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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2019

Mit diesem Roman kann man wunderbar ins Paris der Nachkriegszeit und die Gefühlswelt der berühmten Künstlerin eintauchen

Madame Piaf und das Lied der Liebe
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Paris 1944- die französische Chansonette Édith Piaf, versucht ihre Karriere nach der Befreiung von Paris wieder aufzunehmen. Doch sie bekommt eine Anklage wegen Kollaboration mit dem Feind und fürchtet ...

Paris 1944- die französische Chansonette Édith Piaf, versucht ihre Karriere nach der Befreiung von Paris wieder aufzunehmen. Doch sie bekommt eine Anklage wegen Kollaboration mit dem Feind und fürchtet Auftrittsverbot und gar Verhaftung. Verzweifelt versucht sie ihre Unschuld zu beweisen. Währenddessen lernt sie einen jungen Künstler kennen, der erst so gar nicht ihren Vorstellungen entspricht, doch auf den zweiten Blick erkennt sie sein Potenzial, sein Name Yves Montand…..

Der Roman „Madame Piaf und das Lied der Liebe“ von Autorin Michelle Marly erzählt vom Werdegang der berühmten Pariser Chansonsängerin Édith Piaf und der Entstehung ihres berühmten Liedes „La vie en rose“. Es erzählt auch von einer spannenden und glücklichen Zeit aus ihrem tragischen Leben.
Die Autorin versteht es perfekt den Lebensstil von Édith und ihren Freunden aufleben zu lassen. Ihre Lust nach dem Krieg einen Neustart hinzulegen und das Leben wieder genießen zu können! Es war mir gar nicht bewusst, wie schwierig es als Künstler in Frankreich war, mit den Folgen aus der deutschen Besatzungszeit zu leben. Trotz ihrer geringen Größe von 1,47 m war Édith aber eine große Kämpferin und Künstlerin, nachdem sie ihre schwierige Kindheit gemeistert hat. Bewundernswert ihr Lerneifer, ihre Ambitionen und auch die Weitergabe von Wissen, Kunst und Lebensfreude. Das alles wird im Roman greifbar und ihr starker Wille spürbar.

Ein äußerst interessanter Ausschnitt, den die Autorin aus den Leben von Édith Piaf ausgewählt hat, großartig geschrieben und recherchiert. Marly konzentriert sich im Roman bewusst auf die Jahre zwischen 1944 und 1947, die sie als persönlichen Höhepunkt der Sängerin sieht. Es macht Spaß diesen kurzweiligen Roman zu Lesen und dabei in diese besondere Zeit und in die Geschichte des Pariser Chansons einzutauchen!
Auch möchte ich noch erwähnen, dass mir die Covergestaltung ganz großartig gefällt. Die kleine Madame in Schwarz, vor dem Arc de Triomphe passt wirklich wunderbar zum Roman. 
Der Aufbau Verlag hat da eine wirklich großartige Buch-Reihe, zum Thema »Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe« geschaffen, mit unglaublich interessanten Frauen, die mich allesamt beeindrucken und interessieren!

Veröffentlicht am 31.03.2019

Interessanter Blickwinkel auf vergangene Zeiten

Was uns erinnern lässt
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Auf ihrer Suche nach „Lost Places“, stößt Milla mitten im Wald des ehemaligen Grenzgebietes des Rennsteigs, auf eine geheimnisvolle Falltüre.
Die Türe führt zu einem Keller, der aussieht als wäre er eben ...

Auf ihrer Suche nach „Lost Places“, stößt Milla mitten im Wald des ehemaligen Grenzgebietes des Rennsteigs, auf eine geheimnisvolle Falltüre.
Die Türe führt zu einem Keller, der aussieht als wäre er eben verlassen worden. Geschirr, Teller, Silberbesteck eines Hotels Waldeshöhe und etliche Einmachgläser voller leckerer Marmelade aus den 70er Jahren. Dazu auch einen Stapel Schulhefte einer Christine Dressel. Milla ist fasziniert und begibt sich auf Spurensuche. Welches Gebäude verbarg sich so tief im Wald, wer war diese Familie Dressel und welche Geschichte steckt dahinter…….

