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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2022

Der Mörder ist schon bald bekannt

Das Leuchten der Rentiere
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Allerdings wird er zunächst kaum bis gar nicht gejagt, da es Rentiere sind, die er ermordet. Und so gibt es auch selten Leichen - außer, wenn der Mörder in Eile war. Ansonsten finden die Besitzer ...

Allerdings wird er zunächst kaum bis gar nicht gejagt, da es Rentiere sind, die er ermordet. Und so gibt es auch selten Leichen - außer, wenn der Mörder in Eile war. Ansonsten finden die Besitzer der Rentiere meist nur kärgliche Überreste ihrer Tiere, an denen sie längst nicht immer identifiziert werden können.

Ist dies also ein Krimi? Nein, eigentlich gar nicht, es ist ein sehr eindringlicher, kraftvoller und nur an sehr wenigen Stellen behutsamer Roman, in dem es um das Leben der Samen und um ihren Stellenwert geht.

Vielerorts - bzw. eigentlich fast überall hängen sie am unteren Ende der Wertschätzungskette (ich wandle dieses Modewort hier mal ein bisschen ab für mich bzw. mache es passend für mein Thema). Daher kümmern sich weder Stadt noch Polizei um ihre Beschwerden, um jedoch im umgekehrten Fall, wenn einer der Samen einer Untat beschuldigt zu werden, schnell vor Ort zu sein.

Autorin Ann-Helen Laestadius, selbst gebürtige Samin, wählt klare, eindringliche Worte zur Beschreibung des Dilemmas und der Nöte, in denen sich die Samen seit Jahrhunderten befinden. Dennoch ist dies kein trüber Roman. Die Handlung wird aus der Sicht der zunächst kleinen, dann jungen Elsa, einer Tochter samischer Rentierhalter auf, die nicht nur die Mängel dieses harten Lebens im Norden von Schweden schildert. Sowohl als Kind als auch als Erwachsene liebt sie es und auch diese Seite lernen wir beim Lesen kennen.

Ein Roman, den ich allen empfehle, denen die Natur, sowohl Fauna als auch Flora in ihrer Ursprünglichkeit am Herzen liegt, die jedoch auch den Wandel der Zeit verfolgen. Ich selbst konnte ihn kaum aus der Hand legen!

Veröffentlicht am 22.11.2022

Anders als man denkt

Blutmond (Ein Harry-Hole-Krimi 13)
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entwickeln sich die Nesbo-Krimis eigentlich immer. Diesmal wusste man ziemlich früh ziemlich viel, was auch alles zutraf - aber in völlig überraschenden Zusammenhängen.

Ich bin es von Nesbo ...

entwickeln sich die Nesbo-Krimis eigentlich immer. Diesmal wusste man ziemlich früh ziemlich viel, was auch alles zutraf - aber in völlig überraschenden Zusammenhängen.

Ich bin es von Nesbo und gerade auch von Harry Hole nicht unbedingt gewohnt, dass sich die Handlung von Beginn an bis zum Ende süffig runterliest - in Blutmond ist jedoch genau das gegeben. So war auch ich für meine Begriffe mit dieser Lektüre deutlich schneller durch als mit den meisten vorherigen Bänden.

Harry abroad - das kennen wir von ihm, aktuell in L.A. Harry am Trauern - auch das kennen wir. Harry ganz offen sentimental - darauf hingegen trifft man nur sehr selten und genau das ist hier der Fall. Er wird von einem Verdächtigen in Schweden eingestellt, um ihn vom Mordverdacht zu befreien. Auch seine ehemalige Kollegin Katrine Bratt hatte ihn zurückgefordert, aber ihr Gesuch wurde abgelehnt.

Nun hat Harry sich ein Team von gewissermaßen Blinden und Tauben zusammengestellt mit ihm selbst sozusagen als Blindenhund. Und versucht, mit den Exkollegen (und mehr noch -kolleginnen) zu kooperieren. Denn es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Geht Harry als Sieger daraus hervor? Nun, das müssen Sie selbst ergründen, doch wenn sie ihn bereits kennen, dann wissen Sie, dass er in jeder Hinsicht überaus facettenreich ist - auch in Bezug auf Gewinn und Verlust, auf Sieg und Niederlage. Wobei er sich selbst wohl nie als Helden und wenn, dann nur als den tragischsten aller Zeiten bezeichnen würde!

Veröffentlicht am 21.11.2022

Nicht ohne Mehrwert

Stachlige Eltern und Schwiegereltern
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Ist dieser Ratgeber - nein, keineswegs. Doch folgt der Autor grundsätzlich seiner auch in vorherigen Werken dieser Art angewendeten Strukturen, ein bisschen also dem Schema F.

Ich habe nämlich ...

