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Veröffentlicht am 02.08.2022

Faszinierender Roman über das Klosterleben im Hochmittelalter

Matrix
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Nonne wider Willen

England 1158 - das hünenhafte Waisenkind Marie aus Frankreich, wird mit 17 von ihrer Halbschwester, der Königin Eleonore von Aquitanien in ein armseliges Kloster auf der Insel verbannt. ...

Nonne wider Willen

England 1158 - das hünenhafte Waisenkind Marie aus Frankreich, wird mit 17 von ihrer Halbschwester, der Königin Eleonore von Aquitanien in ein armseliges Kloster auf der Insel verbannt. Sie solle dort Priorin werden, da sie zu unansehnlich und mannhaft für eine Heirat wäre. Die freiheitsliebende Marie, die viel lieber als Ritter durch die Lande ziehen würde, muss sich nun dem Klosterleben unterordnen und dem Neid und Argwohn der Schwestern, den sie dem fremden Bastard der Krone anfangs entgegensetzen. Ganz allmählich aber findet die im Klosterleben gefangene Marie ihren ganz eigenen Glauben und erschafft ihre ganz eigene Rolle, die das Kloster bereichert, zu Wohlstand führt und mit ihren außergewöhnlichen feministischen Visionen einen ganz neuen Weg aufzeichnet.

Mit „Matrix“, ist der amerikanischen Autorin Lauren Groff ein ganz ungewöhnliches Buch gelungen. Es beschäftigt sich mit unterschiedlichen Frauenrollen im frühen Mittelalter, mit besonderem Focus auf das Klosterleben. Mit der ungewöhnlichen Protagonistin Marie, der sie das Klischee eines riesigen Mannweibes zuordnet, schafft sie eine ziemlich kontroverse Figur, die gleichzeitig feinfühlig, wehrhaft und ikonenhaft erscheint. Zuerst zutiefst zerrissen und unzufrieden, macht Marie aber das Beste aus ihrer zugewiesenen Rolle und zeigt ihrer geliebten Königin Eleonore alle ihre Facetten!
Der Roman beschreibt das Leben und die Moral im klassischen Mittelalter auf eine recht bildhafte und einfühlsame Weise. Der Schreibstil dabei ist eindrucksvoll und fesselt besonders durch seine ungewöhnliche Protagonistin. Als Inspiration für ihre Marie diente Groff sicherlich die sagenumwobene Dichterin „Marie de France“ aus dem 13. Jahrhundert, von deren Leben nicht viel bekannt ist, deren Novellen „Lais“ Liebe und Unterdrückung der Frauen zum Thema macht.
Das Cover ist eher unspektakulär und weist so gar nicht auf ein historisches Thema hin, doch soll wohl der goldene Strahlenkranz auf Maries Visionen-Inspirationen hindeuten.

Mein Fazit:
Ein faszinierender und ungewöhnlicher historischer Roman, mit einer fantastischen Protagonistin, die sehr modern und unkonventionell in ihren Ansichten anmutet. Sehr inspirierend inszeniert:).

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Veröffentlicht am 26.07.2022

Interessanter historischer Roman zum Thema Champagner

Die Champagnerfürstin
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Champagner, ein prickelnd-edles Getränk, das von Frankreich aus die Welt erobert. An der historischen Entwicklung, der Herstellung und des Vertriebs von Champagner sind im Besonderen zwei starke Frauen ...

Champagner, ein prickelnd-edles Getränk, das von Frankreich aus die Welt erobert. An der historischen Entwicklung, der Herstellung und des Vertriebs von Champagner sind im Besonderen zwei starke Frauen maßgeblich beteiligt. Die Grand Seniorin des Champagner-Geschäfts ist die Witwe Barbe-Nicole Clicquot, deren Präsenz schon der Name „Veuve Clicquot“ verrät. Auch ihre wesentlich jüngere Konkurrentin Madame Pommery übernimmt nach dem Tod ihres Mannes das Ruder im Champagner-Geschäft.

Der Titel im Singular von „Die Champagnerfürstin“ ist ein wenig unglücklich gewählt, erzählt die Autorin Annette Fabiani doch eigentlich die Lebens-Geschichte zweier Witwen. Denn zwei starke Frauen, aus unterschiedlichen Generationen und Epochen schicken sich an, die Welt des Champagner-Handels zu prägen. Während Jeanne Pommery gerade erst ihren Mann verliert, steht die Witwe Barbe-Nicole Clicquot schon am Ende ihres langen und erfolgreichen Lebens.
Die Erzählung beginnt 1858 am Totenbett von Alexandre Pommery, mit einer ersten Begegnung der beiden Witwen, in der Barbe aus ihrem bewegten Leben erzählt und ihre junge Konkurrentin ermutigt, ebenfalls die Leitung ihres Betriebs zu übernehmen. Solch ein Treffen ist zwar nicht historisch belegt, ich fand aber diesen Aufhänger als Idee durchaus faszinierend und vorstellbar. Im Rückblick erfährt der Leser dann die Vergangenheit der alten Grand Dame Clicquot. Die Vitas der beiden sind dabei fesselnd und interessant in den Roman arrangiert. Eine ansprechende Umschlaggestaltung lässt den Titel zwar glänzen, allerdings stellt der Klappentext und Titel eine recht widersprüchliche Aussage zum Inhalt dar. Er suggeriert, das Buch drehe sich hauptsächlich um Jeanne Pommery, obwohl sich die Geschichte auch zu einem großen Teil um Barbe-Nicole dreht.

