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Veröffentlicht am 07.03.2026

Neurodivergenz bei Erwachsenen

Ich erzähle von meinen Beinen
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Da es in meinem privaten Umfeld eine Person mit ADHS gibt, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie neurodivergente Menschen ihre Umwelt wahrnehmen und den Herausforderungen ...

Da es in meinem privaten Umfeld eine Person mit ADHS gibt, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie neurodivergente Menschen ihre Umwelt wahrnehmen und den Herausforderungen des Alltags begegnen.

Wally lebt mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter Vallie in einem Haus, eine Katze und mehrere Laufenten gehören auch zur Familie. Vor dem Übertritt ans Gymnasium wird bei Vallie ADHS diagnostiziert und sie erhält Medikamente. Wally ist skeptisch wegen der Medikation und gibt ihrer Tochter heimlich stattdessen Nahrungsergänzungsmittel. Da sie sich vom Alltag zunehmend überfordert fühlt und Probleme hat einzuschlafen, nimmt Wally die Tabletten bald selbst. Als herauskommt, dass Vallie ihre vermeintlichen Medikamente auf den Schulhof weitergibt, fliegt alles auf. Wallys Überforderung nimmt immer mehr zu, bis sie eines Tages zusammenbricht.

Die Mehrfachbelastung durch Haushalt, Beruf, Kindererziehung und Partnerschaft dürften die meisten Mütter bestens kennen. Auch Wally kämpft damit, doch bei ihr kommt noch etwas anderes hinzu: Sie ist nicht in der Lage, ihre Aufgaben zu priorisieren und konsequent abzuarbeiten. Ihr Gedankenstrom fließt unaufhörlich, sie ist unkonzentriert, sieht zig Dinge gleichzeitig, die erledigt werden müssen, sie prokrastiniert oder fängt vieles an, ohne etwas zu Ende zu bringen. Sprachlich spiegelt sich dies in einer sprunghaften Erzählweise, die sich jedoch erstaunlich gut und kurzweilig lesen lässt. Vor allem der trockene Humor, der immer wieder aufblitzt, trägt hierzu wesentlich bei.

Auch die Parallelen zwischen dem Gedankenfluss, der irgendwann nicht mehr beherrschbar ist und alle Dämme bei Wally überflutet, und dem Hochwasser, das das Haus der Familie bedroht, fand ich sehr eindrücklich.

Mich hat „Ich erzähle von meinen Beinen“ sowohl thematisch als auch sprachlich ausgesprochen gut gefallen und ich werde mich nach weiteren Büchern von Cornelia Travnicek umsehen.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Ein spannender und sehr gelungener Abschluss der Dilogie

Foxfighter - Rivalen des Waldes
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Nachdem meinen Sohn (12) und ich schon an „Foxfighter - Angriff der Schatten“ viel Freude hatten, waren wir sehr gespannt auf „Foxfighter - Rivalen des Waldes“, den zweiten und abschließenden Roman um ...

Nachdem meinen Sohn (12) und ich schon an „Foxfighter - Angriff der Schatten“ viel Freude hatten, waren wir sehr gespannt auf „Foxfighter - Rivalen des Waldes“, den zweiten und abschließenden Roman um den Silberfuchs Finn.

Der Verräter Kralle ist zurück und bedroht mit den Schattenwesen die Bewohner des Waldes. Die Nachtpfoten allein sind der Gefahr nicht gewachsen und sie erkennen, dass sie die anderen vier Fuchsfamilien davon überzeugen müssen, gemeinsam zu kämpfen.

Die Spannung ist von Beginn an hoch, die Bedrohung des Waldfriedens allgegenwärtig. Ein Abenteuer reiht sich an das nächste, und die Geschichte zog uns richtig in ihren Bann. Neben Finn und Fabelfell kommt mit dem Streuner Solo noch ein sehr interessanter Fuchscharakter ins Spiel. Alle Figuren, der Wald und die Atmosphäre sind so lebendig beschrieben und liebevoll ausgearbeitet, dass wir das Gefühl hatten, selbst mittendrin zu sein. Der selbstgefällige Igel Stachel sorgt wieder für humorvolle Momente und lockert durch seine Sprüche die Geschichte wunderbar auf. Für meinen Sohn und mich ist das stachelige Kerlchen der heimliche Liebling der Dilogie.

Wie Band 1 enthält auch Band 2 einige universelle Botschaften, die sich aus der Fuchswelt zu uns Menschen übertragen lassen. So wie die Füchse erkennen, dass sie sich über ihre Clangrenzen hinweg zusammenschließen müssen, um die Schattenwesen zu besiegen, kann auch die Menschheit die großen Probleme der Welt nur lösen, wenn sie an einem Strang zieht. Und eine Familie wird nicht allein durch die Biologie bestimmt, sondern kann auch eine Wahlfamilie sein - eine Gemeinschaft, in der man geliebt wird, sich geborgen fühlt und füreinander einsteht.

Foxfighter ist ein rundum gelungenes Tierabenteuer mit fantastischen Elementen, und der Abschied von Finn und seinen Freunden fiel uns am Ende richtig schwer.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Wieder ein spannender und unterhaltsamer Fall für den Strickzirkel!

