Profilbild von SimoneF

SimoneF

Lesejury Star
offline

SimoneF ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SimoneF über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2025

Konnte mich leider nicht überzeugen

Die Passantin
0

Die französische Schauspielerin Jeanne Patou befindet sich gerade in Barcelona, als sie aus dem Fernsehen erfährt, dass das Flugzeug abgestürzt ist, in dem sie eigentlich hätte sitzen sollen. Aus einem ...

Die französische Schauspielerin Jeanne Patou befindet sich gerade in Barcelona, als sie aus dem Fernsehen erfährt, dass das Flugzeug abgestürzt ist, in dem sie eigentlich hätte sitzen sollen. Aus einem inneren Impuls heraus hatte sie den Flieger in letzter Minute doch nicht bestiegen, doch das weiß niemand außer ihr, und so geht ihr Tod durch die Nachrichten. Für Jeanne bietet sich die einmalige Gelegenheit, alles hinter sich zu lassen und ein ganz neues Leben zu beginnen. Doch ist das überhaupt möglich, noch einmal völlig neu anzufangen?
Sie taucht in einem Haus unter, in dem nur Frauen leben, die alle Gewalt durch Männer erfahren haben und sich gegenseitig unterstützen. Viereinhalb Jahre später läuft Jeanne auf der La Rambla zufällig ihrem Mann über dem Weg…
Nina George hat ein zutiefst feministisches, wütendes Buch geschrieben, das sich mit den Folgen der patriarchalen Strukturen in der Gesellschaft auseinandersetzt: Mit der psychischen und physischen Gewalt, der Frauen ausgesetzt sind, den strukturellen Benachteiligungen, aber auch dem typisch männlichen Blick durch Kameras: reduziert auf ihren Körper und ihre Sexualität.
Dem stellt sie den Zusammenhalt der Frauen, die gemeinsam in einem Haus wohnen, gegenüber. Diese unterstützen sich gegenseitig, passen aufeinander auf, geben sich Halt.
Trotz des wichtigen Themas konnte mich der Roman allerdings nicht gänzlich für sich einnehmen. Generell stört es mich, wenn vor feministischem Hintergrund das Genus verändert wird: So ist zB immer von „der Mondin“ anstatt von „dem Mond“ die Rede, was bei mir ein Augenrollen hervorruft. Das Schicksal der Mitbewohnerinnen von Jeanne hat mich zudem mehr berührt als das der eigentlichen Hauptfigur, bei der ich mich des Gedankens nicht erwehren konnte, dass sie in der Beziehungskonstellation mit ihrem Mann an ihrer Situation nicht ganz unschuldig ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Frauen, die aus privaten, wirtschaftlichen, rechtlichen oder gesellschaftlichen Gründen ihrem Ehemann nicht entkommen können, hätte Jeanne alle Möglichkeiten dazu gehabt. Der Macht ihres Mannes gab Jeanne durch ihre Passivität erst recht Raum. Mir fiel es daher schwer, wirklich Mitgefühl mit Jeanne zu entwickeln.
Der Schluss wirkt angesichts des ausführlichen Erzählstils davor etwas überhastet und unglaubwürdig. Insgesamt bleibe ich mit gemischten Gefühlen zurück.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.08.2025

ein starkes Debüt!

Wohin du auch gehst
0

Bijoux ist zwölf Jahre alt, als sie 1993 zu Beginn des Studentenaufstandes aus Kinshasa zu ihrer Tante Mira nach London geschickt wird. Mira ist schweigsam, unnahbar, und auch zwölf Jahre später haben ...

Bijoux ist zwölf Jahre alt, als sie 1993 zu Beginn des Studentenaufstandes aus Kinshasa zu ihrer Tante Mira nach London geschickt wird. Mira ist schweigsam, unnahbar, und auch zwölf Jahre später haben die beiden noch keinen Draht zueinander gefunden. Als sich Bijoux in eine Frau verliebt, muss sie ihre Liebe geheim halten, denn Homosexualität gilt in der evangelikalen Kirchengemeinde, die den Mittelpunkt des Lebens der strengreligiösen Tante bildet, als „unafrikanisch“ und widernatürlich.

Christina Fonthes erzählt abwechselnd und auf verschiedenen Zeitebenen aus der Perspektive von Mira und Bijoux. Bijoux‘ Kapitel zeigen eindrücklich ihre Zerrissenheit zwischen Familie und Tradition einerseits und ihrem Wunsch, als lesbische Frau frei und selbstbestimmt leben zu können. Miras Geschichte, die im Jahr 1974 beginnt, offenbart Schritt für Schritt, wie aus dem einst fröhlichen und ausgelassenen Mädchen eine vermeintlich unerbittliche, strenge und gefühlskalte Frau wurde.

