"Segen und Glück" ist ein Kurzgeschichtenband. Einige weihnachtliche Geschichten, die sich darin befinden, wurden schon veröffentlicht, alle anderen sind neu. Und doch kommen manche einem bekannt vor, ...
"Segen und Glück" ist ein Kurzgeschichtenband. Einige weihnachtliche Geschichten, die sich darin befinden, wurden schon veröffentlicht, alle anderen sind neu. Und doch kommen manche einem bekannt vor, teilweise sind es alte Legenden, neu verpackt.
Die kurzen Geschichten regen zum Nachdenken an. Es sind 35 Geschichten über Gaukler, Kinder, Weise, Prinzen, Handwerker, Diener und eben auch über den Nachtfalter vom Klappentext.
Wer Geschichten sucht, die man auch mal vor mehreren Menschen vorlesen kann, z.B. an Seniorenveranstaltungen oder im Familienkreis, ist mit diesem Buch gut bedient. Die Geschichten bieten viele Themen an. Mir besonders gefallen hat "A, B, C, D", wo es um einen Jungen geht, der nicht weiss, wie er beten soll.
Paulo Coelho ist sich mit diesen Geschichten treu geblieben. Wer seine Bücher mag, mag "Segen und Glück" sicherlich auch.
Fazit: Ein tolles Geschenkbuch für sich selbst oder zum Verschenken.
4 Sterne.
Theresia Graw schreibt in "In uns der Ozean" über das Leben von Rachel Carson, oft Ray gennant, eine Meeresbiologin und Schriftstellerin, geboren 1907. Graw zeichnet ein grossartiges Bild einer beeindruckenden ...
Theresia Graw schreibt in "In uns der Ozean" über das Leben von Rachel Carson, oft Ray gennant, eine Meeresbiologin und Schriftstellerin, geboren 1907. Graw zeichnet ein grossartiges Bild einer beeindruckenden Frau, die ihr Privatleben aufgab, für ihren Drang, Gutes zu bewirken. In jeder Zeile spürt man Rachels Liebe zu kleinen Dingen, ihre Begeisterung und Dankbarkeit.
Aufgrund der Familienverhältnisse muss Rachel das Forschungsinstitut verlassen und arbeitet fortan bei der Fischereibehörde, schreibt dort Texte für das regelmässig erscheinende Heft und kann bald darauf Geschichten für eine Radiosendung schreiben, in denen sie Hintergrundwissen lebendig erzählt. An dieser Arbeitsstelle lernt sie Dan Evans kennen, die beiden mögen sich, auch er nimmt die Welt durch Poesie und mit Liebe wahr. Leider aber entpuppt auch er sich als Mann seiner Generation, dessen Ehefrau zuhause sein und nicht arbeiten soll. Als sie später seine Stelle als Junior Meeresbiologin übernehmen kann, bleibt sie trotzdem Mitarbeiterin zweiter Klasse, indem ihr zum Beispiel Forschungsreisen verwehrt werden.
Später wird sie zudem freie Journalistin für Daily Sun und als es ihr endlich gelingt, ein wichtiges Naturbuch bei einem renommierten Verlag zu veröffentlichen, ist sie überglücklich, doch nur fünf Wochen später folgt der geschichtsträchtige Angriff auf Pearl Harbor und ihr Buch wird nicht mehr ge- und verkauft. Rachels Leben wird geprägt von Wirtschaftskrisen, Angriffen und Kriegen.
Sie kämpft vor allem gegen das Insektizid DDT und macht den Menschen klar, dass Fortschritt teilweise auch furchtbare Folgen haben kann - "Fortschritt ist nicht "grösser, schneller, billiger", sondern klüger zu werden." - und wahre Wissenschaft immer auch nach den Folgen fragt. Was bei den ersten, wenigen Studien zu DDT sträflichst vernachlässigt wurde.
