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Veröffentlicht am 14.05.2024

Konnte mich nicht erreichen

Welches Königreich
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„Welches Königreich“ handelt von fünf jungen Erwachsenen, die in einer Übergangs-Wohngruppe für psychisch Kranke in Dänemark leben. Das Buch ist aus der Perspektive einer namenlosen weiblichen Ich-Erzählerin ...

„Welches Königreich“ handelt von fünf jungen Erwachsenen, die in einer Übergangs-Wohngruppe für psychisch Kranke in Dänemark leben. Das Buch ist aus der Perspektive einer namenlosen weiblichen Ich-Erzählerin geschrieben, die als Borderlinerin Teil dieser Gruppe ist. Es handelt sich um keine in sich geschlossene fortlaufende Erzählung, sondern vielmehr um eine Aneinanderreihung einzelner Episoden, die das Zusammenleben innerhalb der Gruppe, die Ausprägungen der Krankheiten beschreiben und wie zufällige Momentaufnahmen wirken. Auch die Nebenwirkungen der Vielzahl an verordneten Medikamenten und die bürokratischen Entscheidungen innerhalb des Gesundheitssystems werden sichtbar und teilweise kritisiert. Die Ich-Erzählerin gewährt dem Leser Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt und lässt ihn an ihren Ängsten und Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben teilhaben. Allerdings habe ich mich immer wieder gefragt, wie der elaborierte und reflektierte Schreibstil mit einer unter stark dämpfenden Medikamenten stehenden Ich-Erzählerin in Einklang zu bringen ist. Das wirkte auf mich nicht authentisch. Die aneinandergereihten zusammenhanglosen Episoden verhinderten zudem einen gewissen Erzählfluss und bewirkten, dass ich zu der Geschichte und den Jugendlichen stark auf Distanz blieb. Hinzu kommt, dass ich den Schluss nicht logisch einordnen konnte – er ist vermutlich eher im übertragenen Sinne zu verstehen. Insgesamt hatte ich andere Erwartungen an das Buch und es konnte mich insgesamt leider nicht erreichen.

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Veröffentlicht am 07.05.2024

Highlands meet Waterkant – ein hochprozentiger Krimigenuss!

Alle Schotten dicht
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„Alle Schotten dicht“ ist bereits der fünfte Fall für die Hobbydetektivin Rosa Fink und ihren Mann Sebi. Die beiden sind in Dangast inzwischen schon richtig heimisch geworden und führen mit viel Liebe ...

„Alle Schotten dicht“ ist bereits der fünfte Fall für die Hobbydetektivin Rosa Fink und ihren Mann Sebi. Die beiden sind in Dangast inzwischen schon richtig heimisch geworden und führen mit viel Liebe ihre kleine, aber feine Pension „Zum Jadebusen“. Hier steht Ihnen ein echtes Highlight ins Haus, denn der renommierte Whisky-Fachmann Colin Stewart hat für einen dreitägigen Workshop zugesagt – Tastings inklusive. Die Pension ist ausgebucht und auch externe Teilnehmer haben sich angekündigt. Die feucht-fröhliche Veranstaltung findet jedoch ein jähes Ende, als Colin am dritten Tag mangels Vitalfunktionen nicht zum Frühstück erscheint…

Die Ermittlungen leitet der neue Kommissar Alf Jürgens, doch selbstverständlich lässt sich Rosa nicht davon abhalten, selbst Nachforschungen anzustellen und dabei ihre bewährte Mischung aus untrüglichem Bauchgefühl und Kombinationsgabe einzusetzen, wie immer zum Leidwesen Sebis, der sich – nicht ganz unberechtigt – um Rosas Wohlergehen sorgt.