Mein Fazit:
Diese historische Hintergrundgeschichte über den erfolgreichen Siegeszug des Champagners, der trotz oft widriger Umstände, über die ganze Welt stattfand, ist unglaublich interessant und auch recht gut recherchiert. Da ich vorab noch nichts über beide Damen wusste, fühlte ich mich vortrefflich unterhalten.

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Veröffentlicht am 26.07.2022

Unterhaltsamer Regionalkrimi aus der Salzburger Ecke

Salzburger Dirndlstich
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Dirndl-Upcycling, ist gerade mega angesagt und das diesjährige Motto der Modeschule Hallein. Der Siegerin in Sachen Nachhaltigkeitsdirndl, winkt ein heißbegehrtes Praktikum beim österreichischen Dirndl-Papst ...

Dirndl-Upcycling, ist gerade mega angesagt und das diesjährige Motto der Modeschule Hallein. Der Siegerin in Sachen Nachhaltigkeitsdirndl, winkt ein heißbegehrtes Praktikum beim österreichischen Dirndl-Papst Alexis K. Doch der Ehrgeiz geht diesmal wohl zu weit, Streit und Missgunst kochen hoch und finden in der finalen Modenschau im Salzburger Freilichtmuseum ihren Höhepunkt. Nachdem kurz vor ihrem Auftritt, gerade Susi, Tochter von Arzthelferin Rosemarie Dorn, vor versammelten Publikum einen handfesten Streit mit der von allen gehassten Konkurrentin „Cruella“ hatte, bricht diese auf dem Laufsteg zusammen! Am nächsten Tag ist Cruella tot und ein wertvolles Ur-Dirndl aus dem Museum verschwunden!

Mit seinem außergewöhnlichen Cover ist mir der Kriminalroman "Salzburger Dirndlstich” der österreichischen Autorin Katharina Eigner sofort ins Auge gefallen! Die großartige Idee ein gesticktes Motiv zum entsprechenden Titel zu kombinieren finde ich einfach super.
Obwohl dies schon der zweite Fall in Folge für die neugierige Arzthelferin Rosemarie Dorn ist, hatte ich kein Problem mit der Lektüre, da der Fall in sich abgeschlossen ist. Die Protagonisten sind allesamt großartig beschrieben, ob sympathisch oder nicht und daher gut zu visionieren. Auch die Handlung an sich gefällt mir gut, da sie clever eingefädelt und bis zum Schluss undurchsichtig bleibt, die beste Voraussetzung für einen spannungsvollen Krimi!

Mein Fazit:
Ein wirklich lesenswerter Regionalkrimi aus der Salzburger Region, dessen Lektüre mir großen Spaß gemacht hat. Er begeistert sowohl mit regionalen Kuriositäten, Brauchtum und einer guten Portion Dialekt, was der kriminellen Geschichte zusätzlich noch eine gute Mischung an Lokalkolorit verpasst. Auch der Humor der Autorin liegt genau auf meiner Wellenlänge.

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Veröffentlicht am 13.07.2022

Informationsflut extraordinär

Papyrus
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„Papyrus - Die Geschichte der Welt in Büchern“ oder auch „El infinito en un junco: La invención de los libros en el mundo antiguo“, ist der spanische Titel des Fachbuchs über Bücher, ihre Entstehung und ...

„Papyrus - Die Geschichte der Welt in Büchern“ oder auch „El infinito en un junco: La invención de los libros en el mundo antiguo“, ist der spanische Titel des Fachbuchs über Bücher, ihre Entstehung und Bedeutung. Geschichten und Erzählungen faszinierten die Menschheit schon lange, doch diese über die Zeit zu retten und zu konservieren war eine Innovation und eine lange Entwicklung. Der Sachverstand der spanischen Autorin Irene Vallejo zu diesem Thema ist ungemein umfangreich. Bewundernswert auch ihre Wortgewandtheit und Gedankengänge, die mich in diesem Werk enorm beeindruckt und angeregt haben. Besonders ihre Vergleiche, Bezüge aus der Antike mit ihren Entwicklungen bis in unserer Gegenwart hinein aufzuzeigen, fand ich ungemein interessant und spannend.
Irene Vallejo schreibt dabei sehr sprunghaft, ein Gedanke, eine Anekdote, eine interessante Geschichte jagt die nächste. Oft fühlte ich mich bei der Lektüre aufgehalten, meinen eigenen Gedankengängen nachzujagen. Die Lust über eine der Begebenheiten nachzudenken oder sie zu vertiefen. Es ist kein einfach zu lesendes Buch, nichts gleitet flüssig dahin. Viele Ecken und Kanten, die mich hier oder da anstießen, aufhielten und anregten über das Geschriebene nachzusinnen.

