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Veröffentlicht am 03.09.2025

Berührend und authentisch

Die Briefeschreiberin
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Worum geht es in dem Buch?
Sybil van Antwerp ist 73 Jahre alt und schreibt Briefe, manchmal auch E-Mails. Einst war sie als Juristin tätig und arbeitete mit dem Richter Guy Donnelly zusammen. Sie schreibt ...

Worum geht es in dem Buch?
Sybil van Antwerp ist 73 Jahre alt und schreibt Briefe, manchmal auch E-Mails. Einst war sie als Juristin tätig und arbeitete mit dem Richter Guy Donnelly zusammen. Sie schreibt an Daan, ihren Ex-Mann, der in Belgien lebt. Sie schreibt an ihre beiden erwachsenen Kinder Fiona und Bruce. Sie schreibt an ihren Nachbarn Theodore Lübeck. Sie schreibt an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, zum Beispiel Joan Didion und Diana Gabaldon. Und so weiter.
Sie schreibt alles, was sie bewegt, was sie sagen will, was sie gerade liest. Sie versucht, sich zu entschuldigen, sie rechtfertigt sich, sie erinnert sich – sie schreibt über vieles. Sie weiß nicht, wie lange sie noch schreiben kann – denn in einigen Jahren wird sie ihr Augenlicht verlieren. Das hat ihr ein Arzt gesagt.
Sie bekommt meistens Antworten auf ihre Briefe – auch diese sind im Buch zu lesen.
Sybil wurde als Kind von Pflegeeltern angenommen, genau wie ihr Bruder Felix. Damit hat sie sich abgefunden – bis ihr Sohn Bruce ihr einen Weg zeigt, mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Das tut sie – und erfährt Erstaunliches.

Meine Meinung zu diesem Buch:
Ich wollte dieses Buch lesen, weil ich selbst schon seit Jahren gerne Briefe schreibe. Bewegend und authentisch sind Sybils Briefe. Sybil ist mir sympathisch. Einerseits ist sie resolut, andererseits geht sie in sich und sieht Fehler ein.
Man bleibt an der Lektüre dran, weil man wissen will, wie Sybils Sohn Gilbert ums Leben kam, ob sich mit ihrem Nachbarn Theodore mehr als nur eine Freundschaft entwickeln wird, ob sie mehr über ihre Herkunft erfahren wird und so weiter. Man begleitet als Leser:in Sybil über mehrere Jahre.
Damit man nicht durcheinanderkommt mit den Personen, denen Sybil schreibt, gibt es am Schluss des Buches ein Personenverzeichnis.
Dieser Briefroman ist lesenswert, berührend und authentisch. Langweilig wird das Buch nie, da sich Sybil mit vielen verschiedenen Menschen und Problemen in ihren Briefen befasst.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich vergebe fünf Sterne.


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Veröffentlicht am 20.08.2025

Ein leichter Sommerroman

Noch fünfzig Sommer mehr
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Worum geht es in dem Buch?
Eleni ist glücklich verheiratet mit Théo. Die beiden verstehen sich, die beiden sind ein Herz und eine Seele. Eleni ist gerührt, als Théo ihr ein Kaninchen mitbringt, dass sie ...

Worum geht es in dem Buch?
Eleni ist glücklich verheiratet mit Théo. Die beiden verstehen sich, die beiden sind ein Herz und eine Seele. Eleni ist gerührt, als Théo ihr ein Kaninchen mitbringt, dass sie Annemone nennt.
Doch das Glück ist jäh zu Ende, als Théo stirbt. Eleni ist untröstlich. Sie zieht sich zurück in das Haus ihrer Großeltern in der Bretagne. Sie schottet sich ab. Nur Annemone leistet ihr Gesellschaft.
Doch jemand stellt ihr Pflanzen vor die Haustüre. Briefe sind dabei – Eleni ist erfreut, berührt, aber sie will auch wissen, von wem die Briefe kommen. Jemand scheint zu wissen, wie traurig sie ist ohne Théo. Vielleicht Pierre, ihr ehemaliger Jugendfreund, der jetzt als Tierarzt praktiziert?

