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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.09.2021

Inspirierend - aber auf sparsame Art

Ein Buch, vier Jahreszeiten
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Vorweg: dies ist ein schönes Buch, das Menschen mit vielen Interessen zu Neuem inspirieren kann. Diejenigen, die nicht so offen sind, bekommen hier so manchen Impuls in die unterschiedlichsten ...

Vorweg: dies ist ein schönes Buch, das Menschen mit vielen Interessen zu Neuem inspirieren kann. Diejenigen, die nicht so offen sind, bekommen hier so manchen Impuls in die unterschiedlichsten Richtungen, was die Jahreszeiten angeht.

Es gibt Rezepte, Basteltipps, Gedichte und Geschichten, Bilder und vor allem Vorschläge für die jeweilige Jahreszeit, was man da so alles machen kann. Die Bilder sind schön, die Rezepte nicht schwierig, aber: kurz, nachdem ich begonnen hatte, das Buch zu lesen bzw. zu rezipieren, war ich auch schon durch. Jedenfalls mit dem, was mich interessierte. Denn: das Schöne an solch einem Buch ist ja, dass man wählen kann. Es gibt viele, viele kleine Häppchen, aus denen man sich die herausfiltert, mit denen man sich beschäftigen möchte - in meinem Fall vor allem die Rezepte und einige der literarischen Genüsse.

Es ist halt alles sehr großflächig angelegt, die Fotos, Bilder und Texte sind so groß, dass auch Oma ohne Lesebrille was mitbekommt.

Kurzum: es hätte deutlich mehr hineingepasst: mehr Rezepte, mehr Bastelvorlagen, mehr Literarisches usw. In der Hinsicht ist das Buch aus meiner Sicht eine Mogelpackung, wenn auch eine ausgesprochen ansprechende. All das, was darin enthalten ist, hätte man auf viel weniger Raum unterbringen und deutlich preisgünstiger anbieten können und es wäre (fast) genauso hübsch und ansprechend gewesen. Nur hätte Oma die Lesebrille zücken müssen.

Ein schönes Buch also, aber auch eines, aus dem man deutlich mehr hätte machen können!

Veröffentlicht am 25.09.2021

Mona in Trauer

Gut Schwansee - Uns kann niemand trennen
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Sie hat nämlich ihren Liebsten verloren, Kunstprofessor Gustav, dessen Meisterschülerin sie war. Drei wundervolle Jahre dauerte die Beziehung zu dem 20 Jahre Älteren, drei Jahre, in denen sie einander ...

Sie hat nämlich ihren Liebsten verloren, Kunstprofessor Gustav, dessen Meisterschülerin sie war. Drei wundervolle Jahre dauerte die Beziehung zu dem 20 Jahre Älteren, drei Jahre, in denen sie einander genug waren - bis er von einem auf den anderen Augenbick nicht mehr da war - einfach umgekippt.

Aus der gemeinsamen Wohnung in Hamburg muss sie raus, was aber nicht schlimm ist, denn es zieht sie an die Ostsee, in die Nähe von Mutter und Oma. Genau: ihre neue Bleibe, wunderbar auch als Atelier geeignet, befindet sich auf Gut Schwansee.

Trotz der Trauer könnte dies ein hoffnungsvoller Start in ein neues Leben sein, aber Gustavs Frau und Kinder - formal war er noch verheiratet - fochten sein Testament an - der großzügige Mann hatte Mona nämlich sein wundervolles kleines Haus auf Sylt und eine finanzielle Zuwendung auf Lebenszeit hinterlassen. Dagegen geht seine Familie nun gerichtlich vor und deren Anwalt ist ausgerechnet Monas neuer Nachbar Erik, bei dem es ebenso wie bei Mona schon beim ersten Treffen aus der Ferne gefunkt hat. Kann da überhaupt etwas draus werden?

Autorin Jette Martens hat diese Handlung in ein wundervoll winterliches Setting mit vorweihnachtlicher Atmosphäre gebettet - das Buch schreit geradezu danach, an den Adventswochenenden gelesen zu werden. Obwohl eines vielleicht schon reichen wird, denn so süffig, wie es geschrieben ist, will man gar nicht aufhören mit dem Lesen.

