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Veröffentlicht am 19.01.2018

Gelungene Familiensaga

All die Jahre
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Die Geschichte beginnt 2009, Nora ist auf dem Weg zum Krankenhaus, wo ihr ältester Sohn liegt, der gerade tödlich verunglückt ist. Anhand der Gedanken, die ihr durch den Kopf gehen lernt man schon einige ...

Die Geschichte beginnt 2009, Nora ist auf dem Weg zum Krankenhaus, wo ihr ältester Sohn liegt, der gerade tödlich verunglückt ist. Anhand der Gedanken, die ihr durch den Kopf gehen lernt man schon einige Charaktere kennen.
Dann folgt der Rückblick ins Jahr 1957: Nora ist 21 als sie gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Nora Irland verlässt, um nach Amerika auszuwandern.
Die Schwestern sind grundverschieden, Teresa ist lebenslustig und fröhlich, aber auch belesen und klug. Nora dagegen hat nach dem Tod der Mutter, deren Rolle an den jüngeren Geschwistern übernommen. Sie kann nicht aus ihrer Haut und unterliegt den Zwängen ihres Umfelds und ihrer Zeit. Sie folgt ihrem Verlobten Charlie nach Amerika, sie liebt ihn nicht, aber sie muss und wird ihn heiraten. Für ihre Schwester wünscht sie dich eine bessere Zukunft, sie soll eine Ausbildung machen und unterrichten.
Doch Teresa wird schwanger von einem Mann, der sie nicht heiraten wird. Ende der 50er innerhalb der katholischen irischen Gemeinde ein Unding, ein Geheimnis, das nicht an die Außenwelt dringen darf.
Und so entscheidet Nora das Kind als ihres auszugeben und die Geschichte begleitet den Lebensweg der Schwestern und ihrer Familien. Das passiert abwechselnd durch die Darstellung der Gegenwart, die Vorbereitungen auf das Begräbnis und Rückblenden in die Vergangenheit.
Der Schreibstil ist klar und schnörkellos, fast wie die Protagonistin Nora, als stilistisches Mittel gefällt mir das ganz gut.
Was mir aber fehlt ist die Beschreibung der Personen, ich kann mich an keine ausführliche Personenbeschreibung erinnern, man weiß zwar, dass z.B. Patrick einen Schnauzer getragen hat, aber hat nicht das Bild vor Augen, wie ihn die Autorin sonst sieht. Die einzige Person, die ich lebhaft vor Augen hatte, war Charlie, sein Bild ist das komplexeste und er ist nach meinem Empfinden der sympathischste Charakter.
Das Ende bleibt offen, bis auf kleine Hinweise wie sich die Beziehungen entwickeln könnten, der Rest ist dem Kopfkino überlassen. Es wäre schön gewesen, wenn ein paar Geheimnisse mehr aus der Vergangenheit gelöst worden wären insgesamt jedoch eine wirklich gelungene Familiensaga, die es zu Lesen lohnt.

Veröffentlicht am 14.01.2018

Erfüllt leider nicht die Erwartungen

Töchter wie wir
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Wir lernen die Protagonistin Mona unmittelbar vor ihrem 40. Geburtstag kennen und begleiten sie in der Geschichte für ein Jahr. Schon anhand ihrer ersten Gedanken merkt man, dass in ihrem Leben was fehlt ...

