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Veröffentlicht am 07.05.2026

Klassischer Agentenroman mit Retro-Charme

Berliner Spiel
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Mit „Berliner Spiel“ von Len Deighton erscheint der erste Band um den britischen Agenten Bernard Samson wieder auf Deutsch (früherer Titel: „Brahms Vier). Dieser ist der Auftakt zu einer dreifachen Trilogie, ...

Mit „Berliner Spiel“ von Len Deighton erscheint der erste Band um den britischen Agenten Bernard Samson wieder auf Deutsch (früherer Titel: „Brahms Vier). Dieser ist der Auftakt zu einer dreifachen Trilogie, der im Kampa-Verlag durch die Neuauflage von „Mexico Poker“ und „London Match“ fortgesetzt wird (Game/Poker/Match-Trilogie).

Der Fall spielt in den frühen Achtzigerjahren und führt Bernard zurück nach Ostberlin, wo er als Sohn als Agenten aufgewachsen ist. Einer der wichtigsten Informanten will aussteigen, und es ist an Bernard, ihn zum Weitermachen zu bewegen oder in den Westen zu evakuieren. Gleichzeitig rumort es im britischen Auslandsgeheimdienst, denn es verdichten sich die Anzeichen, dass es einen Doppelagenten gibt, der Zugang zu höchsten Kreisen besitzt.
Es dauert ein bisschen, bis der Fall Fahrt aufnimmt, und so richtig spannend wurde es für mich erst im letzten Drittel. Bei einem Einzelband würde mich das stören, da „Berliner Spiel“ aber den Beginn einer neunbändigen Reihe bildet und viele Charaktere eingeführt werden, ist es nachvollziehbar.

Mich hat besonders überrascht, wie vertraut Len Deighton mit Berlin ist; seine Ortskenntnisse sind bemerkenswert, und auch die Berliner beschreibt er sehr treffend.

„Berliner Spiel“ ist ein klassischer Agententhriller mit viel Retro-Charme, der mit ausgefeilten Details statt Action punktet. Fans von John Le Carré und Co. dürften hier voll auf ihre Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wieder ein Highlight!

Mit einem Fuß im Paradies
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Vor zwei Jahren war „Der Friedhofswärter“ von Ron Rash eines meiner Highlights, und so war ich sehr gespannt auf „Mit einem Fuß im Paradies“. Auch wenn es erst jetzt auf Deutsch erscheint, handelt es sich ...

Vor zwei Jahren war „Der Friedhofswärter“ von Ron Rash eines meiner Highlights, und so war ich sehr gespannt auf „Mit einem Fuß im Paradies“. Auch wenn es erst jetzt auf Deutsch erscheint, handelt es sich hierbei um das Debüt des Autors aus dem Jahr 2002. Es spielt ebenfalls Anfang der 50er Jahre vor dem Hintergrund des Korea-Krieges in den Südstaaten, diesmal in South Carolina.

Holland Winchester, ein junger Heißsporn, Korea-Veteran und ortsbekannter Raufbold, wird vermisst. Seine Mutter ist fest davon überzeugt, dass er ermordet wurde, und Sheriff Will Alexander glaubt ihr. Er ahnt auch, von wem und warum, doch kann es nicht beweisen. Trotz großangelegter Suchaktionen in der erbarmungslosen Sommerhitze bleibt Holland verschwunden.

Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Krimi klingt, „Mit einem Fuß im Paradies“ ist keiner. Ron Rash erzählt den Fortgang der Handlung aus insgesamt fünf Perspektiven und spielt hierbei seine große Stärke aus: Mit klarer, bildhafter Sprache erweckt er nicht nur die einzelnen Charaktere zum Leben, sondern zeichnet ein detailliertes, atmosphärisches Bild der Landschaft und der Bewohner im Tal, ihrem Glauben und Aberglauben und den gesellschaftlichen Mechanismen, denen keiner entfliehen kann. Beim Lesen hatte ich alles so klar vor Augen, als wäre ich vor Ort: Die sengende Sommerhitze, das harte und arbeitsreiche Leben auf der Farm, und die Menschen, die seit Generationen dort verwurzelt sind. Die Eltern werden noch mit Madam und Sir angesprochen, im Dorf wird getuschelt und getratscht, man erzählt sich Schauermärchen über Hexen und Teufel. Eine Generation gefühlt zwischen Mittelalter und Moderne, kurz vor dem Untergang der alten Zeit, eine Zäsur, die durch die bevorstehende Flutung des Tals für einen geplanten Stausee auch landschaftlich sichtbar wird.

