, doch als diese zu ihren Eltern zurückkehren will, sind sie fort. Über Frankreich kommt Martha gemeinsam mit Juni nach Amerika, New Orleans. Juni ist ein lebendiges und aufgewecktes Kind, dem schnell klar ist, was sie einst aus ihrem Leben machen möchte. Sie will Pilotin werden und sogar noch ein wenig höher: sie will zu den Sternen fliegen. Als Juni Jahre später zum Astronautentraining zugelassen wird, scheint ihr Traum in greifbarer Nähe. Doch trotz all der schweren Tests, die Juni mit Bravour meistert, werden für die Reise ins All nur Männer zugelassen. Doch Juni gibt nicht auf und beginnt für ihre Träume zu kämpfen.
Meine Meinung
Space Girls ist ein Buch, das ich auf den ersten Blick wahrscheinlich gar nicht in die Hand genommen hätte, doch der Klappentext klang wirklich richtig spannend und ich bin froh, doch zu diesem Buch gegriffen zu haben.
Die Geschichte der Space Girls basiert auf einer wahren Geschichte, was mich das Buch noch um einiges aufmerksamer lesen ließ, denn hier geht es auch unter anderem um das Frauenrecht zu einer Zeit, in der es noch selbstverständlich war, dass Frauen zu Hause Heimchen am Herd waren.
Zwar ist die Geschichte rund um Juni und deren Leben fiktiv, doch die dreizehn Mercury Pilotinnen und die Tests gab es damals wirklich. Mit einem sehr lebendigen Schreibstil, der sich leicht und flüssig lesen lässt, entführt uns die Autorin in diese vergangenen Zeiten, in denen sich die Frauen immer beweisen mussten. Ungerecht daran war, dass sie trotz allem Erfolg bei den Tests letzten Endes nicht mit ins Weltall reisen durften. So manches Mal hätte ich auf Grund dieser Unfairness schreien wollen, zumal ich ja wusste, dass dieses real ist.
Aber auch der fiktive Part, die Geschichte rund um Juni, wie sie aufwächst und wie sie lebt, bringt spannende Unterhaltung. Von der Flucht aus Deutschland nach Frankreich bis letzlich in die USA und auch dort gibt es immer wieder spannende Momente.
Erzählt wird die Geschichte von einem Erzähler in dritter Person, der immer wieder die Perspektive wechselt. Mal sind wir bei Juni und deren Familie, mal bekommen wir erzählt, was z. B. mit Junis Großvater geschah und auch Einblicke in das Leben von Wernher von Braun.
Was mir ganz besonders gefallen hat, sind die unterschiedlichen Personen der Geschichte und deren Darstellung. Nicht nur Juni ist eine Kämpferin, denn ihre Mutter Martha ist eine ebenso bewundernswerte Frau, die ihre Tochter stets unterstützt und ihr beibringt, wie wichtig es ist, an seine Träume zu glauben. Diese beiden Frauen, die es in ihrer Zeit alles andere als leicht hatten, bekommen eine gelungene Darstellung und wirkten so real, als hätte es sie wirklich gegeben. Aber auch die Nebencharaktere sind gelungen und glaubwürdig, seien es die Personen aus Köln mit ihrem Kölner Dialekt, die mich schmunzeln ließen oder ein Wernher von Braun. Alle wirkten absolut glaubwürdig und auch wenn ich nicht beurteilen kann, ob die Charakterisierung des Raketeningenieurs so realistisch ist, fand ich dessen Zeichnung doch sehr spannend.
Mein Fazit
Ein gelungenes Buch, das mir sehr gut gefallen hat und das ich sehr gerne gelesen habe. Wer sich durch die Worte Raumfahrt abschrecken lässt, der sollte trotzde unbesorgt sein, denn das Buch ist soviel mehr. Es gibt ein klares Bild der damaligen Zeit und mit den Figuren der Juni und der Martha finden sich hier zwei starke Frauen, die zeigen, dass es sich, trotz Rückschlägen, lohnt, immer an sich und seine Träume zu glauben. Sehr lesenswerter Roman mit wahrem Hintergrund!

Veröffentlicht am 16.07.2019

Wie immer spannende Unterhaltung

Unbarmherzig (Ein Gina-Angelucci-Krimi 2)
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Bei einer Radfahrt durch den kleinen Ort Altbruck stösst Ella auf einen gruseligen Fund: zwei Schädel und wenige weitere Knochen. Schnell wird neben der Polizei auch die Presse aufmerksam und Kommissarin ...

