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Veröffentlicht am 05.03.2026

Die Frage nach der Schuld

Schatten von Potsdam
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Ein 19jähriger Schüler treibt tot in der Havel. Sein reicher Vater scheint eigene Ermittlungen aufzunehmen und versucht, die Kriminalisten Paula Osterholz und Henry Wullitzer vom Kommissariat in Potsdam ...

Ein 19jähriger Schüler treibt tot in der Havel. Sein reicher Vater scheint eigene Ermittlungen aufzunehmen und versucht, die Kriminalisten Paula Osterholz und Henry Wullitzer vom Kommissariat in Potsdam auszubremsen. Und auch, als eine weitere Schülerin verschwindet, stoßen die Ermittler bei den betuchten Familien auf Widerstand ….

Frank Hagedorn ist ein norddeutscher Autor, der unter dem Mädchennamen seiner Mutter veröffentlicht. Mit Schatten von Potsdam“ legt er den mittlerweile dritten Fall aus der Reihe „Paula Osterholz ermittelt“ vor, der sich problemlos ohne Vorkenntnis der beiden vorhergehenden Fälle lesen lässt.

Auch, wenn diese Reihe stark lokal in Potsdam verankert ist und der Autor die Leser*Innen zu vielen markanten Orten mitnimmt, geht „Schatten von Potsdam“ inhaltlich weit über einen Regionalkrimi hinaus.

Dass Frank Hagedorn bereits an vielen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt hat, findet sich wieder in seinen überaus bildhaften und atmosphärisch dichten Beschreibungen. Der Schreibstil ist flüssig, die Perspektiven wechseln häufig, auch innerhalb der Kapitel, was einiges an Aufmerksamkeit erfordert.

Besonders interessant ist, dass Hagedorn überwiegend als personaler Erzähler über Pascal, den Schuldigen, erzählt. So weiß der Leser fast von Anfang an, wer für die Todesfälle verantwortlich ist und erfährt eine Menge über die dahinter stehenden Motive. Dies tut der Spannung jedoch keinen Abbruch; im Gegenteil ist die Spannungskurve im gesamten Verlauf auf hohem Niveau bis hin zum dramatischen Show-Down.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen das Mobbingopfer Vicky und ihr geschiedener Vater Pascal, der nach einem eigenen Gefängnisaufenthalt die Nähe zu seiner Tochter nicht verlieren will und diese daher stalkt – und so in etwas hineingezogen wird, worin er sich immer weiter verstrickt. Mit viel psychologischem Feingefühl und Gespür für seine Figuren teilt Hagedorn hier nicht in Gut und Böse ein, sondern hebt die authentischen und mehrdimensionalen Figuren auf eine andere Ebene: Der Krimi hat für mich dadurch schon einen rechtsphilosophischen Ansatz und stellt die Frage nach moralischer Schuld bei verschiedenen Akteuren.So kommen auch viele gesellschaftspolitische Themen zur Sprache, wie Mobbing, Influencertum, Korruption usw., über die gerne und viel diskutiert werden sollte.

Lediglich die Rolle von Vicky, Pascals Tochter, ist für mich nicht ganz zu Ende erzählt. Ihre Figur in dem Ganzen wurde etwas vernachlässigt und eine avisierte Wendung findet keinen Abschluss.

Überraschenderweise kommt den Ermittlern Paula und Wullitzer (mich störte ein wenig das Zusammenspiel vom Vorname bei der weiblichen Ermittlerin und Nachname beim männlichen Ermittler) eher ein wenig eine Statistenrolle in der Handlung zu. Sie ermitteln zwar, aber das eigentliche Krimigeschehen findet an anderer Stelle statt.
Allerdings hat Paula auch einen persönlichen Fall am Hals, der sich sogar auf das Team auswirkt. Hier fehlte mir ein wenig Vorkenntnis aus den ersten beiden Bänden; es macht aber auch Lust, die Fortsetzung zu lesen, um zu erfahren, wie Paula dieses Problem lösen wird.