Ausgehend von einem bevorstehenden Tnterview im Jahre 1963 wechselt der Roman in Rachels Vergangenheit und kommt immer wieder in die Gegenwart, aber immer nur für kurze Szenen vor dieser wichtigen TV-Sendung, zurück, bis sich dann alles zusammenfügt.
Rachel, mittlerweile an Magenkrebs erkrankt, mobilisiert ihre eigenen Kräfte, damit sie gegen ihren Erzfeind argumentieren kann. Diese Sendung stellt sich als Höhe- und Wendepunkt ihres Kampfes heraus, sie gewinnt mit ihrem Auftritt an Gehör für diese wichtige Sache. Erst Präsident Kennedy setzt sich aufgrund der TV-Sendung für bessere Studien ein, ein Verbot für DDT erfolgt 1972 - acht Jahre nach Rachels Tod.
Doch auch Rays Privatleben spielt eine grosse Rolle in diesem Roman, der aus ihrer Sicht geschrieben ist. Erst sorgt sie für ihre Familie, adoptiert dann ihre Nichten, später den Sohn ihrer Adoptivtochter. Sie selbst kommt dabei jahrelang zu kurz, bis sie jemanden kennenlernt, doch diese Verbindung darf nicht sein.
Es ist auch eine Geschichte über sich ändernde Lebenspläne aufgrund der äusseren Umstände. Immer wieder hadert Rachel damit, denn Rachel liebte die Forschung, eigentlich aber auch das Schreiben. Als sie die Forschung aufgeben musste, war sie sich nicht im Klaren darüber, dass sie mit ihrer Erzählstimme und ihren Büchern schlussendlich womöglich viel mehr bewirkte als als Forscherin. "Ich möchte forschen, ich möchte schreiben, mit Geschichten berühren und aufrütteln." Das ist ihr auf jeden Fall gelungen!
Mich erinnerte das Buch stark an den Film "Erin Brokovich". Wem der Inhalt dieses Filmes gefallen hat, begeistert sich auf jeden Fall auch für "In uns der Ozean".
Von der ersten Seite an war ich gepackt von dieser intensiven Geschichte über diese unglaublich starke Frau. Genau wie es Rachel Carson mit ihren Büchern bewirkte, schafft es auch Theresia Graw uns das Leben und der Einsatz von Rachel Carson nahe zu bringen, mit einer unglaublichen Tiefe.
Fazit: Grossartige Story über eine starke Frau, äusserst feinfühlig erzählt. Ein Lese-Highlight!
5 Sterne.
Die gehörlose Alice von Battenberg - Tochter von Prinzessin Victoria von Hessen-Darmstadt, Mutter von Philip, des späteren Gemahl von Queen Elizabeth II., verheiratet mit Andreas von Griechenland - die ...
Die gehörlose Alice von Battenberg - Tochter von Prinzessin Victoria von Hessen-Darmstadt, Mutter von Philip, des späteren Gemahl von Queen Elizabeth II., verheiratet mit Andreas von Griechenland - die in mehreren Sprachen perfekt Lippenlesen konnte, die vielleicht in ihrem Körper gefangen war und ihre Aussenwirkung nicht immer abschätzen konnte, darf hier mit ihrer eigenen Stimme aus ihrem Leben erzählen. Frech, gnadenlos und scharfzüngig.
Vielleicht ungewohnt für alle, die keine Ahnung von der Biografie der Prinzessin haben, und deshalb sollte man vor der Lektüre von Disches "Prinzessin Alice" zumindest ihren Lebenslauf gegoogelt haben, um zumindest ein bisschen Ahnung zu haben, auf was die Autorin alles anspielt.
Alice liebte Gott und die Lust, ihre Schwägerin Marie Bonaparte Sigmund Freund, Edwina Mountbatten liebte viele Männer. Diese drei Frauen stehen im Mittelpunkt dieses Romans, denn Marie und Edwina verbrachten viel Zeit mit Alice, brachten sie in eine Psychiatrische Klinik und halfen ihr aber auch wieder raus.
