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Veröffentlicht am 03.03.2025

Einsam?

Super einsam
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Einsam?

Was macht uns glücklich? Eine Familie? Ein guter Job?
Doch was macht uns auf der anderen Seite unglücklich?

Irgendwo dazwischen befindet sich wohl Vito. Nicht so richtig glücklich, aber auch ...

Einsam?

Was macht uns glücklich? Eine Familie? Ein guter Job?
Doch was macht uns auf der anderen Seite unglücklich?

Irgendwo dazwischen befindet sich wohl Vito. Nicht so richtig glücklich, aber auch nicht völlig unzufrieden mit seinem Leben.

"Super einsam" von Anton Weil nimmt uns als Leser definitiv auf eine intensive Reise durch das Leben und die Entscheidungen von Vito mit. Wir beginnen mit einem Job in Leipzig, bei dem er nie ankommt, da er vorher in seiner Stammkneipe versackt. Führt einseitige Gespräche mit seinem Vater und sich selbst.

Das Buch zu lesen bedeutet in Vitos Gedanken zu leben. Manchmal klar und nachvollziehbar und im nächsten Moment weiß man nicht so recht, was wirklich passiert ist und über was er nur nachdenkt. Dennoch bekommt man ein gutes Bild von ihm, seinen Hoffnungen und Zweifeln und seinem Leben. Und vor der Angst, den hinterlassenen Koffer seiner verstorbenen Mutter zu öffnen.

Oft musste ich bei seinen Entscheidungen den Kopf schütteln, dann dachte ich mir, das hätte ich sein können. Das Leben verläuft nicht immer gerade, auch nicht Vitos. Seine Gedanken erscheinen beim Lesen so real und leicht nachvollziehbar. Gerade das macht das Buch zu etwas Besonderem - etwas, bei dem sich jeder irgendwo wiederfinden kann.

Auch wenn ich an manchen Stellen zweimal lesen muss, um zu verstehen, um was es gerade geht bzw. wohin der Text uns bringen soll, empfand ich das Buch als einen Schatz. Ein Schatz für den man sich jedoch etwas Zeit nehmen sollte.

ISBN: 978-3036950426
Umfang: 240 Seiten
Autor: Anton Weil
Verlag: Kein&Aber
Erscheinungsdatum: 25.09.24

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Wohin mit dem eigenen Leben?

Sonnenhang
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Wohin mit dem eigenen Leben?

Eine Diagnose, die einem den Boden unter den Füßen wegreißt. Wie geht das eigene Leben weiter? Wie sehen die Entscheidungen nun aus?
Katharina ist Ende dreißig. Single, kinderlos ...

Wohin mit dem eigenen Leben?

Eine Diagnose, die einem den Boden unter den Füßen wegreißt. Wie geht das eigene Leben weiter? Wie sehen die Entscheidungen nun aus?
Katharina ist Ende dreißig. Single, kinderlos und verloren in ihrem eigenen Leben. Und laut ihrem Arzt wird sie auch kinderlos bleiben. Denn sie muss operiert werden und kann dann keine mehr bekommen.

Durch ein Gespräch erfährt sie dann, dass in der Seniorenresidenz "Sonnenhang" eine neue ehrenamtliche Person gesucht wird, die den Leuten an Samstagen etwas Abwechslung bietet. Die Begegnungen mit den Bewohnern, ihre skurrilen und liebenswürdigen Charaktere, haben nicht nur Katharina, sondern auch mich als Leserin zum Lachen und Weinen gebracht. Die gemeinsamen Momente, sei es beim Kniffeln oder bei Gesprächen in der Werkstatt, zeugen von der Kraft unerwarteter Freundschaften und der Bedeutung von zwischenmenschlichen Beziehungen über Generationen hinweg.

Das Buch hat mich wirklich auf eine Art und Weise berührt, die ich nie gedacht hätte. Es hat mich zum Nachdenken angeregt. Wie kann das Leben manchmal Wendungen nehmen, die wir nie gedacht hätten? Wenn wir vor vielen Jahren andere Entscheidungen getroffen hätten?
Auch wenn ich Katharina manchmal etwas zu selbstbezogen fand und nicht jede Entscheidung genauso getroffen hätte, habe ich sie in mein Herz geschlossen. gern wäre ich ihre Freundin und für sie da gewesen. Und das macht eine gute Charakterbeschreibung aus, finde ich. Dass man als Leser das Gefühl bekommt, ein Leben, das sich wirklich so abspielen könnte, zu verfolgen.

Neben dem Verlust von Zukunftsgedanken, Menschen und dem ein oder anderen Traum, blickt das Buch dennoch größtenteils positiv auf das Leben. Sei es bei der Zusammenarbeit mit den alten Menschen, bei der Katharina aufgeht und sich auf die Samstage freut.
Für mich war es eine kleine Reise zusammen mit Katharina. Eine Reise, an die ich sicher noch eine Weile denken werde.

ISBN: 978-3498003913
Umfang: 224 Seiten
Autor: Kathrin Weßling
Verlag: Rowolth

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Zauber in und um die Oper

Kiss of the Nightingale
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Zauber in und um die Oper

Wir alle haben Talente. Mal mehr, mal weniger. Doch was ist, wenn diese durch Zauber verstärkt werden? Wenn wir plötzlich die besten Köche sind, am besten malen können, oder ...

Zauber in und um die Oper

Wir alle haben Talente. Mal mehr, mal weniger. Doch was ist, wenn diese durch Zauber verstärkt werden? Wenn wir plötzlich die besten Köche sind, am besten malen können, oder plötzlich Star der Oper sein könnten?
In "Kiss of the Nightingale" von Adi Denner geht es um Cleodora. Ihr Vater, ein sehr guter Schneider, ist verstorben und nun sind nur noch sie und ihre Schwester da. Diese ist jedoch krank und Cleodora verzweifelt. Da kommt das Angebot von Dahlia zur rechten Zeit. Ich mache dich zum Star, doch du musst etwas für mich stehlen...

Das Buch hat mich direkt in seinen Bann gezogen. Die Geschichte hat eine ganz eigene Atmosphäre. Voller Sehnsucht, Spannung und dunkler Geheimnisse. Und ja, auch etwas Romance, doch wie ich fand, in einem guten Rahmen, der nicht allzu viel Raum einnimmt. Cleodora muss sich in ihrer neuen Welt zurechtfinden und lernen, wie eine Dame der Oberschicht zu handeln.

Der Schreibstil ist poetisch und bildhaft. Man hatte das Gefühl, in der Oper zu stehen oder durch die dunklen Gassen zu schreiten, sodass ich mich mühelos in die Welt der Protagonisten hineinversetzen konnte. Auch die Protagonisten wurden gut dargestellt.

Doch hat mich die Moralvorstellung von Cleodora gestört. Sie möchte zwar zu Beginn nur das Beste für ihre Schwester und sich selbst - doch dafür geht sie über Leichen. Und das finde ich nicht gut. Manche Szenen hätte man anders lösen können.

Alles in allem ein Buch, das den Leser in eine wirklich faszinierende Welt entführt und ohne das “moralische Grau" wäre es für mich perfekt gewesen.

ISBN: 978-3-7373-7327-2
Umfang: 496 Seiten
Autor: Adi Denner
Verlag: Fischer
Erscheinungsdatum: 26.02.25

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Zwischen Moral und Gerechtigkeit

Dunkle Momente
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Zwischen Moral und Gerechtigkeit

Elisa Hoven, Professorin für Strafrecht an der Universität Leipzig, Richterin am sächsischen Verfassungsgerichtshof und hat in ihrem Buch Dunkle Momente ein Buch geschrieben, ...

Zwischen Moral und Gerechtigkeit

Elisa Hoven, Professorin für Strafrecht an der Universität Leipzig, Richterin am sächsischen Verfassungsgerichtshof und hat in ihrem Buch Dunkle Momente ein Buch geschrieben, das den Leser - abseits des gesprochenen Rechtes - vor ein moralisches Dilemma setzt.

Wir begleiten Eva Herbergen. Sie ist Strafverteidigerin und steht nun selbst vor einer lebensweisenden Entscheidung. Mit einem Brief in der Hand denkt sie an einige ihrer Fälle. Fälle, die man sicher anhand von dargelegten Fakten bewerten kann. Aber wie sieht es mit dem moralischen Denken dahinter aus?

Die Geschichte mit ihren insgesamt neun Fällen hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Man taucht ein, in eine düstere, aber zugleich erschreckend realistische Welt, in der die Grenzen zwischen Schuld und Unschuld, Recht und Gerechtigkeit verschwimmen.

Besonders beeindruckt hat mich die Art und Weise, wie die Autorin die moralischen Fragen aufwirft, ohne einfache oder klare Antworten zu liefern. Einige Fälle kannte ich (der Kannibale), andere waren mir unbekannt. Hoven selbst sagt, dass sie von echten Fällen inspiriert sind.

Die Figuren wirken sehr realistisch und ihre inneren Konflikte haben mich zum Nachdenken gebracht. Wie hätte man wohl selbst reagiert? Was hätte das eigene Gewissen gesagt?

Das Buch ist definitiv eine kluge Reflexion über die Abgründe der menschlichen Psyche. Ein Buch, das den Leser noch lange über seine eigene Moral und Gerechtigkeitsempfinden nachdenken lässt. Ein Buch, das nachhallt und zum Diskutieren einlädt.

ISBN: 978-3-10-397669-4
Umfang: 336 Seiten
Verlag: S. Fischer
Autor: Elisa Hoven
Erscheinungsdatum: 26.02.25

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Veröffentlicht am 21.02.2025

Sehr gut durchdachte Dystopie

Die Erlöser
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Sehr gut durchdachte Dystopie

“Macht eine Debatte überhaupt Sinn, wenn das Ergebnis von vornherein feststeht?"

Über den Satz musste ich tatsächlich eine Weile nachdenken. Gerade in der heutigen Zeit, ...

Sehr gut durchdachte Dystopie

“Macht eine Debatte überhaupt Sinn, wenn das Ergebnis von vornherein feststeht?"

Über den Satz musste ich tatsächlich eine Weile nachdenken. Gerade in der heutigen Zeit, lassen sich viele nicht mehr auf ein Gespräch ein, in dem es darum geht, Dinge auch mal anders darzustellen.

Und das ist, wie auch hier, in vielen Dystopien der Ausgang. Es gab eine Katastrophe - zumindest wird das erzählt. Die Menschen haben sich gefügt, da sie selbst nicht sterben möchten, und ordnen sich unter. Hinterfragen nichts und machen alles, was von ihnen verlangt wird.

In “Die Erlöser” begleiten wir Siram. Er ist Schüler, interessiert sich aber sehr für eine Gruppe, die verborgene Bereiche, der Zuflucht erkunden. Was nicht ungefährlich ist, denn überall gibt es die Erlöser. Sie wachen über die Menschheit und wer sich ihnen widersetzt, verschwindet spurlos.

Ich habe in den letzten Jahren begonnen Dystopien zu lesen, einfach weil ich es spannend finde, wie Autoren mit der Idee umgehen, was uns passiert, wenn wir unsere Welt ausrotten. Und auch hier war ich von der Idee und der Umsetzung sehr angetan.

Diese “ich bin hörig” und mache alles, was man mir sagt. Zu glauben, dass die Menschen mit 53 Jahren “aufsteigen” usw. Es erinnert mich alles an eigentlich so gut wie jede Sekte. Ihr werdet erlöst, dafür müsst ihr uns jedoch all euer Geld und eure Arbeitskraft geben. Eine Manipulation vom Feinsten und leider oft sehr erfolgreich.

Mich hat der Schreibstil direkt in den Bann gezogen und ich konnte das Buch oft nicht aus der Hand legen. Die Protagonisten sind glaubwürdig dargestellt und - sofern es geht - konnte ich die ein oder andere Entscheidung nachvollziehen. Ich wäre vermutlich auch neugierig gewesen, ob ich dann aber auch die Konsequenzen getragen hätte? Vermutlich eher nicht.

Doch war es für mich definitiv eine Story, die mich zum Nachdenken angeregt hat und möchte es daher sehr gern weiter empfehlen.

ISBN: 978-3758311222
Umfang: 388 Seiten
Autor: Dennis Geier
Erscheinungsdatum: 05.12.23

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