„Schatten von Potsdam“ ist ein spannungsgeladener, psychologisch dichter Krimi mit überraschenden Wendungen und starken Figuren, den ich unbedingt weiterempfehle. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil der Reihe!

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Komplexer Krimi mit einem tollen Ermittlerduo

Die Witwe
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DS Washington Poe und die Analystin Tilly Bradshow, eigentlich bei der Serious Crime Analysis Section auf Serienmörder spezialisiert, werden - mehr oder weniger freiwillig vom MI5 beauftragt zu ermitteln: ...

DS Washington Poe und die Analystin Tilly Bradshow, eigentlich bei der Serious Crime Analysis Section auf Serienmörder spezialisiert, werden - mehr oder weniger freiwillig vom MI5 beauftragt zu ermitteln: In einem geheimen Bordell wird ein Hubschrauberpilot, grausam gefoltert, tot aufgefunden. Da dessen Firma für Shuttleflüge bei dem in Cumbria bevorstehenden intenationalen Gipfeltreffen beauftragt ist, bekommt die Aufklärung ein besonderes Gewicht. DS Poe zur Seite gestellt werden Melody Lee vom FBI, die für die Sicherheit der US-Teilnehmer der Konferenz verantwortlich ist und - sehr zu Poes MIssfallen - die MI5 Mitarbeiterin Hannah Flint, die zu Beginn der Ermittlungen eine Keramikratte vom Tatort entwendet. Als Tilly durch diese Figur eine Verbindung zu einem länger zurückliegenden Banküberfall herstellt, bei dem nichts gestohlen, aber eine Leiche zurückgelassen wurde, ist Poes Interesse endgültig geweckt ....

Mike W. Craven ist ein britischer Krimi- und Thriller-Autor, der vor allem für seine Bestseller-Reihe um Detective Sergeant Washington Poe bekannt ist. Mit "Die Witwe" erscheint in Deutschland nun (am 1.1.26) der vierte Fall aus dieser Serie. EIne Kenntnis der vorhergehenden Werke ist absolut nicht erforderlich; ist es zwar an manchen Stellen eine Verbindung zu erkennen, doch ist - bis hin zu einer genauen Charakterisierung der beteiligten Figuren - dieser Krimi in sich abgeschlossen und rund.

Schauplatz dieses Krimis ist die Gegend um Cumbria im nordwestlichen England, einer rauhen und ländlichen Gegend.

Cravens Schreibstil ist flüssig und bildhaft. Ausgehend von einer doch als bizarr zu bezeichnenden Situation, also der gefolterten Leiche in einem geheimen Bordell, die bereits viele Fragen aufwirft, führt Craven seine Leser*Innen in einem hohen Tempo und teilweise eindeutigen Gewaltdarstellungen durch die Story. Immer neue überraschende Wendungen und Cliffhanger halten die Spannung auf einem extrem hohen Niveau, bis Poe schließlich zu einer von allen unvorhergesehenen Lösung kommt. Besonders gut gefallen hat mir hier, dass das Buch mit der Präsentation des Mörders noch nicht zu Ende war, sondern Craven Poe noch weitere Hintergründe entdecken ließ, die jetzt erst den Titel des Buches erklärten.
Brillant sind im gesamten Verlauf die Wortwechsel von Poe und Tilly, die inmitten der Grausamkeit der Verbrechen einen kontrastierenden schwarzen Humor offenbaren.

Überraschend an der Handlung dieses Krimis ist eine Hinwendung zum Militär. Allerdings ist diese so plausibel und in den Details und Fachbegriffen so genau erklärt, dass keine Fragen offen blieben. Hier merkt man auch, dass der Autor weiß, von was er schreibt, denn er war selbst Mitglied der Britischen Armee.