Ron Rash entwirft komplexe Charaktere, die gefangen sind in Tradition, Rollenbild und Glauben, moralisch hin- und hergerissen, die das Richtige tun wollen und dennoch straucheln.

Ich konnte „Mit einem Fuß im Paradies“ nicht aus der Hand legen und habe es in einem Rutsch gelesen. Es hat mich ebenso begeistert wie „Der Friedhofswärter“ und ich hoffe sehr, dass weitere Werke von Ron Rash bald ins Deutsche übersetzt werden. Von mir eine große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.04.2026

leider sehr platt

Mirabellentage
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Ich habe „Mühlensommer“ von Martina Bogdahn sehr gemocht und war deshalb gespannt auf „Mirabellentage“. Der Roman spielt im Jahr 2010, und im Mittelpunkt steht Anna, Anfang 50 und langjährige Haushälterin ...

Ich habe „Mühlensommer“ von Martina Bogdahn sehr gemocht und war deshalb gespannt auf „Mirabellentage“. Der Roman spielt im Jahr 2010, und im Mittelpunkt steht Anna, Anfang 50 und langjährige Haushälterin des Dorfpfarrers Josef in Bayern. Als dieser plötzlich stirbt, ändert sich auch Annas Leben: Sie muss nicht nur den neuen jungen Pfarrer Fridtjof aus Friesland bei seinem Einstand unterstützen, sondern auch noch einen speziellen Wunsch Josefs erfüllen. Auch für Anna bedeuten die Veränderungen einen Neuanfang, und sie muss sich der Frage stellen, wie es für sie selbst weitergehen wird.

Das Setting ist recht beschaulich, und so entwickelt sich auch die Geschichte. Leider sprang der Funke bei mir nicht über, und Annas betuliche Art wirkte auf mich wie aus längst vergangener Zeit. Der Humor ist arg plump und übertrieben und hat nichts von dem sommerlich-leichten Charme aus „Mühlensommer“. „Mirabellentage“ setzt auf viel Nostalgie, beschwört die Erinnerung an alte Marken wie Schiesser, den Quelle-Katalog oder den „Strich-Achter“, der als Bezeichnung für eine bestimmte Mercedes-Baureihe nur Oldtimer-Fans und der älteren Generation ein Begriff sein dürfte. Die Handlung plätschert so vor sich hin, und als es verspricht interessant zu werden, endet das Buch recht abrupt. Ich konnte keine Beziehung zu den Figuren aufbauen und blieb zum Schluss enttäuscht zurück. Vielleicht können Leser:innen, die selbst in den 1950er Jahren geboren sind, dem Roman mehr abgewinnen.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Highlight!

Meine Berge bist du
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Der Ich-Erzähler und Schriftsteller Francesco lernt in seinem Heimatdorf Guido Contin kennen, einen alleinstehenden alten Mann, dessen Art und einfache, aber lebenserfahrende Weisheiten ihn faszinieren. ...

Der Ich-Erzähler und Schriftsteller Francesco lernt in seinem Heimatdorf Guido Contin kennen, einen alleinstehenden alten Mann, dessen Art und einfache, aber lebenserfahrende Weisheiten ihn faszinieren. Aufgrund eines Fotos, das Francesco in einer Felsspalte gefunden hat, lädt Guido ihn zu sich nach Hause ein und zeigt ihm eine Mappe mit Briefen eines gewissen Onesto, die dieser an die Berge in den Dolomiten gerichtet hat. Anhand dieser Briefe taucht Francesco tief in das Leben von Onesto, seinem Zwillingsbruder Santo und der schönen Celeste ein.

