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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2026

hart aber lesenswert!

Das zwölfte Haus
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„Denn wenn es einem als Kind nicht gut geht, wird man ein ängstlicher erwachsener, und wenn man Angst hat, wird man wütend. Frank muss üben, nicht so schnell wütend zu werden, also ist es doch gut, dass ...

„Denn wenn es einem als Kind nicht gut geht, wird man ein ängstlicher erwachsener, und wenn man Angst hat, wird man wütend. Frank muss üben, nicht so schnell wütend zu werden, also ist es doch gut, dass wir da sind, damit er üben kann, findest du nicht?“ Seite 99

INHALT
Dieses Buch ist wie ein Gespräch über erste Themen. Molli, heute erwachsen, blickt auf ihr Leben zurück und berichtet von ihrer Kindheit. Eine Kindheit geprägt durch dysfunktionalen Familienstrukturen und emotionaler Vernachlässigung. Als Mollis Bruder im Koma liegt, kommen die Erlebnisse der Vergangenheit mit voller Wucht zurück. Eine Kindheit voller schweigen und Hinnahme. Die Mutter zieht mit beiden Kindern bei Frank ein. Was zu Beginn ganz harmonisch wirkt, entwickelt sich zu einer Katastrophe. Denn Frank mag die Kinder nicht, alle er mag vieles nicht.

„So redest du nicht in meinem Haus, du wirst verdammt noch mal Respekt zeigen, du wirst deine hässliche Fresse halten. Jetzt steht er direkt vor mir. Wo liegt die Grenze zwischen Angst und Verachtung?“ Seite 270

EINDRUCK UND FAZIT
Dieses Buch habe ich mit feuchten Händen gelesen, von Seite 1 an. Man erwartet über das gesamte Buch eine dramatische Entwicklung, die ausbleibt, was dem Buch aber dennoch absolut keine Leichtigkeit vermittelt. Im Gegenteil - es bleibt hart und roh. Eine Kindheit, die man keinen wünscht. Ein beeindruckendes, sehr lesenswertes Buch!

„Frank sagt ihr, sie solle das Maul halten. Sie hält das Maul nicht. Er sagt es wieder und wieder, er wird knallrot und Gesicht. Carla schreit zurück. Bald ist alles nur noch Gebrüll, dann hebt er den Teller hoch. Ich drucke mich, als er den Teller gegen die Wand hinter mir schleudert.“ Seite 54

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2026

ADHS und seine Schattenseiten

Sie wollen uns erzählen
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„Der Bub ist einer, den man eher für die Party, aber nicht für die Tischgruppe in der Kommunionsvorbereitung will.“ Seite 32

INHALT
Neurodivergenz und psychische Störungen wecken immer mein größtes Interesse. ...

„Der Bub ist einer, den man eher für die Party, aber nicht für die Tischgruppe in der Kommunionsvorbereitung will.“ Seite 32

INHALT
Neurodivergenz und psychische Störungen wecken immer mein größtes Interesse. Nicht nur in Form von Sachbüchern, sondern gern (und vor allem) auch in Romanen. Dieses hier sprach mich direkt an! Oz hat ADHS. Und auch seine Mutter ist betroffen. Wir begleiten beide auf ihrem Weg durch schwere und auch gute Zeiten. Durch wilde, chaotische und sanftere. Es geht um die Gefühlswelt einer Mutter, um kleine und große Sorgen und ganz viel Mut, den es braucht. Was passiert eigentlich mit Menschen, die aus der ‚Norm‘ fallen?