Als begeisterte Leserin der Rosa-Fink-Reihe habe ich mich sehr über ein Wiedersehen mit der früheren Pensionswirtin Wiebke gefreut, die nicht nur kräftig mit anpackt, sondern ihr neugieriges Näschen selbstredend mit in den Fall steckt. Die liebenswert-schrulligen Charaktere machen für mich den besonderen Reiz dieser Reihe aus, und jeder neue Fall fühlt sich an, als würde man alte Bekannte treffen. Besonders Rosas stellvertretende Pensionsmanagerin Agnes bringt mich mit ihrer unkonventionellen Art immer wieder zum Lachen (und im wahren Leben vermutlich zum Verzweifeln). Überhaupt kommt auch in diesem Band der wunderbare unterschwellige Humor nicht zu kurz.

Bei der Lösung des Falles tappte ich bis kurz vor Schluss im Dunkeln, und ich habe mit großem Vergnügen mitgerätselt.
Als ganz besonderes Schmankerl verbirgt sich im Anhang sogar noch ein kulinarischer Leckerbissen: Nachdem mir im Roman bei der Beschreibung von Sebis Karamell-Espresso-Muffins mit Whisky schon das Wasser im Munde zusammenlief, war die Freude umso größer, am Ende des Buches das raffinierte Rezept vorzufinden. Das wird definitiv demnächst ausprobiert!

Fazit: Ein rundum gelungener hochprozentiger Krimigenuss für Cozy-Crime-Fans – und ich freue mich jetzt schon auf Band 6!

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Veröffentlicht am 03.05.2024

Berührendes Debut

Wünschen
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Obiefuna lebt Anfang der 2000er Jahre als Jugendlicher zusammen mit seinen Eltern, seinem Bruder Ekene und Aboy, dem Lehrling des Vaters, Im Süden Nigerias. Er merkt früh, dass er anders ist als die meisten ...


Obiefuna lebt Anfang der 2000er Jahre als Jugendlicher zusammen mit seinen Eltern, seinem Bruder Ekene und Aboy, dem Lehrling des Vaters, Im Süden Nigerias. Er merkt früh, dass er anders ist als die meisten Jungs seiner Umgebung. Er tanzt besser als er Fußball spielt, und er fühlt sich sehr zu Aboy hingezogen. Als sein Vater ihn eines Tages in einer intimen Situation mit Aboy erwischt, schickt er ihn fort auf ein christliches Internat.
Obiefunas Ängste, seine Verzweiflung und seine Einsamkeit sind eindrücklich beschrieben. Er schwankt zwischen Scham und Sehnsucht, und die Unmöglichkeit, sich jemandem anzuvertrauen, lastet schwer auf ihm.
Im Gegensatz zu seinen Mitschülern, die erste Verliebtheiten in die Mädchen der Nachbarschule unbekümmert genießen können, ist Obiefuna gezwungen, ein Doppelleben zu führen.
In Nigeria ist Homosexualität strafbar, wobei die Gesetze 2013 noch einmal gravierend verschärft wurden. Deren Auswirkungen auf queere Personen werden in diesem Buch deutlich.
Chukwuebuka Ibehs Schreibstil ist eindringlich und flüssig, und es gelingt ihm, Obiefunas Gefühls- und Gedankenwelt lebendig und einfühlsam zu schildern.
Ein sehr vielversprechender Debüt, und ich bin gespannt auf weitere Werke!

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Veröffentlicht am 30.04.2024

Oberflächlicher als erwartet

Sorry not sorry
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Die Leseprobe zu „Sorry, not sorry“ klang äußerst vielversprechend, und als Frau habe ich mich selbst schon oft genug über mich geärgert, wenn mir klar wurde, wie häufig ich mich vorauseilend für irgendetwas ...