Ist dieser Ratgeber - nein, keineswegs. Doch folgt der Autor grundsätzlich seiner auch in vorherigen Werken dieser Art angewendeten Strukturen, ein bisschen also dem Schema F.

Ich habe nämlich bereits einige der Vorgänger zu Kollegen, dem Partner/der Partnerin und Freunden gelesen, die alle derselben Struktur von menschlichen Charakteren folgen - auf die Dauer geht es ein bisschen sehr in Richtung Schema F.

Es war mir inzwischen deutlich zu viel, was sich in all den Büchern wiederholte, wobei ich immer noch die ein oder andere Anregung zählen konnte.

Mir hat aber dennoch die ein oder andere Besonderheit gefehlt, gerade auch in Anbetracht dessen, dass Eltern und Schwiegereltern einer anderen Generation als man selbst angehören, eventuell mit Krankheiten und möglicherweise auch Traumata zu kämpfen haben.

Zudem geht es vor allem darum, wie man auf sie reagiert und es wird kaum darauf eingegangen, wie man selbst sie unterstützen könnte.

Veröffentlicht am 19.11.2022

Die Autorin erwartet viel zu viel von ihrer Leserschaft!

Svendborg 1937
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Von tochteralice
Vorneweg: ich bin ein Riesenfan anspruchsvoller historischer Romane zur neuesten Geschichte, nämlich der des 20sten Jahrhunderts und verschlinge quasi alles, was mir diesbezüglich in ...

Von tochteralice
Vorneweg: ich bin ein Riesenfan anspruchsvoller historischer Romane zur neuesten Geschichte, nämlich der des 20sten Jahrhunderts und verschlinge quasi alles, was mir diesbezüglich in die Finger kommt.

Hier jedoch war es mir eindeutig des Guten zu viel: in ihrem Porträt des Exils der Familie Dinkelspiel, die es aufgrund ihres jüdischen Hintergrundes aus Stuttgart, Deutschland nach Svedborg, Dänemark verschlagen hat, kommt Tanja Jeschke vom Hölzchen aufs Stöckchen, beschreibt auf relativ geringer Seitenzahl den Hintergrund nahezu aller vorkommenden real existierenden Figuren, von denen einige wie Brecht und sein ihn umgebender Kreis, die in ihrer Nachbarschaft in Svendborg wohnten, durchaus bekannt sind, andere wiederum fast kaum.

Es spricht für die Autorin , dass sie sich zu ihrem Romanthema ein ungeheures Detailwissen angeeignet hat, aber man muss ja nicht alles in den Roman einbauen bzw. sollte ein wenig sortieren. Ich habe mich deutlich übersättigt gefühlt und hätte mich über ein entsprechendes Nachwort plus Glossar wesentlich mehr gefreut. Ich bin mir sicher, dass nicht nur ich, sondern auch viele andere Leser in dem Fall den Einsatz Jeschkes viel stärker zu würdigen gewusst hätten!

Veröffentlicht am 19.11.2022

Die Autorin erwartet viel zu viel von ihrer Leserschaft!

Svendborg 1937
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Vorneweg: ich bin ein Riesenfan anspruchsvoller historischer Romane zur neuesten Geschichte, nämlich der des 20sten Jahrhunderts und verschlinge quasi alles, was mir diesbezüglich in die Finger ...

Vorneweg: ich bin ein Riesenfan anspruchsvoller historischer Romane zur neuesten Geschichte, nämlich der des 20sten Jahrhunderts und verschlinge quasi alles, was mir diesbezüglich in die Finger kommt.

Hier jedoch war es mir eindeutig des Guten zu viel: in ihrem Porträt des Exils der Familie Dinkelspiel, die es aufgrund ihres jüdischen Hintergrundes aus Stuttgart, Deutschland nach Svedborg, Dänemark verschlagen hat, kommt Tanja Jeschke vom Hölzchen aufs Stöckchen, beschreibt auf relativ geringer Seitenzahl den Hintergrund nahezu aller vorkommenden real existierenden Figuren, von denen einige wie Brecht und sein ihn umgebender Kreis, die in ihrer Nachbarschaft in Svendborg wohnten, durchaus bekannt sind, andere wiederum fast kaum.

Es spricht für die Autorin , dass sie sich zu ihrem Romanthema ein ungeheures Detailwissen angeeignet hat, aber man muss ja nicht alles in den Roman einbauen bzw. sollte ein wenig sortieren. Ich habe mich deutlich übersättigt gefühlt und hätte mich über ein entsprechendes Nachwort plus Glossar wesentlich mehr gefreut. Ich bin mir sicher, dass nicht nur ich, sondern auch viele andere Leser in dem Fall den Einsatz Jeschkes viel stärker zu würdigen gewusst hätten!