Onesto und Santo wurden während des Ersten Weltkrieges geboren. Ihr Leben nahm bereits kurz nach der Geburt eine schicksalhafte Wendung, und beide verbindet zeitlebens eine unverbrüchliche, tiefe Zuneigung. Onesto ist tief verwurzelt in seiner Heimat, und die Berge sind ihm so vertraut wie Gefährten. Das Leben kommt und geht, doch die Berge überdauern die Zeit, stehen unerschütterlich als Landmarken und sind für Onesto mit den entscheidenden Momenten seines Lebens untrennbar verbunden.

Eingebettet in die Rahmenhandlung entwickelt sich durch die Briefe Stück für Stück eine berührende Binnenerzählung, die von tiefer Liebe zur Heimat, der Familie und einer Frau erzählt, die allen Widrigkeiten trotzt und von lebenslanger Hingabe und Opferbereitschaft geprägt ist.

Eine wunderbar leise, zarte und dennoch intensive Geschichte, die noch lange im Herzen bleibt.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

sehr spezieller Schreibstil, aber spannend bis zum Schluss

Das letzte Buch von Marceau Miller
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„Das letzte Buch von Marceau Miller“ ist in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Thriller. Als Autor wird „Marceau Miller“ angegeben, ein Pseudonym, das suggeriert, dass der Großteil des Buches vom den (fiktiven) ...

„Das letzte Buch von Marceau Miller“ ist in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Thriller. Als Autor wird „Marceau Miller“ angegeben, ein Pseudonym, das suggeriert, dass der Großteil des Buches vom den (fiktiven) Autor geschrieben ist, der im Buch gleich im Prolog tödlich verunglückt. Dies ist so nicht ganz richtig. Zwar spielt sein letztes Manuskript eine wichtige Rolle und ist auch Teil des Buches, nimmt aber vergleichsweise wenig Raum ein. Stimmiger hätte ich es als gefunden, wenn ein anderer Autor auf dem Cover gestanden hätte.

Sarah, Marceaus Ehefrau, setzt alles daran, den Tod ihres Mannes aufzuklären, denn sie ist felsenfest davon überzeugt, dass es sich um keinen Unfall handelt. Der Großteil des Thrillers ist aus ihrer Perspektive erzählt. Sarah ist ein höchst ungewöhnlicher Charakter: Sie neigt zu Impulshandlungen und Wutausbrüchen, ist unausgeglichen, teilweise völlig neben der Spur. Einerseits verständlich angesichts ihrer Situation, andererseits auch ein bisschen zu viel für mich. Vor allem, dass sie ihre beiden Kinder, die immerhin ihren Vater verloren haben, völlig links liegen lässt, passt für mich nicht ins Bild. Ich wurde mit Sarah nicht warm und hatte nicht das Gefühl, es mit einer Figur aus Fleisch und Blut zu tun zu haben, sondern eher mit einer Kunstfigur. Das galt leider für sämtliche Personen in diesem Thriller. Einen großen Anteil daran hat sicher der sehr poetische, öfters ins Kitschige abdriftende Schreibstil, der mir eine Spur zu „drüber“ war. Die Verklärung von nahezu symbiotischen Freundschaften wirkte auch mich wenig glaubhaft, und auch die Geheimnisse, die Marceaus Leben und das seiner Clique umgaben, waren mir zu viel und letztlich nicht glaubwürdig. Hinzu kommen kleinere logische Fehler (so liegt zwischen den 22. April und dem 16. Mai nicht nur eine Woche, wie mehrfach behauptet).

Ungeachtet dessen ist der Thriller bis zum Schluss temporeich, voller überraschender Wendungen und spannend, so dass ich mich dennoch gut unterhalten gefühlt habe.

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