Im Großen und Ganzen, ist das Werk in zwei Teilbereiche eingeteilt:
Die griechische Antike und ihre Klassiker, das Streben nach Wissen und Weisheit, im zweiten Teil geht es um Rom und die römische Identität. Dabei prägte Alexander der Große, als Sammler des Wissens und Vorreiter, den römischen Traum von Weltbürgerschaft. Die Erlassung von Caracalla „Constitutio antoniniana“, aller Bürger als Römer im gesamten Imperium, war damals fast schon revolutionär. Eine Weltbürgerschaft, welch ein großer und moderner Gedanke! Gerade in unserer instabil gewordenen Realität, dem Zerfall in Ost und West, mit der Frage nach Gut und Böse, sind wir von diesem Gedanken fast schon wieder Welten entfernt, wie schade!
Es ist ein großartiges Gefühl diese Informationen, dieses Wissen aus der Antike aufzusaugen, zu überdenken oder einfach nur zu genießen. Mich hat die Autorin mit ihrer Leidenschaft für Bücher, Vielfältigkeit und Wissensflut überrascht und begeistert. In der Leserunde waren die Meinungen dazu sehr zwiespältig. Ein Buch, das Geduld benötigt, Ausdauer und Teilen von Interessen ist nicht jedermanns Sache. Es ist eben nicht nur ein Fachbuch, da sich auch viel Persönliches der Autorin in den Seiten verbirgt. Ich mag gerade diese Mischung sehr gerne, habe mich darauf eingelassen, mir Zeit beim Lesen gelassen und mir immer wieder einen Abschnitt vorgenommen, wenn ich Lust auf die Thematik und mehr Wissen hatte. Die Lektüre fühlte sich für mich wie eine Art Zwiegespräch zwischen der Autorin und ihren Lesern an, immer wieder unterbricht sie das „Gespräch“, da ihr etwas Neues zu dem Erzählten einfällt, das sie noch schnell loswerden will. Ungebremst tobt Vallejo durch über 700 Seiten, um uns Erstaunliches über die Welt der Bücher zu berichten, ein Genuss, der ein hohes Maß an Konzentration fordert.

Mein Fazit:
Ein sehr persönliches Fachbuch über eine grandiose Bücherliebe, die mir die Autorin glaubhaft vermittelt, etwas anstrengend, aber auch unfassbar interessant. Habe das Buch sehr genossen, es weckt Lust auf mehr Abenteuer in der Bücherwelt und enthält dafür wirklich zahlreiche Anregungen und Ideen. Grandios!

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Veröffentlicht am 11.07.2022

Ganz nette Beziehungsklamotte aus Übersee

Kein Sommer ohne dich
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Poppy Wright, das kleine schräge Mädchen aus der Provinz hat es geschafft. Sie hat ihren Traumjob und eine hübsche Wohnung in New York City. Dennoch ist die nicht glücklich. Seit zwei Jahren herrscht Sendepause ...

Poppy Wright, das kleine schräge Mädchen aus der Provinz hat es geschafft. Sie hat ihren Traumjob und eine hübsche Wohnung in New York City. Dennoch ist die nicht glücklich. Seit zwei Jahren herrscht Sendepause zwischen ihr und ihrem besten Freund und Seelenverwandten Alex. Sonst haben die beiden jeden Sommer zusammen Urlaub gemacht, bis zu jenem verhängnisvollen Tag vor zwei Jahren!

„Kein Sommer ohne dich" von Autorin Emily Henry wird angepriesen als ein »New York Times« Sommerroman-Bestseller. Die Geschichte dreht sich auch größtenteils um Urlaube, eine langjährige Freundschaft, das Thema Mobbing und ungewöhnliche Freizeitaktionen. Die Protagonisten sind beide etwas schräg angelegt, aber durchaus sympathisch. Es gibt einige witzige und auch traurige Momente im Buch, größtenteils wirken die Gags aber doch recht aufgesetzt und auf mich geradezu typisch amerikanisch. Gerade das Problem mit der Klimaanlage wiederholt sich gefühlt in jedem zweiten amerikanischen Roman. Die Vorstellung, dass Amerikaner nur mit Klimaanlage leben können, finde ich ehrlich gesagt völlig absurd! Da kommt bei mir stark der Europäer durch, bin einfach allergisch auf dieses leidige immer wieder aufgewärmte Thema. Ansonsten sind die Urlaubserlebnisse von Poppy und Alex zwar amüsant, aber ohne große Aufregung. Das Ende ist auch so wie ich es erwartet habe, also keine große Überraschung. Der Schreibstil ist flott und die Geschichte fließt angenehm, aber ohne große Spannungsmomente dahin.
Mein Fazit:
Ganz nette Unterhaltung für zwischendurch, allerdings hätte ich mir mehr prickelnde Momente und Highlights gewünscht. Haben vielleicht auch nicht ganz meinen Humor getroffen.

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