Scharf bissig und charakteristisch
Gifted and TalentedOlivie Blakes Bücher sind anders.
Scharf. Intelligent. Voller Kontraste.
Wortgewandt und intellektuell.
Jedes Mal, wenn ich eines ihrer Bücher aufschlage, habe ich absolut keine Ahnung, was mich erwartet. ...
Olivie Blakes Bücher sind anders.
Scharf. Intelligent. Voller Kontraste.
Wortgewandt und intellektuell.
Jedes Mal, wenn ich eines ihrer Bücher aufschlage, habe ich absolut keine Ahnung, was mich erwartet. Dafür bin ich hier.
Sie schreibt Geschichten, die sich außerhalb meiner Komfortzone bewegen. Geschichten, die Dinge mit meinem Gehirn machen, die ich nicht immer sofort greifen kann. Geschichten, bei denen man erst den richtigen Winkel finden muss, um zu verstehen, aus welcher Perspektive ich diese überhaupt betrachten sollte.
Im Mittelpunkt stehen die Geschwister Wren. Nach dem Tod ihres Vaters Thayer Wren, dem Gründer eines mächtigen Magitech-Unternehmens, beginnt ein "Kampf" um sein Vermächtnis. Meredith, Arthur und Eilidh sind alle außergewöhnlich begabt und auf ihre ganz eigene Art vollkommen kaputt.
Begnadet. Talentiert aber auch voller Fehler und Zweifel.
Und genau das macht dieses Buch so großartig.
Sie machen es großartig.
Wer eine klassische Urban Fantasy erwartet, sollte allerdings wissen, worauf er sich einlässt. Die Magie ist da, aber sie steht nicht im Mittelpunkt. Ich könnte jetzt versuchen sie euch zu beschreiben aber ich bin mir nicht sicher ob ich sie richtig verstanden habe. Weniger Urban Fantasy und mehr Magical Realism.
Ja das trifft es eher. Oder doch eher eine Charakterstudie?
Letztendlich ist es eine Familiensaga über Macht, Anerkennung, Ehrgeiz und die Frage, was Glück eigentlich bedeutet.
“This App will make you happy.”
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Doch was bedeutet das überhaupt? Glücklich sein?
Wann sind wir es? Und warum jagen wir diesem Zustand eigentlich ständig hinterher?
Würdet ihr einer App oder einer Technologie vertrauen die euch Glück verspricht ?
Olivie Blake stellt viele Fragen, gibt aber nur selten einfache Antworten.
Ihr Schreibstil ist wieder einmal unverkennbar. Intelligent, eloquent, poetisch und scharf. Selbst unter hunderten Büchern würde ich ihre Stimme sofort erkennen. Ihre Texte haben Krallen. Sie beißen. Sie pieksen. Sie fordern heraus.
Und obwohl mich das Buch nicht sofort vollständig hatte, gab es diesen einen Moment etwa zur Hälfte der Geschichte, als die allwissende Erzählerin plötzlich selbst in Erscheinung tritt.
Was für ein genialer Kniff.
Natürlich macht Olivie Blake so etwas.
Brillant. Seltsam. Ein bisschen verrückt.
Und genau deshalb liebe ich ihre Bücher. Für eben diese außergewöhnlichkeit.
Die Charaktere
Die eigentliche Stärke dieser Geschichte bleiben aber die Charaktere. Auch die neben den Geschwistern. Ja !
Die Wrens sind ein einziges emotionales Chaos.
Ihr People of Choice - ihre Anker. Mit natürlich wieder ganz eigenen Problemen und Wesen.
What a mess!
Die Wrens sind arrogant, egoistisch, manipulativ, verletzt, brillant und treffen regelmäßig fragwürdige Entscheidungen. Es war wie eine Reality Show !
Meredith war wahrscheinlich mein persönlicher Favorit. Eine absolute Slay-Icon-Queen mit leicht psychopathischen Tendenzen. Arthur ist sensibel, ambitioniert und verliert sich irgendwo zwischen seinen politischen Träumen, seinen Beziehungen und seinem eigenen Ego. Und Eilidh als Liebling ihres Vaters versucht herauszufinden, wer sie eigentlich ohne seine Anerkennung ist. Ach und die Beherbergt als ehemalige Prima Ballerina einen Apokalyptischen Dämon in sich der gerne mal eine Katastrophe vom Himmel regnen lässt ! Genial !
Jeder von ihnen ist auf seine eigene Art faszinierend.
Und jeder von ihnen trägt etwas in sich, das erschreckend menschlich ist.
Die Familienkonstellation war für mich ohnehin eines der Highlights. Dysfunktional. Satirisch. Kaputt. Teilweise völlig absurd. Manchmal musste ich lachen, manchmal wollte ich die Figuren schütteln und manchmal tat es einfach weh, ihnen zuzusehen.
Denn obwohl die Wrens Genies sind, kämpfen sie letztlich mit denselben Dingen wie wir alle.
Mit Unsicherheiten.
Mit Ängsten.
Mit verpassten Chancen.
Mit dem Gefühl, nicht genug zu sein.
Die Handlung
Leider konnte mich die eigentliche Handlung nicht immer genauso überzeugen wie die Figuren. Zwischendurch verlor die Geschichte etwas an Tempo und auch die Magie hätte für meinen Geschmack noch etwas stärker ausgearbeitet sein dürfen. Man fragte sich manchmal -
Wo führt das ganze hin als nur zu der Veröffentlichung des Testaments.
( das noch recht ernüchternd war - fand ich )
Aber ehrlich gesagt war mir das irgendwann völlig egal.
Weil dieses Buch durch seine Charaktere lebt.
Durch ihre Genialität und ihre Schwächen.
Durch ihre scharfen Kanten.
Durch ihr verzweifeltes Streben nach Erfolg, Anerkennung und Glück.
Am Ende ist Gifted & Talented für mich ein Buch über Menschen.
Über die Dinge, die wir nicht ändern können.
Über die Konsequenzen unserer Entscheidungen.
Über die hässlichen Seiten in uns selbst.
Über die Personen die in unser Leben treten und uns zeigen was es bedeutet zu Leben.
Und darüber, dass Liebe nicht immer alles heilt und manchmal sogar alles noch komplizierter macht.
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Fazit
Gifted & Talented war für mich weniger eine spannende Urban Fantasy und viel mehr ein Kunstwerk über zwischenmenschliche Beziehungen.
Komplex.
Messy.
Bissig.
Manchmal unbequem.
Ein genialer Schreibstil, einzigartig und einer ganz eigenen Note. Genial und oft über meinen Wortschatz hinaus.
Und voller Figuren, von denen man eigentlich Abstand halten sollte und die man trotzdem irgendwie ins Herz schließt.
Die Handlung hat mich nicht immer komplett abgeholt, die Charaktere dafür umso mehr.
Und genau deshalb werde ich dieses Buch vermutlich noch eine ganze Weile mit mir herumtragen.