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Veröffentlicht am 28.07.2018

Lost in Africa

Mission Munroe - Die Touristin
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Eine Touristin, die junge Amerikanerin Emily, die mit 2 Gefährten durch verschiedene afrikanische Länder reiste, verschwindet - und der gramgebeugte Stiefvater beauftragt Vanessa bzw. Michael Munroe, knallharte ...

Eine Touristin, die junge Amerikanerin Emily, die mit 2 Gefährten durch verschiedene afrikanische Länder reiste, verschwindet - und der gramgebeugte Stiefvater beauftragt Vanessa bzw. Michael Munroe, knallharte Frau für alle Fälle, sie zu finden. Inzwischen sind bereits vier Jahre vergangen, die Mutter des Mädchens ist nicht mehr, nur einer der Reisegefährten ist wieder zurückgekehrt, befindet sich seitdem aber in der geschlossenen Psychatrie und ist Munroe keine Hilfe.

Diese reist also nach Afrika - und bei ihren Reisezielen handelt es sich nicht um kuschlige Ressorts, sondern um die knallharte Realität bspw. in Kamerun und Äquatorialafrika, also die brutale Seite Schwarzafrikas - um vor Ort zu ermitteln. Es erweist sich, dass Munroe über beste Ortskenntnisse verfügt, da sie als Missionarstochter selbst eine langjährige afrikanische Vergangenheit hat. Der Leser begegnet Gestalten aus Munroes früherem Leben, wobei vor allem Francisco Beyard nachhaltig in Erscheinung tritt und zu ihrem Begleiter wird, zudem wird ihr vom Auftraggeber ein weiterer Reisegefährte, Miles Bradford, an die Seite gestellt - der offiziell als Beschützer, aus Munroes Sicht als Aufpasser fungiert. Beide erscheinen der passionierten Einzelgängerin als Last, zudem weiss sie nicht, ob sie ihnen vertrauen kann.

Vertrauen, das ist neben Verrat, Rache und körperlichen und seelischen Narben eines der großen Themen, das sich durch die gesamte Geschichte zieht. Dazu kommt die Bedrohung von vielen Seiten, der Munroe während der Erfüllung ihres Auftrags unentwegt ausgesetzt ist. Vieles ist verwirrend sowohl für Romanfiguren als auch für Leser, einiges ist anders als es zunächst scheint. Spannend ist die Geschichte, wenn auch gelegentlich schwer zu glauben: die erfahrene und extrem professionelle Munroe ist erst 23 und spricht 22 Sprachen - zur Erschließung weiterer Sprachen benötigt sie lediglich eine Woche. Zudem boten sich für Munroe zu Beginn ihrer Ermittlungen viele verschiedene Ansätze dar, nicht alle erwiesen sich als relevant und wurden von daher nicht weiter vefolgt - ich persönlich fand einige davon recht anregend und hätte doch sehr gerne vom weiteren Verlauf bzw. Schicksal der damit verknüpften Figuren erfahren.

Lost in Afrika - das ist im vorliegenden Buch nicht nur die verschollene Emily, nein, auch Munroe, Beyard, Bradford und einige andere sind es - jeder auf seine Weise!

Wer sich von den erwähnten kleinen Unregelmäßigkeiten nicht beeinflussen lässt und den etwas schwerfälligen Anfang übersteht, den erwartet ein spannender, nicht anspruchsloser Thriller in ungewöhnlichem Setting. Harte Zeiten mit intellektuellem Pfiff - Freunde aktionsreicher Erzählkunst kommen hier klar auf ihre Kosten. Für sie mag es perfekte Spannungsliteratur sein, für mich war es dann doch ein bisschen zu hart.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Pragmatisch, praktisch - asiatisch gut!

Asiatisch gut gekocht
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Dieses Kochbuch ist das Richtige für Einsteiger, die sich mit asiatischer Küche beschäftigen wollen, aber auch für Köche/Köchinnen, die mit asiatischer Kochkunst bereits Erfahrungen gesammelt haben, nun ...