In ihrem Buch „Was uns erinnern lässt“, schlägt die Autorin Kati Naumann das düstere Kapitel geteiltes Deutschland wieder auf. Sie erzählt die Geschichte und das Schicksal der Familie Dressel und die ihres geliebten Hotels „Waldeshöhe“ am Rennsteig in Thüringen. Die Familie hofft das Hotel nach Kriegsende wiederzueröffnen zu können, doch leider befinden sie sich nun am falschen Ort, zur falschen Zeit, gefangen auf Grenzgebiet!
Durch die ständig wechselnde Erzählperspektive von Heute nach Damals, bekommt das Buch eine packende Dynamik, die das Geheimnis um das verschwundene Hotel sehr spannend macht! Auch liebenswerte Protagonisten bereichern diese Lektüre und verwandeln den Roman in eine unterhaltsame Angelegenheit. Natürlich fasziniert auch die Geschichte und der Aufbau der DDR, deren Politik und Schikanen und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung. Es macht betroffen und zeigt wie manipulierbar und bösartig Menschen, durch Neid, Erziehung und Machtmissbrauch gemacht werden können.
Die Schilderung der Handlung ist absolut nachvollziehbar und großartig recherchiert. Ich kann mich noch gut an die unmenschlichen Grenzanlagen erinnern, die ich als Kind, zum Glück vom Westen aus, gesehen habe! An die Schikanen des kleinen Grenzverkehrs kann ich mich noch gut erinnern und die Angst und Missgunst die dort lauerte. Auch in meiner Familie wurden Geschwister getrennt und lebten jahrzehntelang in zwei Welten. Die Gedanken daran wurden mit dem Buch wieder lebendig und dabei der Wunsch für die Zukunft: „Menschen sollten nicht durch Mauern getrennt werden!“

Deutsch-Deutsche Geschichte mitreißend und authentisch erzählt. Von mir gibt es daher eine absolute Leseempfehlung für diesen unterhaltsamen Roman.

Veröffentlicht am 27.03.2019

Aufregendes Porträt aus dem Paris der 40er/50er über die Rive-Gauche-Intellektuellen

An den Ufern der Seine
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Paris 1940/50- das Buch lässt den großen Geist dieser Zeit wieder aufleben, aber auch den Schrecken, die Bedürfnisse und das Leid, aller aus dem Krieg übrig gebliebenen Menschen.
Jeder Charakter geht anders ...

Paris 1940/50- das Buch lässt den großen Geist dieser Zeit wieder aufleben, aber auch den Schrecken, die Bedürfnisse und das Leid, aller aus dem Krieg übrig gebliebenen Menschen.
Jeder Charakter geht anders mit schwierigen Situationen um, passt sich an, flieht oder stellt sich der Sache und kämpft auf seine ihm mögliche Art. Was Kreativität, Wut und Erneuerung schaffen kann, ist für die Nachwelt dort ganz deutlich zu erkennen. Bewundernswerte Persönlichkeiten sind entstanden, die sich trauten wieder ihre Stimme zu erheben, um die Welt neu zu formen. Der Kommunismus erstarkt zwar unter den Rèsistents und den Intellektuellen, doch schnell werden auch dessen Nachteile deutlich, denn Manipulation und Zwänge erinnern zu stark an faschistische Zeiten. Dank eines findigen Amerikaners gibt es aber zum Glück einen gegensätzlichen Plan und den zarten Keim sich neue Gedanken zu „Europa“ zu machen.
Die Wichtigkeit der Selbstbestimmung wird existenziell und zu einem wichtigen Gut für das Formen der Zukunft. Daraus formt sich gar eine Existenzphilosophie.


Der Wunsch nach Freiheit war in Frankreich untergründig wohl auch immer spürbar und die Hoffnung nie abhanden gekommenen.

