Profilbild von Talisha

Talisha

Lesejury Star
offline

Talisha ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Talisha über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2022

Erben will gelernt sein

Der Rabbi und der Kommissar: Du sollst nicht morden
0

Krimis mit Ermittler, die eigentlich Pfarrer, Nonnen, Mönche oder eben Rabbis sind, mochte ich immer schon gerne, sie gehören zu meinem Beuteschema. Deshalb kam ich auch nicht an "Der Rabbi und der Kommissar ...

Krimis mit Ermittler, die eigentlich Pfarrer, Nonnen, Mönche oder eben Rabbis sind, mochte ich immer schon gerne, sie gehören zu meinem Beuteschema. Deshalb kam ich auch nicht an "Der Rabbi und der Kommissar - Du sollst nicht morden" vorbei.

Es war eine total kurzweilige Lektüre, denn (nicht nur) die Hauptfiguren sind toll gezeichnet.

Ihre Bekanntschaft schliessen Rabbi Henry Silberbaum und Kommissar Robert Berking auf eine spezielle Weise. Sie erwischen einander jeweils auf dem falschen Fuss und in einer blöden Situation und sind von einander total genervt, doch mit der Zeit nähern sich die beiden an - eine lockere, aber interessante Zusammenarbeit entsteht.

Der Mord an Ruth Axelrath erscheint Silberbaum kurios, denn erst vor wenigen Tagen war die alte Dame bei ihm und erzählte, wie sie sich ihr weiteres Leben vorstellt. In diesem Kontext scheint ihr Todesfall höchst verdächtig, erst recht als der Ehemann der Dame gegen eine Obduktion ist und seine Frau so schnell wie möglich beerdigen will. Der hat die Rechnung aber ohne den Rabbi gemacht. Silberbaum gibt nämlich nicht so schnell auf und lässt sich so einiges einfallen, damit der Tod von Frau Axelrath geklärt wird.

Vieles "klärt" er alleine, bei einigen Dingen benötigt er die Hilfe von Berking und jene eines befreundeten Arztes. Eine anfänglich undurchsichtige Rolle spielt die Altersheimleiterin Esther Simon, wogegen Buchhändler Jossi Singer dem Rabbi die eine oder andere Hilfestellung bietet. Ebenso seine Sekretärin Kimmel, an der nicht jede/r vorbeikommt.

Ich mag Rabbi Silberbaum. Er ist witzig, nicht aufs Maul gefallen und zitiert gerne aus der Literatur. Kein Wunder, hat er doch neben Mathe auch Philosophie, Literatur und Psychologie studiert - erst später folgte sein Judaistikstudium. Silberbaum hat eine Freundin in New York, aber es ist eine Fernbeziehung, bzw. eher eine Telefonbeziehung, die wahrscheinlich nicht mehr lange hält.

Michel Bergmanns Schreibstil macht es einfach, den Krimi nicht mehr aus der Hand zu legen, bis er viel zu schnell ausgelesen ist. Ich mochte den leisen, teilweise ironischen Humor, die vielen passend eingestreuten Witze und das Geschehen im Umfeld des Rabbinats, welches einen guten Einblick in die vielfältige Arbeit eines Rabbiners gibt.

Der Cliffhanger am Ende von "Du sollst nicht morden" lässt darauf schliessen, dass dies der Auftakt zu einer Reihe ist. Das freut mich, denn ich glaube, das Rabbi-Kommissar-Gespann könnte noch einige tolle Fälle gemeinsam lösen und die möchte ich auf jeden Fall verfolgen.

Die einzige Sache, die man hätte ausbauen können, ist die Sache mit dem anfänglich von einem Altersheimbewohner geerbten "Ding". Am Ende kommt dieses "Ding" nochmals vor, hätte aus meiner Sicht aber besser eingegliedert werden können. Vielleicht kommt da ja auch noch was im nächsten Band, wer weiss.

Fazit: Ein tolles Team, der Kommissar und der Rabbi - gerne mehr davon!
5 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2022

Tolle Protagonistin, fragliches Ende

The Maid
0

Molly ist nicht wie andere Leute. Sie ist bei ihrer Grossmutter aufgewachsen, mit der sie bis zu derem Tod zusammen lebte und hat einen Job in einem Londoner Hotel als Zimmermädchen. Molly arbeitet sehr ...

