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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2018

Wenig spannend und viel zu langatmig

Das Vermächtnis des Künstlers
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Dr. George Mallory ist Dozent für Psychologie, der sich jedoch einen Ruf als Experte für parapsychologische Phänomene gemacht hat. Sein Ansatz ist wissenschaftlich, sein Bestreben ist es "Hokus Pokus" ...

Dr. George Mallory ist Dozent für Psychologie, der sich jedoch einen Ruf als Experte für parapsychologische Phänomene gemacht hat. Sein Ansatz ist wissenschaftlich, sein Bestreben ist es "Hokus Pokus" aus seinen Analysen herauszuhalten.
Er wird nach Venedig gerufen um dort einem Forscherteam zu helfen dem Geheimnis rund um eine Mordserie auf die Spur zu kommen. Es haben sich mysteriöse Todesfälle und Vermisstenfälle aus ganz Europa gehäuft, die alle ihren Ausgangspunkt in einem Gemäde oder einer Gemäldereihe zu haben scheinen.
So spannend sich der Klappentext und die Leseprobe las, so wenig konnte der Rest des Romans überzeugen.
Der Schreibstil ist antiquiert, was durchaus seinen Charme haben könnte, hier führt es jedoch nur zu langatmigen und verworrenen Passagen.
Aus der Geschichte selber könnte man viel machen, leider ist vieles zu unglaubwürdig. Ja das liegt zum einen natürlich am Thema, aber Wissenschaftler nutzen auch wissenschaftliche Methoden und moderne Technologien und aus dem Text geht hervor, dass es Mobiltelefone gibt, aber trotzdem wird umständlich von Telefonzellen telefoniert, bei den Begegnungen mit vermeintlichen Gegnern stellen sich sowohl Josephine als auch George stümperhaft und ungeschickt an und sie agieren an keiner Stelle als Team.
Und das ist im Prinzip auch das, das mich am meisten von diesem Roman abgeschreckt hat - die unsympathischen Charaktere.
Schon bei der Einführung von George kommt er ignorant (seinem kranken Vater vor), eingebildet (im Verhalten gegenüber der Familie Smurl, am Anfang des Romans) und vielfach dilettantisch (das Interview, das er am Flughafen in Venedig gibt).
Dazu kommt noch, dass egal in welcher Konstellation die Charaktere aufeindertreffen, alle gehen permanent auf Konfrontationskurs. Das alles nimmt dann unnötigen Raum ein (die ewigen Streitereien der Kunsthistorikerin Josephine und ihrer Tochter Amanda zum Beispiel), aber auch die Auseinandersetzungen zwischen George und Josephine nerven einfach nur und bringen die Geschichte keineswegs voran. Nichts gegen Realismus und ich muss mich nicht mit jeder Buchfigur identifizieren, aber das ist dann ab einem gewissen Punkt einfach zu viel und sorgt für Langeweile.
Bemängeln würde ich auch, dass der Roman in sich nicht abgeschlossen ist, im Prinzip ist man auch der Aufklärung der geheimnisvollen Bilder kein Stück weitergekommen. Weder weiß man wo die zwei letzten verschwundenen Bilder sind, noch gibt es einen Hauptverdächtigen.
Die Grundidee ist wirklich ausgezeichnet gewählt und auch mit dem Schreibstil könnte ich mich anfreunden aber insgesamt ein Roman, bei dem ich jetzt schon weiß, dass ich die Fortsetzung nicht lesen werde.

Veröffentlicht am 27.02.2018

Wohlfühlen Ja, Krimi Nein.

Tante Dimity und der verlorene Schatz
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Ich habe schon den ein oder anderen Tante Dimity Roman, in loser Reihenfolge im Vorfeld gelesen, aber der jüngste Roman überzeugt nach meinem Empfinden am wenigsten.
Zu langatmig ist die Eingangspassage, ...