Tod zur Teetied
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„Tod zur Teetied“ ist nach „Mord bei Schietwetter“ der zweite Fall für den sechsköpfigen Strickzirkel aus Norden in Ostfriesland. Neben Sefa Pannkok, ihrer Jugendfreundin Edith, Strickfluencerin Rita und ...

„Tod zur Teetied“ ist nach „Mord bei Schietwetter“ der zweite Fall für den sechsköpfigen Strickzirkel aus Norden in Ostfriesland. Neben Sefa Pannkok, ihrer Jugendfreundin Edith, Strickfluencerin Rita und der energischen Gunda ist auch der pensionierte Kriminalhauptkommissar Derk wieder mit von der Partie. Auch wenn er eifrig bemüht Babykleidung für seinen jüngsten Enkel strickt, gilt sein Augenmerk vor allem Sefa. Neu in der Runde ist Ines Grote, eine Stammkundin der Wollstuuv, die in einem Immobilienbüro arbeitet. Als der Seniorchef Büsing eines Tages während seiner obligatorischen Teepause tot zusammenbricht, deutet zunächst alles auf einen Herzinfarkt hin. Doch die Untersuchungsergebnisse sind eindeutig: Gift. Büsing war ein herrschsüchtiger Choleriker und alles andere als beliebt bei der Belegschaft , aber wer ist bereit, einen Mord zu begehen? Derks Tochter Pauline, ebenfalls Kriminalbeamtin, ist Teil des Ermittlungsteams und sieht es mit gemischten Gefühlen, dass ihr Vater und seine Maschenbande ihre eigenen Überlegungen anstellen.

Ich habe mich sehr auf ein Wiedersehen mit Sefa und Co. gefreut, da mir schon der erste Band schöne Lesestunden bereitet hat. Auch der zweite Fall hat mich wieder bestens unterhalten und ich habe bis spät nachts gelesen und mitgerätselt, weil ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte. Die Mischung aus Cosy Crime, feinem Humor und ostfriesischem Lokalkolorit mag ich sehr, und beim Lesen habe ich die Figuren mit ihren liebenswerten Eigenheiten lebendig vor Augen. Besonders sympathisch sind mir Sefa und Derk: Sefa hat ein gutes Gespür für Menschen, einen Blick fürs Detail und kann sehr hartnäckig sein, wenn sie einen Fall wittert, und Derk bringt so schnell nichts aus der Ruhe – wobei die forsche Gunda ihn manchmal auf eine harte Geduldsprobe stellt.

Richtig gut gefällt mir, dass einzelne Kapitel aus der Täterperspektive geschrieben sind. Dies bringt zusätzliche Spannung ins Spiel und sorgt, auch durch den etwas härteren Erzählton, für Abwechslung, ohne das Cosy-Setting zu verlassen.
Auch wer Band 1 noch nicht kennt, kann direkt mit dem zweiten Band starten. Die Mitglieder des Strickzirkels werden zudem zu Beginn in einem Personenregister kurz vorgestellt, so dass der Neueinstieg problemlos möglich ist.

Als Bayerin mit einem Faible für Dialekte freue ich mich immer sehr über die plattdeutschen Einsprengsel. Als Zugabe enthält das Buch im Anhang noch ein leckeres Rezept für einen Krintstuut , der im Roman bei keinem Treffen fehlen darf und zusammen mit einer Tasse Tee die perfekte Lektürebegleitung bildet.

Ich freue mich schon jetzt auf den dritten Fall des Strickzirkels und vergebe 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Messerscharfe Parabel in einzigartiger Form

Die Elefanten
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Alexander ist Schriftsteller und lebt in einer großen Villa. Seine Frau Sofija himmelt ihn an, lobt jede seiner Ideen. Die erwachsene Tochter, eine erfolglose Schauspielerin, wohnt in einer eigenen Villa ...

Alexander ist Schriftsteller und lebt in einer großen Villa. Seine Frau Sofija himmelt ihn an, lobt jede seiner Ideen. Die erwachsene Tochter, eine erfolglose Schauspielerin, wohnt in einer eigenen Villa nebenan, kommt aber jeden Morgen zum gemeinsamen Frühstück und löst Kreuzworträtsel. Eines Morgens steht plötzlich ein Elefant im Zimmer. Und bei den Nachbarn auch. In der ganzen Stadt tauchen sie plötzlich wie aus dem Nichts auf. Doch die Menschen leben einfach weiter und ignorieren die Tiere. Manchen ist etwas unwohl dabei, aber sie arrangieren sich damit, füttern die Elefanten und räumen ihre Hinterlassenschaften weg. Der Staat gibt Anweisung, wie sich die Menschen zu verhalten haben, manipuliert sie. Niemand widersetzt sich, bis auf den Stand-Up-Comedian Pawel, dessen große Liebe Anna ist. Pawel ruft bei seinen Vorstellungen dazu auf, die Elefanten aus der Stadt zu vertreiben, und zieht damit den Unmut des Staates auf sich.

