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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2025

Ein leises und intensives Porträt der Trauer

Die Frau und der Fjord
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Am äußersten Rand Norwegens, auf den windumtosten Lofoten, sucht die Geologin Gro nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Zuflucht in einem einsamen roten Holzhaus am Fjord. Sie hat ihren angesehenen Job ...

Am äußersten Rand Norwegens, auf den windumtosten Lofoten, sucht die Geologin Gro nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Zuflucht in einem einsamen roten Holzhaus am Fjord. Sie hat ihren angesehenen Job auf einer Ölplattform aufgegeben, ihr bisheriges Leben hinter sich gelassen und zieht sich in die Abgeschiedenheit der arktischen Natur zurück – begleitet nur von der Urne ihres Mannes und ihren Erinnerungen.

Annette Strohmeyer zeichnet in ihrem Debüt ein leises, intensives Porträt einer Frau, die in tiefer Trauer steckt und Schritt für Schritt den Weg zurück ins Leben findet. Begegnungen mit einem verletzten Vogel und dem Fischer Jens öffnen Gro zögerlich für menschliche Nähe, während sie die Natur der Lofoten immer tiefer zu schätzen lernt.

Besonders eindrucksvoll sind Strohmeyers Schilderungen der Landschaft: karg, wild und gleichzeitig voller feiner Schönheit. Der Roman verbindet die Themen Verlust, Selbstfindung und Neuanfang mit einer sensiblen Naturschilderung und authentischer Gefühlsdarstellung. Ein stiller, nachwirkender Roman, der zeigt, wie Heilung in kleinen Schritten geschieht.

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Wunderschöne Kulisse, aber auf Abstand erzählt

Wilder Honig
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„Wilder Honig“ besticht durch eine sanfte, melancholische Grundstimmung und ein Setting, das sofort eine besondere Atmosphäre erzeugt. Der abgelegene Hof in Wales, eingebettet in die Natur, wirkt wie ein ...

„Wilder Honig“ besticht durch eine sanfte, melancholische Grundstimmung und ein Setting, das sofort eine besondere Atmosphäre erzeugt. Der abgelegene Hof in Wales, eingebettet in die Natur, wirkt wie ein Ort außerhalb der Zeit – ein Rückzugsraum voller stiller Schönheit. Besonders gelungen fand ich die naturbezogenen Passagen: die poetischen Beschreibungen des Obstgartens, das leise Summen der Bienen, die kleinen biologischen und symbolischen Verweise – all das verleiht dem Roman eine gewisse Tiefe und Ruhe, die mich sehr angesprochen haben.

Leider konnte mich die Handlung emotional nicht so recht erreichen. Die Figuren – allen voran Hannah – bleiben seltsam schemenhaft. Obwohl angedeutet wird, dass sich bei ihr innerlich etwas verändert, konnte ich diese Entwicklung nicht wirklich mitfühlen. Es war, als würde man die Charaktere immer nur durch eine Glasscheibe beobachten – man sieht ihre Bewegungen, hört ihre Worte, aber kommt ihnen nie wirklich nahe. Dadurch fiel es mir schwer, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen oder echtes Mitgefühl zu empfinden.

Ein weiterer Punkt, der mich gestört hat, waren die sprunghaften Zeitsprünge. Immer wieder vergehen Tage, manchmal Wochen, ohne dass klar wird, was dazwischen passiert ist – und ohne dass diese Auslassungen erzählerisch aufgefangen werden. Das ließ den Erzählfluss mitunter holprig wirken und erschwerte es, emotional dranzubleiben. Vieles blieb an der Oberfläche, als würde man durch ein schönes, aber leicht beschlagenes Fenster auf die Geschichte schauen – man erkennt die Umrisse, aber nicht die Details.

Unterm Strich ist Wilder Honig ein Roman mit starkem Setting und atmosphärischer Dichte, der inhaltlich aber leider nicht das hält, was er sprachlich und thematisch verspricht. Wer sich gern in Naturbildern verliert, findet hier schöne Stellen zum Verweilen. Wer jedoch eine tiefgehende Charakterentwicklung und emotionale Nähe sucht, wird womöglich eher enttäuscht sein. Für mich war es ein solides, aber nicht bleibendes Leseerlebnis – daher 3 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Atmosphärisch und fesselnd

Schattengrünes Tal
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Lisa ist eine hilfsbereite Allrounderin und das Rückgrat des alten Familienhotels im Schwarzwald. Sie hält den maroden Betrieb ihres griesgrämigen Vaters Carl am Leben, bekommt dafür aber keine Anerkennung ...

Lisa ist eine hilfsbereite Allrounderin und das Rückgrat des alten Familienhotels im Schwarzwald. Sie hält den maroden Betrieb ihres griesgrämigen Vaters Carl am Leben, bekommt dafür aber keine Anerkennung – denn er wartet lieber darauf, dass ihr verschollener Bruder Felix zurückkehrt und das Hotel übernimmt. Obwohl Lisa ständig einspringt, kann sich Carl nicht vorstellen, die Führung des Hotels an Lisa zu übergeben. Als dann auch noch eine fremde Frau im überschaubaren Dorf aufkreuzt, beginnt ein wildes Auf und Ab.

Das Setting des Buches war genau meins – ich habe die Atmosphäre regelrecht aufgesogen. Kristina Hauff beschreibt die Natur so eindringlich, dass ich mich beim Lesen mitten im Schwarzwald gefühlt habe. Alles wirkte fast haptisch – wirklich, wirklich stark.

Diese Stimmung und Atmosphäre des Settings hat perfekt zur Handlung gepasst, die sich immer weiter zuspitzt und zunehmend bedrohlicher wurde.

Auch die Charaktere habe ich als sehr authentisch empfunden – sie wirkten durchweg glaubwürdig und lebendig. Ich konnte sie mir bildlich vorstellen und war von ihren Dynamiken sehr eingenommen.

Zwar gab es ein paar kleinere Schwachstellen, an denen mir die Geschichte fast schon etwas zu überzogen erschien, aber insgesamt war es nicht störend und ich habe die Geschichte vollends genießen können.

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Ein Sommer zwischen Blumen, Briefen und Erinnerungen – leider ohne echte Verbindung

Noch fünfzig Sommer mehr
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Das Buch erzählt die Geschichte von Eleni, einer Frau, die nach dem Verlust ihrer großen Liebe Théo in Trauer und Isolation verharrt. Erst geheimnisvolle Briefe und Blumen bringen langsam wieder Bewegung ...

Das Buch erzählt die Geschichte von Eleni, einer Frau, die nach dem Verlust ihrer großen Liebe Théo in Trauer und Isolation verharrt. Erst geheimnisvolle Briefe und Blumen bringen langsam wieder Bewegung in ihr Leben und eröffnen die Möglichkeit auf einen Neuanfang. Was sich nach einer emotionalen und hoffnungsvollen Reise anhört, bleibt in der Umsetzung leider hinter den Erwartungen zurück.

Trotz des vielversprechenden Klappentextes konnte ich keinen wirklichen Zugang zur Protagonistin finden. Eleni bleibt über weite Strecken blass und emotional distanziert – was es schwer machte, mit ihr mitzufühlen oder sich für ihren Weg zu interessieren. Ihr Innenleben wird zwar thematisiert, erreicht aber nicht die nötige Tiefe, um wirklich berühren zu können.

Der Schreibstil beginnt atmosphärisch und gefühlvoll, verliert aber schnell an Reiz. Besonders störend waren die häufigen Wiederholungen – sowohl von Namen als auch von ganzen Gedanken oder Beschreibungen. Dies nahm dem Erzählfluss an Dynamik und ließ die Handlung mitunter langatmig wirken.

Letztlich bleibt ein Roman, der viel Potenzial für eine leise, aber kraftvolle Geschichte gehabt hätte – dieses aber durch stilistische Schwächen und eine schwer zugängliche Hauptfigur verschenkt.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Atmosphärisch, spannend und stellenweise richtig stark – mit kleinen Schwächen

Der dunkle Sommer
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Der dunkle Sommer hat mich gleich mit seinem Setting gepackt: Eine Architektin, die nach einem schweren Schicksalsschlag in einem verlassenen sardischen Dorf neu anfangen will – und dafür eine Ruine für ...

Der dunkle Sommer hat mich gleich mit seinem Setting gepackt: Eine Architektin, die nach einem schweren Schicksalsschlag in einem verlassenen sardischen Dorf neu anfangen will – und dafür eine Ruine für einen Euro kauft. Das klang spannend, und genau das war’s auch.

Die Geschichte entfaltet sich auf mehreren Zeitebenen und spielt geschickt mit Perspektiven. Ich mochte die Verwebung von Enzo und Tilda, Vergangenheit und Gegenwart, die nach und nach ein vollständiges Bild zusammensetze.
Besonders berührt hat mich die Handlung rund um Franka – emotional, intensiv und sehr bewegend erzählt. Auch die Themen wie familiäre Schuld, Machtstrukturen und das, was gerne unter den Teppich gekehrt wird, sind stark umgesetzt und regen zum Nachdenken an.

Was mir richtig gut gefallen hat, war die Atmosphäre: Man spürt beim Lesen förmlich die Hitze, sieht das bröckelnde Mauerwerk vor sich und fühlt die beklemmende Stimmung des Ortes. Der Schreibstil ist bildhaft und dicht – man ist direkt mittendrin.

Allerdings hatte das Buch auch seine Längen. Manche Entwicklungen wirkten etwas vorhersehbar, und gerade das Verhältnis zwischen Tilda und ihrem Bruder konnte mich nicht ganz überzeugen. Trotzdem blieb ich dran – nicht zuletzt wegen der düsteren Stimmung und dem geheimnisvollen Hintergrund.

Fazit: Kein rasanter Thriller, sondern eher ein leiser, intensiver Roman mit psychologischem Tiefgang. Wer düstere Familiengeheimnisse, verlassene Orte und eine dichte Atmosphäre mag, ist hier genau richtig.

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