Molly ist nicht wie andere Leute. Sie ist bei ihrer Grossmutter aufgewachsen, mit der sie bis zu derem Tod zusammen lebte und hat einen Job in einem Londoner Hotel als Zimmermädchen. Molly arbeitet sehr genau und gut. Aufgrund ihrer Persönlichkeit, die wohl irgendwo im Autismus-Spektrum anzusiedeln ist, merkt sie aber sehr oft nicht, dass andere Leute sie ausnutzen und Freundschaft nur vorgaukeln.

Als ein Stammgast tot in seinem Bett aufgefunden wird, wird sie verdächtigt - vor allem auch deshalb, weil Molly sich anders verhält als andere Menschen. Ihre Unschuld zu beweisen gilt es jetzt.

Die Geschichte, die Nita Prose zu Papier gebracht hat, macht Spass zu lesen.

Die Vorgänge im Hotel, die interessanten Nebenfiguren mit all ihren unterschiedlichen Eigenheiten und vor allem Mollys Persönlichkeit - alles ist toll beschrieben und man fliegt beim Lesen nur so durch die Seiten.

Vor allem in der zweiten Hälfte, wenn der Krimi Fahrt aufnimmt, merkt man, wie toll die Autorin ihre Story aufgebaut hat.

Nur die finale Auflösung am Ende passt da nicht wirklich rein, passt auch nicht recht zu Mollys Art, damit umzugehen und kommt vor allem aus heiterem Himmel. Mit der Auflösung kann ich so zwar leben, hätte es aber besser gefunden, wenn irgendetwas davon zu erwarten gewesen wäre. Da das Buch verfilmt werden soll, bin ich gespannt, wie diese Schlussszenen in der Verfilmung gelöst werden.

Auf jeden Fall ist es mal ein etwas anderer Krimi. Aber vielleicht sollte man ihn nicht gerade während eines Hotelaufenthalts lesen

Fazit: Auch wenn man sich aufgrund des fraglichen Endes streiten kann, nur schon allein wegen der originellen Protagonistin lohnt sich dieser gemütliche Krimi zu lesen.
4 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.02.2022

Morde wie aus dem Buch

Eine verdächtig wahre Geschichte
0

Wenn ihr "Eine verdächtig wahre Geschichte" lesen wollt, beginnt dann, wenn ihr eine Stunde, noch besser zwei Stunden, am Stück dran lesen könnt. Wer es unterwegs anfängt, und nur jeweils so 10 Minuten ...

Wenn ihr "Eine verdächtig wahre Geschichte" lesen wollt, beginnt dann, wenn ihr eine Stunde, noch besser zwei Stunden, am Stück dran lesen könnt. Wer es unterwegs anfängt, und nur jeweils so 10 Minuten lesen kann, kommt nicht richtig rein. So ist es jedenfalls mir ergangen. Ich kam auf den ersten etwa 50 Seiten nicht rein in diese verdächtig wahre Geschichte und hatte lange auch nicht wirklich den Drang Dinge liegen zu lassen und stattdessen zu lesen.

Denn die Geschichte baut sich an einem Punkt auf, geht von da zurück und macht eine Schleife, bis man wieder am anfänglichen Punkt ist und die Vorgeschichte versteht.

Antoine Laurain baut dazwischen immer wieder neue überraschende Dinge mit ein, und je weiter man kommt, je neugieriger ist man auf das Ende. Da hab ich dann Dinge liegen gelassen und weiter gelesen.

Ich würde jetzt mal sagen, der Weg dahin, also zum Ende, ist das Ziel. Diesen Weg zu lesen macht Spass. Das Ende selbst kommt plötzlich und wirkt deshalb auf mich ambivalent. Aber der Aufbau des Romans ist schon sehr stimmig und die Auflösung Ergebnis guter Polizeiarbeit. Es ist halt ein typischer Laurain-Roman - immer ein toller Aufbau, auf den ein Ende folgt, mit dem man nicht gerechnet hat.

Ausserdem hat bei Laurain immer jede Figur seinen Platz in der Geschichte, niemand ist überflüssig. Hier ist es das Verlagsteam, die beiden Polizisten, sowie Violaines Umfeld. Jede Figur wird vorgestellt und besonders im Verlag spürt man, dass sich das schon sehr familiär anfühlt.

Das Rätsel um die Morde, die genau so ablaufen, wie der für den Literaturpreis nominierte Spitzentitel aus dem Verlag, geben allen grosse Rätsel auf. Die Suche nach dem Autor, der auch Violaine unbekannt ist,

Fazit: Ein Roman mit Krimi-Elementen - der immer wieder überraschende Details an Licht bringt.
4 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2022

Mit Lesen reisen

Aloha im Herzen
0

"Hibiskustage", der erste Roman, den Sabine Lay in Hawai spielen liess, hat mich zwar unterhalten, aber aufgrund von unrealistischen Szenarien und einem eher einfachen Schreibstil nicht überzeugt. Dennoch ...