Bei einer Radfahrt durch den kleinen Ort Altbruck stösst Ella auf einen gruseligen Fund: zwei Schädel und wenige weitere Knochen. Schnell wird neben der Polizei auch die Presse aufmerksam und Kommissarin Gina Angelucci wird mehr als neugierig. Kurzerhand beginnt sie, zunächst gegen den Willen des Chefs, zu recherchieren, was es mit den Knochenfunden auf sich hat. Gar nicht so leicht, denn laut Gerichtsmedizin lagen die Gebeine ca. siebzig Jahre in der Erde. Doch Gina ist hartnäckig und stösst bei ihren Ermittlungen auf Geheimnisse des kleinen Ortes, in dem im zweiten Weltkrieg eine Firma ansässig war, in der Zwangsarbeiterinnen ihren Dienst vollbrachten. Ist eine der Leichen eine von ihnen? Bei all den spannenden Ermittlungen merkt Gina dabei gar nicht, dass auch sie persönlich ins Visier genommen wird und es jemand auf sie und ihre Familie abgesehen hat.
Meine Meinung
Die Kriminalromane aus der Feder von Inge Löhnig sind für mich immer ein Garant für spannende Geschichten und mit Unbarmherzig erschien nun der zweite Fall für Gina Angelucci, Tino Dühnforts Frau.
Diese ist nach der Geburt ihrer Tochter frisch zurück im Präsidium, während Tino seine Elternzeit antritt. Schnell wird es auch in diesem neuen Fall für Angelucci spannend, denn Autorin Inge Löhnig führt den Leser in ein kleines, bayrisches Dorf, in dem nicht alles so Friede, Freude, Eierkuchen ist, wie es auf dem ersten Blick scheint.
Wie immer, liest sich auch dieser Krimi wieder leicht und flüssig und schnell taucht man ab in eine Geschichte voller Geheimnisse und eines Familienstreits, der seit vielen Jahrzehnten bereits andauert.
Fast von Beginn an ist es spannend und immer wieder gibt es auch hier kleinere Einblicke in die Vergangenheit, denn Angelucci arbeitet für die Abteilung der Cold Cases. Der neue Fall für die Ermittlerin führt allerdings so weit in die Vergangenheit, dass es fraglich ist, diesen noch klären zu können. Doch tatsächlich gibt es noch einige Zeitzeugen und hier hat so mancher etwas zu verbergen. Als Leser darf man hier auf jeden Fall wieder selbst mit Theorien aufstellen und rätseln und der Fall sorgt für gelungene Unterhaltung.
Erzählt wird auf verschiedenen Zeitebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei bekommt man als Leser nicht nur die Ermittlungen präsentiert, sondern erlebt auch ein wenig aus dem Privatleben Angeluccis und Dühnforts. Dieses bleibt aber soweit am Rande, dass auch ein Serieneinsteiger keine inhaltlichen Probleme bekommen wird. Alles in allem sorgen die unterschiedlichen Blickwinkel und Ebenen für interessante Wendungen und so manch einer Überraschung.
Mit den Ermittlern Angelucci und Dühnfort hat Inge Löhnig zwei tolle Charaktere ins Leben gerufen, die mir mittlerweile ans Herz gewachsen sind. Beide sind bodenständig und nicht die klischeebehafteten Ermittler voller Probleme, was sie einfach authentisch macht. Mir ist es jedes Mal eine Freude, ihren Ermittlungen beizuwohnen. In diesem Buch steht Tinos Frau Gina Angelucci wieder deutlich im Mittelpunkt und ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen.
Auch die Nebencharaktere, die für den Fall interessant werden, bieten eine gelungene Bandbreite an unterschiedlichsten Eigenschaften. Auch sie wirken dadurch lebendig und real. Inge Löhnig versteht es wieder einmal hervorragend, glaubwürdige Charaktere zu zeichnen.
Mein Fazit
Wie immer gelingt es Inge Löhnig mich mit einem ihrer Kriminalroman hervorragend zu unterhalten. Das Buch bietet spannende Lesestunden und liest sich leicht und flüssig. Immer wieder gibt es kleinere Überraschungen, die die Spannung aufrecht halten und der Fall selber wirkt glaubwürdig. Wer die Krimis der Autorin noch nicht kennen sollte, sollte einfach mal hineinlesen, denn sie sind absolut lesenswert und bisher wurde ich noch nie enttäuscht.

Veröffentlicht am 15.07.2019

Atmosphärisch

Niemand soll uns trennen
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Clara liebt es, zu fotografieren und so ist es ihr ganz großer Traum, in naher Zukunft in der Schweiz an der Eliteuni zu studieren. Doch ihr Lehrer macht ihre große Hoffnung zu nicht, hält ihre Fotos nicht ...

