Zwischen Mythos und Menschlichkeit
MedeaRosie Hewletts „Medea“ hat mich auf besondere Weise berührt, weil sie eine bekannte Figur aus der Mythologie neu und vielschichtig darstellt. Statt Medea nur als böse Zauberin und Verräterin zu zeigen, ...
Rosie Hewletts „Medea“ hat mich auf besondere Weise berührt, weil sie eine bekannte Figur aus der Mythologie neu und vielschichtig darstellt. Statt Medea nur als böse Zauberin und Verräterin zu zeigen, erzählt Hewlett ihre Geschichte aus Medeas eigener Sicht – als eine Frau mit Gefühlen, Zielen und inneren Konflikten. So wird Medea nicht einfach zum Mythos, sondern zu einer echten, nachvollziehbaren Person.
Die Erzählung begleitet Medea von ihrer schweren Kindheit über ihren Aufbruch aus der Heimat bis hin zu ihrem Leben am Hof und der komplizierten Beziehung zu Jason und den Argonauten. Besonders beeindruckend ist, wie gut die Autorin Medeas Zwiespalt zwischen Stärke und Verletzlichkeit einfängt: Sie ist mutig und klug, aber auch auf der Suche nach Zugehörigkeit und Liebe. Das macht sie für mich sehr greifbar und lebendig.
Außerdem verbindet Hewlett geschickt die mythologischen Elemente mit zeitlosen Fragen wie Loyalität, Verrat, Freiheit und Schmerz. Dadurch wirkt Medeas Geschichte nicht nur wie ein altes Märchen, sondern als eine menschliche Erfahrung, die auch heute noch relevant ist. Die Balance zwischen magischen Aspekten und den sozialen Zwängen, denen Medea ausgesetzt ist, verleiht der Geschichte Tiefe und Vielschichtigkeit.
Ich empfehle „Medea“ von Rosie Hewlett allen, die sich für starke Frauenfiguren, tiefgründige Charakterstudien und eine frische, einfühlsame Sicht auf klassische Mythen interessieren. Das Buch spricht sowohl Liebhaberinnen der griechischen Mythologie als auch Leserinnen an, die Geschichten über Mut, Schmerz und Selbstbestimmung schätzen. Es ist eine berührende und kraftvolle Lektüre, die lange in mir nachgewirkt und zum Nachdenken angeregt hat.
Vielen Dank an Vorablesen und HarperCollins für mein Rezensionsexemplar!