"Die Witwe" zeichnet sich aus durch das zentrale Duo der gesellschaftlichen Außenseiter: Washington Poe, einem zynischen, intuitiven Ermittler, und Tilly Bradshaw, einer hochbegabten zivilen Analystin, die sozial völlig unbeholfen ist und alles wörtlich nimmt. Und nur durch die Kombination dieser Fähigkeiten, Poes Hartnäckigkeit, seine Sturheit auch gegen die Wünsche des MI5 und seine Erfahrung und Tillys datenbasierter Analyse, kann die Lösung des Falles vorangetrieben werden. Obwohl beide Figuren unangepasst und durchaus schwierig zu nennen sind, sind mir beide schnell ans Herz gewachsen und mir haben ihre Interaktionen sehr gefallen.
Die weiteren Figuren sind nicht so umfassend beschrieben und insbesondere die Rolle von Hannah Flint blieb für mich recht undurchsichtig.
Ich hätte mir auch ein Personenverzeichnis gewünscht, da eine VIelzahl an handelnden Figuren und ihre unterschiedlichen Zugehörigkeiten zur National Crime Agency, zur Polizei, zum MI5 und FBI mich teilweise den Überblick verlieren ließen.

DIeser überaus komplexe Fall, die detaillierte Ermittlungsarbeit und das besondere zentrale Duo Poe/Tilly machen diesen Krimi im modernen Police Procedural Stil zu einem absolut empfehlenswerten Krimi, der Lust auf die komplette Reihe macht.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Intensiv und feministisch

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Felix, erfolgreich, wohlhabend und selbstbewusst und mit einer jungen, schönen und fruchtbaren Frau namens Eva liiert sowie zwei Kindern, lädt seinen besten Freund Matze, wenig erfolgreich und finanziell ...

Felix, erfolgreich, wohlhabend und selbstbewusst und mit einer jungen, schönen und fruchtbaren Frau namens Eva liiert sowie zwei Kindern, lädt seinen besten Freund Matze, wenig erfolgreich und finanziell sehr viel weniger gut gestellt und dessen Frau Linn, älter, nicht so schön und vor allem ungewollt kinderlos, in einen Luxusurlaub nach Südfrankreich ein. Während sich die Männer – klischeehaft männlich – alle Unterschiede ignorierend mit Crémant betrinken und angeln gehen, beobachten die Frauen sich und ihre Haltungen distanziert. Derweil Eva scheinbar in ihrer Mutterrolle aufgeht, ist Linn zerrissen zwischen dem Wunsch, mit einer weiteren künstlichen Befruchtung endlich Mutter zu werden und der Frage, ob sie überhaupt eine „gute“ Mutter sein kann…..

Die Autorin Dita Zipfel hat neben Romanen auch Drehbücher und Theaterstücke geschrieben, und „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ wirkt wie ein Kammerspiel mit seinen vier (oder genauer gesagt fünf) Darsteller*Innen in einer französischen Luxusvilla, ohne Statisterie und ohne Dekorationsaufwand; ausgenommen der gelbe Kanarienvogel, der die Titelseite ziert und auch als Symbol im Roman wirkt.

Die Kapitel sind kurz, genau wie die knappen Sätze und die manchmal fast sperrig wirkende Sprache. Dazu kommen viele Perspektivwechsel, die nicht gekennzeichnet sind und teilweise sehr abrupt wirken. Dennoch zeichnet Dita Zipfel ein klares Bild von ihren Figuren, ihren Gedanken und Wünschen; vieles entwickelt sich zwischen den Zeilen und lässt Raum für Interpretationen, dazu kommt eine starke Symbolik, mit der sich weiter befasst werden kann.
Obgleich die Themen um Kinderwunsch und die Frage einer „guten“ Mutter nicht (mehr) mein Thema sind, konnte mich dieser Roman absolut in seinen Bann ziehen mit seiner Intensität.

Während die Männer in ihren vertrauten Mustern bleiben und ihre zugewiesenen Rollen annehmen, stehen die Frauen im Mittelpunkt: sie beobachten, hadern mit sich und anderen, setzen sich mit dem Erfahrenen auseinander und planen schließlich ihre Zukunft. Aus Neid und Missgunst entwickeln sich im Laufe der Zeit Verständnis, Respekt und Solidarität bei Eva und Linn; schließlich werden sie sogar zu Verbündeten. Insbesondere die Frauen bestechen durch die einfühlsam beschriebenen Gedanken und Handlungen, ihre authentische Mehrdimensionalität und ihre Zerrissenheit sowie ihre mehr oder weniger offen gezeigte Wut. Und auch, wenn mir Linn vornehmlich unsympathisch blieb mit ihrer offen gelebten Female Rage und irritierenden Handlungen, war ihre Rolle durchaus nachvollziehbar und regte zum Nachdenken an.