Clara liebt es, zu fotografieren und so ist es ihr ganz großer Traum, in naher Zukunft in der Schweiz an der Eliteuni zu studieren. Doch ihr Lehrer macht ihre große Hoffnung zu nicht, hält ihre Fotos nicht für gut genug und so macht Clara sich auf die Suche nach dem ultivmativen Motiv. Ihre Freundin erzählt, dass sie bei einer Wanderung ein verlassenes Herrenhaus im Wald gefunden habe, um das sich so einige Gerüchte drehen, denn hier soll einst etwas schreckliches geschehen sein. Das perfekte Motiv, denkt sich Clara und macht sich allein auf den Weg. Tatsächlich findet sie das Haus, doch sie wird von einem Unwetter überrascht. Kurzerhand findet sie im Haus Unterschlupf. Doch das Haus ist längst nicht so verlassen, wie es den Anschein hat. Wer sind die geheimisvollen Zwillinge, die hier mit ihren Angestellten wohnen? Was verbergen sie wirklich?
Meine Meinung
Als alter Coverlover sprang mich dieses Cover gleich auf den ersten Blick an und die Geschichte klang spannend und geheimnisvoll.
Dank des wirklich sehr atmosphärischen Schreibstils und einer frischen, jugendlichen Sprache war ich auch sehr schnell mitten in der Geschichte rund um Clara, den Zwillingen und das geheimnisvolle Haus im Wald. Auch sonst schafft es die Autorin, mich mit der unterschwellig mystisch wirkenden Spannung einzufangen und zu fesseln. Vor allem die Suche nach Antworten auf die entstehenden Geheimnisse trieb mich durch die Seiten. Gemeinsam mit Clara wollte ich Antworten finden, doch diese, und das war mein Wehrmutstropfen, blieb irgendwie zu flach. Hier hätte ich mir etwas tiefere Hintergründe gewünscht, denn letzten Endes ist mir das Geheimnis nicht so ganz klar geworden. Zwar erfährt man hier, was es mit den etwas befremdlich wirkenden Zwillingen auf sich hat, doch das mystische, magische wurde nicht so tief erläutert, wie ich es mir gewünscht hätte. Ansonsten aber fand ich die Geschichte sehr spannend und gerade diese verlorene und verlassene Atmosphäre, die das alte Herrenhaus ausstrahlt, kam sehr gut rüber. Eins kann Anika Beer auf jeden Fall: klare und vor allem lebendige Bilder erschaffen.
Erzählt wird in wechselnden Perspektiven zwischen Clara und den Zwillingen. Durch den dritte Person Erzähler bleibt man hier mehr der Beobachter, der das Geschehen im Haus und um das Haus herum mitverfolgt und selbst Theorien aufstellen kann, welches Geheimnis hier verborgen liegt.
Clara ist eine recht sympathische Protagonistin, wobei ich mir in gewisser Weise vorstellen könnte, dass sich Eltern einer sechzehnjährigen schneller auf die Suche nach ihrer Tochter machen würden.. Aber da hier ja mehr das magisch-mysthische im Vordergrund steht, fand ich das noch vertretbar. Auf jeden Fall ist Clara sehr selbstständig und lässt sich nicht so leicht beeinflussen und beeindrucken. Doch gerade die Begegnung mit Keren und Beliar lässt auch die toughe Clara ein wenig zurückschrecken. Die Zwillinge blieben, meiner Meinung nach durchaus auch von der Autorin so gewollt, eher unnahbar und geheimnisvoll. Das Clara sich dann Hals über Kopf in Beliar verliebt, war für mich nicht ganz so schlüssig, vor allem, da sie ja doch zu Beginn eher jemand ist, der Dinge hinterfragt.
So nach und nach erfährt der Leser dann aber mehr über die beiden Jungen und deren einsames Leben im Wald und was es damit wirklich auf sich hat. Die Geschichte der beiden konnte mich durchaus berühren.
Ansonsten bleiben die Charaktere sehr überschaubar, es gibt nur Clara, die Zwillinge, zu Beginn einen kurzen Blick auf Claras Freunde und die Angestellten der Zwillinge. Damit blieben die Nebencharaktere auch definitiv nebensächlich.
Mein Fazit
Ein im großen und ganzen spannendes und vor allem atmosphärisches Jugendbuch, das mich trotz kleinerer Kritiken gut unterhalten konnte. Gerade das Herrenhaus im Wald wurde gut vorstellbar und brachte schon bei der Vorstellung daran, hier leben zu müssen, eine leichte Gänsehaut. Die Charaktere sind überschaubar und vor allem die Zwillinge blieben lange geheimnisvoll. Gerade für die jugendliche Zielgruppe ein spannendes Jugendbuch mit einem Hauch von Fantasy.

Veröffentlicht am 15.07.2019

Was für eine Rache!

Resistent
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Hiroshima, 1945, der kleine Tsan Yohoto, gerade einmal fünf Jahre alt, ist mit seiner Mutter und seinen Geschwistern auf einem Spielplatz, als die Atombombe explodiert. Seine Geschwister sterben qualvoll, ...

