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Veröffentlicht am 24.05.2026

Ich habe mit Amedeo mitgeatmet!

Wir gehen mal los
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Angesichts des unscheinbaren Titels „Wir gehen mal los“ wäre dieses Buch beinahe an mir vorbeigegangen – und damit auch eine sehr eindrückliche und berührende Geschichte. „Respira con me“ ist der Originaltitel, ...

Angesichts des unscheinbaren Titels „Wir gehen mal los“ wäre dieses Buch beinahe an mir vorbeigegangen – und damit auch eine sehr eindrückliche und berührende Geschichte. „Respira con me“ ist der Originaltitel, und „Atme mit mir“ hätte auch im Deutschen sehr gut gepasst. Amedeo hat sich nach dem plötzlichen Tod der Mutter völlig zurückgezogen, die Augen hinter einem Vorhang aus Haaren verborgen, auf den Ohren Kopfhörer, aus denen der Heavy-Metal-Song „Just breathe“ tönt. Er hält sich vom Leben, von seinen Mitmenschen fern, kämpft mit Angstzuständen und reduziert sein Dasein auf das Minimum: Atmen, weiteratmen. Als sein Vater ihn zu einer Bergtour nötigt, sträubt er sich innerlich dagegen, ignoriert das angestrengte Geplauder des Vaters bei Aufstieg und bemüht sich, seine Höhenangst unter Kontrolle zu halten. Doch dann passiert etwas, das Amedeo zwingt, sich mit der Realität zu konfrontieren, eine Entscheidung zu treffen und seine Ängste zu überwinden.

Raffaella Romagnolo gelingt es, mit präzisen, leisen Worten Amedeos Gefühlswelt spürbar zu machen. Auch die Hilflosigkeit des Vaters und die Unfähigkeit der beiden, miteinander zu kommunizieren und ihren Schmerz zu teilen, wird deutlich. Wie sie in Amedeos Gedanken Gegenwart und Erinnerungen miteinander verwebt, ist grandios. Ich habe in jedem Satz mit Amedeo mitgefühlt, mit ihm mitgeatmet und bin mit ihm Schritt für Schritt mitgegangen. Besonders beeindruckt hat mich, wie in Rückblicken auf den Schulalltag deutlich wird, dass Amedeo, hinter seiner Haarlocke verborgen, seine Umwelt durchaus sehr sensibel wahrnimmt und, durch die Beobachtung seiner Mitschülerin Lucilla Colombo, einen differenzierten Blick auf seine Klassenkameraden entwickelt.

Ich möchte dieser Roman nicht nur Erwachsenen, sondern auch Jugendlichen ab ca. 16 Jahren wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Flapsiger Ton, inhaltlich oberflächlich

Bakterien – die heimlichen Helden
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Für mich war dies das erste Buch von Peter Wohlleben, und ich war sehr gespannt, da mich die Thematik sehr interessiert. Nach der Lektüre bleibe ich allerdings ernüchtert zurück. Peter Wohlleben schreibt ...

Für mich war dies das erste Buch von Peter Wohlleben, und ich war sehr gespannt, da mich die Thematik sehr interessiert. Nach der Lektüre bleibe ich allerdings ernüchtert zurück. Peter Wohlleben schreibt ohne Frage unterhaltsam, leicht verständlich und lebendig, so dass sich das Buch flüssig lesen lässt. Da er sich jedoch an ein sehr breites Publikum wendet, bleibt er wissenschaftlich sehr an der Oberfläche. Ein populärwissenschaftliches Buch ist für mich dann gelungen, wenn es hochkomplexe wissenschaftliche Sachverhalte verständlich erläutert, und dabei nur soweit vereinfacht, wie unbedingt nötig. Dies ist hier leider nicht der Fall. Der Ton ist geradezu flapsig, und erinnert mich eher an ein Boulevardblatt als an Sachbuch mit Anspruch. Als naturwissenschaftlich gebildete Leserin bin ich wohl eher nicht die Zielgruppe. Schade, da hatte ich mir deutlich mehr erwartet.