Ich habe schon den ein oder anderen Tante Dimity Roman, in loser Reihenfolge im Vorfeld gelesen, aber der jüngste Roman überzeugt nach meinem Empfinden am wenigsten.
Zu langatmig ist die Eingangspassage, bis es ans eigentliche Thema kommt, die neuen Nachbarn werden umständlich herangeführt, die Dorfbewohner, die ich sonst als nicht ganz so nervig empfunden habe, nerven und bis Lori in ihrem Dachboden das Amulett von Tante Dimity findet, das ja den eigentlichen Roman ins Rollen bringen soll, vergeht doch einiges an Zeit.
Die Geschichte entwickelt sich dann in zwei Handlungsstränge, zum einen, die Ereignisse rund um die Dorfbewohner, die vom Goldfieber gepackt werden und allerlei kuriose Schätze finden.
Und dann natürlich Lori, die auf Tante Dimitys Bitte hin, denjenigen ausfindig machen soll, der ihr das Amulett im London der Nachkriegsjahre schenkte.
Während die Dorfbewohner aktiv unterwegs sind, ist mir Lori diesmal eindeutig zu passiv, alle Steine werden ihr aus dem Weg geräumt, letztendlich kommt sie keinem Geheimnis durch "kriminalistische" Fähigkeiten auf der Spur. Hier hilft manchmal der Zufall oder der Kontakt, den ihr Mann zu einem jungen Historiker hergestellt hat. Das hat dann auch nichts mir Wohlfühl“krimi“ zu tun, sondern ist in dem Punkt für mich einfach nur langweilig.
Dagegen ist die Beschreibung des Londoner Stadtteils Bloomsbury, so detailverliebt und liebevoll erzählt, dass es mich bei meinem nächsten Besuch bestimmt in den Queen Square Garden verschlagen wird.
Das ist auch im Prinzip der Charme und der Stil, der diese Reihe ausmacht, auch hier ist das handwerkliche gut gemeistert.
Man fühlt sich gut unterhalten, die Charaktere sind gut gezeichnet, aber meistens nicht zu ausufernd, man ist direkt drin im Geschehen, auch ohne die Vorläuferromane zu kennen. Dankenswerter Weise ist das Buch jetzt auch nicht zu umfangreich, so dass man sich die Zeit für eine nachmittägliche "Lesereise" in die bestimmt zu idyllisch beschriebene englische Land- und Stadtwelt nehmen kann.
Ob Absicht oder nicht, so richtig interessant fand ich nur die beiden unterschiedlichen Herangehensweisen an „die Geschichte“: die Bewohner Finchs, die völlig planlos an die Vergangenheitssuche gehen und auch überhaupt nicht methodisch mit der Vergangenheitsbewältigung umgehen (bitte hier keine großen historischen Funde erwarten, es geht mitunter um Haarklammern) und dagegen, das doch systematische Vorgehen Loris, die ja auch einen ausgebildeten Historiker an der Seite hat. Das ist im Prinzip ganz gut dargestellt, die Befragung der Zeitzeugen und die Suche nach historischen Dokumenten. Aber das wäre jetzt auch meine Interpretation um zumindest noch etwas für mich positives aus dem Roman zu ziehen.
Auch der Schluß enttäuscht, die Chance Geschichte für alle zugänglich zu machen und einen Schatz von historischer Tragweite auf ihrem Grundstück zu melden, lässt Lori ungenutzt. Natürlich werden jetzt die Tante-Dimity-Fanreihen aufschreien und argumentieren, dass sei moralisch so in Ordnung, weil sie sich nicht bereichern will. Bereichern hätte sie sich eh nicht können, da der Schatz in dem Fall ja der britischen Regierung gehört, aber mich ärgert mehr, dass sie es damit begründet, dass sie keinen Streß vor ihrer Bilderbuch-Haustür in ihrem Bilderbuch-Städtchen haben wollte und das erscheint mir für einen moralisch integeren Charakter reichlich egoistisch.
Ich wusste im großen Ganzen was mich erwartete, hatte mir aber tatsächlich etwas mehr erhofft, zumindest hätte ich Lori gern als aktivere Hauptfigur gesehen. Für einen afternoon tea ganz nett, aber für einen criminal case leider daneben.

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Veröffentlicht am 23.02.2018

Exzentrisch normal und normal verrückt - eine ganz besondere Familiensaga

Die erstaunliche Familie Telemachus
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Auch jetzt - zwei Wochen nachdem ich den Roman gelesen habe - kann ich ihn immer noch nicht so wirklich fassen. Um was geht es, die Coming of Age Geschichte des 14-jährigen Matty, der mitten in der Pubertät ...