Veröffentlicht am 23.09.2021

Tea for everybody!

Die Teehändlerin
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Frankfurt 1838: der Kaufmann Tobias Ronnefeldt handelt mit Waren aus fernen Ländern, insbesondere aus China: Porzellan, Seide - vor allem aber mit Tee, den er in Deutschland bekannter machen möchte. Die ...

Frankfurt 1838: der Kaufmann Tobias Ronnefeldt handelt mit Waren aus fernen Ländern, insbesondere aus China: Porzellan, Seide - vor allem aber mit Tee, den er in Deutschland bekannter machen möchte. Die meisten mögen und trinken nämlich Kaffee und haben keine Ahnung, wie vielfältig und abwechslungsreich der Teegenuss sein kann! Das sieht auch seine Ehefrau Friederike, schwanger mit dem fünften gemeinsamen Kind, so: als sich Tobias auf eine lang geplante Reise nach China begibt und sich der von ihm eingesetzte Stellvertreter in jeder Hinsicht als Fehlschlag entpuppt, nimmt sie das Heft in die Hand und kümmert sich ums Geschäft - und zwar in jeder Hinsicht!

Ein ungewühnliches Frauenleben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schildert hier Autorin Susanne Popp. Sowohl Friederike als auch Tobias wie auch eine Reihe weiterer Charaktere existierten tatsächlich - die Autorin verleiht ihnen hiermit Leben und lässt ihre Leser tief in vergangene Zeiten eintauchen.

Dabei geht es nicht nur um Tee, sondern sogar vor allem um Ränke und Entwicklungen in den Familien von Tobias und Friederike, denn beide haben Geschwister, die durchaus entscheidend ins Geschehen eingreifen.

Abgesehen davon, dass ich mich über mehr (Tee)Geschichte(n) gefreut hätte, empfand ich den Roman als sehr atmosphärisch und habe ihn gern gelesen! Ich empfehle ihn nicht nur Teefreunden, sondern insgesamt Liebhabern historischer Romane, die es lieben, wenn ihnen der Atem der dargestellten Zeit quasi entgegenweht!

Veröffentlicht am 18.09.2021

Irgendwann rafft es auch Herr Schmidt

Barbara stirbt nicht
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Dass nämlich seine Frau Barbara nicht mehr so wird, wie sie war. Auch, wenn er zunächst ihre Krankheit nicht wahrhaben wollte.

Aber komischerweise wissen ganz schön viele Menschen Bescheid. ...

Dass nämlich seine Frau Barbara nicht mehr so wird, wie sie war. Auch, wenn er zunächst ihre Krankheit nicht wahrhaben wollte.

Aber komischerweise wissen ganz schön viele Menschen Bescheid. Zumindest darüber, wer er ist und wer Barbara ist. Besonders Letzteres. Und sie sind bereit, ihm zu helfen. Ihm, der im Haushalt nie einen Finger gerührt hat. Ihm, der trotzdem immer alles besser wusste.

Und so lernt Walter kochen - für sich selbst. Naja, eigentlich auch für Barbara, aber sie mag nix. Bzw. träumt sie von dem russischen Zeug, das er immer so voll daneben fand. Denn: wenn man in Deutschland ist, dann isst man auch deutsch. Findet Walter.

Er macht weiter. Nicht nur mit Kochen. Nein, auch mit Backen. Denn es gibt massenweise Aktivitäten, in die Barbara eingebunden ist. Und - wie wir ja schon wissen - will Walter nicht wahrhaben, dass sie sich nicht mehr berappeln wird. Höchstwahrscheinlich jedenfalls. Aber was heißt schon höchstwahrscheinlich.

Und sie da - seinen Kuchen, den mag sie. Und zwar nicht nur sie. Denn Walter hat seine Begabung gefunden - köstliche Kuchen zu backen.

