Die Macht der richtigen Worte – magisch, grausam und fesselnd
The Poet Empress„The Poet Empress – Eine Ballade von Liebe und Tod“ von Shen Tao erzählt die Geschichte des Dorfmädchens Yin Wei. Als der Thronfolger Terren, der zweite Sohn des Kaisers, Konkubinen sucht, sieht Wei eine ...
„The Poet Empress – Eine Ballade von Liebe und Tod“ von Shen Tao erzählt die Geschichte des Dorfmädchens Yin Wei. Als der Thronfolger Terren, der zweite Sohn des Kaisers, Konkubinen sucht, sieht Wei eine Chance ihre Familie vor dem Hungertod zu retten. So bewirbt sie sich, trotz der Gerüchte über die Grausamkeit Terrens, als seine Konkubine, in der Hoffnung eine der Auserwählten zu werden. Am Hof wird jedoch schnell klar, dass nicht nur der Prinz eine ernstzunehmende Gefahr darstellt, sondern auch die anderen Frauen. Während Wei versucht die Intrigen ihrer Konkurrenten zu überleben, muss sie ihr eigenes Ziel vor Augen behalten, welches schon bald nicht mehr nur die Rettung ihrer Familie, sondern noch viel mehr die Rettung der ganzen Dynastie ist.
Die Geschichte von Wei konnte mich schnell in ihren Bahn ziehen. Ihre Entwicklung vom einfachen Dorfmädchen hin zu einer einflussreichen Frau am kaiserlichen Azaleenpalast war spannend zu verfolgen. Auch das Magiesystem der asiatischen Fantasywelt konnte mich überzeugen. Die Macht der Worte, die auch Wei erkennt und sich entgegen aller Verbote zu Nutze machen möchte. Während der Leser durch die Augen verschiedener Charaktere ein Bild von der Gegenwart und der Vergangenheit des Prinzen Terren und dessen Bruder kommt, fällt es schwer den wahren Bösen der Geschichte auszumachen. Ich war bis zum Ende gefesselt und habe mit den Entscheidungen Weis mitgefiebert. Erstaunt war ich teilweise über die Brutalität und Grausamkeit, die für ein Jugendbuch doch ziemlich detailliert und präsent war. Da sollte auf jeden Fall die Trigger-Warnung im Vorfeld gelesen werden.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen und sie hat eine, trotz ihrer Grausamkeit, wunderschöne Welt geschaffen. Sowohl die Hauptcharaktere als auch die Nebencharaktere, waren gut ausgearbeitet und haben die Geschichte sehr vielschichtig gestaltet. Dazu haben auch die Erzählungen aus der Vergangenheit beigetragen. Die Magie kam auch nicht zu kurz, obwohl sie auch nicht zu sehr in den Vordergrund gestellt wurde. Äußerst positiv muss ich hervorheben, dass es keine klassische Liebesgeschichte gab. Natürlich spielt die Liebe in vielen Facetten eine Rolle, sei es nun die Liebe zwischen zwei Brüdern, die Liebe eines Vertrauten zu seinem Kaiserreich oder die Liebe zur eigenen Familie, aber es wurde nichts romantisiert oder beschönigt. Das wäre im Anbetracht vieler Handlungen auch nicht angebracht gewesen. Wer also eine romantische Liebesgeschichte erwartet ist hier wohl eher fehl am Platz. Für mich war es genau richtig so! Eine Empfehlung für alle, die magische Geschichten in asiatischen Settings mögen. Die Brutalität sollte allerdings nicht unterschätzt werden.
Zum Cover und zur Gestaltung muss ich wohl nicht viel sagen…wunderschön und passend.