Auch jetzt - zwei Wochen nachdem ich den Roman gelesen habe - kann ich ihn immer noch nicht so wirklich fassen. Um was geht es, die Coming of Age Geschichte des 14-jährigen Matty, der mitten in der Pubertät steckt und meint mit einem besonderen Talent gesegnet zu sein - aber meint das irgendwie nicht jeder Teenager?
Oder eine Mafiageschichte, in die der Familienpatriarch Teddy Telemachus freiwillig- unfreiwillig durch seine neue Bekanntschaft Graciella hineingerät.
Oder ist es die Geschichte seiner drei Kinder, die immer noch in der glorreichen Vergangenheit der Familie gefangen sind und sich von ihren jeweiligen Fähigkeiten zu befreien versuchen. Frankie, der Dinge bewegen kann, aber über keinen Geschäftssinn verfügt und von einer Pleite in die nächste gerät, Irene, die immer gleich eine Lüge erkennt und nicht in der Lage ist Beziehungen einzugehenund Buddy, der in die Zukunft schauen kann und bei dem am Schluß alles zusammenläuft.
Die Geschichte spielt in einem relativ kurzen Zeitraum von Juni bis zum 4. September 1995, wo alles im vom Buddy vorausgesehen Zap Day kumuliert, anschließend gibt es dann noch einen kleinen Ausblick in den Oktober hinein.
Die Kapitel sind immer einer der Hauptfiguren gewidmet, durch die Erzählung der aktuellen Geschehnisse und Schilderung der Ereignisse aus der Vergangenheit bekommt man einen guten Überblick in die Geschichte und die Beweggründe der jeweiligen Hauptfigur.
Die Charaktere sind nicht immer sympathisch (Teddy Telemachus hat leicht chauvinistische Züge, Frankie ist ein Verlierer, der vermeintlich immer nur an sich denkt, Matty ist ein pubertierender Teenager und die nerven ja irgend wie immer ), aber komplex gezeichnet, man lernt viele Facetten ihres Charakters kennen und man kann am Ende der Geschichte wirklich sagen, dass man sie kennengelernt hat und auch dass eine Entwicklung erkennbar ist.
Der Schreibstil ist insgesamt gut und flüssig, aber nicht wirklich mitreißend, die Geschichte entwickelt sich auch manchmal zu langatmig.
Die Zuspitzung dann der Ereignisse um den Zap Day herum ist dagegen gut gelungen und spannend gemacht. Auch gibt es einige Wendungen, die durchaus humorvoll und witzit sind.
Insgesamt ein Roman, der schwer zu fassen ist, die skurrilen Charaktere sind nicht immer liebenswert, die Vermischung verschiedener Genres (Mafiakrimi, Familiensage u.ä) führt mitunter zu etwas langatmigeren Passagen und trotzdem zuweilen mit viel Witz und Esprit und auch überraschenden Wendungen gespickt, so dass man beim Lesen doch wieder dabei bleibt. Im Prinzip entwickelt es sich wie ein Film oder eine Serie, bei der es mal Höhen und Tiefen gibt, aber man doch dabeibleibt, weil man wissen will wie es weitergeht.

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  • Fantasie
Veröffentlicht am 23.02.2018

Liebesroman aus der Zeit der Reformation

Der Turm der Ketzerin
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Bei dem Roman - Der Turm der Ketzerin - handelt es sich um die unabhängige Fortsetzung von Das Lied der Hugenotten. Ich selber habe den Vorläufer nicht gelesen, aber kam in jedem Fall schnell in die Geschehnisse ...

Bei dem Roman - Der Turm der Ketzerin - handelt es sich um die unabhängige Fortsetzung von Das Lied der Hugenotten. Ich selber habe den Vorläufer nicht gelesen, aber kam in jedem Fall schnell in die Geschehnisse in diesem Buch hinein und auch die "Auffrischung" der Vergangenheit wurde in Form von Retrospektiven gut in den Erzählfluss eingearbeitet.

In erster Linie ist es eine Familiengeschichte, die Lebensläufe der beiden Geschwister Magali und Pierre wird abschnittsweise erzählt. Jacon Desgranges, ihr Vater, verlor in der Bartholomäusnacht seine Frau und flüchtete mit beiden Kindern aus Paris. In der Folge erzieht er seine Kinder im katholischen Glauben, bleibt aber im Untergrund dem hugenottischen Glauben treu.

An diesem Punkt entwickeln sich die Lebensläufe der Geschwister auseinander, Pierre nimmt den hugenottischen Glauben an und findet in der Gemeinde von La Rochelle Aufnahme, sowie die Liebe seines Lebens. Magali fühlt sich im katholischen Glauben, dem auch ihr Mann Olivier angehört wohl, hat ein Talent als Glasbläserin, das sie aber nur versteckt ausüben darf. Nur einmal treffen die Geschwister in diesem Buch direkt aufeinander ansonsten bewegen sie sich räumlich und auch sonst von einander Weg, finden aber am Schluß des Romans wieder die Annäherung zueinander.