„Fokus. Er stellt sich jetzt mal das violette Lama vor. Die Lerntherapeutin hat gesagt, dass er das so tun soll, wenn er sich konzentrieren will. Das Violette Lama ist sein Konzentrationstier, also denkt er: Lama. Und: violett. Es hilft überhaupt nicht. Deswegen denkt er: Fokus.“ Seite 15

EINDRUCK UND FAZIT
Welch ein wichtiges Thema! Ich bin durch dieses Buch durchgerannt, auch wenn ich es sprachlich herausfordernd fand. Kernaussage: Nerodivergenz ist keine ansteckende Krankheit. Man kann mit den Menschen sprechen und sie kennen- (und lieben) lernen! Man kann und sollte einfach manchmal hinter die Fassage schauen und vorweg nicht urteilen. Da beide Personen beschrieben werden, kann man sich als Leser*in gut hineinfühlen. In beide. In Mutter und Sohn. In die Unterschiedlichkeit - und auch in die Gleichheit beider. Oz verliert sich in eine Fantasiewelt, ein spannender (und gar nicht so selten vorkommender Weg). Für alle die, die gern mehr über das Thema erfahren wollen. Roh und authentisch. Lest es!

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Familiengeschichte über Trauer und Einsamkeit

Eines Tages für immer
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INHALT
Wie bei vielen Büchern, erwartet man einiges vom Cover. Dieses Cover hingegen lies mich eine sanfte Geschichte erwarten, die ich nach so vielen harten Büchern, auch gut gebrauchen hätte können. ...

INHALT
Wie bei vielen Büchern, erwartet man einiges vom Cover. Dieses Cover hingegen lies mich eine sanfte Geschichte erwarten, die ich nach so vielen harten Büchern, auch gut gebrauchen hätte können. Es kam allerdings anders. Das Buch wird in zwei Zeitsträngen erzählt. Alice als junge Frau ist der erste Erzählstrang. Sie lebt in Beziehung und wird schwanger. Ihr Vater will auf keinen Fall, dass sie das Kind behält. Der zweite Erzählstrang zeiht Alice viele Jahre später - und ihren Sohn Luke. Beide treffen sich nach vielen Jahren das erste Mal wieder. Sie lernen sich allerdings nicht langsam kennen, sondern Alice wird direkt die Tagesmutter von Lukes Sohn. Von nun an haben sie viele Themen, Luke sucht nach Antworten für sein Weggeben und Aufwachsen in einer Pflegefamile. Wie so oft, gibt (oder gab) es triftige Gründe.

EINDRUCK UND FAZIT
Ich bin gut in die Geschichte reingekommen, zwischendrin fand ich sie etwas ruhiger, am Ende allerdings wieder mit ordentlich Fahrtwind. Ein Buch, dass man nicht so ganz aus der Hand legen möchte, weil man so gespannt ist, ob das - was man denkt, wirklich passiert. Eine dramatische Familiengeschichte über Einsamkeit und Trauer, über fehlenden Rückhalt und Reflexion. Eine Mutter-Sohn Geschichte, die mich beeindruckt hat, aber auch traurig machte. Pflegekindergeschichten berühren mich immer ganz besonders, sicherlich weil ich in der Jugendhilfe arbeite. Ich empfehle das Buch gern weiter.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Interessante Perspektive

Gelbe Monster
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„Ich bin immer nur handgreiflich geworden, wenn es darum ging, mein Raum für mich zu beanspruchen! Ich wollte, dass Georg einsieht, dass er mich nicht unterbrechen kann, dass er mich als Person zu respektieren ...

„Ich bin immer nur handgreiflich geworden, wenn es darum ging, mein Raum für mich zu beanspruchen! Ich wollte, dass Georg einsieht, dass er mich nicht unterbrechen kann, dass er mich als Person zu respektieren hat, dass er mich nicht als Frau sehen soll, sondern als Mensch. Alles, was ich wollte, war Respekt.“ Seite 86

INHALT
Leute! Was ist das für eine coole Geschichte! Moment - ich lasse euch teilhaben:
Was passiert eigentlich, wenn Gewalt ausnahmsweise mal von der Frau ausgeht? Wie reagiert ihr Mann? Und die Umwelt? Es geht um Charlie. Sie ist wütend, einfach nur wütend und hat eine schlechte Impulskontrolle. Das heißt sie wird gewalttätig ihrem Freund gegenüber. Nun sitzt sie im Antiaggressionstraining und gelobt Besserung. Aber kann das gut gehen?

