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Veröffentlicht am 15.04.2026

Erklärung und Warnung

Faustschlag von rechts
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Der 15jährige Jarik fühlt sich unverstanden und verunsichert: Der Vater, der wegen einer Geliebten die Familie verlassen hat, ist unzuverlässig und enttäuscht seine Söhne ständig mit nicht eingehaltenen ...

Der 15jährige Jarik fühlt sich unverstanden und verunsichert: Der Vater, der wegen einer Geliebten die Familie verlassen hat, ist unzuverlässig und enttäuscht seine Söhne ständig mit nicht eingehaltenen Verabredungen, die nun alleinerziehende Mutter ist verbittert und überfordert und im Freundekreis fühlt Jarik sich unwohl, weil er GEfühle für Mo entwickelt, die aber scheinbar mit einem anderen anbändelt. Im Jugendclub kann JArik sich beim Boxen richtig austoben, und dann lädt ihn sein Boxtrainer zu einer Zeltfreizeit in den Ferien ein. Zum ersten Mal fühlt Jarik sich wieder wohl, findet Lob und Anerkennung. Doch nicht alles ist Gold, was glänzt ....

Die Erziehungswissenschaftlerin und Theaterpädagogin Stefanie Kaluza legt mit "Faustschlag von rechts" ihren ersten Jugendroman vor, der eine deutliche Botschaft verkündet.

Erzählt wird die Geschichte des 16jährigen Jarik aus seiner Perspektive, der verunsichert und enttäuscht ZUgehörigkeit und ANerkennung sucht und ein williges Opfer rechter Manipulation wird.
Die Schreibweise ist selbst für ein Jugendbuch sehr einfach gehalten, was mich aber nicht wirklich gestört hat.

Kaluza baut eine angenehme Spannungskurve auf - und obwohl es den Leser*Innen schon früh klar wird, wohin es mit Jarik gehen wird - bleibt es bis zum Ende spannend. Man mag es am Ende ein bisschen zu sehr Friede, Freude, Eierkuchen nennen, doch mich hat der versöhnliche Schluss begeistert; es gibt noch Hoffnung!

Jariks Gedanken und Konflikte sind gut verständlich beschrieben und es bleibt nachvollziehbar, wie er auf perfide Art von dem rechten Falk manipuliert werden konnte, auch trotz seines stabilen Freundeskreises. DIe Autorin hat hier eine Erklärung geschaffen, wie selbst kluge und nachdenkende Jugendliche auf die rechte Bahn geraten können - aber auch eine sehr deutliche Warnung ausgesprochen vor den existierenden Strömungen und ihren Gefahren.

Gerade der Wirklichkeitsbezug und die Aktualität sind erschreckend.

In meinen Augen ist "Faustschlag von rechts" ein wichtiges Buch, das sich als perfekte Schullektüre über alle Schulformen sehr gut eignen würde.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

TIefgehend

Der Fährmann
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Anfang des 20. Jahrhunderts – zwei Dörfer an der Österreischisch-Deutschen Grenze, getrennt durch die Salzach. Schon als Kinder sind Elisabeth, Annemarie und Hannes beste Freunde. Doch Hannes Winkler wird ...

Anfang des 20. Jahrhunderts – zwei Dörfer an der Österreischisch-Deutschen Grenze, getrennt durch die Salzach. Schon als Kinder sind Elisabeth, Annemarie und Hannes beste Freunde. Doch Hannes Winkler wird zu seinem Onkel, dem Fährmann geschickt, um zu dessen Nachfolger ausgebildet zu werden. Elisabeth, die die Gefühle von Hannes erwidert, muss Josef Steiner heiraten, Erbe des größtes Hofes in der Gegend. Und die Wirtstochter Annemarie, die eigentlich in Hannes verliebt ist, wird die Geliebte von Josef Steiner. Obwohl alle versuchen, ihr Schicksal zu ertragen, macht ihnen der jähzornige, brutale und eifersüchtige Josef das Leben schwer. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, scheinen sich die Rollen zu verändern ….

