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Tardy

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.09.2018

Spannend

Bluthaus
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Bluthaus ist der zweite Teil einer Reihe rund um die Ermittler Frida und Bjarne. Obwohl ich Romy Fölcks ersten Band nicht kannte, ist es mir leicht gefallen mit den Charakteren warm zu werden.

Frida ...

Bluthaus ist der zweite Teil einer Reihe rund um die Ermittler Frida und Bjarne. Obwohl ich Romy Fölcks ersten Band nicht kannte, ist es mir leicht gefallen mit den Charakteren warm zu werden.

Frida hat sich eine Auszeit genommen und hilft ihren Eltern auf dem Apfelhof. Nach einem Anruf ihrer alten Freundin Jo, die als Mörderin verdächtigt wird und daraufhin spurlos verschwindet, macht sich Frida große Sorgen und begibt sich auf die Suche nach ihr. Sie stößt auf einen ungeklärten Mordfall, in dem fast eine ganze Familie niedergemetzelt wurde. Auch Bjarne gehört wieder zu den Ermittlern.

Romy Fölck schreibt so spannend und fesselnd, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Die relativ kurzen Kapitel und der häufige Perspektivenwechsel, der vor allem durch die ständigen Rückblenden in das Jahr, in dem die Familie ermordet wurde, erzeugt wurde, bauen eine hohe Spannung auf. Schritt für Schritt kommt man so der Lösung näher, um am Ende dann noch einmal überrascht zu werden. Den dramatischen Showdown am Schluss hätte ich vielleicht nicht unbedingt gebraucht, aber er sorgt auf jeden Fall noch einmal für einen Adrenalinausstoß beim Leser.

Was mir gut gefällt ist, dass die Ermittler ein "Gesicht" bekommen. Sie stehen hier als echte Menschen mit ihren Sorgen und Nöten und werden dadurch so richtig lebendig. Man leidet mit ihnen mit und fühlt sich daher richtig in das Geschehen involviert. Auch die Beschreibungen von Land und Leuten mag ich in einem Krimi immer gerne, hier kann man sich bildlich in die Szenerie hineinversetzen, so detailliert hat die Autorin alles geschildert.

Das Cover rundet in meinen Augen das Buch noch ab. Die Szenerie wirkt im ersten Moment ganz idyllisch, aber beim zweiten Blick merkt man die düstere Stimmung und spätestens beim Titel ahnt der Leser schon, was ihn in diesem Krimi erwartet

Veröffentlicht am 05.10.2018

Gänsehaut pur

Puppenmutter
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Astrid Korten spielt mit unseren Ängsten, wie kaum ein anderer. Sie versteht es in ihren Romanen immer allergrößte Spannung aufzubauen und diese kontinuierlich auf einem derart hohen Niveau zu halten, ...

Astrid Korten spielt mit unseren Ängsten, wie kaum ein anderer. Sie versteht es in ihren Romanen immer allergrößte Spannung aufzubauen und diese kontinuierlich auf einem derart hohen Niveau zu halten, dass man sich das ganze Buch hindurch wie im Fieberwahn befindet. Auch mit ihrem 13. Thriller ist ihr das grandios gelungen. Mit "Puppenmutter" hat sie sich in meinen Augen wieder einmal selbst übertroffen. 


Tessa Simonet wird in ihrem Haus überfallen. Bevor sie ihren Mann Jules erreichen kann, erhält sie die schreckliche Nachricht, dass er Selbstmord begangen hat. Jules Bruder Sebastien, dessen Frau Karola und Tessas beste Freundin Amelie stehen ihr in dieser Situation bei. Als zwei weitere Menschen tot aufgefunden werden, wird Tessas Misstrauen und Verunsicherung nur noch geschürt. Und was hat es mit diesen ominösen Liebesbriefen auf sich? Wer ist die Puppenmutter? 


Der Roman ist aus mehreren Erzählsträngen aufgebaut, die auf den ersten Blick nur wenig miteinander zu tun haben. Die knappen, kurzen Kapitel bringen anfangs eher Verwirrung, denn sie verraten immer nur kleine Bruchstücke und man überlegt, was das soll, wie das alles zusammen hängt. Man rätselt, fiebert mit, sucht eine (Er)lösung. In meinem Fall, waren meine Vermutungen allesamt falsch. Denn Astrid Korten führt mich derart geschickt in die Irre, dass ich mich immer wieder wundere, wie ihr das gelingt. Ich lese sehr viel und das seit vielen Jahren, aber kaum jemals werde ich so erschüttert, wie von dieser Autorin. Sie gräbt extrem tief in den Abgründen der menschlichen Seele. Da kommt so Furchtbares zum Vorschein, dass man es gar nicht glauben mag. Auch mit diesem Buch werden meine Vorstellungsmöglichkeiten bis über alle Grenzen hin ausgereizt und ich spüre heute noch einen ganz besonderen Thrill, wenn ich an dieses Buch denke. 


Astrid Korten schreibt spannend und so fesselnd, dass man wie gejagt durch das Buch hechtet, aber gleichzeitig große Angst vor dem Ende hat. In diesem Roman ist es einfach nur schrecklich und schon ein wenig "creepy". Und wie immer völlig unerwartet. 


Wer den ganz besonderen Thrill sucht, sollte dieses Buch lesen. Denn Astrid Korten ist eine wahre Meisterin in ihrem Metier.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Liebesreigen

Die zehn Lieben des Nishino
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Zehn Kapitel, zehn unterschiedliche Frauen, zehn unterschiedliche Geschichten, die nur ein Thema haben. Die Liebe. 