Dieses Kochbuch ist das Richtige für Einsteiger, die sich mit asiatischer Küche beschäftigen wollen, aber auch für Köche/Köchinnen, die mit asiatischer Kochkunst bereits Erfahrungen gesammelt haben, nun aber auch mal Rezepte haben wollen, für die man auf einfachem Wege Zutaten beschaffen kann und die für eine breitere Schar von Essern geeignet sind. Hier von Fusion-Kitchen zu sprechen, wäre falsch, doch sind die Rezepte durchaus an den europäischen Markt und den deutschen Gaumen angepasst - Eigenschaften, die ich durchaus zu schätzen weiß. Einführungen werden sowohl im Hinblick auf relevante Bestandteile - sowohl Küchenutensilien als auch Zutaten kulinarischer Art - der asiatischen Küche wie auch auf ihre wichtigsten Zubereitungsarten (Pfannenrühren - Schmoren - Dämpfen - Fritieren) gegeben, dann folgt der Rezeptteil. Hier entspricht die Gliederung eher einem klassischen deutschen Kochbuch: auf kleine Speisen (Suppen, Salate & Snacks) folgen Gemüse, Currys als Spezifikum der asiatischen Küche, Fisch, Fleisch, Nudeln etc. und Desserts.

Kurzum, der Leser kann, was den Gebrauch dieses Kochbuchs angeht, sowohl an alten Gewohnheiten festhalten als auch Neues erkunden. Ein besonderes Schmankerl sind die über das ganze Buch verteilten Exposés zu den kulinarischen Eigenarten von 11 asiatischen Ländern. Dass hier nun gerade die beiden, die ich am besten kenne - Kambodscha und Laos - fehlen, ist ein unglücklicher Zufall, der selbstverständlich bei der Bewertung nicht ins Gewicht fällt.

Auch gefällt die Markierung der Gerichte mit kleinen runden Emblemen, die auf Herkunft und Zubereitungsart der jeweiligen Speise hinweisen. Dazu kommen stimmungsvolle Fotos - allein das in Schwarz-Rot gehaltene Cover mit Wok, Budda und Stäbchen wirkt elegant, stimmungsvoll und vielversprechend und macht Lust auf das Buch. Ich kann nur sagen, es lohnt sich - auch im Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ich freue mich schon auf die Zubereitung von Gerichten wie Fisch-Sambal, Hosomaki-Sushi und Veggi-Curry, aber auch als Geschenk ist das Buch aus meiner Sicht ist es sehr gut geeignet - solo oder zusammen mit ein paar grundlegenden kulinarischen Zutaten für einen asiatischen Abend: ich werde mir diese Idee für die nächste Hochzeit, auf der ich eingeladen bin und das Brautpaar keine Geschenkeliste vorbereitet hat, vormerken.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Eine fesselnde dänische Thrillerreihe

Blut für Blut
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ist der Autorin Julie Hastrup mit den beiden bislang in die deutsche Sprache übersetzten Bänden "Vergeltung" und "Blut für Blut" um die Ermittlerin Rebekka Holm gelungen, wobei aus meiner Sicht der vorliegende ...

ist der Autorin Julie Hastrup mit den beiden bislang in die deutsche Sprache übersetzten Bänden "Vergeltung" und "Blut für Blut" um die Ermittlerin Rebekka Holm gelungen, wobei aus meiner Sicht der vorliegende zweite Teil den ersten an Spannung und Ideenreichtum sogar noch überbietet.

Diesmal geht es um den Tod einer Endfünfzigerin - der aus den Medien bekannten Sozialarbeiterin Kissi Schack, einer sowohl privat als auch im Berufsleben überaus beliebten Person, wie sich während der Ermittlungen herausstellt.... oder scheint es nur so? Kissi ist geschieden und hat sich für von ihren Familien verfolgte Immigrantinnen eingesetzt und nach und nach zeigt sich, dass sie doch dem ein oder anderen im Weg gestanden haben könnte...

Julie Hastrup schreibt engagiert und packend, so dass es schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen. Obwohl über 400 Seiten lang, enthält das Buch keine Längen, die Protagonistin Rebekka Holm ist eine sympathische Figur, die nichtsdestotrotz Ecken und Kanten aufzuweisen hat. Was also will man mehr? Ich jedenfalls bin wunschlos glücklich, jedenfalls beinahe, denn ein paar offengebliebene Erzählstränge gibt es doch - zweifellos von der Autorin gewollt, doch da ich die Story so genossen habe, hätte ich sie doch gern aufgelöst gehabt. Aber das sind Peanuts im Vergleich zu dem einerseits fesselnden, andererseits entspannenden Lesevergnügen, das mir dieses Buch bereitet hat. Ich wünsche der Autorin auch in Deutschland eine große und treue Leserschaft und fiebere dem dritten Band entgegen!

