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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2023

Warmherzig und einfühlsam

Herr Winter taut auf
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Der Klappentext machte mich sehr neugierig auf "Herr Winter taut auf", und ich erwartete eine eher leichte und lustige Geschichte. Ich war daher etwas überrascht, dass Tod und Trauer viel Raum einnehmen ...

Der Klappentext machte mich sehr neugierig auf "Herr Winter taut auf", und ich erwartete eine eher leichte und lustige Geschichte. Ich war daher etwas überrascht, dass Tod und Trauer viel Raum einnehmen und ein ernster und melancholischer Ton mitschwingt. Doch Stefan Kuhlmann gelingt es wunderbar, die Balance zwischen ernsten Themen und humorvollen Passagen mit viel Wortwitz und Situationskomik zu halten. Das Buch hat mich tatsächlich immer wieder an "Ein Mann namens Ove" erinnert. Sehr einfühlsam schildert er Robert Winters Gefühlswelt und seine Schwierigkeiten, sich als grummeliger und spitzzüngiger Einzelgänger seiner Umwelt zu öffnen. Soziale Kontakte waren noch nie seine Spezialität, der kommunikative Part in seiner Beziehung war seine Frau Sophia, die als AVON-Beraterin arbeitete und Geselligkeit schätzte. Nach ihrem plötzlichen Tod entscheidet er sich nach einigem Ringen dazu, ihre Tätigkeit bis Jahresende fortzuführen, um ihr den Traum, "AVON-Beraterin des Jahres" zu werden, posthum zu erfüllen. Als frisch pensionierter Steuerprüfer hatte er mit Kosmetika bisher so gar nichts am Hut, und mit seiner direkten Art eckt er zunächst allerorten an. Glücklicherweise steht ihm mit Lilly eine ehemalige Kundin seiner Frau freundschaftlich zur Seite. Indem Robert Winter durch seine Kosmetikberatungen schrittweise lernt, auf andere Menschen zuzugehen, gelingt es ihm auch langsam, sich seiner Tochter Miriam und seinem Enkel Jonas zuzuwenden. Die Beziehung zu Miriam ist seit Jahren angespannt, und tatsächlich empfand ich Miriams Verhalten gegenüber ihrem Vater als übertrieben hart und abweisend. Robert Winters Entwicklung ist sehr glaubhaft beschrieben, und auch Rückfälle in alte Verhaltensmuster bleiben nicht aus. An der ein oder anderen Stelle war die Geschichte etwas langatmig, und die eingebaute Transgender-Thematik empfand ich als etwas gezwungen.

Besonders gut gefiel mir, dass der Roman bis zum Schluß authentisch bleibt und auf Liebesgeschichten oder kitschige Elemente verzichtet. Ich habe das Buch sehr genossen, und kann es in jedem Fall weiterempfehlen.

Für alle Hörbuch-Fans hat Hans-Jürgen Stockerl den Roman sehr einfühlsam und mit einer angenehmen Stimme eingelesen, der ich sehr gerne gelauscht habe.

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Veröffentlicht am 12.08.2023

Es geht spannend weiter!

Tintenwelt 2. Tintenblut
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Nachdem ich Tintenherz begeistert verschlungen hatte, war ich nun sehr gespannt auf die Fortsetzung Tintenblut.

Meggie und ihre Familie leben nach den aufregenden Abenteuern im ersten Band zusammen mit ...

Nachdem ich Tintenherz begeistert verschlungen hatte, war ich nun sehr gespannt auf die Fortsetzung Tintenblut.

Meggie und ihre Familie leben nach den aufregenden Abenteuern im ersten Band zusammen mit Darius bei Tante Elinor. Meggie ist noch immer fasziniert von der Tintenwelt und den Erzählungen ihrer Mutter, sehr zur Beunruhigung ihres Vaters Mo. Eines Tages sucht Farid Meggie auf und berichtet ihr, dass Staubfinger es geschafft hat, sich in die Tintenwelt zurücklesen zu lassen. Farid blieb gegen seinen Willen hier zurück. Er bittet Meggie, ihn in die Tintenwelt zu lesen, um Staubfinger vor einem Hinterhalt zu warnen. Da Meggies Sehnsucht nach  dieser magischen Welt so groß ist, begleitet sie ihn, auch wenn sie weiß, dass sie ihren Eltern damit das Herz bricht. Diese folgen Meggie voller Sorge auch bald nach, und so beginnt für alle ein aufregendes Abenteuer in der Tintenwelt.