Meine Meinung zu diesem Buch:
Das Buch ist in der Vergangenheit aus der Perspektive des auktorialen Erzählers (also kein Ich-Erzähler) verfasst. Der Schreibstil ist sehr einfach – manchmal wie ein Kinderbuch. Das Buch liest sich schnell. Es gibt zwei Handlungsstränge, einmal die Gegenwart und immer wieder werden Ereignisse aus Elenis Vergangenheit erzählt.
Die Geschichte kann mich jedoch nicht ganz berühren – ebenfalls nicht die Figuren. Eleni, Pierre und Théo sind sympathisch. Théo war mein Lieblingscharakter in dem Buch, schade, dass er so schnell weg ist.
Die Botschaft des Buches ist, wie man wieder Lebensfreude bekommen kann, nachdem man einen ganz harten Verlust erleben musste. Das ist nett erzählt, aber mir fehlt mehr Tiefe.
Ich vergebe drei Sterne.


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Veröffentlicht am 09.08.2025

Ein Roman, der viel Geduld verlangt

Als wir im Schnee Blumen pflückten
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Worum geht es in dem Buch?
Die Volksgruppe der Samen lebt in Schweden. In dieser Geschichte geht es um ein samisches Ehepaar, um Mariddja. Ihr dementer Mann heißt Biera.
Mariddja und Biera konnten keine ...

Worum geht es in dem Buch?
Die Volksgruppe der Samen lebt in Schweden. In dieser Geschichte geht es um ein samisches Ehepaar, um Mariddja. Ihr dementer Mann heißt Biera.
Mariddja und Biera konnten keine eigenen Kinder bekommen. So war ihr Neffe Kaj, der einige Zeit bei ihnen lebte, wie ein Sohn für das Paar.
Als Mariddja die Nachricht bekommt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist, hat sie zwei Wünsche: erstens, dass Biera nicht davon erfährt, und zweitens, dass sie Kaj noch einmal sehen kann.
Währenddessen versucht Viveca vom Sozialdienst, Mariddja und Biera in einem Heim unterzubringen. Sie weiß Bescheid über Mariddjas Krankheit.

Meine Meinung zu diesem Buch:
Die Samen erzählen gerne, damit sie durch ihre Geschichten in Erinnerung bleiben. Das ist ein guter Gedanke. Als Leser ist man allerdings oft durch die vielen fremdländisch klingenden Namen herausgefordert. Dasselbe gilt für einige Wörter in samischer Sprache, die auch nicht übersetzt werden – zum Beispiel Háldin, Lavvu, Dalarna-Malerei.
Es gibt zwei Handlungsstränge aus der auktorialen Erzählperspektive (also kein Ich-Erzähler). Die Handlung selbst ist nicht spannend, sie ist ruhig erzählt, man muss als Leser schon viel Zeit haben. Irgendwann taucht in der Handlung Kaj auf, der mit seinem Bruder Gustav das Haus des Vaters sichten, der vor kurzem starb. Sie möchten wissen, welche Sachen sie wegwerfen und welche Sachen sie behalten werden. Die Mutter ist vor dem Vater gestorben, sie hat für die beiden Söhne Pakete gepackt mit den Dingen, die sie ihnen hinterlassen wollte.
Man liest das Buch, um zu wissen, ob Mariddja Kai wiedersehen kann. Bis dahin arbeitet sich der Leser durch viele ruhige Kapitel mit einigen ungewöhnlichen Vornamen und samischen Wörtern. Das ist mühsam.
Während einer längeren Bahnfahrt oder Busfahrt kann man das Buch lesen – sollte man es neben dem Alltag lesen, kann es schnell eintönig und langweilig werden. Ich vergebe drei Sterne.

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Ein dünnes Buch mit starkem Inhalt

Die Geschichte des Klangs
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Worum geht es in dem Buch?
Lionel und David lernen sich 1917 in einer Kneipe kennen. Lionel kann hervorragend singen, David spielt wunderbar Klavier. Sie ergänzen sich in ihrer Liebe zur Musik und in ihren ...