Der Roman ist gut erzählt, die Erzählstränge zu den Geschwistern wechseln sich zumeist ab, so dass das Lesen immer lebhaft gehalten ist und man immer mittendrin im Leben von Magali und Pierre ist.

Besonders gut gefällt mir die Erzählung da, wo die zwischenmenschlichen Töne überwiegen, z.B. die Annäherungsphase zwischen Pierre und Florence oder den Verlust der Ziehmutter, den Magali direkt miterlebt. Auch das Ausmaß der Verfolgung wird eindrücklich geschildert durch einen dritten, nebenher laufenden Erzählstrang von einer Gruppe gefangener hugenottischer Frauen, die in einem Turm ausharren müssen. Das alles ist bildlich einprägsam und sehr ansprechend geschrieben.

Leider fehlt mir ein bißchen das, was sonst einen historischen Roman ausmacht, mehr Hintergrundinfos zu den tatsächlichen historischen Ereignissen. Das natürlich nicht in Form eines wissenschaftlichen Exkurses, sondern in den Roman eingearbeitet. Die Zeit der großen Reformatoren und die anschließende Zeit der Glaubenskriege ist von vielen Zäsuren geprägt, das hätte hier gerne etwas mehr Raum finden können.

Insgesamt aber ein schöner Familien-/Liebesroman in einer interessanten historischen Epoche, der nach meinem Empfinden auch einen dritten Teil vertragen könnte.

Veröffentlicht am 23.02.2018

Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite

Totenweg
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Frida Paulsen, eine junge Polizeibeamtin, die in den Abschlussprüfungen für den höheren Dienst, wird eines Nachts an das Krankenbett ihres Vaters gerufen. Dieser ist in der Nacht von einem Unbekannten ...

Frida Paulsen, eine junge Polizeibeamtin, die in den Abschlussprüfungen für den höheren Dienst, wird eines Nachts an das Krankenbett ihres Vaters gerufen. Dieser ist in der Nacht von einem Unbekannten niedergeschlagen worden und Frida muss an ihren Geburtsort zurück um ihre Familie zu unterstützen.
Hier trifft sie auf die Geister ihrer Vergangenheit, ihre beste Freundin Marit wurde brutal ermordet.
Zurück an der Elbmarsch, trifft sie auch wieder auf Bjarne Haverkorn, dem Kommissar, der schon im Fall von Marit ermittelte und der ebenfalls seitdem immer wieder von diesem Fall heimgesucht wird.
Und hier entwickelt sich die Geschichte, das aktuelle Verbrechen, der Mordversuch an Fridas Vater wird mit der Vergangenheit verwoben.
Die Darstellung der aktuellen Geschehnisse ist hevorragend, man wartet nahezu atemlos auf das nächste Ereignis, auf die nächste Überraschung.
Gekonnt werden falsche Fährten gelegt und ich ertappte mich das ein oder andere Mal, wie ich gedanklich einer anderen Fährte gefolgt bin.
Die Protaganisten lernen sich jetzt erst besser kennen, ihre Vergangenheit hat sie ja zunächst nicht zu Freunden gemacht, jetzt finden sie sich auf der gleichen Seite wieder. Auch die Herausarbeitung dieses Verhältnisses geschieht mit viel Akribie und wirkt auch authentisch. Zu Beginn war Bjarne Haverkorn, der für mich sympathischere Charakter, bestimmt auch aufgrund seines privaten Hintergrunds, während Frida zunächst als etwas kratzbürstig daherkam.
Aber das wandelt sich tatsächlich unterm Lesen, man lernt die Charaktere kennen und sieht sie auch in einem anderen Licht.
Das alles passt sich dann dem Erzählfluß an und bringt mitunter auch die Geschichte weiter. Auch die "Einblendung" der Vergangenheit - Erinnerungsmomente von Frida - kommen genau an den richtigen Stellen vor um neue Erkenntnis zu bringen und das Geschehen voranzutreiben und ordnen sich so sehr gut in die Geschichte ein.
Für mich ist dieser Kriminalroman ein gelungener Auftakt für eine neue Cold Case Reihe, die sich nicht hinter, zum Beispiel skandinavischen Krimireihen, verstecken muss. Auf jeden Fall ist es Romy Fölck gelungen hier ein interessantes Ermittlerduo zu schaffen, dass Lust auf die Fortsetzung macht.

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