"Hibiskustage", der erste Roman, den Sabine Lay in Hawai spielen liess, hat mich zwar unterhalten, aber aufgrund von unrealistischen Szenarien und einem eher einfachen Schreibstil nicht überzeugt. Dennoch wollte ich "Aloha im Herzen" lesen, der Klappentext hörte sich zudem reizvoller an als die Freundinnen-Geschichte in "Hibiskustage". Dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Der Stil der Autorin hat sich entwickelt. Der vorliegende Roman ist nicht nur spannender, sondern auch sprachlich besser zu lesen.

Das Foto der Frau aus dem Königspalat, die Lauras Ebenbild zu sein scheint, lässt Laura nicht mehr los. Doch erst muss sie den plötzlichen Tod ihres Mannes überstehen. Bevor sie ihr Leben neu startet, fliegt sie noch einmal nach Hawai und erforscht nach und nach die bemerkenswerte Geschichte der Frau vom Foto aus dem Palast.

Diese Entdeckungsgeschichte hat mich gefesselt, ich wollte unbedingt wissen, welche Zusammenhänge zur Gegenwart bestehen. Die Gegenwartsgeschichte läuft gemütlich ab, als Leserin fühlt man sich zusammen mit Laura sehr wohl auf Hawai.

Für mich war es die absolut richtige Lektüre im kalten Januar - dem ich durch Lauras Geschichte und der ihrer Doppelgängerin wunderbar entfliehen konnte. Gerne hätte ich mit ihren Gastgebern zusammen gegessen, wäre mit einigen Figuren auf Inseln-Entdeckungstour gefahren und hätte Stunden in den wunderbaren Gärten verbracht.

Sabine Lay bringt in "Aloha im Herzen" aber nicht nur Fernwehstimmung mit, sondern auch kleine Happen geschichtlicher Details. Es werden nebenbei die letzten Jahre des Königreichs beschrieben, das fand ich interessant.

Klar gibt es bei Lauras Geschichte einige praktische Zufälle (wie zum Beispiel der Tod von Lauras Mann), aber die wurden klar und logisch aufgebaut, so dass mich das nicht störte. Irgendwie musste er ja weg, andere Lösungen wären auch nicht eleganter gewesen. Da hab ich in andern Büchern (auch in "Hibiskustage") schon viel schlimmere Begebenheiten gelesen, über die man sich aufregen kann.

Fazit: Ein Roman, der den Urlaub ersetzt. Es ist eine interessante Reise nach Hawai - mit Sonne, gutem Essen, Ausflugszielen, bisschen Inselgeschichte und netten Charakteren. Was will man mehr, ausser real hinzureisen?
4 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.01.2022

Erinnert an Anne Ostby

Hibiskustage
0

Der Beginn von "Hibiskustage" erinnerte mich stark an "Zartbitter ist das Glück" von Anne Ostby. Auch bei Ostby reisen vier Freundinnen auf eine Insel, weit weg von zuhause.

Ostby hab ich damals abgebrochen, ...

Der Beginn von "Hibiskustage" erinnerte mich stark an "Zartbitter ist das Glück" von Anne Ostby. Auch bei Ostby reisen vier Freundinnen auf eine Insel, weit weg von zuhause.

Ostby hab ich damals abgebrochen, die Stimmung wollte nicht zur Südseeinsel passen. "Hibiskustage" spielt auf Hawai, die Protagonistinnen sind sofort begeistert von der Insel und tragen diese Stimmung auch auf die Leserinnen über.

Doch sie können nicht ablenken von ihren Problemen. Davon ihren ehemals besten Freundinnen erzählen können sie auch noch nicht. Dabei geht es allen gleich - wie die Leserinnen bereits wissen. Was jene aber auch nicht wissen, ist, wieso Izzy ihre Freundinnen zwar zu sich auf Hawai eingeladen hat, aber die ersten Tage doch nicht mit vor Ort sein kann. Alles klärt sich natürlich auf.

Aber gewisse Dinge gegen Ende machen keinen Sinn. Real würde das so nicht gehen, wie die Autorin es den Leserinnen verkaufen will. Das fand ich sehr schade, denn abgesehen vom sehr leichten Schreibstil ist der Roman einigermassen angenehm zu lesen.

Fazit: Nicht ganz stimmiger Roman, der aber den kalten Winter in Europa vergessen lässt.
3.5 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere