Profilbild von Testsphaere

Testsphaere

Lesejury Profi
offline

Testsphaere ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Testsphaere über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.10.2019

Frida und Bjarne ermitteln wieder

Sterbekammer
0

Zum Inhalt:
Die Elbmarsch, vor Jahren Tatort eines grausigen Entführungsfalls: eine junge Frau wird am hellichten Tag auf offener Straße gekidnapped und verschwindet spurlos. Als Frida und Bjarne, dann ...

Zum Inhalt:
Die Elbmarsch, vor Jahren Tatort eines grausigen Entführungsfalls: eine junge Frau wird am hellichten Tag auf offener Straße gekidnapped und verschwindet spurlos. Als Frida und Bjarne, dann mit den Ermittlungen eines aktuellen Verbrechens betraut werden, ahnen sie noch nicht, dass das neue Verbrechen und die Tat aus der Vergangenheit eng miteinander zusammenhängen.
Das Cover:
Hat auf jeden Fall einen guten Wiedererkennungswert für die gesamte Reihe, ein Gebäude auf der Elbmarsch, die hängenden Wolken am Himmel, der Schwarm Vögel, der quasi als Boten des Unheils um das Gebäude herumfliegt. Das passt insgesamt, man wird aufmerksam, vor allem wenn man die Reihe kennt, ich für meinen Teil, hätte das Cover, angesichts des Titels fast noch etwas düsterer gewählt, aber vielleicht
ist es ja nur der Hinweis auf die trügerische Idylle.
Meine Meinung:
Schon mit ihrem ersten Band hat sich Romy Fölck in die Liga meiner "Lieblings-Thriller/Krimi-Autorinnen" katapultiert. Das Ermittlungsduo Frida und Bjarne ist speziell, aber nicht zu speziell, ihre privaten Probleme, sind nicht zu abgehoben und abgedroschen. Die Entführungsgeschichte ist nicht neu, ähnliche Geschichten gingen traurigerweise als "echte Fälle" ja vielfach durch die Medien, aber mit einigen Stellschrauben wird das Ganze dennoch sehr spannend.
Der Schreibstil ist fesselnd und Romy Fölck schafft es einen von der ersten Minute mitzunehmen und auch geschickt auf die ein oder andere vermeintliche Spur zu schicken, nur um dort festzustellen, dass es wieder zu einer überraschenden Wendung kommt, die so nicht vorherzusehen war.
Mein Fazit:
Ich kann auch hier wieder nur die volle Punktzahl geben, für mich ist alles stimmig, ich hätte zwar Frida und Bjarne gerne etwas mehr gemeinsam ermitteln sehen, aufgrund der Ereignisse in dem jeweils privaten Umfeld geht das etwas unter. Und auch hätte ich mir das Täterprofil noch - über den Rückblick in die Vergangeneit - etwas feiner gezeichnet gewünscht, aber das würde ich jetzt schon als Jammern auf hohem Niveau bezeichnen. Denn die Spannungsmomente sind da, der Erzählbogen ist stringent und nimmt einen konsequent mit und insgesamt macht das Buch einfach Lust auf viele weitere mehr.

  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Figuren
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 02.03.2019

Laß uns spielen

Psychospiel
0

Zum Inhalt:
Emma ahnt nicht, dass der neue Tatort, zu dem sie gerufen wird, einen Stein ins Rollen bringt, der ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen wird. Denn der Drahtzieher der Geiselnahme ist "der ...

Zum Inhalt:
Emma ahnt nicht, dass der neue Tatort, zu dem sie gerufen wird, einen Stein ins Rollen bringt, der ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen wird. Denn der Drahtzieher der Geiselnahme ist "der Spielfreund", ein Täter, den schon ihr Ex-Mann Ben zu gut kennt. Er sucht sich seine Opfer im Netz, nutzt ihren Ärger und Frust auf Familien, Bekannte und Arbeitskollegen aus, um sie in sein perfides Spiel zu zwingen. Und auch Emma und Ben werden zu Spielfiguren auf seinem Spielfeld.
Es entwickelt sich ein spannendes Katz und Maus Spiel, bei dem der Täter alle Karten aufs Spiel setzt und den ermittelnden Beamten immer einen Schritt voraus ist. Das alles gipfelt dann in einem Finale, das ich so wirklich nicht erwartet hätte.
Das Cover:
Gut und solide gestaltet, Treppen nach unten oder nach oben, haben immer etwas. Tatsächlich findet sich dann das Covermotiv auch im Text wieder, das finde ich dann immer besonders gut, wenn es einen Bezug zwischen Titelbild und Inhalt gibt.
Meine Meinung:
Das Buch ist spannend und rasant geschrieben, das Thema ist nicht neu: Mörder / Täter, die sich im Darknet sicher wähnen und von da aus ihre Taten planen und durchführen. Mir gefallen die wechselnden Perspektiven zwischen Emma,Ben und Dino (einer weiteren Person) und die Ausschnitte aus dem Chatverlauf des Täters mit seinen Opfern. Das Spannungsmoment wird hoch gehalten, wobei ich mir mitunter etwas mehr gewünscht hätte, mehr über die Psyche des Täters zu erfahren, mitunter nahm die privat persönliche Geschichte zwischen Emma und Ben zu viel Platz ein.
Das Ende ist wirkliche eine Verdichtung der Ereignisse, die ich so nicht erwartet hätte, die zwar zum einen im Rahmen des Spieles, das zwischen Täter und den Polizisten gespielt wird, durchaus passt, aber dann irgendwann - ich sag mal, in der Wiederholung der Spielzüge - zu viel war.
Fazit:
Die Schlußsequenz war mir einfach zu schnell abgearbeitet, auch wenn die Spannung da war, man hätte das Katz- und Maus Spiel auch auf ein paar Seiten mehr noch ausarbeiten können um dann zu einem ähnlich fulminanten Finale kommen zu können. Dennoch würde ich hier keinen Punkt abziehen, dafür war das Buch dann wiederum in sich stimmig genug und die Überraschung über den Täter am Schluß durchaus auch gelungen. Die Autorin kannte ich bislang noch nicht, weiß aber schon jetzt, dass ich gern mehr von ihr lesen möchte.

  • Cover
  • Handlung
  • Charaktere
  • Spannung
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 28.09.2018

Hier ist die Geschichte der Held

Land im Sturm
0

Zum Inhalt:
Ulf Schiewes Epos lässt uns teilhaben an knapp 1000 Jahre Geschichte. 5 exemplarische Ereignisse der deutschen Geschichte werden herausgezogen und wir begleiten die jeweiligen Protagonisten ...

Zum Inhalt:
Ulf Schiewes Epos lässt uns teilhaben an knapp 1000 Jahre Geschichte. 5 exemplarische Ereignisse der deutschen Geschichte werden herausgezogen und wir begleiten die jeweiligen Protagonisten entweder nur episodenhaft oder zuweilen auch über einen längeren Zeitraum. Den Ursprung nimmt die Geschichte mit den Ereignissen um die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955. Hier begegnet uns Arnulf, ein junger Schmid aus Tirol, den es aufs Schlachtfeld verschlägt und der dort einen ungarischen Säbel erbeutet, der ebenso wie Arnulfs Nachfahren eine tragende Rolle in diesem Roman spielt. So folgen wir der Reise des Säbels zu den Wenden, begleiten ihn in der Endphase des Dreißigjährigen Krieges und durch die napoleonische Ära bis hin zur Deutschen Revolution von 1848.
Das Cover:
Passt hervorragend, der Reichsapfel in exponierter Stellung mitten auf dem Titelbild. Er liegt auf einer dunkelblauen Karte, der Titel quasi in goldenen Buchstaben eingerahmt. Das alles ergeben ein stimmiges Bild, das absolut passend für einen historischen Roman ist.
Meine Meinung:
Das Buch ist ein wahrer Schmöcker, das spürt man schon wenn man es das erste Mal in den Händen hält. Es ist mehr als nur ein Roman, es ist ein Geschichtsbuch, in dem viele Facetten der deutschen Geschichte angesprochen werden. Dass man es auch als Geschichtsbuch empfindet ist auch Schiewes Erzählstil geschuldet. Er erzählt eher nüchtern und schnörkellos, dabei aber immer fesselnd und mit dem wesentlichen im Blick. Es fehlt dadurch vielleicht manchmal das persönliche Moment, aber letztendlich begleiten wir nicht einen Protagonisten, sondern seine (und auch andere Familien) in den jeweiligen Epochen. Zwischen den einzelnen Epochen liegen manchmal nur wenige Jahrzehnte und manchmal mehrere Jahrhunderte.
Die Familien, die im Vordergrund stehen haben sich verändert, manchmal räumlich, manchmal in ihrer gesellschaftlichen Stellung, manchmal weil sich der Zeitgeist auch verändert, dadurch wird die Familiengeschichte zu einer lebhaft erzählten Geschichtsstunde, der man gern folgt.
Fazit:
Das Buch kann ich uneingeschränkt empfehlen, zwar fehlt es mitunter an der Verbundenheit, die man sonst bei historischen Romanen mit den Protagonisten empfindet, aber hier soll ja nicht der Einzelne im Vordergrund stehen, sondern das historische Ereignis und die Auswirkungen, die es auch über mehrere Jahrhunderte hinweg, auf die Menschen, die davon betroffen sind haben kann.