Veröffentlicht am 28.07.2018

Holden Caulfield in Virginia?

Fänger, gefangen
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Nicht ganz, denn der Held des vorliegenden Romans heißt Daniel Solstice Landon und ist sehr, sehr krank: er leidet an Leukämie. Seine Eltern, Ex-Hippies, wollen nur das Allerbeste - das heißt aus ihrer ...

Nicht ganz, denn der Held des vorliegenden Romans heißt Daniel Solstice Landon und ist sehr, sehr krank: er leidet an Leukämie. Seine Eltern, Ex-Hippies, wollen nur das Allerbeste - das heißt aus ihrer Sicht: keine Schulmedizin, keine Bestrahlungen und natürlich größtmögliche Schonung, d.i. kein Schulbesuch und nur wenig Kontakt zu Freunden - alles nicht ganz einfach für Daniel. Und wie kommen Holden Caulfield und Virginia ins Spiel? Nun - ersterer ist der Protagonist von Salingers bahnbrechendem Werk, DEM Jugendroman der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, der nicht nur in den Staaten, sondern auch hierzulande vielerorts in den Schulen seit Jahren als Pflichtlektüre gelesen wird und vielen jungen Menschen - so auch mir vor über 30 Jahren - in so mancherlei Hinsicht die Augen geöffnet hat. Er ist Daniels Held und begleitet sein Tun und Denken auf Schritt und Tritt und Virginia - dort wohnt Daniel.

Ein toller Ansatz, ein wichtiges Thema ... und hätte ich nicht vor kurzem noch John Greens wunderbaren, aufrüttelnden, emotionalen Roman "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" gelesen - nun, ich wäre möglicherweise begeisterter. So firmiert "Fänger, gefangen" für mich eher unter gewollt, aber nur ansatzweise gekonnt. Zu sehr kommen sich Daniels Leben, seine Wünsche, Träume und auch Probleme mit der Message der Autorin und nicht zuletzt mit den ganzen Verbindungen zum "Fänger im Roggen" ins Gehege. Aus meiner Sicht ein eher umständliches Buch, bei dem man nach einer Lesepause vergebens nach dem roten Faden sucht. Empfehlen würde ich es nur Lesern, die sich ganz eingehend mit der Thematik krebskranke Jugendliche befassen und quasi einen literarischen Rundumschlag machen wollen - allen anderen empfehle ich das bereits erwähnte Buch von John Green.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Um tausend Ecken gedacht

Alles aus Liebe
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hat offensichtlich die Autorin Liane Moriarty beim Schreiben dieses Romans. Bereits der Plot beinhaltet ein paar Elemente zu viel: Hypnosetherapeutin verliebt sich in Witwer mit achtjährigem Sohn, der ...

hat offensichtlich die Autorin Liane Moriarty beim Schreiben dieses Romans. Bereits der Plot beinhaltet ein paar Elemente zu viel: Hypnosetherapeutin verliebt sich in Witwer mit achtjährigem Sohn, der noch sehr an seiner verstorbenen Frau hängt und zudem von seiner Exfreundin gestalkt wird und zwar mehr oder weniger rund um die Uhr. Sie meinen, die Geschichte klingt nett, jedoch ein bisschen dick aufgetragen? Nun, dann lassen Sie die Finger von dieser wirklich gut geschriebenen Story, denn wieviel Abschweifungen, Figuren, Parallelhandlungen etc. es hier noch gibt - das können Sie sich nicht einmal in Ihren kühnsten Phantasien ausmalen.

Kurzum: ein nett geschriebenes Buch, das gekürzt um hundert Seiten ganz erträglich gewesen wäre. Gekürzt um 200 Seiten und etwa fünf größere Nebendarsteller weniger wäre es ein wirklich netter Roman geworden, richtig bombastisch gut hätte er um 300 Seiten gekürzt sein können, denn mehr gibt die Handlung eigentlich nicht her.
Fazit - umständlich bis zum "Geht nicht mehr" und - obwohl gut geschrieben - nur zu empfehlen für Leser mit einem schier endlosen Geduldsfaden.