Hiroshima, 1945, der kleine Tsan Yohoto, gerade einmal fünf Jahre alt, ist mit seiner Mutter und seinen Geschwistern auf einem Spielplatz, als die Atombombe explodiert. Seine Geschwister sterben qualvoll, doch seine Mutter und er überleben. Heute ist Tsan Yohoto einer der wichtigsten Unternehmer Japans, der sich voll und ganz der Pharmaindustrie gewidmet hat. Bis heute konnte er den Anblick seiner Geschwister nicht vergessen und seine Gedanken sind besessen von dem Gedanken nach Rache. Sein Plan: die Bevölkerung New Yorks resistent auf ein Antibiotikum zu machen und diese dann einem E-Coli Bakterium auszusetzen. Fast gelingt es, diesen Plan in die Tat umzusetzen, doch da wäre noch Detective John Wyse, der Yohoto auf der Spur ist.
Meine Meinung
Bei diesem Buch war es der sehr spannende Klappentext, der mich unheimlich neugierig auf diesen Thriller machte. Schon der Einstieg gelang mir dann auch mühelos und schnell war ich an die Seiten gefesselt. Paul McNeive schreibt gut verständlich und sehr flüssig. Dabei werden die Bilder, die er beim Erzählen liefert, schnell klar und deutlich und gerade bei der Beschreibung des Geschehens von 1945 in Hiroshima hatte ich eine Gänsehaut. Das Grauen, auch wenn es nicht allzu intensiv geschildert wurde, wurde trotzdem lebendig und vorstellbar und auch wenn es mich selbst erschreckte, konnte ich auf eine gewisse Art den Japanern Yohoto verstehen.
Paul Mc Neive wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, springt vor allem in der Gegenwart immer Mal wieder monateweise hin und her, so dass man nach und nach mehr Übersicht über das Geschehen erhält. Zwar verlangte dieser Part doch eine gewisse Aufmerksamkeit beim Lesen, doch es war so spannend erzählt, dass man einfach wissen wollte, wie alles miteinander zusammenhängt. Gerade auch aktuelle Themen verknüpft der Autor hier ganz geschickt mit der Handlung, vor allem, wenn es darum geht, den perfiden Plan des Japaners umzusetzen. Die Gedanken dahinter, das Thema Medien und Werbung und deren Einfluss auf uns, sind hier sehr erschreckend, aber auch logisch und nachvollziehbar dargestellt.
Doch nicht nur die Zeitsprünge verlangen eine gewisse Aufmerksamkeit, sondern auch die Perspektivenwechsel. Was auf den ersten Blick noch ein wenig unübersichtlich wirkt, wird dann doch so gut vermittelt, dass man schnell mit den unterschiedlichen Charakteren zurecht kam. Dabei sind die Charaktere zwar zahlreich, aber auch voller Facetten. Im Vordergrund steht zum einen Detective John Wyse, zum anderen Pharmamagnat Tsan Yohoto. John Wyse wurde mir schnell sympathisch und er ist eine gut ausgearbeitete und durchdachte Figur. Doch vor allem auch Tsan Yohoto sind klar und deutlich ausgearbeitet. Ich hatte absolutes Mitgefühl für diesen Mann, was mich teilweise wirklich erschreckte, denn seine Taten sind nicht zu rechtfertigen. Doch trotzdem konnte ich seine Gedanken nachvollziehen. Das Bild, das sich als Kind in seinem Kopf festgesetzt hat, ist einfach nur zu grausam. Schlimm, dass das Geschehen von 1945 real war. Mich konnte dieser Part berühren, aber auch erschrecken und ich fand genau das wirklich hervorragend umgesetzt.
Neben diesen beiden Charakteren gibt es zahlreiche Nebenfiguren, die hier ein Bild der Bevölkerung klar und deutlich wiedergeben. Manche wirkten recht stereotyp, doch es passte hier auch einfach mit ins Gesamtbild.
Mein Fazit
Ein spannender, fesselnder Thriller, der mir gute Unterhaltung bot und mich teilweise nachdenklich, teilweise auch ein wenig schockiert zurücklässt. Schockiert in dem Sinne, dass ich Verständnis für den Racheplan des Japaners aufbringen konnte und das wiederum macht dieses Buch auch wieder besonders. Ist Tsan Yohoto nur der “Böse”? Ja, das Buch ließ mich darüber nachdenken, über die Handlungen der Menschen und deren Folgen und das es halt nie nur schwarz oder weiß, sondern auch ganz viele Grauzonen gibt. Gelungener Thriller, der leider ein wenig untergeht in der Vielzahl an Neuerscheinungen, der aber sehr lesenswert ist.