Der Elefant im Raum, den niemand sehen will – offensichtlicher könnte Sasha Filipenkos Metapher kaum sein. Der belarussische Schriftsteller, der im Schweizer Exil lebt, hat mit „Die Elefanten“ eine großartige Parabel auf autokratische Systeme geschrieben, die zu zivilem Ungehorsam aufruft und die große Masse kritisiert, die ihre Augen vor dem Offensichtlichen verschließt und ihr Leben möglichst unbehelligt weiterlebt. Natürlich hat man beim Lesen sofort Russland und den Krieg gegen die Ukraine im Sinn, die Geschichte passt als Warnung jedoch ebenso gut auf die USA unter Donald Trump oder die deutsche Gesellschaft, die zusieht, wie rechte Kräfte wieder an Einfluss gewinnen.

Pawel, der Stand-Up-Comedian, leistet auf der Bühne Widerstand, nennt die Dinge als einiziger beim Namen – hier musste ich sofort an die amerikanische Late-Night-Szene mit Jimmy Kimmel, Jimmy Fallon und Stephen Colbert denken. Hier hat Trump ja bereits Versuche unternommen, diese absetzen zu lassen, bei Colbert vermutlich mit Erfolg. Pawel ist der tragische Held des Romans, dessen Schicksal mich stellenweise an Orwells „1984“ erinnert hat.

Was Filipenkos Roman so einzigartig macht, ist die ungewöhnliche Form: Alexander ist gleichzeitig Autor sowie Figur der Geschichte, die stark mit Metafiktion und Selbstreferenzialität spielt. Der Text wird immer wieder unterbrochen durch Social-Media-Beiträge von Usern aus Literaturforen zu eben diesem Buch, sowie durch interne Dienstanweisungen aus dem Innenministerium. Darüber hinaus sind einzelne Schlüsselworte im Text durch Umschreibungen ersetzt, die am Schluss ein vollständiges Kreuzworträtsel bilden. Je weiter man liest, desto stärker wird klar, wie all diese Formelemente miteinander in Zusammenhang stehen, und es ergibt sich ein geradezu absurdes, groteskes Gesamtbild, das gespickt ist mit scharfzüngigem, hintergründigem Humor und beißender Gesellschaftskritik.

Trotz der komplexen Konstruktion ist der Roman erstaunlich gut zu lesen. Wie schon „Der Schatten einer offenen Tür“ hat mich auch „Die Elefanten“ vollends begeistert, und ich werde das Buch in einigen Tagen sicher noch einmal lesen, da ich den Eindruck habe, dass es noch einige Details und Anspielungen zu entdecken gibt, die sich erst auf den zweiten Blick offenbaren.

Ich empfehle „Die Elefanten“ allen, die bereit sind, sich auf einen anspruchsvollen Roman mit komplexer Form einzulassen.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

kurzweiliger Krimi für zwischendurch

Heaven's Gate
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Caruso ist ein etwas abgehalfterter Ex-Profisurfer, der nach einem persönlichen Trauma die Zeit auf der philippinischen Insel Surogao totschlägt und sich als Privatdetektiv gerade so viel dazuverdient, ...

Caruso ist ein etwas abgehalfterter Ex-Profisurfer, der nach einem persönlichen Trauma die Zeit auf der philippinischen Insel Surogao totschlägt und sich als Privatdetektiv gerade so viel dazuverdient, dass er einigermaßen über die Runden kommt. Wenn er nicht gerade auf dem Board steht, spricht er vor allem den Alkohol zu und verbringt seine Zeit in Bars, Clubs und mit leichten Mädchen. Eines Tages bittet ihn eine bildschöne, reiche Spanierin ihren Sohn zu finden, der als Surfer auf die Insel kam und seit zwei Wochen spurlos verschwunden ist. Sie verspricht eine üppige Bezahlung, und so lässt sich Caruso auf den Auftrag ein, der ihn in äußerste Gefahr bringt und einen Sumpf aus Korruption, Drogenhandel und Gewalt offenbart.

Wirklich sympathisch wurde mir Caruso, der ewig betrunkene, leichtlebige Surferboy, nicht. Die ausführlichen Beschreibungen diverser Surfgänge samt zugehörigem Fachvokabular hätte ich nicht gebraucht, und da mir die Begriffe nicht geläufig sind, habe ich hier auch nicht alles verstanden und irgendwann eher drüber hinweggelesen. Eine schillernde Figur ist der nach 20 Jahren in Deutschland frisch aus dem Knast entlassene Drogenhändler Diego, der für teils unfreiwillige Komik sorgt. Der Fall entwickelt sich unterhaltsam und wendungsreich, vor allem im Mittelteil. Gegen Ende fand ich die Geschichte dann leider etwas konstruiert und unglaubwürdig. In „Heaven’s Gate“ geht es hart zu, Blut und Gewalt gibt es reichlich. Da die Figuren allerdings allesamt keine Sympatheträger sind und eher eindimensional bleiben, ließ mich das eher unberührt.

Fazit: Für mich ein kurzweiliger, flott erzählter Krimi ohne viel Tiefgang für zwischendurch, zB als Urlaubslektüre am Strand.

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