Während der erste Band in der Realität spielte und Figuren aus der Buchwelt herausgelesen wurden, ist es hier umgekehrt. Die Handlung findet vor allem in der Tintenwelt statt, in die sich die Figuren hineinlesen. Wir lernen nun endlich die sagenumwobene und mittelalterlich anmutende Welt mit ihren magischen Wesen, Geheimnissen und Gefahren näher kennen.

In der Tintenwelt geht es ziemlich rau zu, und so ganz kann ich Meggies Sehnsucht danach nicht verstehen. Wir begegnen hier auch Fenoglio wieder, der noch deutlich arroganter und eingebildeter wirkt als bereits im ersten Teil. Auch in Tintenblut sind die meisten Charaktere gut oder böse, hier hätte ich mir etwas mehr Ambivalenz gewünscht. Wie bereits im ersten Band ist Staubfinger meine Lieblingsfigur, die mir richtig ans Herz geht. Die Geschichte und Cornelia Funkes lebendiger Schreibstil haben mich richtig in ihren Bann gezogen, und ich konnte kaum aufhören zu lesen, so dass ich binnen zwei Tagen durch das Buch flog. Ursprünglich hatte ich angedacht, das Buch nach Tintenherz mit meinem Sohn (9) gemeinsam zu lesen, doch für Tintenblut ist er eindeutig noch zu jung. Im Gegensatz zum 1. Band geht es hier deutlich gewalttätiger zu, und ich würde Tintenblut Leser*innen erst ab ca. 13 Jahren empfehlen.

Mich hat Tintenblut ebenso begeistert wie Tintenherz, und nun bin ich sehr gespannt, wie sich in Tintentod alles weiterentwickelt. Und im Oktober freue ich mich jetzt schon auf den brandneuen Band "Die Farbe der Rache".

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Veröffentlicht am 08.08.2023

Mystisch und spannend

Insel der wandernden Flüche - Skys Gabe
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Normalerweise gehe ich nicht auf das Cover ein, hier möchte ich jedoch ein paar Worte dazu sagen, weil es wirklich ein echter Hingucker ist. Nicht nur die Vorderseite ist farblich sehr schön gestaltet, ...

Normalerweise gehe ich nicht auf das Cover ein, hier möchte ich jedoch ein paar Worte dazu sagen, weil es wirklich ein echter Hingucker ist. Nicht nur die Vorderseite ist farblich sehr schön gestaltet, auch der Farbschnitt sieht richtig toll aus!

Nachdem Sky Lamar ihrer Mutter, die als Hotelmanagerin häufig ihre Jobs wechselt, durch die Welt gefolgt ist, sehnt sie sich nach Beständigkeit und einem Ort, an den sie zuhause ist. Sie fährt daher zu ihrem Großvater auf die schottische Insel Sidh. Dort stößt sie auf Widerstände und Geheimnisse, die mit der Vergangenheit der Familien Lamar und McLeod zu tun haben. Es geschehen merkwürdige Dinge, die auf geheimnisvolle Weise mit ihr zu tun haben.

Das Mädchen Sky mochte ich auf Anhieb. Sky ist eine sympathische, intelligente und mutige Jugendliche, die weiß, was sie möchte, und auch nicht auf den Mund gefallen ist. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, gibt sie nicht so schnell auf. Die mystische Atmosphäre des Buches passt hervorragend zu der kleinen, rauen schottischen Insel Sidh. Das Buch ist lebendig und flott geschrieben und liest sich sehr flüssig. Die Geschichte hat mich so gepackt, dass ich das Buch in einem Rutsch gelesen habe. Mit 272 Seiten ist es, verglichen mit anderen Fantasy-Reihen, nicht allzu umfangreich. Ich bin nun schon sehr gespannt auf die Fortsetzung, und freue mich auf Skys weitere Abenteuer.

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Veröffentlicht am 06.08.2023

Völlig überzogen

Ein mörderisches Paar - Das Versprechen
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Nachdem mich Ostfriesengier nicht überzeugen konnte, wollte ich Klaus-Peter Wolf noch eine Chance geben und habe "Ein mörderisches Paar" gelesen. Leider war das komplett verschwendete Lebenszeit, da genau ...