Veröffentlicht am 16.09.2018

Bitte mehr Bücher wie dieses

Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren
0

Zum Inhalt:
Suzy, 12 Jahre alt, ist ein kleiner Nerd, ein Sonderling - im Klassenverbund ist sie ein Außenseiter und fällt durch ihre unangepasste Art auf. In einer Altersphase, in der sich ihre Klassenkameradinnen ...

Zum Inhalt:
Suzy, 12 Jahre alt, ist ein kleiner Nerd, ein Sonderling - im Klassenverbund ist sie ein Außenseiter und fällt durch ihre unangepasste Art auf. In einer Altersphase, in der sich ihre Klassenkameradinnen schon anfangen für Klamotten, Schminke und Jungs zu begeistern, interessiert sie sich für Naturphänomene und analysiert diese bis ins kleinste Detail.
Lange stört sie die Außenseiter-Rolle nicht, weil sie Franny als Freundin an ihrer Seite hat. Doch Franny will nicht unangepasst sein, sie will dazu gehören und stellt sich gegen Suzy. Für Suzy ist das unbegreiflich, doch bwevor sie das mit Franny klären kann, stirbt diese tragischerweise bei einem Schwimmunfall während der Sommerferien. Da sie sich keine andere Erklärung für diesen tragischen Todesfall vorstellen kann entwickelt Suzy die Theorie, dass ein Quallenstich dafür verantwortlich ist und setzt alles daran, diese Theorie zu untermauern.
Das Cover:
Das Cover ist zauberhaft gestaltet, ein Mädchen, das auf einem Hügel steht und suchend aufs Meer blickt - vielleicht Suzy. Oder doch Franny, gefangen im Meer (da ja im blau des vermeintlichen Himmels Fische schwimmen), ein Quallententalekl in der Hand, quasi als Bestätigung von Suzy Theorie.
Meine Meinung:
Das Buch fesselt von der ersten Seite an, Suzy ist eine Protagonistin, mit der man gleichermaßen mitfühlt und die man beschützt werden wissen will, andererseits führen manche ihrer Ideen zu weit, so dass man (als Erwachsener) nur den Kopf schütteln kann. Während ihrer Suche nach einem geeigneten Quallenexperte, zur Untermauerung ihrer Theorie werden signifikante Themen wie Freundschaft, Mobbing, Tod und Trauer behandelt. Suzy muss und macht auch eine Entwicklung durch, die zeigt, dass man sich nicht anpassen muss um Freunde zu finden, sondern dass oft der besondere Moment entscheidend ist um wieder den einen wichtigen Schritt auf andere Menschen zu zumachen.
Fazit:
Ich wünsche mir mehr Bücher für (junge) Leser wie dieses. Ali Benjamin zeigt in ihrem Debut auf ganz einfühlsame Weise, wie man sich als junger Mensch in dem "altersmäßigen" NIemandsland zwischen Kind und Teenager fühlt. Vor allem wenn man durch seine Einzigartigkeit heraussticht, aber letztendlich zeigt es auch, dass man sich diese Einzigartigkeit bewahren kann und trotzdem Vertrauen, Hoffnung und Freunde finden kann.