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Veröffentlicht am 16.05.2026

sehr skurril

Verlorene Schäfchen
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Die Leseprobe von „Verlorene Schäfchen“ hat mich richtig neugierig gemacht, da sie eine humorvolle, spritzige und leicht überspitzte Geschichte versprach, die die aktuelle gesellschaftliche Situation in ...

Die Leseprobe von „Verlorene Schäfchen“ hat mich richtig neugierig gemacht, da sie eine humorvolle, spritzige und leicht überspitzte Geschichte versprach, die die aktuelle gesellschaftliche Situation in den USA aufs Korn nimmt.

Im Mittelpunkt steht Familie Flynn, deren Familienleben gehörig aus den Fugen gerät: Die Mutter Catherine ist unglücklich in ihrer Ehe und will diese öffnen, um ein Techtelmechtel mit dem Nachbarn anzufangen. Das stürzt ihren Mann Bud in eine tiefe Krise, der fortan in Van übernachtet. Beide verlieren ihre Töchter aus dem Blick, die mit ganz eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen haben: Die 17-jährige Abigail zieht durch ihre Schönheit das Interesse halbseidener Männer auf sich, Louise gerät auf der Suche nach Aufmerksamkeit in religiös-fundamentalistische Kreise und Harper stellt gewagte Verschwörungstheorien auf.

Madeline Cashs Schreibstil voller hintergründigem, trockenem Humor und äußerst unterhaltsam. Messerscharf greift sie die prägenden Themen unserer Zeit auf und verflicht sie zu einer tragikomischen Geschichte mit skurrilen Charakteren. Und dennoch sprang bei mir insgesamt der Funke nicht über, und das Schicksal der Familie ließ mich seltsam kalt. Das lag daran, dass die Handlung zunehmend überladen wirkte, als hätte die Autorin letztlich zu viel gewollt. Den Figuren fehlte es an Tiefgang, und manches war recht vorhersehbar. Durchaus möglich, dass auch die eine oder andere Pointe nur zündet, wenn man mit den Feinheiten der US-amerikanischen Gesellschaft vertraut ist.

Das Hörbuch wurde von Britta Steffenhagen lebendig und mit angenehmer Sprechgeschwindigkeit eingelesen. Ihrer etwas dunkleren Stimme habe ich sehr gerne gelauscht.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

vorhersehbar und platt

Einatmen und ausrasten
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Titel und Cover haben mich angesprochen und dazu verleitet, das Buch zu lesen. Ich hatte mir eine humorvolle, abwechslungsreiche Sommerlektüre rund um die Lebensmitte versprochen.

Maxi ist in ihren Vierzigern, ...

Titel und Cover haben mich angesprochen und dazu verleitet, das Buch zu lesen. Ich hatte mir eine humorvolle, abwechslungsreiche Sommerlektüre rund um die Lebensmitte versprochen.

Maxi ist in ihren Vierzigern, wurde gerade von ihrem Partner Jan für die jüngere Nachbarin verlassen, und auch die pubertierende Tochter Smilla, die nur am Handy hängt und mit ihren Kopfhörern verwachsen scheint, macht es ihr nicht gerade leicht. Als ihre Freundin Simone, die einen „Pflegedienst“ für Grünpflanzen betreibt, für einige Tage zu einem Retreat fährt und sie bittet, währenddessen die Gießaufgaben zu übernehmen, erlebt Maxi turbulente Tage, die ihrem Leben eine neue Richtung geben.

Der Klappentext verspricht eine spritzige, humorvolle Geschichte, die der Roman leider nicht hält. Die Figuren sind klischeehaft und platt, der Deutsch-Kanadier Jacob wirkt wie alles, nur kein nordamerikanischer Muttersprachler, und die Handlung entwickelt sich leider völlig vorhersehbar und ohne jede überraschende Wendung. Sprachlich dümpelt der Roman im unteren Mittelmaß vor sich hin, und auch der Humor zündet nicht, da jede Situation, die witzig sein könnte, schon im Voraus absehbar ist. Für mich war dieses Buch leider rundum enttäuschend.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

spannend und wendungsreich

Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente: Das Tal der Lügen
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„Das Tal der Lügen“ ist der dritte Teil der Reihe um die fiktive Jugend- und Internatszeit des jungen Arthur Conan Doyle. Mein Sohn ist ein großer Fan seiner Abenteuer, und wir waren sehr gespannt auf ...