Die deutsche, in der bayrisch-österreichischen Grenzregion beheimatete Autorin Regina Denk ist vielen Leser*Innen bekannt durch ihre unter dem Pseudonym Fanny König veröffentlichten humoristischen Regionalkrimis. Nun legt sie (nach "Die Schwarzgeherin") mit „Der Fährmann“ unter ihrem Klarnamen ihren zweiten historischen Roman vor.

Die Heimatliebe der Autorin spiegelt sich deutlich im Setting wider. Anschaulich beschreibt sie das Leben und die Natur in der voralpinen Grenzregion. Eine besondere Rolle kommt dabei der Salzach zu; dieser Fluss fließt so träge daher, dass er einen Gegenpol zu den familiären Drama zu bilden scheint, doch unter seiner Oberfläche verbirgt sich eine trügerische, reißende Kraft. So ist die Salzach ein Symbol dafür, genau hinzuschauen, was sich unter der Fassade befindet.

Der Schwerpunkt der Handlung liegt auf den Frauen – ganz im Gegensatz zu dem Titel: Der Fährmann, der als ein Fixpunkt die Verbindung zwischen den Dörfern bzw. den Ländern darstellt, ist auch die Verbindung zwischen den Hauptfiguren. Er ist Beobachter, Freund, Ansprechpartner, doch auch er entwickelt sich irgendwann weiter und nimmt eine wichtige Rolle ein; man könnte es schon fast als Heldenreise betrachten.
Die Frauen hingegen sind die, deren Wünsche und Träume sich zerschlagen, die unter den patriarchalischen Strukturen und insbesondere dem gewalttätigen Antagonisten Josef Steiner zu leiden haben. Doch selbst dieser durch und durch böse scheinende Mann hat unter seinem Vater zu leiden und später unter Traumata. Diese Beschreibungen sind teilweise nur sehr schwer zu ertragen, da die Brutalität und gleichzeitige Hilf- und Rechtlosigkeit emotional belastet. Und anstatt dass die Frauen sich solidarisch zeigen, resignieren und erstarren sie in ihrer Machtlosigkeit – bis der Erste Weltkrieg ausbricht.

Die Figuren, die zunächst so eindimensional erscheinen, zeigen noch weitere Eigenschaften, entwickeln sich weiter und streben auf eine hoffentlich bessere Zeit hin.

Regina Denk zeichnet ein bemerkenswertes Sittengemälde der Neuzeit. Authentisch und detailgetreu beschreibt sie die Härte des Landlebens, persönliche Schicksale in einer Epoche - und sehr deutlich wird, dass wir uns keinesfalls diese Zeit zurückwünschen, in der Frauen rechtlos den Männern ausgeliefert waren. Gerade die Rolle der Frau seinerzeit ist für uns nur sehr schwer auszuhalten und weckt starke Emotionen.

Brandaktuell ist das Buch aber auch in einer anderen Hinsicht: Das Leben nicht nur der vier Hauptpersonen wird beeinflusst vom Ersten Weltkrieg; einem Krieg, der zwar nicht gerade vor ihrer Haustür abläuft, der jedoch erheblichen Einfluss auf ihr Leben hat. Regina Denk zeigt hier, dass auch wir von den momentan stattfindenden Kriegen – teilweise aus dem Nichts entstanden - beeinflusst werden, deren Auswirkungen sich zeigen, angefangen bei den knapper und teurer werdenden Energieträgern bis hin zu belastenden Staatsausgaben.

Sprachlich konnte Regina Denk mich sehr beeindrucken. Bildhafte, schon fast poetische Beschreibungen überzeugten mich. Komplexe Gefühle und Familiendynamiken waren wunderbar dargestellt, egal ob Neid, Freude, Hass oder auch Verzweiflung und Mitleid. Manche Sätze musste ich einfach wiederholen, so berührten sie mich.

Da die Autorin ein versöhnliches Ende in dieser doch sehr brutalen, teils gruseligen und höchst spannenden Geschichte finden wollte, die immer klug konstruiert war, steuert sie auf ein fulminantes Show-Down am Ende zu, das vielleicht in Teilen ein wenig überzogen war, aber mich dennoch mit einem guten Gefühl zurückließ.