Nishino ist ein Mann, der gerne von einer Frau zur anderen wechselt. Unfähig für die ...

Zehn Kapitel, zehn unterschiedliche Frauen, zehn unterschiedliche Geschichten, die nur ein Thema haben. Die Liebe. 

Nishino ist ein Mann, der gerne von einer Frau zur anderen wechselt. Unfähig für die wahre Liebe, unfähig auch für das Leben. In ihrem kleinen Buch lässt die Autorin Hiromi Kawakami die Frauen zu Wort kommen. Sie erzählen, jede für sich, ihre Liebesgeschichte mit Herrn Nishino. Sie erzählen davon, wie sie lieben und davon, wie wenig zurückkommt. Man spürt die große Traurigkeit, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Dabei meint man es mit zehn Autorinnen zu tun zu haben, so unterschiedlich sind Ton und Sprachmelodie. 

Die Autorin hat einen sehr eigenwilligen Schreibstil, den ich als typisch japanisch bezeichnen möchte. Ihre einzigartige Sprache ist voller Poesie und Wehmut. Man möchte sich am liebsten jeden ihrer einprägsamen und wunderschönen Sätze in Stein meißeln, damit man ihn nicht so schnell vergisst. Man bekommt einen tiefen Einblick in die japanische Kultur und Sprache. 

Abgerundet wird das wunderbare Buch noch durch das stimmige Cover, das eine wahre Augenweide ist.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Leider nicht ganz überzeugend

Allee unserer Träume
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Auf das Buch war ich sehr gespannt, denn mich faszinieren Geschichten, die sich mit unserer jüngeren Vergangenheit beschäftigen. Die beiden Autoren, die auch unter dem Pseudonym "Freda Wolff" zusammen ...

Auf das Buch war ich sehr gespannt, denn mich faszinieren Geschichten, die sich mit unserer jüngeren Vergangenheit beschäftigen. Die beiden Autoren, die auch unter dem Pseudonym "Freda Wolff" zusammen Kriminalromane schreiben, haben mir schon gezeigt, dass sie in ihrem Schreibstil durchaus miteinander harmonieren können. Hier merkt man davon leider wenig. Der Roman liest sich seltsam hölzern und in großen Strecken sehr langatmig. Normalerweise kann ein Buch für mich nicht dick genug sein, aber hier hätte ich mir deutlich weniger Seiten gewünscht. Dabei hätte der Plot durchaus Potential. Das Thema ist sehr spannend und gerade jetzt zum Jubiläum der Frauenbewegung höchst aktuell. Aber ein Lesefluss mag sich nicht so recht einstellen. Das mag zum einen an den blass bleibenden Protagonisten liegen, aber auch an den zu ausführlich behandelten Themenbereichen, die einerseits Unruhe bringen, aber an vielen Stellen auch eine gewisse Erschöpfung beim Leser hervorrufen. Das Buch hat mich einfach nicht gepackt, was ich sehr schade finde, denn eigentlich beherrschen die beiden Autoren ihr Metier.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Dieses Buch macht Mut

Die Frau, die frei sein wollte
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Die 17jährige Selma ist glücklich mit ihrem Verlobten Ismet und freut sich auf die baldige Heirat. Doch eines Tages passiert etwas Schreckliches. Sie wird von Orhan entführt, verliert dadurch ihre Ehre ...

Die 17jährige Selma ist glücklich mit ihrem Verlobten Ismet und freut sich auf die baldige Heirat. Doch eines Tages passiert etwas Schreckliches. Sie wird von Orhan entführt, verliert dadurch ihre Ehre und muss von nun an bei ihm bleiben. Aber Selma lässt sich nicht unterkriegen.


Hera Lind war mir bisher nur von ihren Unterhaltungsromanen bekannt. Dieses Buch unterscheidet sich sehr davon. Die Autorin hat ein sehr ernstes Thema aufgegriffen und erzählt uns die grausame und wahre Geschichte einer jungen Türkin. Schonungslos und schockierend. Einfach unvorstellbar!  


Das Buch liest sich zwar leicht, lässt den Leser aber nur als Beobachter an der Geschichte teilhaben. Die Autorin hält uns mit ihrem fast nüchternen Schreibstil auf Distanz und das ist gut so, denn mehr würde man wohl nicht ertragen. Der Gedanke daran, dass es sich um eine reale Begebenheit handelt, ist schon schlimm genug und kaum auszuhalten. Interessant sind vor allem die Ausführungen, was Religion und Gebräuche betrifft, denn obwohl Selma in einer eher modern denkenden Familie aufgewachsen ist, wird sich hier dann doch wieder auf "alte Traditionen" besonnen. Was für eine Scheinheiligkeit! Für Selma ist dies der Beginn eines jahrelangen Martyriums, bei dem sie kaum Hilfe aus der Familie bekommt. Sie wird ständig psychisch und physisch gebrochen und lebt in permanenter Angst. Umso erstaunlicher ist ihre Kraft und Willensstärke. Wieviel Mut muss eine Frau haben, dies auszuhalten? In all seiner Grausamkeit gibt uns die Geschichte aber auch ein wenig Hoffnung. Denn Selma hat sich befreit und ich hoffe, dass sie jetzt ein Leben ohne Angst führen kann.