Agnès Poirier sammelt in ihrem Buch „An den Ufern der Seine“ mit Hingabe die Gedanken, Hoffnungen und Visionen der Rive-Gauche-Intellektuellen.
Es ist wunderbar einen Blick auf all diese großen Geister und Künstler zu werfen, die Paris damals geformt haben und deren Wirken heute noch fühlbar ist. Durch die Übersicht aller bekannten Namen, eine Chronologie der Ereignisse und einen Stadtplan mit den Örtlichkeiten am Beginn des Buches, bekommt man eine gute Grundlage zum Starten der Lektüre. Das Highlight im Buch ist aber das Lesebändchen in den Farben der Trikolore:)
Auch die Aufteilung der Kapitel ist geschickt gewählt.

Trotz der manchmal etwas abgehackten Handlungen, der oft sprunghaften Erzählweise und der zahlreichen Erwähnung von unterschiedlichsten Persönlichkeiten, machte mir das Lesen Freude, benötigt aber auch sehr viel Aufmerksamkeit.
Es entsteht aber ein guter Eindruck und eine gekonnte Wiedergabe dieser spannenden Zeit, die mich fasziniert hat! Deshalb hat sich mein Durchhaltevermögen durchaus gelohnt und neue Interessen geweckt.

Es gibt so schöne Zitate, wie z.Bsp. diese von Richard Wright: „Ich fürchte, man kann nur leben und schreiben, wie ich es tue, wenn man in Paris oder an einem abgeschieden Ort wohnt, wo man ganz man selbst sein darf.“ oder dieses zum Rassismus: „Ich habe keine Weiße geheiratet, ich habe die Frau geheiratet, die ich liebe.“



Ein großartiges Buch, um sich sich wieder mal bewusst zu machen, was wichtig ist. Ein Streben nach Zusammenhalt, die Freiheit im Denken, die Vielfalt der Kunst und die Sicherheit eines freien und einigen Europas. Absolut lesenswert!

Veröffentlicht am 18.03.2019

Großartig recherchierter historischer Roman mit einer spannungsreichen Handlung

Der Gesang der Bienen
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Anno Domini 1152 – der Zeidler Seyfried führt ein glückliches und zufriedenes Leben mit seiner Frau, der Heilerin Elsbeth und seinen drei Kindern.

Mit der ältesten Tochter Anna zieht er durch die Wälder, ...

Anno Domini 1152 – der Zeidler Seyfried führt ein glückliches und zufriedenes Leben mit seiner Frau, der Heilerin Elsbeth und seinen drei Kindern.

Mit der ältesten Tochter Anna zieht er durch die Wälder, um wilde Bienenvölker einzusammeln und Honig und Wachs zu ernten. Doch plötzlich wird das friedliche Leben der Familie völlig auf den Kopf gestellt, denn Seyfrieds Frau Elsbeth wird verdächtigt, am Tod einer Adeligen schuldig zu sein und daher zum Tode verurteilt. Seyfried hat nur eine Chance, er muss, bei der berühmten Heilerin „Hildegard von Bingen“, Hilfe ersuchen. Nur sie hat noch die Macht seiner Frau zu helfen. So macht sich der Zeidler auf die gefährliche weite Reise den Rhein entlang, nach Bingen. Er muss sich beeilen, denn er hat eine Frist einzuhalten……!



Der historische Roman „Der Gesang der Bienen“ von Ralf H. Dorweiler beschäftigt sich mit einem mittlerweile fast ausgestorbenen Berufsfeld, der Zeidlerei. Bei dieser Form der Imkerei sammelt der Zeidler den Honig und das Wachs von wilden Bienenvölkern und versucht diese umzusiedeln.
Mit dem Verkauf von Honig und Wachs an die Klöster hatte ein Zeidler damals ein gutes Auskommen.
Den Zeidler Seyfried im Roman gibt uns einen guten Einblick in sein Berufsleben, bevor das Unglück über ihn hereinbricht! Aber auch über die bekannte Nonne „Hildegard von Bingen“ und über das Klosterleben erfährt der Leser im Buch einiges interessante. Wahres und fiktives ergänzen sich dabei hervorragend, was für eine gekonnte Recherche spricht.
Gleichzeitig hält uns die haarsträubende Ungerechtigkeit und Brutalität des Mittelalters in Atem, mit der die Geschichte immer mehr an Fahrt aufnimmt.

Der bildhafte und ausdrucksstarke Schreibstil des Autors versteht es zu fesseln und zu unterhalten. Der Spannungsbogen steigt kontinuierlich an und endet in einem fulminanten Show Down.
Besonders liebenswert, sind die Zitate mit „Bienen“ Bezug, die jeweils passend die Kapitel bereichern. Auch das Cover ist dem Inhalt hervorragend angepasst. Dazu kommt ein Plan von Seyfrieds Reiseroute, der das ausklappbare Innencover ziert und eine Personenübersicht am Ende des Romans, zur besseren Orientierung. Alles sehr stimmig und durchdacht!

Der Roman bietet einen wundervoll lebhaften Einblick in die Berufswelt und das Leben der mittelalterlichen Menschen, wie sie geprägt werden, durch ihren Stand, ihre Macht und ihre Lebensumstände. Diese absolut eindrucksvolle, spannende und unterhaltsame Geschichte, kann ich, allen historisch interessierten Lesern, wirklich mit gutem Gewissen empfehlen!

Veröffentlicht am 16.03.2019

Tolles informatives Fachbuch über die Mikrobenwelt, man lernt einfach immer wieder Neues dazu!

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke
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Erstaunlich, diese Welt der Mikroben, jahrhundertelang unentdeckt und danach gefürchtet und bekämpft. In diesem Buch wird uns diese Welt näher gebracht und erklärt, ohne großen Schrecken zu verbreiten! ...

Erstaunlich, diese Welt der Mikroben, jahrhundertelang unentdeckt und danach gefürchtet und bekämpft. In diesem Buch wird uns diese Welt näher gebracht und erklärt, ohne großen Schrecken zu verbreiten!
Im ersten Teil des Buches werden die winzigen Gesellen vorgestellt, die Geschichte ihrer Entdeckung erzählt und mit vielen Irrtümern aufgeräumt. Diese unsichtbare Welt ist bewundernswert und hat unseren Respekt verdient.
Man erfährt des weiteren, welche erstaunlichen Leistungen Mikroben leisten können und das es nicht nur böse, sondern eben sehr viele für uns nützliche und wertvolle Mikroorganismen gibt. Wir brauchen die Keime für unser Leben, unser Mikrobiom sind sogar auf sie angewiesen und unsere Angst ist unbegründet, wenn wir ein paar Regeln beachten.
Mit diesen Regeln befasst sich der zweite Teil des Buches. Dort ziehen wir dann durch unseren Wohnbereich und lernen unseren Mikroben Zoo kennen.

Das Fachbuch „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihre Türklinke“, befasst sich mit dem Image von Mikroben. Die Autorin Susanne Thiele versteht es uns den Schrecken vor „Keim und Co“ zu nehmen. Auf unterhaltsame Art und Weise lernen wir viel über diese unsichtbare Welt um uns herum, in der es wohl auch in Zukunft noch vieles zu entdecken gibt! Neue und erstaunliche Erkenntnisse lassen uns aufhorchen und uns die Mikroben auf ganz andere Weise zu sehen, denn sie können unsere Freunde sein.

Obwohl dies schon mein zweites Buch über die Mikroben Welt ist, habe ich wieder einiges an Neuigkeiten, Anregungen und Erkenntnissen mitnehmen dürfen. Der Schreibstil ist für ein Fachbuch sehr flüssig, locker und humorvoll, deshalb war die Lektüre für mich ein großes Vergnügen.
Es gibt auch hier einiges an Hygieneregeln im häuslichen Bereich zu beachten, doch auch viele Tipps gute Mikroben zu vermehren.
Also eine gute Ergänzung zu meinen bisherigen Kenntnissen und die wichtige Botschaft „Keine Angst vor Mikroben!“
Die Auseinandersetzung mit den Mikroben ist und bleibt wohl spannend und wird uns auch in der Zukunft noch öfter beschäftigen und überraschen können!