„Der Fährmann“ ist ein kluger Roman, der neben dem Auslösen von starken Emotionen zum Nachdenken anregt und Hoffnung macht. Tiefgründig und nachhallend – definitiv ein Highlight!

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Maja Birk und Daniel Hartmann ermitteln in ihrem ersten Fall

Dunkelmann
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Als sich eine chinesische Delegation ankündigt, entdeckt Daniel Hartmann, Analyst beim dänischen Geheimdienst, dass einer der Teilnehmer mit einer falschen Identität einreisen will. Zusammen mit der Agentin ...

Als sich eine chinesische Delegation ankündigt, entdeckt Daniel Hartmann, Analyst beim dänischen Geheimdienst, dass einer der Teilnehmer mit einer falschen Identität einreisen will. Zusammen mit der Agentin Maja Birk, die gerade von einem tragisch geendeten Auslandseinsatz verletzt zurückgekehrt ist, soll Daniel den Fall untersuchen. Schon bald stellt sich heraus, dass das Interesse der Chinesen an Grönland auch mit Maja letztem Einsatz zusammenhängt, nur wie?

Der dänische Bestseller-Autor Jacob Weinreich hat sich für seine neue Reihe um die Geheimdienstler Maja Birk und Daniel Hartmann prominente Unterstützung an die Seite geholt: Lars Findsen war lange Zeit Chef des dänischen Geheimdienstes. Mit „Dunkelmann“ legt das Autorenduo nun den ersten Teil dieser brisanten Reihe vor.

Die klare, prägnante Sprache und die bildhaften, genauen Beschreibungen des Settings – das in der Türkei, Dänemark und Grönland beheimatet ist – schaffen eine tolle, durchaus düstere Atmosphäre.
Schnell ist zu bemerken, dass Lars Findsen exakt weiß, wovon er schreibt: Die detailgenauen Darstellungen der Geheimdienstarbeit tragen zu einem ungewöhnlichen, packenden Thriller bei, der mit aktuellen Themen wie Datenanalyse, Überwachung und dem politischen Interesse an Grönland aufwartet.

Den Autoren gelingt es von Anfang an, eine hohe Spannungskurve zu schaffen. Unerwartete Wendungen und eine raffiniert konstruierte Handlung ließen mich Seite um Seite verschlingen; auch, wenn die Geheimdienstarbeit mit ihren internen Abläufen für mich ein paar Mal kürzer dargestellt hätte sein können zugunsten von etwas mehr Action – doch so ist es sicherlich realistischer. Nach einem dramatischen Show-Down findet der Thriller ein befriedigendes Ende, in dem alle offenen Fragen aufgelöst werden.

Hervorzuheben ist die multidimensionale Figurendarstellung; sie alle wirken authentisch und menschlich mit Ecken und Kanten und zahlreichen persönlichen Problemen neben ihrer oder durch ihre Arbeit. Ihre inneren Konflikte sind glaubhaft und zeigen eine spannende Tiefe.

Im Gegensatz zu der brisanten Story lebt die komplexe Handlung von zahlreichen spannenden Beziehungen der Figuren untereinander neben dem eigentlichen Fall, was ich besonders interessant fand. Damit sind nicht (nur) die schwierigen Beziehungen von Maja und Daniel zu ihren Partner*Innen gemeint, sondern auch das Verhältnis von Daniel zu seinem Vorgesetzten Gregers und der Chinesin Jia zu ihren falschen Freunden sowie ihrem unfreiwilligen Geheimdienst-Kontakt, aber auch und vor allem Majas Verhältnis zu ihren Kollegen Mikael Meisler oder Ramin.
Aufgrund der hohen Anzahl an wichtigen Figuren (mit dänischen oder chinesischen Namen) hätte dem Buch ein Personenverzeichnis gut getan, um den Überblick zu gewährleisten.

Jacob Weinreich und Lars Findsen ist mit „Dunkelmann“ ein außergewöhnlicher Thriller gelungen, der durch seine intelligente Handlung und psychologische Tiefe überzeugt. Ich freue mich auf eine hoffentlich baldige Fortsetzung der Reihe um Maja und Daniel.

