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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.05.2026

durchdacht, inofrmativ und empathisch

Mein Kind ist autistisch
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Ein äußerst hilfreicher Ratgeber, der durchdacht aufgebaut ist und eine wichtige erste Orientierung für Eltern autistischer Kinder bietet. Das Buch startet mit der Definition einer Autismus-Spektrums-Störung ...

Ein äußerst hilfreicher Ratgeber, der durchdacht aufgebaut ist und eine wichtige erste Orientierung für Eltern autistischer Kinder bietet. Das Buch startet mit der Definition einer Autismus-Spektrums-Störung und geht hierbei auch auf die früher verwendeten Begrifflichkeiten ein. Die Autorin klärt zudem mit fünf Mythen auf, mit denen Eltern autistischer Kinder auch heute noch immer wieder konfrontiert werden.
Im nächsten Kapitel erläutert Britta Zytariuk die staatlichen Hilfemaßnahmen, die ggf. infrage kommen, darunter Pflegegrade, Schwerbehindertenausweis, Therapien, Fördermaßnahmen und Nachteilsausgleiche. Ergänzt wird das durch Checklisten, die im Bürokratiedschungel sehr hilfreich sein können. Auch das Kapitel rund um Selbstfürsorge, Auszeiten und Entspannungsmethoden für Eltern fand ich sehr gelungen und extrem wichtig, da der Alltag mit einem autistischen Kind sehr aufreibend sein kann und die Gefahr besteht, sich selbst und als Paar aus den Augen zu verlieren. Der folgende Abschnitt stellt die spezifischen Bedürfnisse des Kindes in den Fokus und bietet neben wichtigen Informationen wieder diverse Checklisten. Gerade aus diesem Kapitel habe ich für unsere Situation die meisten Impulse mitgenommen, die mir helfen, mein Kind besser zu verstehen und schwierige Situationen zu Hause oder in der Schule besser lösen zu können.
Besonders gut gefällt mir der empathische, verständnisvolle Grundton im Buch. Man spürt sofort, dass hier eine selbst betroffene Mutter schreibt, der es ein echtes Anliegen ist, Familien mit autistischen Kindern Unterstützung zu bieten und an ihren eigenen Erfahrungen teilhaben zu lassen, ohne belehrend zu wirken. Die sehr angenehme Du-Form macht den Ratgeber zu einer Lektüre, die man gerne zur Hand nimmt.
Auch wenn sich das Buch in erster Linie an Eltern richtet, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass auch Lehrer:innen und Erzieher:innen in ihrem Berufsalltag davon profitieren können. Als Eltern werden wir den Ratgeber noch häufiger zur Hand nehmen, und ihn auch an die Großeltern weitergeben.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Klassischer Agentenroman mit Retro-Charme

Berliner Spiel
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Mit „Berliner Spiel“ von Len Deighton erscheint der erste Band um den britischen Agenten Bernard Samson wieder auf Deutsch (früherer Titel: „Brahms Vier). Dieser ist der Auftakt zu einer dreifachen Trilogie, ...

Mit „Berliner Spiel“ von Len Deighton erscheint der erste Band um den britischen Agenten Bernard Samson wieder auf Deutsch (früherer Titel: „Brahms Vier). Dieser ist der Auftakt zu einer dreifachen Trilogie, der im Kampa-Verlag durch die Neuauflage von „Mexico Poker“ und „London Match“ fortgesetzt wird (Game/Poker/Match-Trilogie).

Der Fall spielt in den frühen Achtzigerjahren und führt Bernard zurück nach Ostberlin, wo er als Sohn als Agenten aufgewachsen ist. Einer der wichtigsten Informanten will aussteigen, und es ist an Bernard, ihn zum Weitermachen zu bewegen oder in den Westen zu evakuieren. Gleichzeitig rumort es im britischen Auslandsgeheimdienst, denn es verdichten sich die Anzeichen, dass es einen Doppelagenten gibt, der Zugang zu höchsten Kreisen besitzt.
Es dauert ein bisschen, bis der Fall Fahrt aufnimmt, und so richtig spannend wurde es für mich erst im letzten Drittel. Bei einem Einzelband würde mich das stören, da „Berliner Spiel“ aber den Beginn einer neunbändigen Reihe bildet und viele Charaktere eingeführt werden, ist es nachvollziehbar.

Mich hat besonders überrascht, wie vertraut Len Deighton mit Berlin ist; seine Ortskenntnisse sind bemerkenswert, und auch die Berliner beschreibt er sehr treffend.

„Berliner Spiel“ ist ein klassischer Agententhriller mit viel Retro-Charme, der mit ausgefeilten Details statt Action punktet. Fans von John Le Carré und Co. dürften hier voll auf ihre Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wieder ein Highlight!

Mit einem Fuß im Paradies
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Vor zwei Jahren war „Der Friedhofswärter“ von Ron Rash eines meiner Highlights, und so war ich sehr gespannt auf „Mit einem Fuß im Paradies“. Auch wenn es erst jetzt auf Deutsch erscheint, handelt es sich ...

Vor zwei Jahren war „Der Friedhofswärter“ von Ron Rash eines meiner Highlights, und so war ich sehr gespannt auf „Mit einem Fuß im Paradies“. Auch wenn es erst jetzt auf Deutsch erscheint, handelt es sich hierbei um das Debüt des Autors aus dem Jahr 2002. Es spielt ebenfalls Anfang der 50er Jahre vor dem Hintergrund des Korea-Krieges in den Südstaaten, diesmal in South Carolina.

Holland Winchester, ein junger Heißsporn, Korea-Veteran und ortsbekannter Raufbold, wird vermisst. Seine Mutter ist fest davon überzeugt, dass er ermordet wurde, und Sheriff Will Alexander glaubt ihr. Er ahnt auch, von wem und warum, doch kann es nicht beweisen. Trotz großangelegter Suchaktionen in der erbarmungslosen Sommerhitze bleibt Holland verschwunden.

Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Krimi klingt, „Mit einem Fuß im Paradies“ ist keiner. Ron Rash erzählt den Fortgang der Handlung aus insgesamt fünf Perspektiven und spielt hierbei seine große Stärke aus: Mit klarer, bildhafter Sprache erweckt er nicht nur die einzelnen Charaktere zum Leben, sondern zeichnet ein detailliertes, atmosphärisches Bild der Landschaft und der Bewohner im Tal, ihrem Glauben und Aberglauben und den gesellschaftlichen Mechanismen, denen keiner entfliehen kann. Beim Lesen hatte ich alles so klar vor Augen, als wäre ich vor Ort: Die sengende Sommerhitze, das harte und arbeitsreiche Leben auf der Farm, und die Menschen, die seit Generationen dort verwurzelt sind. Die Eltern werden noch mit Madam und Sir angesprochen, im Dorf wird getuschelt und getratscht, man erzählt sich Schauermärchen über Hexen und Teufel. Eine Generation gefühlt zwischen Mittelalter und Moderne, kurz vor dem Untergang der alten Zeit, eine Zäsur, die durch die bevorstehende Flutung des Tals für einen geplanten Stausee auch landschaftlich sichtbar wird.

Ron Rash entwirft komplexe Charaktere, die gefangen sind in Tradition, Rollenbild und Glauben, moralisch hin- und hergerissen, die das Richtige tun wollen und dennoch straucheln.

Ich konnte „Mit einem Fuß im Paradies“ nicht aus der Hand legen und habe es in einem Rutsch gelesen. Es hat mich ebenso begeistert wie „Der Friedhofswärter“ und ich hoffe sehr, dass weitere Werke von Ron Rash bald ins Deutsche übersetzt werden. Von mir eine große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.04.2026

leider sehr platt

Mirabellentage
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Ich habe „Mühlensommer“ von Martina Bogdahn sehr gemocht und war deshalb gespannt auf „Mirabellentage“. Der Roman spielt im Jahr 2010, und im Mittelpunkt steht Anna, Anfang 50 und langjährige Haushälterin ...

Ich habe „Mühlensommer“ von Martina Bogdahn sehr gemocht und war deshalb gespannt auf „Mirabellentage“. Der Roman spielt im Jahr 2010, und im Mittelpunkt steht Anna, Anfang 50 und langjährige Haushälterin des Dorfpfarrers Josef in Bayern. Als dieser plötzlich stirbt, ändert sich auch Annas Leben: Sie muss nicht nur den neuen jungen Pfarrer Fridtjof aus Friesland bei seinem Einstand unterstützen, sondern auch noch einen speziellen Wunsch Josefs erfüllen. Auch für Anna bedeuten die Veränderungen einen Neuanfang, und sie muss sich der Frage stellen, wie es für sie selbst weitergehen wird.

Das Setting ist recht beschaulich, und so entwickelt sich auch die Geschichte. Leider sprang der Funke bei mir nicht über, und Annas betuliche Art wirkte auf mich wie aus längst vergangener Zeit. Der Humor ist arg plump und übertrieben und hat nichts von dem sommerlich-leichten Charme aus „Mühlensommer“. „Mirabellentage“ setzt auf viel Nostalgie, beschwört die Erinnerung an alte Marken wie Schiesser, den Quelle-Katalog oder den „Strich-Achter“, der als Bezeichnung für eine bestimmte Mercedes-Baureihe nur Oldtimer-Fans und der älteren Generation ein Begriff sein dürfte. Die Handlung plätschert so vor sich hin, und als es verspricht interessant zu werden, endet das Buch recht abrupt. Ich konnte keine Beziehung zu den Figuren aufbauen und blieb zum Schluss enttäuscht zurück. Vielleicht können Leser:innen, die selbst in den 1950er Jahren geboren sind, dem Roman mehr abgewinnen.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Highlight!

Meine Berge bist du
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Der Ich-Erzähler und Schriftsteller Francesco lernt in seinem Heimatdorf Guido Contin kennen, einen alleinstehenden alten Mann, dessen Art und einfache, aber lebenserfahrende Weisheiten ihn faszinieren. ...

Der Ich-Erzähler und Schriftsteller Francesco lernt in seinem Heimatdorf Guido Contin kennen, einen alleinstehenden alten Mann, dessen Art und einfache, aber lebenserfahrende Weisheiten ihn faszinieren. Aufgrund eines Fotos, das Francesco in einer Felsspalte gefunden hat, lädt Guido ihn zu sich nach Hause ein und zeigt ihm eine Mappe mit Briefen eines gewissen Onesto, die dieser an die Berge in den Dolomiten gerichtet hat. Anhand dieser Briefe taucht Francesco tief in das Leben von Onesto, seinem Zwillingsbruder Santo und der schönen Celeste ein.

Onesto und Santo wurden während des Ersten Weltkrieges geboren. Ihr Leben nahm bereits kurz nach der Geburt eine schicksalhafte Wendung, und beide verbindet zeitlebens eine unverbrüchliche, tiefe Zuneigung. Onesto ist tief verwurzelt in seiner Heimat, und die Berge sind ihm so vertraut wie Gefährten. Das Leben kommt und geht, doch die Berge überdauern die Zeit, stehen unerschütterlich als Landmarken und sind für Onesto mit den entscheidenden Momenten seines Lebens untrennbar verbunden.

Eingebettet in die Rahmenhandlung entwickelt sich durch die Briefe Stück für Stück eine berührende Binnenerzählung, die von tiefer Liebe zur Heimat, der Familie und einer Frau erzählt, die allen Widrigkeiten trotzt und von lebenslanger Hingabe und Opferbereitschaft geprägt ist.

Eine wunderbar leise, zarte und dennoch intensive Geschichte, die noch lange im Herzen bleibt.

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