Die Leseprobe zu „Sorry, not sorry“ klang äußerst vielversprechend, und als Frau habe ich mich selbst schon oft genug über mich geärgert, wenn mir klar wurde, wie häufig ich mich vorauseilend für irgendetwas entschuldige, mich schäme oder mich zurücknehme, um andere nicht zu verletzen oder die vermeintliche Harmonie nicht zu gefährden. In den letzten Jahren habe ich begonnen, ganz bewusst diese Verhaltensweisen abzulegen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ich hatte mir von diesem Buch tiefere Einblicke in die gesellschaftlichen, politischen, soziologischen und kulturellen Hintergründe erhofft, die diesem meist typisch weiblichen Verhalten zugrunde liegen, und auch konkrete Ansätze, dieses zu verändern. Leider bleibt Anika Landsteiner argumentativ doch sehr an der Oberfläche, und mir fehlt ein tiefgründiger, wissenschaftlich fundierter Ansatz, der zu einem höheren Erkenntnisgewinn führt. Stattdessen reiht sie Altbekanntes aneinander, setzt den Fokus auf bereits hinreichend durchgenudelte Themen wie Schönheitsideale, die Konsumindustrie oder die Darstellung klassischer Geschlechter- und Beziehungsrollen in Film und Fernsehen. Da ich quasi nie fernsehe, schon gar nicht die von ihr aufgeführten Reality-Formate oder Serien wie „Sex and the City“, waren diese Kapitel für mich komplett uninteressant. An vielen Stellen tritt die Thematik „Scham“ eher als Feigenblatt auf, um gegen die von ihr grundsätzlich als patriarchal eingestufte Kernfamilie ins Feld zu ziehen oder über Abtreibung zu schreiben. Auch das Thema Verhütung geht die Autorin erstaunlich oberflächlich an und verschenkt hier, gerade im Hinblick auf die Selbstermächtigung jüngerer Leser*innen, Potenzial. Wichtige Themenfelder wie gelebte Partnerschaft, Familie, Erziehung und Arbeitswelt, in denen falsche bzw. anerzogene Scham einen wichtigen Punkt darstellt, fehlen hingegen komplett. Insgesamt hatte ich mir von diesem Buch deutlich mehr Tiefgang und Substanz erwartet.

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Veröffentlicht am 30.04.2024

Ein Pechvogel auf Abenteuerreise

Leif Wolffson - Total verpeilt im Eisbärenland
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Die Leseprobe um den tollpatschigen Wikingerjungen Leif Wolffson und auch das einladende Cover haben meinen Sohn und mich zunächst sehr angesprochen und wir starteten gespannt in das Abenteuer um Leif ...

Die Leseprobe um den tollpatschigen Wikingerjungen Leif Wolffson und auch das einladende Cover haben meinen Sohn und mich zunächst sehr angesprochen und wir starteten gespannt in das Abenteuer um Leif und seine tierischen Freunde, den Erpel Olaf, den Papageientaucher Toki und das Moschusrind Flora. Gut gefallen hat uns Leifs Glaube an sich selbst trotz seiner fortwährenden Missgeschicke und der Zusammenhalt der Truppe. Jeder Charakter ist auf seine Art speziell, hat seine Stärken und Schwächen, und gemeinsam sind sie ein richtig gutes Team. Die Geschichte wird auf gut 300 Seiten flott und wendungsreich erzählt und ist in 20 Kapitel unterteilt. Der Autor selbst hat das Buch mit schwarz-weißen Comiczeichnungen illustriert. Diese wirken zuweilen etwas schnell hingekritzelt und gefielen uns nicht besonders. Leifs Ungeschicklichkeit fanden wir zunächst sehr witzig und unterhaltsam, doch mit Fortschreiten der Handlung wiederholte sich das Schema zu offensichtlich und nervte zunehmend. Mein Sohn hat das Buch deswegen nur noch widerwillig zu Ende gelesen.
Positiv hervorheben möchte ich noch das Glossar am Ende des Buches, das Wissenswertes rund um die nordische Mythologie und die Wikinger vermittelt.
Insgesamt konnte uns die Geschichte um Leiff nicht begeistern, und wir werden die Reihe nicht weiter verfolgen.

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