Ich liebe Romane mit Zeitsprüngen und Perspektivwechseln, und erzählerisch hat mir „Wohin Du gehst“ sehr gut gefallen. Bijoux und Mira sind glaubwürdige und vielschichtige Charaktere, in die ich mich gut hineinversetzen konnte und deren Handeln aus dem Kontext heraus für mich nachvollziehbar war, obwohl ich einen völlig anderen kulturellen Hintergrund habe.

Inhaltlich waren einige Entwicklungen für mich jedoch vorhersehbar, und der Schluss war mir ein bisschen zu dick aufgetragen. Sprachlich hat mich „Wohin Du gehst“ nicht ganz überzeugt, da sich einige Satzmuster recht oft wiederholten. So wird ein bestimmtes Parfum ganze siebenmal als „Mischung aus Vetiver, Lavendel und Moschus“ beschrieben, die honigfarbenen Augen zwei Personen werden neunmal hervorgehoben, Bijoux`“Zerfallen“ beim Liebesspiel achtmal. Auch die häufige Beschreibung diverser Kleidungsstücke, Frisuren und Gerüche hätte ich nicht gebraucht. Zum Ende hat sich noch ein kleiner Fehler eingeschlichen, da ein bestimmter medizinischer Test im Jahr 1982 erwähnt wird, der erst 1984 entwickelt wurde.

Fazit: Abgesehen von kleineren Kritikpunkten ein sehr lesenswertes Debüt!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.08.2025

Wenn aus Liebe Hass wird

Die Rosenschlacht
7

Jonathan und Barbara Rose sind eine echte Vorzeigefamilie: Sie leben in einem großen Haus, das mit sorgfältig ausgewählten Antiquitäten eingerichtet ist, haben zwei liebenswerte Kinder und führen eine ...

Jonathan und Barbara Rose sind eine echte Vorzeigefamilie: Sie leben in einem großen Haus, das mit sorgfältig ausgewählten Antiquitäten eingerichtet ist, haben zwei liebenswerte Kinder und führen eine Bilderbuchehe. Geld ist im Überfluss vorhanden, Jonathan ist ein erfolgreicher Anwalt und Barbara gerade dabei, sich einen exklusiven Catering-Service aufzubauen. Beide zelebrieren ihr Glück auch nach außen. Als Jonathan eines Tages mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Klinik kommt, eilt Barbara jedoch nicht zu ihm, sondern eröffnet ihm nach seiner Entlassung, dass sie die Scheidung will. Und das Haus. Doch Jonathan ist nicht bereit, das Haus aufzugeben, koste es, was es wolle. Und so beginnt ein nervenaufreibender Krieg, in dem mit immer härteren Bandagen gekämpft wird…

Das Buch „The War of the Roses“ von Warren Adler ist erstmals 1981 erschienen und wurde als „Der Rosenkrieg“ mit Michael Douglas, Kathleen Turner und Danny de Vito verfilmt. Der Film besitzt inzwischen Kultstatus. Anlässlich der Neuverfilmung mit Olivia Colman und Benedict Cumberbatch erscheint mit „Die Rosenschlacht“ eine Neuauflage des Romans.

Von Anfang hat mich die Handlung in ihren Bann gezogen und einen regelrechten Sog entwickelt, so dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Jonathan und Barbara überbieten sich mit bösartigen Einfällen gegenüber dem jeweils anderen. Es zählt nicht mehr, selbst eine bestimmte Sache zu bekommen, sondern nur noch, dass der andere sie nicht erhält. Die Anwälte der beiden beobachten das Treiben aus der Distanz, untätig-amüsiert. Solange die Rechnungen bezahlt werden, ist ihnen das alles ziemlich gleichgültig.

Warren Adler schreibt herrlich überspitzt – sowohl, was den immer aberwitzigeren Krieg der Eheleute angeht, als auch in Bezug auf die beiden Anwälte. Während des Lesens ertappte ich mich dabei, dass ich eher auf Jonathans Seite war. Hier spürt man ein bisschen, dass das Buch von einem männlichen Autor verfasst wurde und ein Kind seiner Zeit ist. Heute würde die Schuldfrage wohl etwas differenzierter betrachtet werden, während bei Adler anklingt, dass Barbara aufgrund einer fixen Idee alles aufgibt, um sich selbst zu verwirklichen. Sie wirkt egoistisch, undankbar und streckenweise auch etwas naiv, was ihr Geschäft anbelangt.