Es ist beachtlich, wie viele Themen Dita Zipfel auf gerade einmal gut 200 Seiten abhandelt: Rollenbilder, patriarchale Strukturen, Weibliche Selbstbestimmung, Muttersein und ungewollte Schwangerschaften, die Belastungen künstlicher Befruchtungen, psychische Erkrankungen, weibliche Wut und gesellschaftliche Regeln. Gut beobachtet von der Autorin und mit feinen Zwischentönen kraftvoll erzählt. Für mich passte auch das einigermaßen überraschende Ende und viele offene Fragen absolut zu diesem Roman, der dahin reicht, wo es wehtut.

Ein Buch, das mich bewegt hat und noch lange nachhallt, aber das sicherlich polarisiert.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Tragik, Spannung und große Emotionen

Ewige Schuld
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Fritz Tiedemann wächst auf in dem Dorf Winnigstedt im Zonenrandgebiet. Als einziger aus seiner Altersgruppe geht er auf das Gymnasium in Wolfenbüttel und ist in beiden Welten ein Außenseiter. 1974 steht ...

Fritz Tiedemann wächst auf in dem Dorf Winnigstedt im Zonenrandgebiet. Als einziger aus seiner Altersgruppe geht er auf das Gymnasium in Wolfenbüttel und ist in beiden Welten ein Außenseiter. 1974 steht er kurz vor dem Abitur und verliebt sich in seine Mitschülerin Freda, die Tochter des Bürgermeisters. Nicht zuletzt von Freda angespornt, versucht Fritz, die Hintergründe zum Tod von zwei im Krieg zugewiesenen “Erntehelfern“ zu entschlüsseln und stößt dabei auf eine Mauer aus Schweigen im Dorf, an der er besser nicht gerüttelt hätte. Dann verführt ihn Elke, die Verlobte seines besten Freundes Helmut und Fritz beginnt eine Affäre mit ihr, obwohl er eigentlich mit Freda glücklich ist. So belügt und betrügt er alle und fühlt sich zunehmend schuldig.
Erst vierzig Jahre später, Fritz lebt inzwischen in Berlin, holt ihn seine Vergangenheit ein und ein Anruf führt ihn zurück in seine Jugend und es offenbart sich weitere Schuld…

Der deutsche Autor Arne Dessaul ist vielen LeserInnen bekannt durch seine Bochum-Krimis und seine Krimis um Kriminalhauptkommissar Helmut Jordan. Mit „Ewige Schuld“ wagt er nun ein Genre-Mix, in dem er die Geschichte des Antagonisten Fritz Tiedemann aus seinem Helmut-Jordan-Krimi „Bauernjäger“ erzählt. Natürlich muss man diesen nicht zuvor gelesen haben, um „Ewige Schuld“ verstehen und genießen zu können.

Im Mittelpunkt steht die Gemeinde Winnigstedt, bis zur Wiedervereinigung an der deutsch-deutschen Grenze gelegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg grenzte hier zunächst die Sowjetische Besatzungszone, bald die DDR an. Das tägliche Leben fand statt im Schatten der Todeszone. Dessaul, selbst in Winnigstedt aufgewachsen, gelingt es hervorragend, gesellschaftskritisch die Besonderheiten dieser Zeit in einer kleinen ländlichen Gemeinde darzustellen.
Außer dieser Zeitreise (auch in meine Jugendjahre) in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nimmt uns der Autor mit ins Nazideutschland, in dem u.a. Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft eingesetzt wurden, um die Agrarwirtschaft aufrecht zu erhalten.
Diese – in vielen Teilen – dunkle deutsche Geschichte verknüpft Arne Dessaul geschickt mit der persönlichen Lebensgeschichte der Hauptfigur und lässt sie dadurch umso lebendiger werden.

Arne Dessaul hat für seinen Roman eine Erzählperspektive gewählt, bei der die Figur Fritz Tiedemann aus der Ich-Perspektive erzählt. Hierdurch können die Leser
Innen seine Gefühle, Handlungen und deren Motive genau erfahren, was grundlegend für das Buch ist. Fritz ist ein komplizierter, mehrdimensionaler, aber durchaus authentischer Charakter, der fast alle Personen in seinem Umfeld belügt und betrügt und damit Schuld auf sich zieht. Seine oft moralischen Dilemmata sind erklärbar; ich tat mich allerdings sehr schwer mit der Tatsache, dass ein verliebter junger Mann, der sogar glücklich mit seiner großen Liebe ist, eine auf purem Sex begründete längerfristige Affäre mit einer Frau unterhält, die ansonsten überhaupt nicht seinen Ansprüchen genügt – und dies sehr ausführlich geschildert wird. Denn ansonsten war mir die Hauptfigur keinesfalls unsympathisch, zeigte der Autor doch sehr einfühlsam seine innere Zerrissenheit und sein Bemühen, seine Außenseiterrolle anzunehmen und den Wunsch, das moralisch Richtige zu tun.
Auch die anderen Figuren, ihre Entwicklungen, das Zwischenmenschliche im Positiven wie im Negativen, konnten mich überzeugen.

Die Sprache von Arne Dessaul ist flüssig und bildgewaltig und sehr gut lesbar.
Nachdem sich die Erzählung doch recht lange mit der Gesellschaftskritik und deutscher Geschichte beschäftigt, einem Coming-of-age-Roman und ein bisschen einem Liebesroman gleicht und sich zunächst etwas hinzog, wurde die Geschichte im Verlauf immer spannender und entwickelte sich schließlich zu einem dramatischen Krimi. Fritz Tiedemann wurde schließlich vom Spielball der Geschichte selbst zu einem Ermittler, der gleich zwei Cold Case Fälle aufzuklären hatte. Ungewöhnlich, aber in meinen Augen großartig, wurde den Leser*Innen hier mögliche Theorien aufgezeigt und teilweise belegt; allerdings gab es keine klassische Ermittlung, Aufklärung und keine rechtlichen Verurteilungen – und das bei gleich drei Mordfällen.

Nicht zuletzt zog sich eine Playlist durch den gesamten Roman; „Seasons in the Sun“ von Terry Jacks, gerade auch mit der Textzeile „Too much wine and too much song“, „Got to get you into my life“ von den Beatles, „I’d love you to want me“ von Lobo, „Waterloo“ von Abba, „Über den Wolken“ von Reinhard Mey und viele weitere Songs hintermalten die Geschehnisse und klangen bei mir alsbald als Ohrwürmer weiter.

Arne Dessaul konnte mich mit seinem ungewöhnlichen Genre-Mix überzeugen, der sowohl tiefgründig als auch unterhaltsam ist. Gerne empfehle ich „Ewige Schuld“ weiter.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Hochspannend, aktuell und beklemmend

Operation Machtergreifung
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Vor der Bundestagswahl 2029 will der hochangesehene Bundeskanzler Joachim Münster eine Rede an die Nation halten, um auf die rechte Gefahr der PfD (Partei für Deutschland) hinzuweisen und die Demokratie ...

Vor der Bundestagswahl 2029 will der hochangesehene Bundeskanzler Joachim Münster eine Rede an die Nation halten, um auf die rechte Gefahr der PfD (Partei für Deutschland) hinzuweisen und die Demokratie zu verteidigen. Der zum Schutz beauftragte Marc Anderson von den „Crisis Management Services“ schlägt als Ort die eng mit der SS-Vergangenheit und Himmler verbundene Wewelsburg vor als Zeichen gegen Rechts. Als das Unfassbare geschieht und Münster spurlos verschwindet, macht sich Marc Anderson gemeinsam mit der Kanzlergattin auf die Suche nach dem Bundeskanzler und stößt dabei auf ein rechtes Netzwerk aus Verschwörung, Gewalt und fanatischer Ideologie, sowie Kräfte, die eine Machtübernahme verdeckt vorbereitet haben und Deutschland in einen totalitären Staat verwandeln wollen …...

