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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2023

Drei Generationen - drei Schicksale

Das Licht zwischen den Schatten
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... die sich über ingesamt 70 Jahre erstrecken und zwar von 1919 bis 1989 und sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in einigen anderen Ländern abspielen - wobei Deutschland ja über die ...

... die sich über ingesamt 70 Jahre erstrecken und zwar von 1919 bis 1989 und sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in einigen anderen Ländern abspielen - wobei Deutschland ja über die meiste im Roman beschriebene Zeit ja auch geteilt ist.

Konrad, Brigitte und André: eine Familie oder doch keine? Nun, es geht sehr lebhaft zu in diesem überaus handlungsreichen, sich über weit mehr als 800 Seiten erstreckenden Roman, der viele spannende und keineswegs nur rosige Aspekte der deutsch-deutschen Geschichte behandelt.

Allerdings wäre hier aus meiner Sicht weniger deutlich mehr gewesen, denn die Handlung quillt quasi über vor Klischees. Spionage, das Vergehen des Nationalsozialismus sowohl an Juden als auch an kranken Menschen, die RAF, die strenge Sportschulung der DDR und noch einiges mehr wird hier ausgebreitet, wodurch die Handlung aus meiner Sicht viel zu sehr ins Klischeehafte, Plakative abrückt.

Unter dieser reichhaltigen Handlung leidet stellenweise die Beschreibung der Personen - zahlreiche Akteure werden leider nicht so recht zum Leben erweckt, haben nur wenige individuelle Züge und wenig Wiedererkennungswert, der hier doch eine sehr große Rolle spielt.

Die Lektüre lohnt sich zwar durchaus, ich kann Ihnen aber nicht versprechen, dass Sie sich überhaupt nicht ärgern werden!

Veröffentlicht am 06.07.2023

Gesunden mit Putin

Putin im Wartezimmer
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Eine Gruppe von Übergewichtigen ganz unterschiedlichen Alters findet sich mitten in der Pandemie im Wartezimmer ihrer Hausärztin zusammen, um gemeinsam zu lernen, mit ihrem Körper besser umzugehen - in ...

Eine Gruppe von Übergewichtigen ganz unterschiedlichen Alters findet sich mitten in der Pandemie im Wartezimmer ihrer Hausärztin zusammen, um gemeinsam zu lernen, mit ihrem Körper besser umzugehen - in einer Art Abendkurs.

Der Start des Kurses liegt ziemlich eng mit dem des Angriffskrieges auf die Ukraine zusammen: kein Wunder, dass die Patienten in der Zeit, in der sie auf Frau Doktor warten müssen - und das müssen sie eigentlich immer - darüber sprechen. Was ich auch ganz verständlich finde, allerdings nicht die Art, wie sie das tun - das ähnelt schon eher Fachgesprächen von Politikern oder Wissenschaftlern - denn es sind doch immer inhaltlich recht hoch angesetzte Gespräche, die dort geführt werden. Wenn man die Quellensammlung hinten im Buch sieht, weiß man auch warum das so ist.

Dies ist ein Aspekt im Roman, den ich als recht unrealistisch empfinde - ich hätte mir hier deutlich emotionalere, am Schicksal der Bevölkerung anteil nehmende Diskussionen gewünscht und nicht darüber, was Putin, Selenskij oder auch deutsche Politiker in diesem Zusammenhang sagen. Das war mir alles zu weit weg von der Realität, Gefallen fand ich eher an den ßig , in dem die Ärztin von ihren Patienten erzählte und man diese nach und nach besser kennen und verstehen lernte.

Bis kurz vor Schluss war ich eher mittelmäßig berührt, aber dann wurden die Zügel nochmal richtig angezogen und es zeigte sich, wie aus der den doch sehr unterschiedlich gepolten Gruppenmitgliedern unter ganz besondere Umständen eine Art Familie wurde,. Dieser sehr runde und gelungene Abschluss hat das Buch aus meiner Sicht dann doch noch zu etwas sehr Besonderem gemacht.

Veröffentlicht am 24.06.2023

Einen angenehmen Geschmack...

Royal Taste
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...hat dieses Buch "Royal Taste" bei mir hinterlassen. Ich beschäftige mich so gerne mit den verschiedensten Speisen, dass das auch kein Wunder ist.

Auf der anderen Seite bin ich eine sehr kritische Verkosterin ...

...hat dieses Buch "Royal Taste" bei mir hinterlassen. Ich beschäftige mich so gerne mit den verschiedensten Speisen, dass das auch kein Wunder ist.

Auf der anderen Seite bin ich eine sehr kritische Verkosterin sowohl von Speisen jeder Art als auch von Lektüre darüber. Wobei sich über Geschmack natürlich nicht streiten lässt!

Worum es geht. Die angehenden Kulinarikerinnen Penelope und Helena treffen auf dem Nachtmarkt einen jungen Mann, Elijah Little, von dessen Empanadas sie so angetan sind, dass Helena auf die Idee kommt, ihn zu einem kulinarischen Experten auszubilden. Beide Freundinnen sind nämlich gerade auf der Suche nach Themen für ihre Abschlussprojekte, nach deren Vollendung sie professionell in ihrem Beruf tätig sein können.

Elijah scheint aus einfachen Verhältnissen zu kommen, kennt sich aber mit köstlichen Gerichten durchaus gut aus. Helena nimmt im Rahmen ihrer Ausbildung kein Blatt vor den Mund, weswegen es sowohl mit Elijah als auch mit Penelope mehrfach zu Zerwürfnissen kommt.