EINDRUCK UND FAZIT
Perspektivwechsel können gut sein, oder? Ich finde es super spannend, mich mit der Thematik auseinander zusetzen was passiert, wenn Frauen aggressiv sind und Gewalt anwenden. Nach einer kurzen Recherche habe ich rausgefunden, dass 80 % der Männer gewalttätig werden, aber auch 20 % der Frauen. Die Zahl hat mich tatsächlich etwas überrascht, ich hätte sie deutlich geringer angesetzt. Diese Info macht die Thematik und Sichtweise des Buches noch viel spannender. Ich mochte die Protagonistin gern und konnte mich sehr in ihrer Unsicherheiten hineinfühlen. Ich mochte, dass niemand in dem Buch verurteilt wird und dass man die Protagonistin einfach wahrnimmt, ohne sie in eine Schublade zu packen. Es überrascht jetzt sicherlich nicht, dass es auch in diesem Buch kein happy end gibt. Ich habe es gern gelesen - lest es!!

„Wir alle sind feministische Rachegöttinnen und wir können auch ein bisschen stolz drauf sein. Noch werden wir als Verbrecherin gesehen, aber wenn das Matriarchat erreicht ist, werden wir wie Königinnen behandelt.“ Seite 86

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 13.03.2026

Das krasseste was ich je gelesen habe

Ich, die ich Männer nicht kannte
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INHALT
Ein Gruppe von Frauen eingesperrt in einem Keller. Niemand weiß warum und wie lange genau sie dort unten sind. Die Wärter kommen regelmäßig und bringen Lebensmittel und Materialien, zum Sterben ...

INHALT
Ein Gruppe von Frauen eingesperrt in einem Keller. Niemand weiß warum und wie lange genau sie dort unten sind. Die Wärter kommen regelmäßig und bringen Lebensmittel und Materialien, zum Sterben zu viel - zum Leben zu wenig. Als eines Tages der Alarm losgeht und die Wärter verschwinden, bleibt das Tor offen stehen. Große Freude unter den Frauen, endlich sind sie frei. Die Freude hält nicht lange an, denn eigentlich ist noch ein viel größerer Käfig vorhanden.

„Sie geben uns zu essen und etwas anzuziehen und sorgen dafür, dass wir es warm haben. Aber für sie sind wir bloß 40 namenlose Frauen. Sie behandeln uns, als gäbe es keine Unterschiede zwischen uns. Ich bin ich. Ich bin kein Stück Vieh, der 40. Teil einer Herde.“
Seite 49

EINDRUCK UND FAZIT
Was war das denn??! 40 Frauen, darunter ein junges Mädchen, sie steht im Zentrum der Geschichte.
Die Geschichte ist dystopisch und bedrückend, und gleichzeitig (oder gerade deshalb) so besonders und anders, als alles was ich bisher gelesen habe. Dieses Buch liest man in einem Rutsch - man kann es nicht aus der Hand legen, zumindest ging es mir so. Es geht um Einsamkeit und Unterdrückung. Die Erzählerin war sehr jung als sie in den Keller kam, kennt keine Männer, die reale Welt und die Gesellschaft. Der Versuch sich zu erklären, wie die Welt funktioniert, fand ich besonders eindrücklich beschrieben - und sehr emotional.
Am Ende fehlte mir die Einordnung oder Aufklärung, dieses offene Ende konnte ich nur schwer aushalten. Dennoch ein grandioses Buch!

„Es ist schon komisch, dass ich ausgerechnet an meiner Gebärmutter sterbe, ich, die ich nie meine Tage hatte und Männer nicht kannte.“ Seite 215

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