"Operation Machtergreifung" ist der fünfte Band der Marc-Anderson-Reihe des Erfolgsautors Jörg H. Trauboth. Da alle Bücher eigenständige, in sich abgeschlossene Werke sind, lässt sich auch dieses Buch problemlos ohne Vorkenntnis der vorherigen Bände lesen; da die agierenden Figuren um Marc Anderson sich weiterentwickeln, bietet jedoch die Lektüre aller Bände den größeren Genuss und ist ohnehin absolut empfehlenswert.

Der Autor war Generalstabs­offizier in der Luftwaffe und Waffensystem­offizier-Lehrer und hat Erfahrungen im internationalen Krisenmanagement. Dieses liest und spürt der Leser deutlich in diesem Lesestoff, denn Trauboths Begeisterung für seine Themen springt einen geradezu an; und die lebenslange Auseinandersetzung Trauboths mit dem Phänomen Rechtsradikalismus findet hier seinen Ausdruck.

Überhaupt sind Parallelen zur aktuellen politischen Lage überdeutlich, da hätte es die Benennung der rechtsradikalen Partei als „PfD“ kaum bedurft. Aktuelle Geschehnisse lassen sich wiedererkennen und zeigen, dass vieles von dem hier zu Lesenden bereits jetzt keine Fiktion mehr ist. Trauboth hat dies weitergedacht auf beklemmende Art und Weise, die leider nicht mehr abwegig erscheint und jeden Demokraten in Angst und Schrecken versetzen müssen.

Gut gefallen haben mir hier auch die geschichtlichen Rückblenden sowie die Details über die historisch so bedeutende Wewelsburg und die Erklärungen zur „schwarzen Sonne“, einem neonazistischen Symbol, das von der rechtsradikalen Szene häufig als Ersatzsymbol zum verbotenen Hakenkreuz verwendet wird.

Dieser Thriller war für mich mit seinen komplexen Machtstrukturen, verdeckten Operationen und überraschenden Wendungen hochspannend und ein echter Pageturner; doch zur gut konstruierten Spannungsgeschichte kommt hier dazu der beklemmende Eindruck, dass vieles von dem hier Beschriebenen keine Fiktion oder eine ferne Zukunftsvision mehr ist, sondern eine mögliche Eskalation unserer Gegenwart.

Die Ausarbeitung der Figuren gefällt mir wieder sehr; bis zu den Nebenfiguren sind alle multidimensional und zeigen durchaus überraschende Züge und Absichten, wodurch eine zusätzliche Spannung entsteht.

Die hohe Qualität des Romans spiegelt sich wider in einem ausführlichen Epilog, in dem der Autor – allgemein und genau auf einzelne Kapitel bezogen - Dichtung und Wahrheit genauestens voneinander abgrenzt und Quellenangaben anführt. Gerade die Anlehnungen an reale Personen und Geschehnisse zeigen, wie wichtig dieses Buch ist und vergrößern die Beklemmung beim Gedanken an eine mögliche Zukunft, die die rechtsradikale Partei in Aussicht stellt.
Ein Personenverzeichnis, das durchaus hilfreich sein kann und Informationen zur „Schwarzen Sonne“ zu Beginn und Hilfen im Umgang mit Rechtsradikalismus am Ende des Buches runden dieses Werk ab.

Jeder Leserin, der einen komplexen und spannenden Politthriller zu schätzen weiß mit großem Detailwissen , guter Recherche und der Begeisterung des Autors für seine Themen, findet mit "Operation Machtergreifung" eine beeindruckende Lektüre, die ich unbedingt weiterempfehle – vielmehr sogar gerne als Pflichtlektüre an den Schulen wüsste, damit sich junge Menschen bewusst mit unserer Geschichte auseinandersetzen und den Gefahren von Verschwörungen, Machtmissbrauch - und wie wichtig die Wahrung der Demokratie ist.

Spannend, mutig, verstörend und erschreckend aktuell.
Dafür bräuchte es sogar sechs von fünf Sternen!

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