Abgesehen davon hat mir der Roman sehr gut gefallen, und gerade die Zuspitzungen machen den besonderen Reiz aus. Auch wenn diese auf den ersten Blick überzogen wirken, treffen sie doch den Kern vieler oft jahrzehntelanger Streitigkeiten, ob unter Geschwistern, Eheleuten oder Nachbarn. Man kämpft verbittert gegeneinander, weiß oft schon gar mehr, was der ursprüngliche Grund war, und sinnt nur noch darüber nach, dem anderen das Leben schwer zu machen. Und die einzigen, die davon profitieren, sind höchstens die Anwälte. Insofern hält „Die Rosenschlacht“ auch der Gesellschaft den Spiegel vor und regt zu Nachdenken darüber an, wie wir miteinander umgehen und welchen Preis wir letztendlich dafür bezahlen.

Eine ganz klare Leseempfehlung und volle 5 Sterne!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 08.08.2025

Die Drei ??? als ältere Herren

Die Auferstehung
0

In meiner Jugend habe ich die Folgen der Drei ??? rauf und runter gehört, und so war die Aussicht auf eine Erwachsenenversion der drei Detektive sehr verlockend.

Justus, Peter und Bob sind mittlerweile ...

In meiner Jugend habe ich die Folgen der Drei ??? rauf und runter gehört, und so war die Aussicht auf eine Erwachsenenversion der drei Detektive sehr verlockend.

Justus, Peter und Bob sind mittlerweile in ihren 50ern und haben sich, auch aufgrund eines tragischen Vorfalls, aus den Augen verloren. Eines Tages taucht plötzlich eine Frau wieder auf, die vor sieben Jahren im brasilianischen Dschungel bei einem Unwetter verschollen ist und für tot erklärt wurde. Da es sich hierbei um Tracy Hitfield, die Enkelin des legendären Albert Hitfield, handelt, dauert es nicht lange, bis jeder der drei auf die eine oder andere Weise mit dem aufsehenerregenden Ereignis zu tun bekommt, denn es gibt jemanden, der Zweifel daran hat, dass die Vermisste tatsächliche diejenige ist, für die sie sich ausgibt…

Der Werdegang von Justus, Peter und Bob in den letzten 30 Jahren ist glaubwürdig dargestellt, und auch, dass sich ihre Wege getrennt hatten, war für mich nachvollziehbar. Dass Freundschaften zerbrechen oder einschlafen, passiert oft genug. Die Erzählweise erinnert sehr an die Originalwerke, was vermutlich beabsichtigt ist, mich aber doch etwas gestört hat. Bei einem Roman für Erwachsene hatte ich einen etwas anspruchsvolleren Stil erwartet. Auch der Handlungsverlauf erinnert mich eher an ein Jugendbuch, da die Geschichte und die Charaktere sehr oberflächlich bleiben, die Wendungen vorhersehbar sind und insgesamt viel zu viele Zufälle eintreten, um plausibel zu sein. Echte Spannung kam beim Lesen leider nicht auf. In manchen Situationen fühlte ich mich auch ein bisschen an „Die Drei ??? und das leere Grab“ erinnert.

Arg breitgetreten wurden die Anfälle von Nostalgie und die Vergleiche zwischen der Technik von damals und heute, wenn sich die drei immer wieder wundern, was heute im Gegensatz zu früher alles möglich ist. Da hatte ich eher den Eindruck, diese wären Mitte 70 und nicht Mitte 50. Kurios klingt in einem Dialog auch der Satz „Das ist ein riesiges Gebiet, größer als Österreich“ angesichts eines amerikanischen Settings. Ich bezweifle, dass in den USA irgendjemand Österreich als Vergleichsmaßstab heranziehen würde. Er würde wohl eher South Carolina wählen.

So charmant ich die Idee finde, die Geschichte der Drei ??? als Erwachsene weiterzuführen, die Umsetzung in „Die Auferstehung“ konnte mich leider nicht überzeugen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.08.2025

Kompakt und informativ

Die Altersformel
0

In „Die Altersformel“ erläutert Prof. Martin Middeke kompakt und allgemeinverständlich die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zeigt auf, wie wir durch unsere Lebensweise aktiv ...

In „Die Altersformel“ erläutert Prof. Martin Middeke kompakt und allgemeinverständlich die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zeigt auf, wie wir durch unsere Lebensweise aktiv unsere Durchblutung beeinflussen können. Bücher zu dieser Thematik gibt es einige, aber hier gefällt mir besonders gut, dass Prof. Middeke kurz und präzise auf den Punkt kommt und fundiert die für Laien wesentlichen Informationen vermittelt. Sehr positiv finde ich, dass der Autor hierbei auch immer wieder auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen eingeht. Einziger Kritikpunkt ist die etwas altbacken wirkende optische Aufmachung von Textsatz und Diagrammen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil