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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.01.2024

Starke Geschichte, schwache Charaktere

Die Übersetzerin
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In Jersey im Jahr 1940 tritt Hedy eine Position als Übersetzerin für die deutschen Besatzer auf der Kanalinsel an. Ihre jüdische Identität bleibt vorerst unbekannt. Während sie heimlich Widerstand gegen ...

In Jersey im Jahr 1940 tritt Hedy eine Position als Übersetzerin für die deutschen Besatzer auf der Kanalinsel an. Ihre jüdische Identität bleibt vorerst unbekannt. Während sie heimlich Widerstand gegen die Nazis leistet, entwickelt sie ausgerechnet Gefühle für den deutschen Wehrmachtssoldaten Kurt, der diese erwidert. Doch ihre wahre Identität bleibt nicht lange verborgen. Gemeinsam mit Kurt und einer engen Freundin plant Hedy mutig, ihren Verfolgern zu entkommen.

Die zentrale Figur ist Hedy Bercu, eine österreichische Jüdin, die 1938 vor der drohenden Deportation nach Jersey flieht. Anfangs wird sie, wie alle Flüchtlinge, eher geduldet als willkommen geheißen. Die Situation ändert sich jedoch 1940, als die Wehrmacht die Insel besetzt und die Registrierung aller Ausländer fordert, vor allem, um Macht zu demonstrieren und Juden aufzuspüren. Zunächst scheint Hedy Glück zu haben, indem sie eine Stelle als Übersetzerin bei den Deutschen bekommt und sogar einen Freund unter den Wehrmachtsoffizieren findet. Doch im Laufe der Zeit verschlechtern sich die Bedingungen, und drei Jahre später bleibt ihr keine Wahl, als ihr Überleben in die Hände anderer zu legen und unterzutauchen.

Obwohl Hedys Erfahrungen und Erlebnisse per se stark emotional sind, hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, die Autorin versucht eine gewisse Distanz zwischen ihrer Geschichte und den Leser:innen zu wahren. Ich hatte keine Chance, an Hedy heranzukommen, da die Autorin scheinbar keinen oder nur sehr wenig Platz für Mitgefühl oder Empathie ließ. Auch Hedy ist als Protagonistin keine wirkliche Sympathieträgerin. Ich verstehe, dass es Teil des Stils ist und Hedy stark und abgehärtet sein msuste, um all das ertragen zu können und sich das natürlich in der Charakterbeschreibung und auch in der Metaebene der Erzählung wiederspiegelt, aber es war mir dann doch ein wenig zu wenig. Gefühlt interessierte es Hedy nur selten, was um sie herum passierte bzw. ließ sie sich nur soweit darauf ein, wie es ihr eigenes Leben nicht streifte. Zum Beispiel bin ich immer noch ratlos, warum sie dem besten Freund nicht stark nachtrauerte oder dessen Frau mehr Trost spenden wollte oder konnte. Stattdessen begegnete sie ihr teilweise mit Überheblichkeit.

Alles in allem ist es eine wirklich starke Geschichte, ein wichtiges Thema, aber durch die Protagonistin ging leider viel Gefühl verloren.

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Veröffentlicht am 03.01.2024

Zeitloser Klassiker

Dr. Jekyll & Mr. Hyde
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Robert Louis Stevensons „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ ist zweifellos ein zeitloser Klassiker, der die Dualität der menschlichen Natur auf faszinierende Weise erkundet. Die Geschichte ...

Robert Louis Stevensons „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ ist zweifellos ein zeitloser Klassiker, der die Dualität der menschlichen Natur auf faszinierende Weise erkundet. Die Geschichte fesselt von Anfang bis Ende und führt den:die Leser:in auf eine Reise durch die Abgründe der menschlichen Seele.

Die Hauptfigur, Dr. Jekyll, ist wirklich gut gezeichnet, und Stevenson gelingt es, die zunehmende Verzweiflung und den inneren Konflikt des Charakters glaubhaft darzustellen. Die Entfaltung der Geschichte ist geschickt und hält die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht.

Besonders beeindruckend ist Stevensons Fähigkeit, eine düstere und beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Die Straßen von London werden zu einem Schauplatz unheimlicher Geschehnisse, und die Beschreibung von Mr. Hyde erzeugt eine Aura des Unbehagens. Die Sprache des Autors ist dabei präzise und bildgewaltig, was dem:der Leser:in ermöglicht, sich in die düstere Welt der Geschichte hineinzuversetzen.

Ein zentrales Thema des Buches ist die Dualität des Menschen, die in Dr. Jekylls Experiment zur Spaltung seiner Persönlichkeit ihren Höhepunkt findet. Dieser Aspekt regt zum Nachdenken über die menschliche Natur, Moral und die Konsequenzen unserer Entscheidungen an.

Insgesamt ist „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ eine beeindruckende Lektüre, die auch heute noch relevant ist. Stevensons Meisterwerk bleibt ein fesselnder Klassiker, der nicht nur gruselt, sondern auch zum Nachdenken über die Abgründe in uns allen anregt.

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Veröffentlicht am 03.01.2024

Blasse Charaktere

Gib mir deine Angst
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Sam ist erleichtert, als ihre Freundinnen Margaret und Diana, die ebenfalls durch unschöne Trennungen gehen, vorschlagen, ein Wochenende wegzufahren, um eine Pause von den düsteren Gedanken zu machen. ...

Sam ist erleichtert, als ihre Freundinnen Margaret und Diana, die ebenfalls durch unschöne Trennungen gehen, vorschlagen, ein Wochenende wegzufahren, um eine Pause von den düsteren Gedanken zu machen. Doch dann haben sie ausgerechnet in der Kleinstadt Catskill eine Autopanne, in der Sams Ex mit seiner neuen Freundin lebt. Nach einem Abend in der örtlichen Bar verschwindet Diana plötzlich, und es stellt sich heraus, dass Margarets hartnäckiger Exfreund, der die Trennung nicht akzeptieren will, ihnen nach Catskill gefolgt ist. Als die Polizei am nächsten Tag den Fund einer Leiche meldet, wird der Ausflug endgültig zum Alptraum. Die Frage ist: Was wissen die Freundinnen wirklich übereinander?

Das Buch wird aus den unterschiedlichen Perspektiven von Margaret Margaret und Sam erzählt. Doch anstatt durch diese Erzählweise den Charakteren näher zu kommen, konnte ich sie bis zum Schluss kaum unterscheiden. Keine von ihnen schien besonders oder sich von der anderen abzuheben. Gefühlt waren beide bzw. eigentlich alle Charaktere aus einem Guss. Sie agierten und reagierten gleich, sodass ich sie – außer anhand ihrer Namen – nicht hätte unterscheiden können. Mir fehlten Emotionen, mehr Tiefe und Charakterzüge, die die einzelnen Personen ausmachten. Stattdessen blieben sie alle eintönig grau und relativ blass.

Auch die Spannung ließ auf sich warten, keimte nur hin und wieder auf, aber nicht in dem Ausmaß, dass sich das Genre „Thriller“ wirklich gerechtfertigt hätte. Nachdem die Leiche auftauchte, wurde die Geschichte eher konfus als spannend und konnte mich daher nicht wirklich in ihren Bann ziehen.

Der Klappentext vermittelte mir einen stalkenden Exfreund, der kaum Raum einnahm und lediglich am Rande kurz erwähnt wurde, jedoch nicht als Stilmittel zum Spannungsaufbau genutzt wurde.

Mit der ausbleibenden Spannung reiten sich leider zahlreiche Längen aneinander, die sich perfekt in das für mich sehr schwache Ende einreihten. Gefühlt wurde alles sehr stark artifiziell und war so gewollt in eine Schiene gedrückt, dass ich es als nicht wirklich authentisch wahrnehmen konnte.

Obwohl der Klappentext vielversprechend klang, konnten mich leider weder die Charaktere noch der Plot wirklich überzeugen.

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Veröffentlicht am 03.01.2024

Leider nicht überzeugend

Lieblingstochter
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Die Fachärztin Dr. Gretchen White, eine Expertin für Persönlichkeitsstörungen und Gewaltverbrechen, hat bereits viele prominente Fälle gelöst. Ironischerweise ist sie selbst als Soziopathin diagnostiziert ...

Die Fachärztin Dr. Gretchen White, eine Expertin für Persönlichkeitsstörungen und Gewaltverbrechen, hat bereits viele prominente Fälle gelöst. Ironischerweise ist sie selbst als Soziopathin diagnostiziert und wurde einst des Mordes an ihrer Tante verdächtigt. Detective Shaughnessy ist überzeugt, dass sie ungestraft davonkam. Trotzdem wird Gretchen gebeten, die Polizei im Fall Viola Kent zu unterstützen. Viola, ein Mädchen, dem vorgeworfen wird, seine Mutter getötet zu haben, wird als rücksichtslos und manipulativ beschrieben. Trotzdem glaubt Gretchen an Violas Unschuld. Um die Wahrheit herauszufinden, muss sie eine düstere, gefühlskalte und beängstigend vertraute Leere betreten.

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven geschildert und befasst sich sowohl mit Gretchens Sicht als auch mit der von Reed, dem Mann des jüngsten Opfers. Dabei springen die verschiedenen Kapitel jeweils auch in der Zeitachse, um so nach und nach ein Gesamtbild zu erschaffen und den:die Leser:in ins Boot zu holen.