Wenn bloß nicht die Kinder wären, die immer zur Kontrolle vorbeischneien. Und ihn beraten - ungefragt natürlich.

Autorin Alina Bronsky legt mal wieder den Finger genau in die Wunde. Mitten rein. Und verschont keinen. Herrn Schmidt schon gar nicht. Wenn gleich zum Ende hin eine gewisse Milde waltet, denn Walter gibt sich ja Mühe, auch wenn er selbst es nicht wahrhaben will - niemals!

So schreibt nur Alina Bronsky. Sie wäre der Schrecken aller Spießbürger - wenn diese sie kennen würden. Denn Spießbürger lesen sowas nicht, bzw. legen es bald aus der Hand, weil es ihnen nicht ganz geheuer ist. Kein Wunder.

Wer Alina Bronsky schon kennt und schätzt, der greift sowieso zu. Und wer gerne ungeschminkte Wahrheiten liest, auch auf die Gefahr hin, dass ihm selbst mal der Spiegel vorgehalten wird - der ist hier an der richtigen Adresse. So etwas haben Sie garantiert noch nicht gelesen. Ich kann ihnen nicht garantieren, dass Sie sich danach noch pudelwohl fühlen werden - ins Grübeln kommen Sie in jedem Fall. Aber das kann ja auch mal ganz inspirierend sein!

Veröffentlicht am 17.09.2021

Ein brüchiges Familienglück

Lichtblaue Sommernächte
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beschreibt Emily Bold in diesem so luftig-leichtem Roman mit sehr, sehr ernsthaftem Hintergrund: Lauren, die nach ein paar Hindernissen früh ihren Traummann getroffen und irgendwann auch geheiratet hat ...

beschreibt Emily Bold in diesem so luftig-leichtem Roman mit sehr, sehr ernsthaftem Hintergrund: Lauren, die nach ein paar Hindernissen früh ihren Traummann getroffen und irgendwann auch geheiratet hat und mit Tim zwei Töchter großzieht, erkrankt an Krebs, der so spät entdeckt wird, dass sie nicht mehr zu retten ist. Sie hat einen Tumor im Gehirn, der sich bereits ausbreitet hat.

Dass so etwas auch einen sehr lebensfreudigen und impulsiven Menschen treffen kann, das hat die Autorin Emily Bold hier sehr gut dargestellt - geht es zunächst doch um Laurens Liebes- und Lebensglück. Lauren lebt nämlich offensiv und impulsiv, man könnte es teilweise sogar als oberflächlich bezeichnen, wären da nicht ihre sehr tiefen menschlichen Beziehungen - nicht nur zu ihrer engsten Familie, sondern auch zu ihren Freunden und deren Umfeld. Ein Mensch, der das Leben genießt, der die Höhen würdigt und mit den Tiefen klarkommt - das ist Lauren, bis das Schicksal sie - noch keine 35 Jahre alt - so entscheidend trifft, dass es für sie nicht mehr möglich ist, in den Tag hineinzuleben. Eine Entscheidung muss getroffen werden...

Emily Bold ist es gelungen, ein sehr ernstes Thema so aufzubereiten, dass sogar Menschen, die sich in Regel vor so etwas drücken, bis es anders nicht mehr geht, bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen. Böse Zungen könnten dies als Problembewältigung to go bezeichnen, da die Autorin doch recht leicht und gefällig über die Höhen und vor allem Tiefen von Laurens Leben hinweggleitet und die jeweiligen Entwicklungen sehr selbstverständlich darstellt, doch auf der anderen Seite ist genau dies ihr besonderes Verdienst: ein Thema so aufzubereiten, dass es jedem zugänglich gemacht wird, dass sich jede Leserin - denn es ist ganz klar ein Frauenroman - den traurigen Entwicklungen zu öffnen bereit ist.

Ich weiß dies zu würdigen und schätze die Fähigkeit von Emily Bold, ein sehr schweres Thema einer breiten Leserinnenschicht anzubieten, doch um selbst uneingeschränkt begeistert zu sein, hätte ich mir doch ein wenig mehr Tiefe gewünscht.