Nachdem mich Ostfriesengier nicht überzeugen konnte, wollte ich Klaus-Peter Wolf noch eine Chance geben und habe "Ein mörderisches Paar" gelesen. Leider war das komplett verschwendete Lebenszeit, da genau wie bei Ostfriesengier völlig kopflos und realitätsfern ermittelt wird. Dass Krimis nicht die Wirklichkeit abbilden, ist klar, aber eine derart hanebüchene Handlung ist mir bisher noch nie untergekommen. Die Charaktere sind unsympathisch, unglaubwürdig und völlig überzogen. Tiefsinniger Humor geht ebenfalls anders, das ist bestenfalls Klamauk. Das Buch wirkt uninspiriert und routiniert runtergeschrieben ohne irgendwelche Raffinessen, was angesichts der hohen Frequenz an Neuerscheinungen des Autors nicht verwundert. Ich kann den Hypeum die Bücher von Klaus-Peter Wolf in keinster Weise nachvollziehen. Ab der Hälfte hatte ich genug und habe den Rest nur noch quergelesen. Ich werde zukünftig sicher kein Buch dieses Autors mehr lesen.

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Veröffentlicht am 06.08.2023

Spannend!

Bis ihr sie findet
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"Bis ihr sie findet" von Gytha Lodge ist der erste Band des Krimireihe um Detective Chief Inspector Jonah Sheens aus Southampton, bei dem es um einen 30 Jahre alten Vermisstenfall aus dem Jahr 1983 geht ...

"Bis ihr sie findet" von Gytha Lodge ist der erste Band des Krimireihe um Detective Chief Inspector Jonah Sheens aus Southampton, bei dem es um einen 30 Jahre alten Vermisstenfall aus dem Jahr 1983 geht (das Buch spielt also in den 2010er Jahren).

Sommer 1983: Die 14-jährige Aurora geht mit ihrer ein Jahr älteren Schwester Topaz und deren Clique aus zwei weiteren Mädchen und drei Jungs in den Sommerferien im Wald an einem Fluss zelten. Aurora fühlt sich als Aussenseiterin, sie hat auch als einzige kein Interesse an Alkohol und Drogen. Nachts legt sie sich etwas abseits schlafen, und morgens ist sie wie vom Erdboden verschwunden, sämtliche Suchaktionen bleiben erfolglos. 30 Jahre später findet ein Mädchen zufällig im Wald menschliche Überreste, und die Forensik bringt Gewissheit: Es ist Aurora. DCI Sheens, vor 30 Jahren bereits als junger Constable an der Suche beteiligt, und sein Team rollen den Fall neu auf. Wurde Aurora ermordet? Falls ja, hat eine*r der Jugendlichen die Tat begangen? Oder gibt es weitere Verdächtige, die damals übersehen wurden?

Das Ermittlungsteam um den intelligenten und überlegt handelnden DCI Sheens besteht aus sehr unterschiedlichen und interessanten Charakteren. Da ist die junge DC Juliette Hanson, die mit großem Engagement und guter Intuition dabei ist. DS Ben Lightman ist nüchtern, strukturiert und akribisch und hat ein hervorragendes Gedächtnis. DS Domnall O'Malley ist chaotischer, hat jedoch eine schnelle Auffassungs- und Kombinationsgabe und kann gut mit Menschen umgehen. Jede Figur hat ihre Ecken und Kanten, auch ihre Geheimnisse, die möglicherweise in den weiteren Bänden noch eine Rolle spielen könnten, aber keine wirkt unangenehm oder extrem angelegt. Diese glaubhafte Figurenzeichnung gefällt mir sehr gut, und auch, dass die Ermittler untereinander gut und effektiv zusammenarbeiten.

Die Autorin wechselt in der Zeitebene zwischen den aktuellen Ermittlungen und der verhängnisvollen Nacht im Jahr 1983, wobei die Ermittlungen den deutlich größeren Anteil ausmachen. Die einzelnen Mitglieder der alten Clique werden wieder vernommen, und auch weitere Spuren werden verfolgt. Es ist interessant zu lesen, wie sich die damaligen Jugendlichen seither verändert haben. Ich habe bis zum Schluß mitgerätselt, was denn nun damals genau geschehen war. Besonders gut gefiel mir, dass der Kriminalfall unaufgeregt, aber abwechslungsreich und fesselnd erzählt wird. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die ein oder andere Wendung gegen Ende auf mich etwas konstruiert wirkt.

Insgesamt jedoch ein sehr vielversprechender und spannender Auftakt für die Krimireihe um DCI Jonah Sheens, den ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann.

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