Die Protagonistin Gretchen fand ich anfangs super faszinierend. Sie wurde mit vielen Ecken und Kanten geschaffen, spannenden und manchmal grausamen Gedankengängen, aber dennoch konnte sie zu Beginn mein Interesse wecken. Im Laufe der Geschichte merkte ich aber immer deutlicher, dass mir der Bezug zu ihr fehlt. Durch ihre kühle Art hielt sie mich auf Distanz und verlor mich dadurch relativ schnell. Obwohl das Bild, das von Gretchen gezeichnet wurde in sich eigentlich stimmig war, wurde ich damit leider nicht besonders warm.
Ebenso fand ich die ständige Wiederholung des Faktes, dass sie Soziopathin ist, irgendwann wirklich ermüdend. Auf Seite 100 hab ich die Protagonistin schon zur Gänze kennengelernt und muss nicht immer wieder an ihre Diagnose erinnert werden, um vermeintlich neue Schocker zu schaffen.
Genauso unterbrachen ständige Vergleiche zu Empathen meinen Lesefluss. Einmal daraufhinzuweisen, dass Gretchen anders tickt, hätte mir gereicht. Aber ständig unter die Nase gerieben zu bekommen, wie außergewöhnlich die Protagonistin ist, war schlichtweg ermüdend.
Im Gegensatz zu Gretchen blieben die übrigen Charaktere für mich ziemlich blass. Ich hätte gern mehr über Viola erfahren und mich nicht nur auf ein Spiegelbild von Gretchen gefreut. Denn auch hier wurde die Autorin nicht müde, zu erwähnen, dass sie eine Soziopathin ist.

Der Einstieg in die Geschichte hat mir wirklich gut gefallen und versprach, sehr spannend zu werden. Ebenso der Blick auf den Plot klang äußerst vielversprechend, aber leider wurden meine Hoffnungen nicht bestätigt, obwohl das Potenzial da gewesen ist. Es gab einige Längen, die mich ausbremsten, obwohl ich die Geschichte wirklich gern gemocht hätte.
Das Ende war zunächst nicht offensichtlich, aber letztendlich auch nicht sonderlich überraschend, da es vielerlei Anzeichen in diese Richtung gegeben hat.

Alles in allem eine nette Idee, die für mich an nicht genutztem Potenzial scheiterte.

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Veröffentlicht am 02.01.2024

Nichts für mich

Normale Menschen
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Connell und Marianne wachsen zwar in derselben kleinen Stadt im Westen Irlands auf, haben jedoch wenig gemeinsam. In der Schule ist Connell der Beliebte, der Star der Fußballmannschaft, während Marianne ...

Connell und Marianne wachsen zwar in derselben kleinen Stadt im Westen Irlands auf, haben jedoch wenig gemeinsam. In der Schule ist Connell der Beliebte, der Star der Fußballmannschaft, während Marianne als eigenartige Außenseiterin gilt. Doch wenn die beiden miteinander sprechen, geschieht etwas, das ihr Leben verändert. Sogar später an der Universität in Dublin können sie einander nicht entkommen, obwohl sie es versuchen. Immer wieder werden sie magisch und unwiderstehlich zueinander hingezogen.

Ich hatte schon so viel von „Normal People“ gehört und wollte es so gerne mögen, aber leider war die Geschichte absolut nichts für mich. Obwohl der Schreibstil wirklich sehr leicht zu verstehen und locker geschrieben ist, die Seiten nur so dahin plätschern und eine sehr klare und authentische Sprache verwendet wird, wurd ich leider nicht warm. Ich hab dem Buch mehrere Chancen gegeben, bis ich mich dann endlich dazu durchgerungen habe, es zu Ende zu lesen und zu akzeptieren, dass es einfach keine Geschichte für mich ist.

Die Charaktere waren für mich einfach zu blass, zu nervig, zu artifiziell. Das ständige On und Off der beiden hat mich irgendwann einfach nur noch angeödet. Ich fand's anfangs sehr erfrischend, dass es eben nicht die klassische Liebesgeschichte war, sondern ungeschönt die Beziehung zwischen zwei Menschen beschrieben wurde, die ihre Höhen und Tiefen hat. Aber irgendwann wiederholte es sich für mich zu sehr als dass ich die Geschichte kurzweilig hätte finden können.
Auch waren mir die beiden einfach nicht greifbar genug, um eine Beziehung zu ihnen aufbauen zu können. So hielten sie mich auf Distanz und hinderten mich daran, Empathie oder Sympathie zu empfinden.

Ich wollte das Buch wirklich mögen, aber leider sind „Normal People“ und ich einfach nicht auf einen Nenner gekommen. Schade.

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