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Veröffentlicht am 04.04.2026

Der Meisterdetektiv Teil 2

Die Rätsel meines Großvaters
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Die junge Lehrerin Kaede kümmert sich liebevoll um ihren an der Lewy-Körper-Demenz erkrankten Großvater. Außerdem verbringt sie immer wieder Zeit mit ihrem Kollegen Iwata und dessen Freund Shiki. Die ...

Die junge Lehrerin Kaede kümmert sich liebevoll um ihren an der Lewy-Körper-Demenz erkrankten Großvater. Außerdem verbringt sie immer wieder Zeit mit ihrem Kollegen Iwata und dessen Freund Shiki. Die von den Freunden beobachteten oder erlebten Rätsel trägt Kaede ihrem Großvater vor, der in seinen lichten Momenten darin brilliert, die Rätsel zu entschlüsseln. Doch Kaede hat ein eigenes Trauma und gerät so selbst in einen Fall----
»Die Bibliothek meines Großvaters« ist bereits der zweite Roman des japanischen Autors Masateru Konishi. Es beruht zum Teil auf dessen eigenen Erfahrungen mit der Pflege seines demenzkranken Vaters und lehrt die LeserInnen einiges über die seltene Form der Demenz, das Lewy-Körper-Syndrom; dennoch erschienen mir einige Passagen nicht ganz glaubwürdig, sondern eher der dichterischen Freiheit zu unterliegen.
»Die Bibliothek meines Großvaters« war in Japan ein Bestseller und ist Teil einer Trilogie.
Die Handlung erinnert ein wenig an einen Episodenroman und ist durch die Treffen Kaedes mit ihrem Großvater sowie Iwara und Shiki angenehm verbunden und mit einem roten Faden ausgestattet.
Nach Art der klassischen Detektive löst Kaedes Großvater in seinem stillem Kämmerlein jedes Rätsel, das Kaede ihm vorträgt. Während im ersten Band noch der Schwerpunkt bei Agatha Christie liegt, kommt hier im zweiten Band das Gespräch immer wieder auf Alfred Hitchcock und seine klassischen Krimis.
Diesmal gibt auch Kaedes Freund Shiki den anderen ein Rätsel auf durch sein Verhalten, dem seine Freunde natürlich ebenfalls nachgehen und auch Kaedes großes Trauma spielt wieder eine Rolle.
Von der leicht erzählten Schreibweise sollte man sich nicht täuschen lassen, denn die Geschichten haben durchaus Tiefgang und die Handlung ist sehr emotional. Großartig empfand ich die Passage, in der Kaede mit ihrem Großvater wegen seiner zunehmenden Ausfälle eine Ärztin aufsucht und diese Kaede die positiven Seiten ihrer besonderen Situation aufzeigt und ermahnt, die Erkrankung nicht als Katastrophe anzusehen, sondern Mut macht. Dies gibt noch einmal einen anderen, bemerkenswerten Blick auf die Krankheit und kann auch den Leser
Innen Hoffnung machen, die ebenfalls mit einer Form von Demenz konfrontiert sind.
Die Figuren sind allesamt einfühlsam und mehrdimensional beschrieben; mich konnte ihr aller Schicksal absolut fesseln. Schade fand ich, dass die sich im ersten Band entwickelnden zarten Liebesbande nicht wirklich weiter verfolgt wurden; ich hoffe darauf, dass es hier im dritten und letzten Band zu einer Lösung kommt.
Der Roman ist auch eine Hommage an die klassische (Kriminal-)Literatur, und so besteht er nicht nur aus den ausschließlich mit Kombinationsgabe gelösten einzelnen Fällen, sondern enthält auch eine Vielzahl an Anspielungen und Hinweisen auf Bücher bzw. Filme (die ich leider nicht alle entschlüsseln konnte).
Sehr schön empfand ich das japanische Flair der Geschichte; nach einigen Erfahrungen muss ich doch sagen, dass japanische AutorInnen Geschichten einfach ganz anders erzählen als alles, was ich sonst lese.
Lobend erwähnen möchte ich auch die wunderschöne Ausstattung des Buches mit dem wundervollen Farbschnitt; dieser zusätzliche Genuss entgeht des Lesern des Ebooks leider.
Ich empfehle das Buch gerne weiter an jeden, der sich auf den besonderen Erzählstil einlassen mag. Da in unserer Zeit eigentlich jede
r früher oder später mit dem Thema der „Demenz“ in seinem Umfeld konfrontiert wird, möchte ich dieses Buch ebenfalls allen sehr ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Gegen gesellschaftliche Konventionen