Ein warmherziger und keineswegs oberflächlicher Roman, dem man aber nicht zu sehr vertrauen sollte, wenn es um historische Fakten geht. Diesbezüglich spielt die Autorin nämlich mit der Wahrheit und das nicht zu knapp. Was aus meiner Sicht durchaus reizvolle Szenarien ergibt, zumal sie sich auch mit Vorurteilen und deren Wirkung befasst.

Ein ungewöhnlicher Roman, den es sich zu lesen lohnt!

Veröffentlicht am 16.06.2023

Die Eifel in all ihrer Pracht - und mit all ihren Tücken

Eifelfrauen: Das Haus der Füchsin
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1920: Der Erste Weltkrieg ist gerade erst vorbei, Deutschland biegt sich unter den Reparationszahlungen, da erbt die junge Johanna aus heiterem Himmel von einer Tante, von deren Existenz sie überhaupt ...

1920: Der Erste Weltkrieg ist gerade erst vorbei, Deutschland biegt sich unter den Reparationszahlungen, da erbt die junge Johanna aus heiterem Himmel von einer Tante, von deren Existenz sie überhaupt nicht wusste, ein Haus in einem kleinen Dorf in der Eifel. Tante Lisbeth hinterlässt ihr darüber hinaus auch ihre zahlreichen Tiere, inklusive der Verbots, diese zu töten. Und sie kann nur das vollständige Erbe annehmen - oder ablehnen!

Trotz der Vorbehalte ihrer Eltern - der Vater besitzt eine Zigarettenfabrik in Trier, zu Hause hat es nie an etwas gemangelt - begibt sie sich zunächst für eine Probezeit in die Eifel. Und übt sich dort in einem Leben als Bäuerin, wobei ihre Nachbarin Kätt, verwitwete Schwiegertochter des dortigen Gastwirtes, ihr ein große Stütze ist, gerade in Zeiten von Hunger und Not. Und Johanna lernt weitere Menschen kennen, die sie mag und die ihr eine Hilfe sind - aber leider auch andere. Dennoch entscheidet sie sich für ein Leben in der Eifel.

Insgesamt schlägt der Roman einen weiten Bogen bis zum Ende der 1930er Jahre: man kann sich denken, dass sich in diesen Jahren nicht nur bei Johanna eine ganze Menge tut. All diese Ereignisse und Entwicklungen schildert Autorin Brigitte Riebe, eine promovierte Historikerin, mit der gewohnten exzellenten Sachkenntnis und unglaublicher Empathie. Auch wenn ich generell eine Vorliebe für die Romane dieser Autorin habe, war der vorliegende ein ganz besonderes Highlight für mich, habe ich doch wie Johanna (fast) mein ganzes Leben am Rande der Eifel (wenn auch an der Nordseite) verbracht. Wer gerne historische Romane liest und es liebt, dabei sowohl etwas hinzuzulernen als auch bedingungslos in die Handlung eintauchen und sich dieser quasi vollkommen preisgeben möchte, der ist hier an der richtigen Adresse. Ich jedenfalls bin nach Beendigung der Lektüre überaus unwillig wieder daraus "erwacht" und in meinen Alltag gewechselt!

Veröffentlicht am 13.06.2023

Rosinenbomber und was dahinter steckt

Die Kinder der Luftbrücke
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In meiner Kindheit (in den 1960er und 70er Jahren) war der Rosinenbomber noch in aller Munde: damit sprachen meine Eltern und ihre Familien über die Lebensmittel, die ihnen - Kriegsflüchtlingen ...

In meiner Kindheit (in den 1960er und 70er Jahren) war der Rosinenbomber noch in aller Munde: damit sprachen meine Eltern und ihre Familien über die Lebensmittel, die ihnen - Kriegsflüchtlingen aus Osteuropa - mittels Flugzeugen aus England und den Vereinigten Staaten gebracht worden waren.

Doch eigentlich leitet sich dieser Begriff von der Luftbrücke der US-Army im Jahr 1948/49 von Westdeutschland, der späteren Bundesrepublik nach Berlin-West ab, ohne die die dortige Bevölkerung verhungert wäre. Die gesamte Ernährung lief darüber, denn die sowjetische Armee blockierte sämtliche Einfuhren. Schon damals, erst wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, stand der Dritte Weltkrieg kurz bevor.

Wir verfolgen dieses historische Ereignis zusammen mit Nora und ihrer Familie. Ihr Mann wird vermisst, nur ihre Schwester hat Arbeit. Die ist rar in Berlin und so ist Nora überglücklich, als sie Arbeit in ihrem erlernten Beruf als Übersetzerin und Dolmetscherin bei der US-Army findet und so maßgeblich zum Familieneinkommen beitragen kann. Damit ist sie im Zentrum des Geschehens - ihre Arbeitsstelle befindet sich nämlich am Flughafen Tempelhof, wo alle Aktivitäten der Amerikaner - auch die bald eingesetzte Luftbrücke - abgewickelt werden. Aber nicht nur das - im Gegensatz zu allen andern Stellen in Berlin wimmelt es dort von attraktiven jungen Männern! Einer von ihnen zeigt bald großes Interesse an Nora...

Ein spannender Roman über ein Nachkriegsphänomen, das häufig angesprochen wird, über dessen Hintergründe aber leider viel zu wenig Konkretes bekannt ist - mir zumindest.

So habe ich diesen Roman mit großem Interesse gelesen, auch wenn der Stil der Autorin nicht mit meinen Lieblingsautorinnen dieses Genres wie Heidi Rehn oder Katja Maybach mithalten kann. Zudem ist mir an mehreren Stellen historische Ungenauigkeit aufgefallen - Modeerscheinungen aus den 1950er Jahren wie Kleidermoden, Frisuren und vor allem die lustigen Schmetterlingsbrillen werden hier einfach mal ein paar Jahre vorverlegt. Dennoch ein Roman, den ich mit Vergnügen gelesen habe!