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Thema
Veröffentlicht am 28.08.2018

Ein wunderschöner Liebesroman vor einer farbenprächtigen Kulisse

Die englische Fotografin
0

Eliza reist im als Fotografin Jahr 1930 an den indischen Fürstenstaat Juraipur, um dort im Auftrag der britischen Krone, das dortige Fürstenhaus, aber auch Land und Leute zu fotografieren. Als Kind lebte ...

Eliza reist im als Fotografin Jahr 1930 an den indischen Fürstenstaat Juraipur, um dort im Auftrag der britischen Krone, das dortige Fürstenhaus, aber auch Land und Leute zu fotografieren. Als Kind lebte sie bereits einmal mit ihren Eltern in Indien und obwohl ein dramatisches Ereignis damals ihren Aufenthalt dort beendete, hat die Faszination für dieses Land sie nie losgelassen.
Im Palast angekommen begegnet ihr auch ziemlich bald der Bruder des Fürsten Jayant "Jay" Singh, der ihr, zumal er eine englische Ausbildung genossen hat als Begleiter zur Verfügung gestellt hat.
Schon bald merkt Eliza zum einen, das ihr englischer Förderer, Clifford Salter, ihr sowohl private Avancen macht, aber auch versucht die als Spionin am Hof einzusetzen. Zum anderen entwickelt sie trotz diverser verbaler Schlagabtäusche schnell eine Faszination für Jay, die erwidert wird.

Dinah Jeffries entführt uns in ihrem Roman "Die englische Fotografin" an einen farbenprächtigen Schauplatz, dessen Faszination man sich nicht entziehen. Mit Eliza schafft sie eine Protagonistin, die realistisch und authentisch ist und die trotz mancher Intrigen und Widrigkeiten ihren Weg geht. Die aufkeimende Liebe zwischen Eliza und Jay wird wunderschön erzählt und man bangt und hofft, dass die beiden die gesellschaftlichen Zwänge überwinden mögen. Sprachlich überzeugt das Buch durch ein hohes Niveau und setzt sich so von so mancherlei seicht gehaltenen Liebesroman wohltuend ab. Dazu wird der Fokus nicht nur rein auf die Liebesgeschichte gekehrt, sondern auch Land und Leute werden ausführlich beschrieben, ebenso wird das zum Teil arrogante Auftreten der Vertreter der englischen Regierung thematisiert und den Unmut, den sie dabei in der indischen Bevölkerung erzeugen. Auch die Intrigen am Hof sorgen für zusätzlichen Spannung. Mit Eliza schafft Dinah Jeffries eine Protagonistin, die realistisch und authentisch ist und die trotz mancher Intrigen und Widrigkeiten ihren Weg geht. Sie spielt nicht nur eine passive Rolle, sondern entwickelt sich in der Geschichte weiter, so wird sie mit einigen dunklen Kapiteln ihrer Vergangenheit konfrontiert, die sie zusätzlich bewältigen muss. Zunehmend bewertet sie auch die britische Oberherrschaft über das Land kritisch und versucht ihrerseits, gemeinsam mit Jay und dessen Mutter, der Not der Bevölkerung Abhilfe zu verschaffen.

Insgesamt ein historischer Liebesroman, der einfach in allen Belangen überzeugt: authentische Charaktere, eine interessante Epoche und ein wunderschöner Schauplatz, einige unerwartete Wendungen, dazu noch sprachlich und stilistisch nahezu perfekt erzählt, auf jeden Fall volle Punktzahl.

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Charaktere
  • Gefühl
  • Erzählstil