Worum geht es in dem Buch?
Lionel und David lernen sich 1917 in einer Kneipe kennen. Lionel kann hervorragend singen, David spielt wunderbar Klavier. Sie ergänzen sich in ihrer Liebe zur Musik und in ihren besonderen Begabungen. Wenn sie sich nicht sehen, bleiben sie durch Briefe in Kontakt.
1919 wandern die beiden durch einen Teil der USA, um Balladen und Melodien zu sammeln. Volkslieder, die Frauen und Männer in einen Trichter singen. Diese Lieder werden dann auf einen Wachszylinder gespeichert. Danach trennen sich ihre Wege erneut. Lionel versucht, wieder mit David in Kontakt zu treten und muss erfahren, dass David einige Wochen nach ihrer Wanderung gestorben ist. Verschwunden sind auch die Wachszylinder mit den Liedern.
Lionel macht später Karriere als Autor von Büchern über amerikanische Folkmusik – aber die Wachswalzen bleiben verschwunden.

Meine Meinung zu dem Buch:
Die Geschichte besteht aus zwei Teilen. Sie ist in einem melodischen, fast lyrischen Stil in der Vergangenheit verfasst. Lionel ist der Ich-Erzähler des ersten Teils. Der zweite Teil ist aus der auktorialen Erzählperspektive geschrieben und findet einige Jahrzehnte später statt. Im Laufe der Lektüre wird klar, dass beide Teile miteinander zu tun haben.
Die Handlung berührt, Lionel und David sind sympathisch – und man ist als Leser traurig über Davids frühen Tod. Man fragt sich, wie es für Lionel weitergeht.
Ich habe das Buch gerne gelesen. Der Nachteil ist, dass es dünn ist. Gerade mal 104 Seiten. Aber es ist ein hübsches Buch für Leute, die Musik mögen und die sich mit einer Geschichte, die mit Musik und Klang zu tun hat, befassen wollen.
Hat man das Buch beendet, denkt man noch darüber nach – denn die Geschichte ist gut erzählt und sie berührt. Ich vergebe vier Sterne.


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Veröffentlicht am 22.07.2025

Ein weiterer Norderney-Roman

Für immer Dünenglück
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Worum geht es in dem Buch?
Beeke Radke ist die Zwillingsschwester von Raik und arbeitet im Hotel Petersen auf Norderney. Mit dem Arbeitsklima kommt sie nicht mehr zurecht, seitdem Sarah Kluut die stellvertretende ...

Worum geht es in dem Buch?
Beeke Radke ist die Zwillingsschwester von Raik und arbeitet im Hotel Petersen auf Norderney. Mit dem Arbeitsklima kommt sie nicht mehr zurecht, seitdem Sarah Kluut die stellvertretende Direktorin im Hotel ist. Jann Petersen, der bisherige Chef, hat einen Burnout erlitten und möchte die Leitung abgeben. Sein Sohn Joon, der lange auf Ibiza lebte, kehrt zurück nach Norderney und versucht, das Hotel zu führen.
In Beeke keimt die alte Liebe zu Joon wieder auf. Doch Joon birgt ein dunkles Geheimnis, über das er lange Zeit nicht reden will, nicht einmal mit seinen Eltern.
Doch das Geheimnis kommt ans Licht – schmerzlich und unerwartet – und nicht so, wie Joon es gerne haben wollte.

Meine Meinung zu dem Buch:
In diesem Roman geht es sehr viel um Familie. Seitdem die Eltern der Radke-Geschwister bei einem Unfall ums Leben kamen, halten Raik, seine Zwillingsschwester Beeke und der Bruder Klaas sowie die Schwestern Nele und Tessa meistens zusammen, auch wenn nicht alle auf Norderney wohnen.
Im Gegensatz zu „Inselsommer“ hat mich „Dünenglück“ beim Lesen etwas genervt, denn Joon kam für mich nicht überzeugend rüber. Jemand, der einen harten Schicksalsschlag zu verkraften hatte, benimmt sich nicht so, wie sich Joon oft benimmt.
Die ostfriesische Insel Norderney ist eine gute Kulisse für den Roman, obwohl für mich mehr Norderney-Feeling hätte dabei sein können. Der Roman ist ziemlich ausufernd, typisch für einen Liebesroman.
Gestört haben mich Grammatikfehler, wie zum Beispiel „das Hotelzimmer, was er gemietet hatte“ anstatt „das Hotelzimmer, das er gemietet hatte“. Hier hätte man sorgfältiger lektorieren können.
Ich habe diesen Roman während eines Aufenthalts in Ostfriesland und sogar einiger Stunden auf Norderney gelesen, und ich fand ihn befriedigend. Ich vergebe 3 Sterne.

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