Wir lernen die Protagonistin Mona unmittelbar vor ihrem 40. Geburtstag kennen und begleiten sie in der Geschichte für ein Jahr. Schon anhand ihrer ersten Gedanken merkt man, dass in ihrem Leben was fehlt und sie mit sich und ihrem Umfeld nicht zufrieden ist. Ihre Vergangenheit und vor allem ihr Elternhaus wirken noch bis in die Gegenwart hinein und machen aus ihr einen unentschlossenen Charakter. Im nächsten Schritt lernen wir ihre Mutter Hella kennen, die ebenfalls noch einiges aus ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten hat, die beiden Lebensgeschichten werden miteinander verwoben und durch Rückblenden in die Vergangenheit aufgerollt. Die Geschichte wird dann auch in der Folge abwechselnd von Mona und Hella „erzählt“.
Die dritte Protagonistin, die 11-jährige Shirin lernt Mona zufällig kennen, beobachtet sie bei einem Diebstahl in einer Drogerie, hilft ihr aus der Klemme und trifft sie dann durch einen Zufall wieder. In der Folge baut sich auch hier eine Beziehung auf, die Einfluß auf Monas Leben nehmen wird.
Ich muss zugeben, dass ich mir anhand des Klappentextes und auch des Titelbildes mehr erwartet habe, etwas in die Richtung „emanzipatorischer“ Frauenroman, ein Frauenroman ist es auch aber das emanzipatorisch-befreiende fehlt irgendwie.
Mona ist nicht gerade sehr sympathisch, sie ist ewig unzufrieden und ewig mißgelaunt, dazu ist immer ihre Umgebung an allem Schuld, das Elternhaus, die verflossenen Lieben, ihre Chefs usw. Bei allem Verständnis für ihr Verhalten, dass aufgrund eines Schicksalschlags in der Jugend begründet ist, mir fehlt die Entwicklung in dem Charakter und auch die Befreiung aus sich heraus, das bleibt einfach zu diffus.
Insgesamt ist alles sehr konstruiert und auch sehr langatmig. Das Buch liest sich zwar flüssig, dennoch ist der Schreibstil nicht wirklich ausgereift, sondern eher flach, am Schluß nimmt das ganze zwar an Fahrt auf und man fühlt sich besser in die Charaktere ein. Insgesamt sind es dann auch zuviele Nebenschauplätze, die zwar kurz angerissen werden, die aber dann dazu führen, dass das zentrale Thema, die „Tochter-Eltern“-Beziehung nur angerissen und plakativ abgehandelt wird (der unbekannte „biologische“ Vater bei Hella und Shirin, der gefühlskalte Vater von Mona, dem sie nie hat was Recht machen können, der Konflikt zwischen Hella und Mona, der Konflikt zwischen Hella und ihrer Schwiegermutter).
Das Buch von Barbara Kunrath überzeugt weder in der Story, noch im Schreibstil. Die Charaktere bleiben nur oberflächlich angerissen und auch der Schluß der Geschichte ist uninspiriert und vorhersehbar.

Veröffentlicht am 01.01.2018

Langweilig und uninspiert

Lieben lernen
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Schade, anhand des Klappentextes hatte ich mir mehr versprochen, aber das war eines der schlechtesten Bücher, durch die ich mich durchgequält habe. Leider verfolge ich das Prinzip immer alles zu Ende zu ...

Schade, anhand des Klappentextes hatte ich mir mehr versprochen, aber das war eines der schlechtesten Bücher, durch die ich mich durchgequält habe. Leider verfolge ich das Prinzip immer alles zu Ende zu lesen, vielleicht auch in der Hoffnung, dass es irgendwann besser wird, aber das war hier nicht der Fall.
Die Hauptcharaktere sind dürftig gezeichnet und gelinde gesagt fast schon unglaubwürdig und unsympathisch. Insbesondere Effy, eine 28-jährige Stylistin, die aus dem Nichts eine Wohltätigkeitsorganisation gründet. Was sie dazu bewogen hat erfährt man im Laufe der Geschichte (ok als dramaturgisches Mittel durchaus verständlich), aber sonst bleibt ihre Vergangenheit unbeleuchtet, bis auf die Episode mit dem Ex-Freund. Bei Ben sieht man noch eher Ansätze, die interessant sein könnten, aber auch er bleibt oberflächlich und die vermeintlich vielseitigen Facetten, die ihn ausmachen sollen, werden nur aneinandergereiht, aber nicht zu einem stimmigen Ganzen verbunden.
Und so geht es bei jeder Figur in diesem Buch, dazu noch der dilettantische Schreibstil und die platten Dialoge, das macht das Lesen wirklich anstrengend.
Einziger kurzer Lichtblick ist der Moment als Ben, die Tagebücher seiner Ex-Freundin erhält und quasi daraus zitiert wird. Hier ist das Schreibniveau etwas besser, aber leider wird die Chance verpasst mehr daraus zu machen.