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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2023

Ein neues Buch ist wie ein neues Leben

Die Tage in der Buchhandlung Morisaki
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Takako, 25 Jahre alt, kann nicht mehr: ihr Freund, mit dem ihrer Meinung nach alles gut lief, heiratet. Und zwar eine andere, die Takako aber auch kennt: denn diese ist eine gemeinsame Kollegin. ...

Takako, 25 Jahre alt, kann nicht mehr: ihr Freund, mit dem ihrer Meinung nach alles gut lief, heiratet. Und zwar eine andere, die Takako aber auch kennt: denn diese ist eine gemeinsame Kollegin. Und dazu findet er das alles weiterhin ganz normal und will sich weiter mit Takako treffen.

Nicht mit ihr! Sie sucht nach Alternativen und ihr fällt nur eine ein: die antiquarische Buchhandlung ihres Onkels, die ebenfalls in Tokio - ihr Lebensmittelpunkt seit einigen Jahren - angesiedelt ist. Obwohl Takako ihm in ihrer Kindheit durchaus nahe stand, hat sie ihn noch nie besucht.

Überraschenderweise jedoch nimmt ihr Onkel - Saturo heißt er - sie sehr gern gerne auf und gibt ihr ein Zimmer über dem Antiquariat. Und schenkt ihr seine Liebe und Aufmerksamkeit.

Takako, die bisher keinen Zugang zu Büchern hatte, nähert sich diesen langsam an. Zunächst nur durch deren Präsenz, bald jedoch auch lesenderweise.

Sie entdeckt Dimensionen, die sie bisher nicht kannte, die jedoch durchaus relevant für sie sind und - wie sie allmählich spürt - immer waren. Auch - bzw.vor allem - im emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich. So findet Takako nicht nur zurück ins Leben, sondern erlangt eine Kraft, die ihr Zuversicht und Freude gibt.


Veröffentlicht am 30.04.2023

Hat mich nicht erreicht

Die Herzchirurgin
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Vorneweg: obwohl der Plot nicht der originellste ist, habe ich mir durchaus etwas davon versprochen. Vor allem in Bezug auf Spannung und Emotionen.

Leider bin ich in beiden Fällen enttäuscht ...

Vorneweg: obwohl der Plot nicht der originellste ist, habe ich mir durchaus etwas davon versprochen. Vor allem in Bezug auf Spannung und Emotionen.

Leider bin ich in beiden Fällen enttäuscht worden - der noch junge Autor Jack Jordan hielt sich an gängige Erzählstrukturen in Bezug auf die schon etwas ausgelutschte Handlung.

Auch wenn er sich im Hinblick auf die Erzählstruktur durchaus etwas überlegt hatte: erzählt wird aus der Sicht dreier Frauen: der Hauptfigur, einer Herzchirurgin und Mutter, deren Sohn entführt wird, einer Krankenschwester in derselben Klinik und einer Polizistin.

Doch das macht aus meiner Sicht den Kohl auch nicht mehr fett, denn die Handlung ist so dermaßen absehbar, dass man das Buch ab der Mitte - oder sogar noch eher - hätte selbst weiterschreiben können und zwar ganz im Sinne des Autors. Und auch der Stil war jetzt nicht so besonders, dass es mich aus den Socken gehauen hätte. Nein, Jack Jordan ist kein Name, den ich mir merken möchte!

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Veröffentlicht am 28.04.2023

Ein Fall mit Nachwirkungen

Der treue Spion
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1896 - Wilhelm Freiherr von Gryszinski hat sich mittlerweile in jeder Hinsicht in München etabliert, ebenso wie Gattin Sophie. Gemeinsam sind sie Eltern eines lebhaften kleinen Jungen, der durchaus ...

1896 - Wilhelm Freiherr von Gryszinski hat sich mittlerweile in jeder Hinsicht in München etabliert, ebenso wie Gattin Sophie. Gemeinsam sind sie Eltern eines lebhaften kleinen Jungen, der durchaus seinen eigenen Willen hat, bspw. besteht er auf die allabendliche Topfrunde mit dem Herrn Papa in der Küche. Sophie ihrerseits steht kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Buches und hat eine Art literarischen Salon eröffnet.

Im aktuellen Fall geht es um einen verschwundenen Diplomaten, einen Franzosen. In den Fall soll ein russisches Paar - wenn es denn wirklich eins ist - involviert sein. Dessen deutscher Begleiter, vielmehr Aufpasser, hat ihn offensichtlich einmal zu oft aus den Augen verloren, was diesem einen schlechten Start mit Gryszinski und selbigem einen ungeklären Fall beschert.

Tatsächlich trifft Gryszinskis Sohn Jahre später auf diesen und zwar ausgerechnet in den Schützengräben von Verdun - inzwischen schreiben wir das Jahr 1916. Hier jedoch ist das Verhältnis der beiden ein inniges - wie auch inzwischen mit Vater Gryszinski, denn die beiden schieden im ausgehenden 19. Jahrhundert als Freunde, wie Fritz in Erfahrung bringt.

Ein ausgesprochen unterhaltsamer und sehr humorvoller Krimi, den ich sehr gern gelesen habe. Autorin Uta Seeburg beweist in ihrem Erstling Sinn für Humor, Stil und Atmosphäre. Auch die Recherchen lassen nicht das Geringste zu wünschen übrig.

Und auch sonst hat mich dieser Roman begeistern können, der Gedanke, ihn auf zwei zeitlichen Ebenen spielen zu lassen, hat sich sehr gelohnt - sowohl hinsichtlich der inhaltlichen Entwicklung als auch der Spannung. Eine uneingeschränkte Empfehlung an alle Liebhaber anspruchsvoller historischer Krimis.


Veröffentlicht am 25.04.2023

Ein neuer Weg

Die Reise
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Diesmal stehen der große Panda und der kleine Drache an einem Wendepunkt. Die Freunde brechen auf zu einer großen Reise.

Das hat damit zu tun, dass der kleine Drache, stets zweifelnd und ängstlich, nicht ...

Diesmal stehen der große Panda und der kleine Drache an einem Wendepunkt. Die Freunde brechen auf zu einer großen Reise.

Das hat damit zu tun, dass der kleine Drache, stets zweifelnd und ängstlich, nicht so ganz zufrieden ist mit der aktuellen Situation - irgend etwas, das er gar nicht benennen kann, fehlt ihm. Der große Panda, der in jeder Entwicklung das Gute sieht, schlägt eine Reise vor. Hier läuft nicht alles optimal und der kleine Drache ist mal wieder verzagt.

Durch seine Zweifel und Gedanken erst auf den Weg gebracht, formuliert der große Panda ganz wundervolle Ideen und Erkenntnisse, tröstet den Freund und schenkt ihm immer wieder Zuversicht.

Das wundervolle Buch, in dem Zeichnungen und Text in engem Zusammenhang stehen, zeigt uns, dass der Weg immer wieder das Ziel sein kann. Beziehungsweise, dass man sein Ziel im Verlauf des Weges findet. Und natürlich, dass ein guter Freund das Wertvollste auf der Welt sein kann - wie es der große Panda für den kleinen Drachen ist. Aber auch umgekehrt, denn der große Panda macht deutlich, dass ihm ohne die Gedanken seines Freundes viele Eingebungen gar nicht gekommen wären!

Ein erfüllendes Buch für Groß und klein! Die Reise mit den beiden Freunden während des Lesens und Betrachtens dieses lebensklugen und so warmherzigen Buches ist ein ganz besonderes Vergnügen!

Veröffentlicht am 24.04.2023

Ein waschechter Whodunnit

Wenn Worte töten
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Und zwar einer mit allem Zipp und Zapp: Man befindet sich auf einer recht kleinen Insel, nämlich dem zu den Kanalinseln zählen (und real existierenden) Alderney. Das Setting ist ein in Leserkreisen ...

Und zwar einer mit allem Zipp und Zapp: Man befindet sich auf einer recht kleinen Insel, nämlich dem zu den Kanalinseln zählen (und real existierenden) Alderney. Das Setting ist ein in Leserkreisen durchaus bekanntes und beliebtes: Hawthorne und Horowitz werden zu den dort stattfindenden Literaturtagen eingeladen, wo sie in einer Talkrunde befragt werden. Alles sehr gemütlich, die Teilnehmenden sind sehr unterschiedliche Typen. Neben den beiden Erwähnten befinden sich unter ihnen eine blinde Seherin, die ebenfalls einen Sekundanten – in ihrem Falle den Ehemann – an ihrer Seite hat, eine recht bekannte Kinderbuchautorin und ein Junk-Food-Koch mit Assistentin. Dazu kommt eine Dichterin aus Frankreich, die wenig kommunikativ wirkt

Hawthorne, der Horowitz bereits von der Arbeit an Drehbüchern kannte, zieht diesen nämlich seit einiger Zeit als Autor heran, der seine Fälle begleitet und diese anschließend in einer Art True-Crime Story verewigen soll. Stand innerhalb dieses Romans ist folgender: der erste Band erfuhr durchaus Zuspruch seitens der Öffentlichkeit und das Duo ist mittlerweile recht bekannt - wenn auch Hawthorne deutlich stärker wahrgenommen wird, was Horowitz zeitweise ein wenig wurmt – vor allem hier beim Festival.

Die Auflösung eine Falles war diesmal also gar nicht vorgesehen, die Reise nach Alderney ist ein reiner Arbeitsausflug. Doch dann wird der Mäzen des Festivals, den so gar keiner leiden mag, umgebracht. Potentielle Täter gibt es reihenweise und Hawthorne steigt sofort in die Ermittlungen ein – natürlich mit Horowitz im Schlepptau. Auch wenn er nicht offiziell zuständig ist, ist der lokale Ermittlungsbeamte, der sich vor allem durch seine Verfressenheit auszeichnet, sehr an den Erkenntnissen Hawthornes interessiert.

Der Clou dieser Serie - wenn man es denn so betrachten will - besteht darin, dass sich der Autor quasi als Watson neben den eigentlichen Ermittler Hawthorne, also Holmes, in die Handlung einbezogen hat. Und zwar durchaus als Hauptfigur, zumal die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt wird. Auch, wenn das hier „nur“ ein Stilmittel ist, ist es sehr wirkungsvoll: man ist gleich drin im Geschehen.Zudem lässt Horowitz im Umgang mit seinem Alter Ego bzw Namensvetter - wie immer man ihn bezeichnen möchte, wenig Gnade walten: er kann die Aktionen Hawthornes meist nicht so recht folgen und versteht diese erst im Nachhinein.

Die meisten Figuren - teilweise auch kleinere Nebenrollen - sind so eindringlich beschrieben, dass ich sie sofort vor Augen hatte. Das Buch ist - wie die beiden Vorgängerbände - spannend, die Auflösung überraschend und ich konnte es irgendwann nicht mehr aus der Hand legen, zumal der Stil des Autoren ausgesprochen angenehm zu lesen ist. Jedenfalls bis etwa zum Beginn des letzten Drittel, das aus meiner Sicht einige Längen aufwies. Die machte der "echte" Horowitz in seinem rasanten Abschluss aber wieder gut.