Es war ein sehr turbulentes Leben, das Alice führte. Historische Zeitumbrüche in Griechenland und Deutschland, der Krieg, der auch England nicht verschonte. Dazu die Gehörlosigkeit, die ihren Töchtern teilweise peinlich war, aber auch das überbordende Innenleben, das einen Weg nach aussen suchte. War Alice psychisch krank, bloss verrückt oder nahm sie sich einfach nur die Freiheit so zu sein, wie sie sein wollte, die Freiheit aus dem adligen Rahmen zu fallen? Diese Fragen haben sich schon viele Menschen gestellt, und nach der Lektüre von Disches "Prinzessin Alice" würde man dabei die Antwort wahrscheinlich in letzterem oder einer Kombination von allem finden.
Dische zeichnet ein sehr freies und faszinierendes Bild von Alice. Ich mochte diesen rasanten und sprachgewaltigen Schreibstil, da er eine neue Sichtweise auf diese sehr interessante historische Figur bietet.
Fazit: Irene Dische vermittelt einen beeindruckenden und sehr lesenswerten Eindruck von Prinzessin Alice von Battenbergs Leben, frech und scharfzüngig.
4 Sterne.
In "Menomorphosen" sammeln sich 26 Geschichten über Frauen im besten Alter. Nur empfinden das nicht alle gerade so. Die Frauen, deren Geschichten in diesem Buch erzählt werden - alle geschrieben von Autorin ...
In "Menomorphosen" sammeln sich 26 Geschichten über Frauen im besten Alter. Nur empfinden das nicht alle gerade so. Die Frauen, deren Geschichten in diesem Buch erzählt werden - alle geschrieben von Autorin Jule Ronstedt -, sind alle plus minus 50 Jahre alt.
Sie schildern, an welchem Lebensabschnitt sie gerade stehen. Die einen sind frisch getrennt und leiden, andere haben ihr Glück - das ganz unterschiedlich interpretiert werden kann - endlich gefunden. Einige sind kinderlos geblieben, andere erst gerade Mutter geworden. Olga freut sich, dass ihre Kinder endlich aus dem Haus sind und sie wieder selbst den ersten Platz in ihrem Leben hat. Elli hat Angst, mit ihrem Postmenopausen-Körper nach etlichen Jahren wieder in die Dating-Welt einzutauchen. Schauspielerin Greta bekommt nur noch namenlose Rollen als "Frau von...". Nele fragt sich, ob kosmetische Eingriffe vielleicht helfen würden, sich begehrter zu fühlen. Bei den einen ist die Brust, der Mann, die Eltern, der Job, die Energie weg und andere fragen sich, ob sie ihre Blümchenkleider in diesem Alter noch tragen dürfen oder besser nicht. Probleme, Sorgen, Freuden, wieder entdeckt oder verloren, Neuanfänge oder ein Weitergehen in bisherigen Pfaden: es sind viele Lebensbereiche, die behandelt werden; aber den allermeisten Frauen um die 50 ist es ein gut bekanntes Themenfeld, das die Autorin hier absteckt.
In manchen Geschichten begegnen wir einigen der porträtierten Frauen wieder, so dass es sich doch nicht so nach Kurzgeschichten-Band anfühlt. Ich freute mich jedenfalls über die hergestellte Verbindung. Alle dieser Frauen haben eines gemeinsam: sie sind gerade kurz vor, in oder nach der Menopause. Ich wünschte, ich hätte das Buch vor über zehn Jahren lesen können, als mir das "Menopossel" sehr früh begegnete und kein Arzt wusste, was los ist. Die Geschichten dieser fiktiven Frauen zeigen, dass alle da durch müssen, dass niemand die gleiche Geschichte hat, aber ähnliches Empfinden da ist und man nicht alleine ist, auch wenn sich das für die Frauen jeweils oft so anfühlt. Die Namen der Frauen umfasst das ganze ABC, deshalb gibt es von A-Z je eine Geschichte, 26 insgesamt.