Der Gesang der See
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In Sunnmøre an der Westküste Norwegens im 19. Jahrhundert führen die Einwohner ein hartes Leben, das geprägt ist vom Fischfang und der Schafzucht. Als die junge, schwangere Kristiane ihren Ehemann verliert, ...

In Sunnmøre an der Westküste Norwegens im 19. Jahrhundert führen die Einwohner ein hartes Leben, das geprägt ist vom Fischfang und der Schafzucht. Als die junge, schwangere Kristiane ihren Ehemann verliert, soll ihr auch das Lotsenrecht entzogen werden, das seit Generationen ihre Familie innehat, denn als Frau darf sie dieses nicht ausüben; genau, wie ihr viele andere Tätigkeiten nicht zugestanden werden. Ihr Versprechen an ihren Vater, das Recht in der Familie zu halten, kann sie nur durch eine schnelle neue Heirat halten. Kristianes Jugendfreund Lars, für den sie sich entscheidet, wird ein zuverlässiger und verständnisvoller Ehemann, guter Vater für Kristianes Sohn Lisje-Anders und gewissenhafter Lotse. Doch Kristiane verliebt sich in den Kaufmannssohn und Kapitän Fredrik…..

Die norwegische Schriftstellerin Trude Teige ist vor allem aufgrund ihrer Generationen Romane 2015-2025) bekannt und beliebt. „Der Gesang der See“ von 2002, der sie als Autorin bekannt machte, wurde allerdings jetzt erst auf Deutsch veröffentlicht; in ihm verarbeitet sie ihre eigenen Erfahrungen als Tochter eines Fischers an der norwegischen Westküste und die Geschichte ihrer Ururgroßmutter, die sich ihren Platz in der Männerwelt erkämpfte; sicher ein Grund, warum der Roman überaus authentisch und glaubhaft wirkt.

Die norwegische Landschaft mit ihren harten Lebensbedingungen ist überzeugend beschrieben.

Trude Teige schreibt klar und bildhaft und auf ruhige Art und Weise. Wie die Einwohner des Fischerortes macht sie kein großes Aufheben um die Geschehnisse, sondern beschreibt nüchtern die Vorgänge und schafft dennoch dabei eine gewisse Emotionalität. Allerdings ist in meinen Augen deutlich zu erkennen, dass die Autorin sich in den späteren Romanen weiterentwickelt hat und es ihr noch stärker gelingt, die LeserInnen in die Geschichte hineinzuziehen.

Teige zeichnet ein genaues Bild der norwegischen Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Sehr deutlich kommt dabei das patriarchalische Verhalten der Einwohner zum Ausdruck. Frauen waren nicht nur bestimmte Tätigkeiten wie das Arbeiten als Lotse untersagt, sie waren auch stark eingrenzenden gesellschaftlichen Zwängen unterworfen. Kristiane agiert in einer Weise, die widersprüchlich zu den geltenden gesellschaftlichen Konventionen ist und eckt mit ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung immer wieder an. Dabei kämpft sie nicht nur für sich selbst um einen Platz in der Männerwelt, sondern für alle Frauen, wie zum Beispiel die musikalische Andrine, der ihre Familie Cellospielen verbietet, weil es angeblich unschicklich ist.

Die Figuren sind mehrdimensional beschrieben und als Leser
In erhält man ein genaues Bild der klassengeprägten Gesellschaft zu der Zeit. Allerdings empfinde ich eine gewisse Distanz selbst zu Kristiane, obwohl ich sie als starke Frau schätze und bewundere.

Für dieses bewegende und überaus lesenswerte Buch vergebe ich vier Sterne und empfehle es gerne weiter.

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