„Das Tal der Lügen“ ist der dritte Teil der Reihe um die fiktive Jugend- und Internatszeit des jungen Arthur Conan Doyle. Mein Sohn ist ein großer Fan seiner Abenteuer, und wir waren sehr gespannt auf die Fortsetzung. Auch wenn es von Vorteil ist, die beiden ersten Bände zu kennen, weil immer wieder darauf Bezug genommen wird, dürfte die Geschichte auch ohne Vorkenntnisse verständlich sein, da alle wesentlichen Vorkenntnisse geschickt in die Handlung eingeflochten werden.

Wie immer haben mein 12-jähriger Sohn und ich das Buch gemeinsam gelesen. Für Arthur und seine Freunde Jimmie, Irene, Pocket und Grover geht es auf Klassenfahrt auf ein altes Gut im Lake District. Während sich seine Mitschüler auf spannende und lustige Unternehmungen freuen, ist Arthur in großer Sorge: Er wird von Dinah Grey (bekannt aus Band 1) erpresst: Entweder, er besorgt ihr einen verschollenen, sagenumwobenen Gegenstand, der durch übersinnliche Kräfte enorme Macht verleiht, oder seiner kleine Schwester Mary, die in Dinahs Hand ist, wird Schlimmes passieren. Arthur kann sich seinen Freunden nicht anvertrauen, da er fürchtet, dass sie ihm nicht dabei helfen würden, Dinah Grey einen derart mächtigen Gegenstand zu verschaffen. Er ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu seiner Schwester und der Loyalität gegenüber seinen Freunden.

Arthur, Irene, Jimmie, Pocket und Grover sind uns im Laufe der Zeit schon sehr ans Herz gewachsen, und jede Figur ist auf ihre Weise besonders und einzigartig. Arthur ist sehr verantwortungsbewusst, Irene behält immer einen kühlen Kopf, Pocket ist abenteuerlustig und schleppt in ihren vielen aufgenähten Taschen allerlei hilfreiche Tools mit sich herum und Grover hat ein Faible für alles Morbide und Übersinnliche. Der kluge Jimmie ist hin- und hergerissen zwischen seiner aufrichtigen Freundschaft zu Arthur und seiner Zuneigung gegenüber seinem Vater Mr. Moriarty, der in dunkle Machenschaften verstrickt ist.

Charakteristisch für die Baskerville-Hall-Reihe ist, dass immer wieder übersinnliche Ereignisse, Fähigkeiten oder Artefakte eine Rolle spielen. Eigentlich kann ich mit paranormalen Phänomen so gar nichts anfangen, aber erstaunlicherweise stört mich das hier gar nicht so sehr. In Band 3 spielen diese auch eine vergleichsweise untergeordnete Rolle, im Vordergrund stehen vielmehr die aufregenden Abenteuer, die die fünf Freunde durchleben. Die Geschichte entwickelt sich rasant und ist voller spannender Momente und Wendungen. Der moralische Zwiespalt Arthurs ist einfühlsam und glaubwürdig ausgearbeitet, und seiner Beziehung zu Jimmie wird auf eine harte Probe gestellt. Wie immer ist der Schreibstil abwechslungsreich und lebendig. Fans der Sherlock-Holmes-Bücher werden auch immer wieder kleine Sidekicks und Hinweise auf spätere Fälle entdecken.

Wie gewohnt hat auch Band 3 wieder einen umfangreichen Anhang, der tolle Infos und Bilder über den echten Arthur Conan Doyle, seine Reisen und sein Leben beinhaltet.

Für mein Empfinden wird diese Reihe mit jedem Band besser, und Band 3 ist mein bisheriger Favorit. Auch mein Sohn war ganz begeistert, und wir freuen uns jetzt schon auf eine Fortsetzung!

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