"Menomorphosen" ist kein Buch, das man in einem Rutsch durch liest, sondern eher immer mal wieder eine Geschichte oder zwei aufs Mal. Die meisten Storys sind kurz, so dass man sie in fünf bis zehn Minuten gelesen hat - ideal zum Beispiel, wenn frau eine kurze Strecke mit dem ÖV unterwegs ist. Man könnte auch morgens beim Kaffee trinken eine lesen oder als Gute-Nacht-Geschichte. Oder aber, man schenkt das Buch anstatt eines Adventskalender sich selbst oder guten Freundinnen, die sich gerade in dieser Lebensspanne befinden. Ich wette, das Geschenk kommt gut an, weil es einfach mal was anderes ist und die Leserinnen abholt.
Fazit: Toll erzählte Geschichten über Frauen in allen Phasen der Wechseljahre und lesenswert für alle Menschen, nicht nur für Frauen, die gerade selbst darin stecken oder diese Lebensphase bereits durchgemacht haben.
4 Sterne.
Kommissar Felix Zack isst für sein Leben gern, wie gut, dass ihn sein aktueller Fall in die Herrengasse bringt, wo Köchin Mila Sokol seit einigen Monaten für das leibliche Wohl der Bewohner dieses Stadtpalais ...
Kommissar Felix Zack isst für sein Leben gern, wie gut, dass ihn sein aktueller Fall in die Herrengasse bringt, wo Köchin Mila Sokol seit einigen Monaten für das leibliche Wohl der Bewohner dieses Stadtpalais sorgt - und ab nun auch für Kommissar Zack, der findet zu seinem Glück immer neue Ermittlungsansätze, um einen Grund zu haben, die Familie Steinhäusel zu besuchen, denn Herr Steinhäusel ist verstorben.
Alles deutet auf eine Vergiftung hin. Schuld soll die neue Köchin Mila sein, die zwar von der Zuckerkrankheit wusste und für Herrn Steinhäusel und seine zweite Ehefrau extra zuckerfrei kochte und backte. Gut, die junge Frau Steinhäusel ass eh kaum was, aber Herrmann Steinhäusel schätzte es sehr. Nun soll also Mila ein Fehler unterlaufen sein - dies behauptet die grosse Familie, die die Adventszeit traditionsgemäss bei Steinhäusels in der Herrengasse verbrachte.
Mila weist die Schuld von sich und beobachtete nicht nur die Ankunft der Familienmitglieder, darunter Schwestern und Kinder von Herrmann Steinhäusel, mit ihren Ehemännern- oder frauen und Verlobten, sondern beobachtet auch, wie sie miteinander umgehen. Ihre Beobachtungsgabe ist gut und ihre Rückschlüsse nimmt selbst Kommissar Zack gerne zur Kenntnis.
Felix Zack kann noch niemanden - ausser vielleicht Mila, denn wer so gut kochen und backen kann wie sie, muss doch unschuldig sein - ausschliessen, auch das weitere Personal ist verdächtig.
Beate Maly erzählt gewohnt lebendig wie es in dem grossen Haushalt zu und her geht, erläutert, weshalb gewisse Familienmitglieder ihre Gründe für den Mord hätten und schildert ein farbiges und der Zeit entsprechendes Bild von Wien anno 1910.
Die Adventsstimmung ist spürbar und auch die Spaziergänge von Felix Zack, dem schon bald ein streunender Hund hinterherläuft, kann man sich gut vorstellen.
Mila Sokol bäckt unter anderem "Powidltascherl". Bis zuletzt hatte ich keine Ahnung was "Powidl" sind, da das Wort nie erklärt wird. Auch auf den letzten Seiten folgte leider keine Erklärung, für die speziellen österreichischen Ausdrücke. Das fand ich schade. Ansonsten hat mich "Mord im Stadtpalais" gut unterhalten.
Fazit: Ein schöner Krimi für die Adventszeit.
4 Sterne.